Reggae am Computer

Das man Techno an einem Druckcomputer machen kann, dürften die meisten wissen. Techno steht ja als Abkürzung für Technologie und meint die Verwendung von elektronischen Klangerzeugern, insbesondere den vorprogrammierten Pattern. Aber auch eine Musik-Richtung wie Reggae lässt sich in einem Sequencer eingeben. Obwohl gemeinhin der Offbeat und die mikrotonale Veränderung als nicht reproduzierbar gilt, kann man sich sehr gut in Musik-Programmen wie FL Studio, LMMS oder Cubase nachbilden. Man muss nur wissen worauf es ankommt, also wohin die Noten gehören und wie der Beat klingen soll. Man erhält auf diese Weise eine seltsame Mischung aus hochakkuratem Computersound der sich gleichzeitig unverwechselbar nach Bob Marley anhört. Wenn man dann noch mit Plugins arbeitet wie z.b. einem Vinyl-Overlay kann man einen fetteren Sound erzeugen als Jimmy Cliff zu seinen Glanzzeiten. Der Flaschenhals dürfte weniger die Technik sein als vielmehr der Komponist, also wieviel Ahnung er von Reggae hat und wie gut er sein Musikprogramm beherscht. Und genau hier gibt es die meisten Herausforderungen: die weltbesten Reggae-Musiker sind lausige Computerexperten. Es sind Leute, die mit Gitarre und Orgel aufgewachsen sind aber von Elektronik oder gar Informatik nicht die geringste Ahnung haben. Hier eine Brücke zu schlagen ist nicht ganz so einfach. Da treffen zwei Bereiche aufeinander die traditionell getrennt sind.

Wohlgemerkt es geht nicht darum, Reggae auf eine Schallplatte aufzunehmen oder auf eine digitale CD zu pressen, sondern es geht darum, Reggae ohne Instrumente und ohne Band nur im Computer zu erzeugen. Als Mod-File bzw. als Midi-File. Wo also ausgehend von der abstrakten Notensyntax der komplette Song generiert wird.

Das autonome Auto hat noch Zeit

Rein vom technischen her könnte man in wenigen Jahren autonome Autos auf den Markt bringen. Hardware die geeignet ist für Autos gibt es bereits heute, und eine passende Software kann man als OpenSource programmieren. Wie das geht steht bei Google Scholar und einige Hersteller haben sogar schon fertigen Programmcode geschrieben. Mit so einem autonomen Auto könnte man dann die jetzt 1 Mio Verkehrstoten die jedes Jahr entstehen drastisch reduzieren. Fast möchte man ausrufen: Frisch ans Werk, lasst und das Auto bauen. Doch nicht so schnell, bewerten wie die Lage etwas nüchterner. Zunächst einmal ist die Menschheit die letzten 5000 Jahre ohne Künstliche Intelligenz ausgekommen, Veränderung ist zwar nie verkehrt, aber sie kann ruhig etwas langsamer vonstatten gehen. Zweitens lässt sich sagen, dass die Elite der Informatiker zwar bereit ist für autonome Autos (und es gibt sogar schon Prototypen die herumfahren), aber die breite Masse der Bevölkerung ist es nicht. Da die Autos nicht nur im Sillicon Valley auf dem Google Plex herumcruisen sollen, sondern weltweit eingesetzt werden würde das die Leute überfordern. Man darf bei aller Begeisterung für neue Technologie nicht vergessen, dass die ersten Mikrocomputer erst in den 1980’er auf den Markt kamen und die ersten Breitband Internetleitungen erst seit 2005 verbuddelt wurden. Das ist technikhistorisch gesehen noch etwas sehr junges. Bis sich damals das Rad oder die Dampfmaschine durchgesetzt hat, ist sehr viel mehr Zeit ins Land gegangen.

