Neuer Boston Dynamics Roboter ist wertlos


Wiedereinmal hat es Boston Dynamics der ganzen Welt gezeigt dass sie humanoide Roboter bauen können. Auf der Bühne war ein ferngesteuerter Atlas Roboter zu sehen der als Höhepunkt sogar das Gleichgewicht verloren hat und ähnlich wie Asimo vor vielen Jahren auch von der Bühne gestürzt ist. Aber war das ganze eine einmalige Demonstration von Inginieurkunst? Leider nein, wie die meisten Roboter auch ist die Software nicht als opensource verfügbar. Es war also die erste öffentliche Vorführung eines humanoiden Roboters, aber nicht die erste Vorführung wo man im Anschluss das System nachbauen kann. Aber genau darum geht es, Wissen zu vermitteln, OpenSource zu programmieren und die Robotik-Entwicklung zu beschleunigen. Leider ist BostonDynamics kein Freund von OpenSource, sie haben zwar technisch anspruchsvolle Systeme entwickelt, aber keine Systeme von denen man etwas lernen kann.

Was nützt aber ein Roboter der auf einer bühne agiert, den man aber nicht anfassen darf? Richtig, er wird weder kommerziell vermarktet werden und er wird nicht im Informatik-Unterricht zum Einsatz kommen. Böse formuliert ist es ein Zaubertrick, also kein echter Roboter sondern nur eine Show. Die Leute nehmen es zur Kenntnis, klatschen artig und vergessen es dann wieder. Die Aufgabe von Wissenschaft ist jedoch etwas umfangreicher als nur Beifall zu erheischen. Bei Wissenschaft geht es darum, Technik weiterzuentwickeln, die Welt zu verbessern und Menschen auf neue Ideen zu bringen. Nichts davon erfüllt der Boston Dynamics Roboter. Er ist so irreal wie Data aus Startrek: wir wissen dass er existiert, aber wie wissen auch dass er nicht echt ist.

Das Problem mit diesen Darpa Geheimprojekten ist, dass wie der Name schon suggeriert sie geheim sind. Damit ist gemeint, dass die Bauanleitung nicht im Internet zu finden ist, dass es keine Aufzeichnungen dazu gibt und auch auf Stackoverflow niemand sagen können wie das Teil programmiert wurde. Wenn aber Boston Dynamics keinen Roboter geliefert hat, was haben sie gestern abend dann auf der Bühne gezeigt? Das ist die große Frage. Vermutlich war es eine Mischung aus Comedy und Selbstüberschätzung die zu sehen war. Sigfried und Roy haben Löwen verschwinden lasen und Marc Raibert hat eine Bauchrednerpuppe — so ungefähr die Idee dahinter. Natürlich kann man diese Details ausblenden und nur die Technik als solche feiern, also wie toll der Roboter doch die Balance berechnet hat und wie sicher er wiedereinmal die Kiste gegriffen hat. Doch was nützt die beste Technologie wenn es weltweit nur 100 Leute wissen wie sie funktioniert? Richtig, sie ist genauso rückwärtsgewand als wenn Microsoft ein supertolles Windows 10 Betriebssystem herausbringt aber nicht den Sourcecode veröffentlicht. Es ist technologisch nutzlos, es bringt uns nicht weiter.

Zur Ehrenrettung von Marc Raibert muss man anfügen, dass zumindest seine älteren Paper aus den 1980’er als OpenAccess im Internet stehen. Das war die Zeit als er mit hopping robots und Finite State Machines experimentiert hat. Ganz so geheimnisvoll geht es also doch nicht zu. Aber in jüngerer Zeit gibt es bessere Autoren, die einerseits High-End Robotik beschreiben, aber gleichzeitig auch noch als OpenSource. Zu nennen sind hier Michiel van de Panne (Simbicon), Craig Reynolds (Steering) und Linus Torvalds (Erfinder von git). Anders formuliert, die heute gezeigte Darbietung mit dem Boston Dynamics Roboter ist wesentlich schlechter als der Hype vermuten lässt.

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