Halle 54 als warnendes Beispiel


Auf http://www.zeithistorische-forschungen.de/1-2014/id%3D4996 gibt es einen guten Bericht über Grenzen der Automatisierung, genauer gesagt die Halle 54. Der Artikel ist konsequent aus geisteswissenschaftlicher Perspektive beschrieben und zieht den Glauben an Roboter ins Lächerliche. Ergänzend möchte ich an dieser Stelle anfügen warum es schwer bis unmöglich ist, Roboter zu realisieren. Einfache nicht-Roboter wie Fließbänder und simple CNC Machinen sind deswegen leicht zu verwirklichen, weil ihre Programmierung in wenigen Lines of Code möglich ist. Selbst High-End CNC Software kommt mit 10000 Lines of Code in C gut aus. Mehr braucht es nicht um ein Werkstück zu fräsen. Wenn man hingegen echte Roboter in Fabriken einführen möchte, also automatische Transportsysteme, Dual Arm Greifroboter usw. steigt die benötigte Lines of Code massiv an. Kleinere Robotik-Projekte bestehen aus 1 Mio Codezeilen, wenn man komplexere Systeme möchte die auf die Domäne angepasst sind ist man mit 100 Mio Codezeilen dabei. Man darf unterstellen, dass damals bei der Halle 54 die Beteiligten nicht im Stande waren, eine derartige Codemenge zu programmieren. Vermutlich hat man damals nur wenige Tausend Codezeilen programmiert und sich dann gewundert warum der Roboter nicht das tut was er soll. Das führt dazu dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit ein Unterschied besteht.

Nach wie vor ist die Softwarekrise nicht überwunden. Auch in der Gegenwart sind Projekte oberhalb von 1 Mio Lines of Code anspruchsvoll und praktisch nicht zu realisieren. Wenn es nicht gelingt derartige Codemenge zu programmieren kann man auch keine Fabrikroboter bauen. Man kann sie zwar als Hardware erstmal hinstellen wie den Baxter-Roboter, aber sie bleiben nutzlos. Das Problem mit Lines of Code ist, dass ihre Erstellung nicht automatisiert erfolgt, sondern mit hohen Kosten verbunden ist. Nach der letzten Cocomo Schätzung ist mit 10 US$ je Codezeile zu rechnen. Jeder kann sich ausrechnen wie umfangreich Automatisierungsprojekte werden.

Weitere Hinderenisse die nichts mit dem Codeumfang zu tun haben gibt es in der Robotik ausnahmsweise nicht. Es ist also nicht so wie einige Philosophen behaupten, dass Künstliche Intelligenz per se nicht möglich wäre, wenn man genügend Große Projekte realisiert lässt sich damit jede gewünschte Funktion implementieren. Aktuell fehlt es jedoch an gesellschaftlichen Strukturen für derart aufwendige Softwareprojekte. Wenn in der Gegenwart Roboter-Projekte angestoßen werden, so bestehen diese im Schnitt aus nicht mehr als 10000 Zeilen Code. Diese zu erstellen ist selbst für Teams sehr aufwendig. Da aber 10000 sehr viel kleiner ist als die benötigten 1 Mio LoC müssen solche Projekte scheitern. Es kommt zu dem eingangs zitierten Halle 54 Phänomen. Bei dem die Roboter entweder überhaupt nichts tun, oder ihr Einsatz unproduktiver ist, als wenn man ganz normal Menschen beschäftigt.

Wie in dem oben verlinkten Artikel zynisch angemerkt steigert man die Produktivität in den Fabriken am besten dadurch dass man die Roboter wieder abbaut und stattdessen Handschuhe an die Mitarbeiter verteilt damit sie so wie früher auch in Handarbeit die Autos zusammenbauen. Was die meisten Robotik-Pioniere nicht wahrhaben wollen ist, dass ihre Roboter wertlos sind, wenn sie aus lediglich 50000 Lines of Code bestehen. Mit diesem Softwareumfang ist der Roboter nochnichtmal im Stande eine Autotür zu öffnen geschweige denn auf unerwartete Ereignisse zu reagieren.

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