Mag sein, dass das Entwicklungstempo nicht hoch genug ist und dass es dysfunktionale Strukturen gibt die Innovation behindern, aber man darf andererseits auch die Gesellschaft nicht überfordern. Die Technikgeschichte ist wie ein großer Tanker, der sich nur langsam bewegt. Veränderungen sind grundsätzlich möglich, aber bitteschön erst wenn auch alle mitziehen. Nach wie vor ist die Informatik eine Exotendisziplin, selbst die als leicht geltende Python Programmiersprache spricht von der Gesamtbevölkerung niemand. Und innerhalb der Informatik wiederum ist die Künstliche Intelligenz nochmals sehr geheimnisvoll. Wenn man diese SubSubdisziplin pushen will bedarf es schon sehr viel Energie.

Langfristig glaube ich schon, dass autonome Autos eine gute Sache sind. Man könnte damit nicht nur die Staus verhindern, die Innenluft verbessern, die Auslastung erhöhen, die Transportkosten reduzieren sondern auch die Verkehrsunfälle minimieren und die Robotik insgesamt nach vorne bringen. Nachteile sehe ich keine. Realistisch betrachtet wird es aber noch 30 Jahre dauern bis sich das Thema durchsetzt. Noch mindestens eine Generation an Studenten muss zuvor durch die Unis geschleust werden bis man von einer breiten Akzeptanz sprechen kann. Autonome Autos sind etwas grundlegend anderes als einfach nur ein neues iPhone Modell. Künstliche Intelligenz ist in seinen Auswirkungen mit der Computerrevolution vergleichbar: es wird tiefgreifende Veränderungen geben. Die Computer haben von 1950 bis 1990 gebraucht, bis sie halbwegs akzeptiert waren. Die ersten autonomen Autos gibt es seit ca. 2010, wenn man den selben Zeitraum von 40 Jahren ansetzt, wird es bis zum Jahr 2050 dauern bis das Thema relevant ist.

Natürlich kann man schon sehr viel früher an der Thematik forschen. Man kann es im Simulator, auf Wettbewerben, ja sogar auf echten Straßen schon ausprobieren. Und vielleicht kann man schon die Software soweit entwickeln, dass sie auf Human-Level-AI Niveau kommt, also das Auto weniger Fehler macht als ein menschlicher Fahrer. wovor man sich jedoch hüten sollte, ist das Thema mit hoher Priorität zu verfolgen. Gerade weil es so wichtig ist für die Gesellschaft, gerade weil es so erstrebenswert ist, sollte man die Dinge auf kleiner Flamme köcheln lassen.

Warum man die Dinge ruhig etwas abbremsen sollte hat damit zu tun, dass autonome Autos zwingend etwas mit Künstlicher Intelligenz zu tun haben. Selbst wenn irgendein Genie auf der Welt einen komplett neuen Ansatz findet wie er ein Auto in die Parklücke bringt oder es auf der Autobahn einen „Lane change“ ausführen lässt, wird auch seine Software Methoden der KÜnstlichen Intelligenz verwenden. Diese Technologie ist etwas grundlegend anderes, als wenn man die Firmware für ein iPhone programmiert oder mit einem Router IP Pakete versendet. Künstliche Intelligenz und normale Informatik haben nicht das geringste gemeinsam. Ein selbstfahrendes Auto ist eben kein Computer auf Rädern, sondern es ist etwas vollkommen anderes. Richtig ist, dass Künstliche Intelligenz durch hardware und Software realisiert wird, also durch jene Technologie die den meisten bekannt sein dürfte, aber es gibt noch einige Dinge, die nicht nur Software und Hardware sind. Das ist ja gerade der Grund warum die KI_forschung innerhalb der Informatik isoliert ist und sich nur wenige Spezialisten damit beschäftigen.

