SymbOS — ein Verriss

Ausnahmsweise nicht Heise Online sondern diesmal das Portal Golem hat die aktuelle Vintage Computer Festival Ausstellung besucht https://video.golem.de/internet/19783/vintage-computing-festival-berlin-bericht.html in der Beschreibung unter dem 2 Minuten Clip wurde auf ein bemerkenswertes Projekt verwiesen: SymbOS. Es handelt sich dabei um ein Betriebssystem für den MSX Heimcomputer was ähnlich wie MenuetOS komplett in Assembler geschrieben wurde. Auf der Projektseite http://www.symbos.de/download.htm kann man im Bereich “System library” einen Blick in den Assembly-Sourcecode werfen. Ebenfalls gibt es dort eine umfangreiche Doku. Vielleicht mögen jetzt Einsteiger sagen: Das ist aber mal ein cooles Projekt, doch ich betrachte das ganze etwas kritischer. Es gibt relativ viele solcher Hobbyprojekte wo Programmierer mit zuviel Zeit auf die Idee kommen, doch endlich mal Software für Computer-Oldies zu entwickeln. Mit Symbos gibt es jedoch mehrere Probleme. Zum einen fehlt es an einem C Compiler. Das heißt, will man für dieses System eigene Programme schreiben muss man wie das Betriebssystem selber alles in Assembler schreiben. Und zweitens ist die Hardware (MSX) inzwischen nur noch auf Flohmärkten oder als Emulator erhältlich. Das treibt die Projektkosten in astronomischen Höhen. Rein technisch kann man unter SymbOS vermutlich Texte schreiben, im Internet surfen und vielleicht programmiert noch jemand eine ERP-Software wie SAP R/3 für das System. Rein praktisch jedoch wird genau das nicht passieren. Weil wie gesagt, technisch ist das System extrem hochentwickeln, aber die Projektkosten … Hilfe. Es hat schon seine guten Gründen warum die Homecomputer aus den 1980’er heute in Musueen stehen und nicht mehr in Firmen verwendet werden. Rein funktional sind es natürlich vollausgestatte turing-mächtige Supercomputer, auf denen sich mit geschickter Programmierung jedes Problem lösen lässt. Insbesondere Probleme der Robotik und Künstlichen Intelligenz. Ich wage mal die These dass man sogar ROS auf 1 MB RAM bequem laufen lassen könnte, wenn man es vorher nach Assembly portiert und auf das nötigste reduziert. Das Problem ist ein anderes: Software wird von Menschen programmiert, und die sind teuer und arbeiten langsam. SymbOS ist vermutlich das teuerste Betriebssystem was jemals entwickelt wurde. Das heißt, der Aufwand und der Nutzen gehen massiv auseinander. Insofern ist es auch nicht minimalistisch wie man angesichts eines MSX Computer vielleicht denken mag, sondern ich wage mal die These dass SymbOS selbst für einen Großkonzern wie Microsoft den Kostenrahmen sprengen würde. Indem Sinne dass wenn man Microsoft sich entschließt auf diese Plattform zu wechseln, es binnen 12 Monate pleite wäre.

Das ganze ist kein Betriebssystem sondern es ist ein Kostengrab. Es wird lediglich von Systemen getoppt die noch aufwendiger sind. Immerhin ist Assembly Languge für den Z80 noch halbwegs weit verbreitet, Wer es noch aufwendiger mag der ist dem Hive Projekt gut bedient, https://hive-project.de/content/category/software/forth Diesmal wird die Hardware komplett selbst entwickelt und als Programmiersprache läuft ontop dann ein Forth System. Wie man vielleicht schon ahnt, erhöht das die Kosten weiter, weil man auf einer Stackmachine garantiert keinen C-Compiler laufen lassen kann. Anders gesagt, ich würde mal grob schätzen dass selbst ein Apple MacPro mit 12 Terabyte RAM billiger kommt, als wenn man den obigen Hive Computer baut.

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