Dysfunktionale Anreizstrukturen im südkoreanischen Bildungssystem


Das Bildungssystem in Südkorea gilt als das härteste der Welt. Dort müssen schon die Schüler bis zu 12 Stunden täglich in den Einrichtungen verbringen und die Prüfungen gelten als die härtesten der Welt. Es findet ein gnadenloser Verdränungskampf statt und Bildung genießt oberste Priorität. — So jedenfalls das Bild, was in den Medien gezeichnet wird. Aber ist Südkorea wirklich ein Bildungsland wie es selbst gerne gesehen werden möchte? Richtig ist, dass dort viel Aufwand getrieben wird. Die Schüler und Studenten verbringen viel Zeit mit Lernen, es gibt private Nachhilfeeinrichtungen und viele Studenten leiden an Burnout. Aber schauen wir uns demgegenüber einmal die Ergebnisse an, so sind diese erstaunlich niedrig. Ergebnisse von Bildung ist die Publikation von Papern, darüber wird Forschung vorangebracht. Eine Statistik dazu gibt es auf https://www.reddit.com/r/dataisbeautiful/comments/20k5dk/top_40_countries_by_the_number_of_scientific/ Danach veröffentlicht Südkorea jährlich 39285 wissenschaftliche Paper. Das ist die Jahresproduktion des Landes. Demgegenüber verfügt Südkorea über die stattliche Anzahl von 3,3 Mio Studenten welche an den Bildungseinrichtungen aktiv sind, http://wenr.wes.org/2013/06/wenr-june-2013-an-overview-of-education-in-south-korea

Jetzt stellt sich die Frage: Was machen die vielen Studenten den ganzen Tag? Wissenschaftliche Paper schreiben sie jedenfalls nicht und forschen tun sie auch nicht. Weil, jede Forschung wird publiziert, mindestens durch 1 Paper, manchmal auch durch mehrere. Wir haben also auf der einen Seite einen imensen Aufwand der betrieben wird, während gleichzeitig das Ergebnis mager ist. Nur um die Zahlen etwas gerade zu rücken. Ein halbwegs produktiver Wissenschaftler kann pro Jahr ungefähr 12 Paper veröffentlichen. Um den jährlichen Output von Südkorea zu realisieren würden gut 3000 Leute ausreichen, die sich mäßig Mühe geben. Um dieses Paradox näher zu ergründen ist es wichtig im Detail zu beschreiben wie Bildung in Südkorea funktioniert. Üblicherweise wird der Nachweis über geleistete wissenschaftliche Arbeit durch Prüfungen und die Teilnahme am Unterricht erzielt. Die Anreizstruktur lautet, dass Leute die regelmäßig die Vorlesung besuchen dafür Punkte erhalten und das Leute die die Klausur bestehen ebenfalls positiv bewertet werden. Schauen wir uns etwas genauer an, was eine Klausur in Südkorea ist. Es handelt sich um einen Fragebogen den man ausfüllt, bei dem eine Antwort entweder richtig oder falsch ist. Vergleichbar mit einer theoretischen Führerscheinprüfung. Wenn man aufgepasst hat im Unterricht kann man die richtigen Antworten geben. Nachdem man die Klausur ausgefüllt hat, wird sie korrigiert, also mit Hilfe einer Schablone dahingehend überprüft ob die Antwort richtig oder falsch ist. Dann hat der Student das Recht zur Einsicht, kann also sehen wo er einen Fehler gemacht hat.

Nicht Teil des südkoreanischen Bildungssystem ist das Schreiben von wissenschaftlichen Papern und auch nicht das Veröffentlichen von solchen. Wir haben es mit einem dysfunktionalen Anreizsystem zu tun. Die Studenten erhalten Pluspunkte wenn sie die Klausuren bestehen und am Unterricht teilnehmen, aber sie erhalten keine Punkte wenn sie Paper schreiben und Paper veröffentlichen. Mit Wissenschaft hat das nichts zu tun, eher handelt es um eine Klippschule, also um Auswendiglernen.

Fleißig sind die Studenten in Südkorea, keine Frage. Vom Aufwand in Stunden leisten sie mehr als sonst jemand weltweit. Gleichzeitig sind sie jedoch extrem faul, weil sie nichts publizieren. Wir haben es also mit Cargo-Cult-Wissenschaft zu tun. Einem System was formal und vom Selbstverständnis her sich der Wissenschaft verpflichtet fühlt, defakte jedoch nur sehr eingeschränkt wissenschaftlichen Content produziert. Zur Erinnerung: Wissenschaft bedeutet, dass man neue Dinge erforscht und das man diese publiziert um so anderen zu ermöglichen darauf aufbauend weitere Dinge zu erforschen. Dieser Prozess findet in Südkorea entweder gar nicht oder sehr eingeschränkt statt. Es gilt nicht das Leistungsprinzip sondern es gibt eine Beamtenmentalität wo derjenige verliert, der sich zuerst bewegt.

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