Rein vom technischen her sind die Probleme handelbar. Man kann KI-Systeme programmieren, testen und sie für konkrete Dinge einsetzen. Es ist also keineswegs so, dass das Auto plötzlich Unsinn anstellen würde oder gar die Menschheit versklaven. Was man jedoch nicht so einfach umsetzen kann ist die Gesellschaft als solche darauf vorzubereiten. Hier sind die Entwicklungszyklen langsamer. Ein normales Informatik-Studium dauert 5 Jahre, die Lehrinhalte an den Hochschulen ändern sich in einem Abstand von 20 Jahren. Und bis man es geschafft hat, eine komplette Generation durchs Studium zu bringen, vergeht noch sehr viel mehr Zeit. Schauen wir unsmal die heutige Rentner-Generation an im Alter von 60-70 Jahren. Interaffin ist davon keiner. Einige haben zwar Internet-Anschluss aber wirklich zufrieden sind sie damit nicht. Als echte Generation Internet werden jene Leute bezeichnet die heute zwischen 20-30 Jahre alt sind. Aber auch diese Millenials sind nicht mit Künstlicher Intelligenz aufgewachsen, sie haben zwar in ihrer Kindheit mit Computern zu tun gehabt, aber keiner von ihnen mit Robotern. Wenn diese Millenials einmal 60-70 Jahre alt sind (in 40 Jahren) werden sie immernoch Experten sein für Youtube, E-Mails und Suchmaschinen aber mit Robotern werden sie nie warm werden.

Meine Prognose lautet, dass erst ab dem Jahr 2050 es so richtig losgeht mit autonomen Autos, also in der Art dass es dann Leute gibt, die wirklich davon Ahnung haben, und die kulturell damit aufgewachsen sind. Das ist dann eine Zeit wo man anfängt, Städte neu zu bauen und wo autonomes Fahren zum Standard wird. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Der lässt sich nicht abkürzen und auch nicht beschleunigen. Falsch ist es hingegen, wenn man heute schon diese Welt anstrebt. So nach dem Motto: lasst und alle zusammenarbeiten, damit ab 2025 serienmäßig autonome Autos vom Band rollen. Wie gesagt, technisch ist es machbar, gesellschaftlich würde es die Bevölkerung überfordern.

Selbst der halbwegs gemächliche Zeitplan bis 2050 autonome Autos an den Start zu bringen ist schon sehr ehrgeizig. Wir reden hier nicht etwa vom 4K Fernsehen oder davon die Haltbarkeit von Vollmich um 3 Tage zu verlängern, sondern wir reden hier von autonomen Robotern, die ungefähr die selbe Intelligenz besitzen wie K.I.T.T. aus Knightrider. Also Autos die sprechen können, und die all das können was auch menschliche Fahrer können: inkl. Driften auf regenasser Fahrbahn, Einfädeln bei 120 km/h sowie Vollbremsung für einen Radfahrer.

Liebe Informatiker, lasst uns alle gemeinsam diese Entwicklung möglichst verschleppen, so dass es noch viele Jahre dauert, bis sowas Realität wird. Es mag ein wenig sonderbar erscheinen Technikfeindlichkeit fördern zu wollen, aber manchmal ist sowas nötig. Genau genommen ist schon die normale Internet-Revolution viel zu viel des guten. Sie verändert mehr Dinge als vorgesehen. Nochmehr davon wird der Gesellschaft keine Erlösung sondern das Chaos bringen.

FORTSCHRITT AUFHALTEN
Eine gute Methode den Fortschritt hinauszuzögern sind Paywalls hinter denen man wissenschaftliche Paper versteckt. Die beste und schönste hat die ACM (association for computing machinery) am Start. Dort verbergen sich mehrere dutzend von Fachartikeln zum Thema autonomes Fahren hinter einer unüberwindlichen Paywall. Kein Forscher erhält darauf Zugriff, und Leute die keine Forscher sind schonmal gar nicht. Bravo ACM, ihr wisst wie es richtig geht. Wer doch so dreist ist auf den Button „get this pdf“ zu klicken erhält eine SSL Verschlüsselte Verbindung aufgebaut, wo man sich erstnoch einloggen muss, dann etwas in den Einkaufskorb legen muss, und automatisch auch noch ACM Mitglied wird, wodurch weitere Gebühren anfallen. Da steht dann etwas von 15 US$ für die PDF Datei, 200 US$ für die Mitgliedschaft und nochmal 42 US$ für die Extra-Mitgliedschaft. Jetzt dürfte auch der letzte verstanden haben, dass man das Paper auf keinen Fall herunterladen sollte, es sei denn man will die nächsten Monate sich mit Abbuchungen auf seiner Kreditkarte herumärgern.

Das Jahr 2050 ist keineswegs als Zielmarke bis wann man autonome Autos spätestens am Start haben will zu sehen, sondern es ist so gemeint, dass man vor 2050 auf keinen Fall autonome Autos haben möchte. Das heißt, ab 2050 geht es los und wer schon vorher damit herumspielt der hat leider verloren.

Reggae Tutorial für LMMS

Für Ubuntu Anwender gibt es mit LMMS ein äußerst leistungsfähiges Musikprogramm, dass seinem Vorbild FL Studio sehr nahekommt. Man hat dort nicht nur ein Notenblatt sondern kann auch unterschiedliche SF2-Instrumente (für Soundfont) einbinden. Von der Leistung her ist LMMS mit einem Luxus-Musik-Studio zu vergleichen, wo man also nicht nur ein High-End Keyboard, mehrere Gitarren sondern auch Mixer, Plugins und Drumcomputer nutzt. Leider bleibt nach wie vor die Frage offen wie man mit diesen Werkzeugen einen Song erstellt, also wo die Noten hinmüssen, damit es gut klingt. Im folgenden gibt es ein Tutorial zum Komponieren eines Reggae-Songs.

Zuerst benötigt man eine Akkordsequenz mit der man den eigentlichen Song erstellt. Eine wohlklingende Sequenz ist beispielsweise: D A b fis G D G A

Diese besteht aus 8 Akkorden wobei D = d-dur und fis=fis moll bedeutet. Es handelt sich um die international übliche Abkürzungen für das setzen von mehrstimmungen Noten. Von derartigen Akkordsequenzen gibt es noch viele weitere und die selbe Sequenz taucht in der unterschiedlichen Songs auf, ohne dass dies jemand als Plagiat bezeichnen würde.

Wenn man die Noten hintereinander schreibt und auf Play drückt, hört sich das zwar bereits nach einem harmonischen Gerüst an, allerdings fehlt noch der typische Reggae Drive. Den erreicht man dadurch, dass man die Noten nur kurz anspielt, verdoppelt und im Bass die selbe Note antippt.

Jetzt hört man nach dem Klick auf Play bereits einen Rhythmus, genannt Offbeat. Damit ist gemeint, dass auf Takt 1 der Bass zu hören ist, auf Takt 2 der eigentliche Ton, auf Takt 3 wieder der Bass und auf Takt 4 der Ton. Um das ganze noch mehr in Richtung Reggae zu justieren kann man jetzt noch kleinere Anpassungen an den Tondauern vornehmen.

Weil ein Klavier alleine noch etwas öde klingt, kann man ein zweites Instrument hinzunehmen. Klassischerweise ist das die Orgel, hier ist die gute alte Kirchenorgel das Instrument der Wahl. Diese wird als Echo zur Hauptstimme gespielt, so ähnlich wie man auch einen Bass einsetzen würde. Die Akkordfolge D A b fis G D G A bleibt die selbe, nur jetzt für die Organ:

Im Grunde ist damit der Song bereits fertig, wer möchte kann noch eine Drum darunterlegen um den Sound abzurunden oder noch eine Bassline hinzufügen.

Gibt es eine Bildungsbenachteiligung?

Wikipedia hat in einem längeren und gut recherchierten Artikel die wichtigsten Fakten rund um das Thema Bildungsbenachteiligung zusammengefasst, https://de.wikipedia.org/wiki/Bildungsbenachteiligung Im Kern geht es um den Zusammenhang, dass Kinder reicher Eltern eher aufs Gymansium gehen und folglich studieren, während das bei armen Familien nicht so ist. Derartige Studien gibt es auch aus den USA so dass man von einem internationalen Phänomen sprechen kann. Üblicherweise enden solche Diskurse damit, dass man eine Gauß Glockenkurve zeichnet dort dann die sozialen Gruppen einträgt und damit eine zutiefst ungerechte Gesellschaft beschreibt. Aber womöglich ist hier noch nicht das letzte Wort gesprochen, ich will versuchen den Diskurs weiterzudenken.

Richtig ist zunächst einmal dass es die im Wikipedia Artikel genannte Bildungsbenachteiligung gibt. Man muss ein Narr sein, wenn man versucht die Fakten zu leugnen. Und wenn man die Statistiken richtig auswertet wird man exakt das finden, was auch Sozialwissenschaftler entdeckt haben: dass die reichen Kinder aufs Gynmnasium gehen und die armen Kinder auf die Hauptschule. Wo man jedoch die Dinge unterschiedlich interpretieren kann dass ist die Frage nach dem Grund. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die Anzahl der Gymanasiuen eine knappe Größe ist, gleiches gilt für die Anzahl der Studienplätze. Wieviele Gymnasien und Universitäten es gibt ist eine poltische Entscheidung die durch finanzielle Rahmenbedingungen definiert ist. Und genau hier findet sich die Erklärung warum Ungerechtigkeit herscht. Die Ausgangslage ist folgende: für einen Jahrgang aus 100 Schülern gibt es 30 Plätze an Gymnasien, 50 Plätze an Hauptschulen und 20 Plätze an Sonderschulen. Die Frage ist nur noch, welches Kind auf welche Schule geht. Also werden objektive oder gerne auch weniger objektive Tests und Beurteilungen herangezogen um die Kinder auf die freien Plätze zu verteilen. Der Witz ist, dass bei diesem Zuteilungsspiel am Ende 70 Schüler garantiert nicht auf einem Gymnasium landen werden, weil das mathematisch gar nicht geht. Gerne wird argumentiert, es läge an den Personen selber, dass sie also in dem Test durchgefallen wären, doch die eigentliche Ursache ist, dass die Plätze an Gymnasien knapp sind und auch nicht erhöht werden können.

Hier http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/statistik-so-viel-kosten-studenten-ihre-unis-pro-jahr-a-1078683.html gibt es eine Studie von Spiegel Online, die herausgefunden hat, dass ein Studienplatz im Fach Medizin für den Staat pro Jahr stolze 31690 EUR kostet. Keineswegs geht es darum, dass Medizin nur Leute studieren dürfen, die wirklich gut darin sind, sondern zunächst geht es darum, dass es nicht genug Plätze gibt für alle die gerne möchten. Man kann jetzt im Detail darüber philosophieren ob man die Auswahl anhand von Zensuren, IQ-Tests, mündliche Beurteilungen, Einkommen der Eltern oder wonach auch immer durchführt, Fakt ist jedoch, dass eine solche Auswahl durchgeführt wird weil man die Anzahl der Studienplätze nicht erhöhen kann.

Das Problem ist keineswegs neu. Im Mittelalter war es noch sehr viel extremer. Dort haben von 100 Bauern nur 1 die Schule besucht. Der Grund war, dass damals das Studieren noch um einiges teurer war als heute, und es die Gesellschaft es sich nicht leisten konnte, mal eben den kompletten Jahrgang zu Medizinern auszubilden. Damals wie heute haben Bildungsexperten versucht, aufgrund ihrer Erfahrung oder auch nur auf Gut Glück eine Auswahl zu treffen. Die Idee, damals wie heute war, dass das Studium am ehesten jene Leute überstehen, die genug finanzielle Rücklagen haben, die mit dem Bildungssystem vertraut sind, die die selbe Sprache sprechen usw.

Und jetzt kommt der Clou. Stellen wir uns mal vor, es gelingt die Kosten für ein Studium zu senken. Dadurch stehen nicht nur 10 Studienplätze bereit sondern 50. Was bedeutet das für die Gesellschaft? Es bedeutet, dass man die Standards absenken kann. Man also jeden durchwinkt der halbwegs nach Student aussieht. Egal ob er reich ist, egal ob er gute Noten hat, alles egal. Alles darf rein, heute ist Happy Hour. Ok, das war ein wenig flapsig formuliert, aber es zeigt auf, wie Bildungsbenachteiligung funktioniert bzw. wann sie nicht funktioniert.

Anders ausgedrückt, wenn eine Gesellschaft nicht fähig ist, die Kosten für das Gymnasium und für die Universitäten zu senken, ist diese Gesellschaft auf eine Bildungsbenachteilgung angewiesen. Sie entwickelt Auswahlprozesse um 90% der Bewerber abzulehnen. Wenn hingegen eine Gesellschaft aufgrund technischem Fortschritt und schlankerer Prozesse mehr Gymnasien und mehr Studiermöglichkeit bereitstellt, kann sie die Zugangsvoraussetzungen lockern. Bildungsbenachteilung überwindet man nicht wenn man beim Individuum ansetzt, also schwächeren Schülern erklärt wie Mathematik funktioniert, sondern Bildungsbenachteilgung überwindet man dadurch dass man Paper unter OpenAccess veröffentlicht, Vorlesungen ins Internet streamt, und Akademische Suchmaschinen einrichtet. Das Ziel ist nicht die Leute klüger zu machen, sondern das Ziel ist es, die Kosten für Bildung auf Null zu senken.

Spannend wird es, wenn man schaut wer sich gegen OpenAccess Ausspricht. Das sind Leute die ein Interesse daran haben, dass die Kosten für Bildung utopisch hoch bleiben. Das sind beispielsweise die meisten Informatiker, die in den ACM Journalen publizieren. Ein ACM Journal kann man nur lesen, wenn man es gegen viel Geld abboniert. Damit das eine Bibliothek bezahlen kann, muss sie sehr reich sein. Anders formuliert, ein ACM Journal ist ein knappes Wirtschaftsgut mit einem hohen Preis. Ein weiteres Beispiel was im Kontext von OpenAccess häufiger thematisiert wird ist der Elsevier Verlag. Auch dort sind die Preise sehr hoch und damit wird verhindert, dass man kostenlos auf Paper zugreifen kann. Anders formuliert, jene Gruppen welche heute reich sind, und gebildet haben ein Interesse daran, dass Bildung teuer bleibt. Sie profitieren davon dass die Gesellschaft gespalten ist und das man um Mediziner zu werden, man zuvor mehrere hunderttausend Euro ausgeben muss. Rein vom technischen her könnte man sowas sehr viel billiger machen. Man müsste nur die Paywalls abschalten, die Vorlesungen online stellen, und das ganze mittels Suchmaschinen indizieren und schon hätte man die Bildungsrevolution da. Komischerweise würde diese Revolution so ablaufen, ohne dass man auch nur einen Hauptschüler mehr fördern müsste, oder dass sich die Schüler mehr anstrengen würden, sondern man erhöht einfach das Angebot an Lehrmaterialien und die Bildung kommt von ganz allein.

Fragen wir dochmal die Vertreter oer Informatiker Vereinigung ACM warum die Paper nicht online im Netz stehen und warum die Vorlesungen nicht bei Youtube landen. Man wird uns erzählen, dass sich dadurch nichts ändern würde, dass die Leute die heute vom Bildungssystem ausgeschlossen sind keinen Nutzen davon hätten, wenn sie plötzlich 10 Mio ACM Paper lesen könnten. Selten so gelacht, natürlich würden sie davon profitieren. Sogar sehr stark weil es einen Nachhalebedarf und einen riesigen Wissensdurst gibt. Nur würde man das befriedigen wäre die Gesellschaft eine andere. Die Menschen wären stärker, gebildeter und aggressiver. Das Verhindern von OpenAccess ist Ausdruck von Macht. Genauer gesagt geht es um das Aufrechterhalten des Bildungsmonopols.

Und noch etwas ist erstaunlich: ausgerechnet jene Informatiker die das Internet erfunden haben, zeigen keinerlei Bereitschaft es zur Verbreitung von Wissen einzusetzen. Normalerweise sollte man der ACM Vereinigung unterstellen, dass sie Internet affin wäre, also die ersten wären, die ihre PDF Paper OpenAccess ins Netz stellen. Doch schaut man sich einmal die Bereitschaft der unterschiedlichen Disziplinen an, so sind es ausgrechnet die Alternatumsforscher und Soziologen die sich für OpenAccess erwärmen während die Informatik und Elektrotechnik überhaupt nichts davon hält Wissen der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Geht es womöglich hier um andere Interessen als nur um Wissencshaft? Geht es der ACM möpglicherweise um Herschaftssicherung? So nach dem Motto: was kümmert mich die Gesellschaft, solange Microsoft fette Gewinne abwirft.

Leute wie Linus Torvalds, Richard Stallman und Richard Price sind keineswegs Vordenker ihres Fachs, sondern es sind Außenseiter, ja Ketzer. Sie haben die komplette ACM gegen sich wenn sie auf der Bühne stehen und ihre Ideen vortragen. Das kann man gut an den Statistiken erkennen wenn man einmal nachschaut wieviele Paper aus der Informatik als OpenAccess veröffentlicht werden. Es sind verschwindend wenige. Die Idee dahinter ist simpel: um den eigenen Wissensvorsprung zu halten, wird die komplette Welt vom Wissen ausgeschlossen. Egoismus pur.

Im Internet gibt es einen netten Boykott Aufruf der von der ACM fordert die Paywall abzuschalten, http://teardownthispaywall.appspot.com/ Die Nutzerbeteiligung ist mäßig, aller Voraussicht nach wird er nichts bewirken. Ich habe dort unterzeichnet weil ich die Idee gut finde. Die Idee ist folgende: Bildungsungerechtigkeit wird verursacht durch zu hohe Kosten in der Bildung. Um diese Kosten zu senken muss man OpenAccess fördern. Und deshalb soll ACM ihre Paywall abschalten. Die Vereinigung der Informatiker wird darüber nur müde lächeln, weil sie mit dem Verkauf ihrer Journal viel Geld verdient und was noch wichtiger ist, eine ClosedAccess Kultur beibehält die unterscheidet zwischen Leuten mit Zugang und Leuten die davon augeschlossen sind. Das heißt, es gibt viele Firmen die davon profitieren und sich im jetzigen System eingerichtet habe. Bildungsungerechtigkeit ist eine direkte Folge von überteuerten ACM Journalen.

Schauen wir uns die ominöse ACM Library etwas genauer an. Man wird feststellen, dass nur die Hälfte der Suchergebnisse überhaupt als PDF im System hinterlegt ist. Wenn man sich so einen Treffer anschaut steht dort der Abstract, der Autorname und das wars dann. Das Paper ist in einer finsteren Bibliothek irgendwo am Ende der Welt und wurde nochnichtmal digitalisiert. Wie gesagt, wir reden hier von Papern aus dem Jahr 2010 im Fach Computerwissenschaft. Bei der anderen Hälfte der PDF wird zumindest angezeigt, dass die PDF Datei verfügbar ist, das heißt aber noch lange nicht, dass man sie auch herunterladen darf. Vielmehr wird man weitergeleitet zu der Paywall Abfrage wo man sich registrieren muss. Einige sagen, Elsevier wäre schon geldgierig, aber die haben noch nicht mit der ACM Bekanntschaft gemacht, dagegen ist Elsevier geradezu am Gemeinwohl orientiert.

Intelligenzquotient = Konkurrenzsituation

Der Grund warum es bei Studienplätzen einen Numerus Clausus gibt beschreibt https://zv.hochschulstart.de/index.php?id=42 so:

Die Auswahlgrenzen sind immer Endergebnisse bereits zurückliegender Konkurrenzsituationen und können Ihnen daher lediglich als Anhaltspunkt dienen, um Ihre Zulassungschancen in der Zukunft abzuschätzen.

Ausgehend von einem knappen Angebot an Studienplätzen für Humanmediziner wird dafür ein Mindestnote bestimmt die dazu führt, dass man sehr viele Bewerber ablehnen kann. Anstatt eines Numerus Clausus könnte man auch andere Bewertungsmaßstäbe nutzen, wie z.B. Empfehlungsschreiben, Einkommen der Eltern, ein Mensa IQ Test, Biographische Analysen und vieles mehr. Es läuft aber in jedem Fall darauf hinaus, dass man 90% mehr oder wenigen schonend beibringt, dass sie ungeeignet sind für ein Medizinstudium. Es ist schonmal ein richtiger Schritt, wenn man von einer Konkurrenzsiutation spricht, weil damit die Realität ganz gut beannt wurde. Das gleiches trifft übrigens zu beim Übergang von der Grundschule aufs Gymnasium. Auch dort konkurrieren die Schüler eines Jahrgangs um die knappen Ressourcen.

Die Frage ist nicht so sehr wie man als Student oder Schüler es fertigbringt die Anforderungen zu erfüllen, sondern worum es im kaputten bildungssystem wirklich geht ist das Angebot an Studienplätzen möglichst klein zu halten. Das geht beispeilsweise dadurch, dass man die überteuerten Zeitschriftenpreise des Springer Verlages bezahlt, was die Kosten für das Studium in die Höhe treiben. Oder indem man Vorlesungsmitschnitte verbietet. Anders gesagt, die Königsklasse in Sachen Planwirtschaft besteht darin, auch in Zukunft für eine massive Konkurrenz zu sorgen. In so einem Umfeld kann man dann wunderbar von den echten Problemen ablenken. Man sorgt stattdessen dafür, dass die Gymnasiasten und Hauptschüler kein Wort miteinander reden.

Der Witz ist, dass Bildung normalerweise nichts ist, womit man in Konkurrenz zueinander steht. Den selben Vorlesungsmitschnitt kann man dutzendfach kopieren, und das selbe Buch können unendlich viele Studenten lesen. Dadurch dass ein Video von mehr Leuten betrachtet wird, wird sein Wert nicht geringer. Ganz im Gegensatz zu Lebensmitteln, wo man dem anderen etwas wegessen kann. Trotzdem hat es das kaputte bildungssystem es geschaft Bildung zu verknappen, also ein freies Gut zu begrenzen und darauf aufbauend ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Was würde passieren wenn sich OpenAccess durchsetzt? Nun, Elsevier würde seine Zeitschriften kostenlos abgeben, die Bibliotheken würden Geld einsparen, das Medizinstudium wird preiswerter, es können mehr Studenten studieren, der Numerus Clausus wird gesenkt, der Druck auf die Schüler wird geringer, sie bringen höhere Leistung usw. usw. Das einzige was nicht so gut laufen würde, wären die Gewinne für Elsevier und Co. Die würden einbrechen.

Gründe für Peer Review

https://academia.stackexchange.com/questions/91081/what-is-the-purpose-of-peer-review-in-journals fragt wozu Peer-Reviews durchgeführt werden und vermutet ob es vielleicht der Qualitätsverbesserung oder schlimstenfalls der Zensur dient. Die Antwort liegt auf der Hand: Peer Review dient dazu, das gegenüber zu stigmatisieren. Es also zu einem Opfer zu machen. Man kann das anhand eines Beispiels aufzeigen. Im Feb 2017 hat ein seriöser Forscher auf PeerJ ein Paper hochgeladen, was sich mit der Reise von Pinguinen beschäftigt, https://peerj.com/articles/3459/reviews/ Sogleich haben sich darauf zwei selbst-ernannte Peer-Reviewer gestürzt, die sich zunächst über die Sprachkenntnisse des Einreichers lustig gemacht haben und bösartige Rückfragen bezüglich des Inhaltes gestellt haben:

The English is not perfect,
In general, the methods are fine, but I would like to see some more information:

Im März 2017 fängt der sogenannte Editor (welcher eine Stufe oberhalb der Peer-Reviewer steht) auch noch einen kleinlichen Diskurs darüber an, ob in Zeile 73 der Zusatz „or not“ drinstehen soll oder nicht, um dann im Mai 2017 den „accepted“ Stempel auf das Dokument zu drücken, was bedeutet, dass der Autor offiziell als Victin anerkannt ist. Damit ist das Paper zum Abschuss freigegeben und kann nun auch von Leuten außerhalb der PeerJ Redaktion weichgekocht werden.