Testbericht: Mensa Begabungskoffer

Der Mensa Begabungskoffer https://www.mensa.de/fileadmin/_migrated/content_uploads/Mensa-Begabungskoffer-lowres.pdf ist ein konkretes Beispiel dafür was falsch läuft im Bildungssystem. Auf den ersten Blick macht das Set einen guten Eindruck. In dem Koffer befinden sich lustige Spiele, ein Testfragebogen und die Anmeldekarten für Mensa e.V. in Deutschland. Auch der Ansatz Kinder fördern zu wollen und positiv in die Gesellschaft hineinzuwirken ist das richtige Ziel. Wenn man jedoch einmal näher in den Koffer schaut wird er den hohen Anforderungen nicht gerecht. Es finden sich darin lustlos gestaltete Spiele, Kärtchen die bereits Eselsohren haben und Bilderbücher die langweilige Geschichten erzählen. Der Mensa Begabungskoffer ist nicht im mindesten in der Lage eine Schulklasse zu unterrichten. Mag sein, dass er vor 100 Jahren bei unseren Großeltern noch der Hit war wenn der Lehrer mit so einem Koffer in die Klasse kam, aber nach heutigen Maßstäben sind weder die darin enthaltenen Puzzles, Mathequiz-Aufgaben noch die Knobelspiele besonders attraktiv.

Meiner Meinung nach liegt eine grundsätzliche Fehleinschätzung bezüglich der Intelligenzentwicklung von Kindern vor. Der Verein Mensa e.V. unterstellt, dass es intelligente und weniger intelligente Kinder gibt. Dadurch findet eine Entlastung der Institution Schule statt. Die Verantwortung der Lehrer anregenden Unterricht zu gestalten wird abgewälzt auf das vermutlich hochbegabte Kind. Es handelt sich um schwarze Pädagogik. Besser ist es, wenn man zunächst einmal die Lernumgebung verbessert, sich also überlegt welches Spielzeug das richtige ist um Kinder zu fördern, und was der richtige Unterricht ist. An dieser Stelle sei verwiesen auf das berühmte Sprachexperiment von einem König im Altertum der Kinder beobachtet hat, in deren Umgebung kein Wort geredet wurde. Diese Kinder haben keine Sprache entwickelt, weil es an einer Lernumgebung fehlte. Der Mensa Bildungskoffer in seiner eingangs erwähnten Orginalverpackung ist ein Deprivations-Experiment. Den Kindern wird nötiges Robotik-Spielzeug vorenthalten um dann zum Abschluss noch einen IQ Test durchzuführen. Das kann nicht funktionieren.

Eltern wollen für ihre Kinder das beste vom besten. Wenn sie ihre Kinder jedoch mit dem Mensa-Begabungskoffer spielen lassen, besteht die Gefahr, dass sich ihre Wonneproppen zu Analphabeten zurückentwickeln, die keine Ahnung von Computern haben und mit ihren gleichaltrigen Freunden nicht mithalten können. Der Verein Mensa e.V. thematisiert häufiger, dass gerade hochbegabte Kinder verhaltensauffällig sind. Das ist auch kein Wunder, wenn man so einen schlechten Begabungskoffer zum Spielen bekommt dann wird jeder davon verhaltensauffällig. Was soll man mit dieser Mensa-Anmeldungskarte dann groß machen: man kann damit ein Flugzeug falten und das wars dann. Und das dumme Bilderbuch ist bereits nach 3 Minuten durchgelesen.

Das Konzept einen Koffer zu packen um damit eine Schulklasse zu unterrichten ist so falsch nicht. Auch ist es grundsätzlich richtig, dass Schüler und Kinder mit Spielen zum Nachdenken angeregt werden sollen. Deshalb schlage ich vor, den Mensa Koffer mit hochwertigem besserem Spielzeug und Lernmaterialien zu versehen: unbedingt hinein gehört dort:
– Mindstorms Education EV3 Robotik Set
– Ein aktuelles Handbuch vom BEAM Erfinder Mark W. Tilden
– ein Raspberry PI Kleinstcomputer
– für die kleinen Schüler ein Bee-Bot inkl. Anleitung
– ein USB Stick mit Ubuntu 16.04 LTS zum Booten eines beliebigen Notebooks
– das Buch „Python für Kids“
– Anmeldekarte für die First Lego League

Mit einem derartig ausgestatteten Premium-Koffer ist es tatsächlich möglich, in die Gesellschaft positiv hineinzuwirken und Schüler zu fördern.

Post von Academia.edu

Heute habe ich eine E-Mail von Academia.edu erhalten. Darin wurde stolz verkündet dass man jetzt einen wichtigen Meilenstein erreicht hat weil die Marke von 50 Mio Mitgliedern überschritten wurde, diese haben 18 Mio Paper auf die Plattform hochgeladen und mehr als 850 Mio Menschen weltweit haben die Paper gelesen. Dann gibt es noch das Zitat eines Professors von der Princton University der sagt, dass er unmittelbar nach einem Upload 20 Visits auf sein Paper erhalten haben, was mehr ist als normalerweise üblich.

Soweit zu den guten Dingen. Was jedoch von Seitens Academia.edu nicht thematisiert wird ist die Frage, ob diese 20 Visits auf das Paper in Wahrheit ein Shitstorm waren. Sowas wird als „academic mobbing“ bezeichnet und bedeutet, dass man nicht etwa wohlwollend zitiert wird, sondern dass sich ein sozialer Druck aufbaut. Auch die von Academia.edu so hochgehaltene Möglichkeit eines Peer-Reviews kann sich unbeabsichtigt in einen Pranger verwandeln. Für meinen Teil kann ich sagen, bisher zum Glück davon verschont geblieben worden zu sein. Meine Paper erzielen 0 Visits und das ist gut so.

In Deutschland wurde im Jahr 2008 ein ähnliches Projekt gestartet, es nannte sich Schulradar:

„SchulRadar ist ein deutschsprachiges Internetportal zum Meinungsaustausch über Grund- und weiterführende Schulen in Deutschland. Eltern können auf der Plattform Noten für die Schulen ihrer Kinder vergeben. […]

Viele Schuldirektionen sind aus diesen Gründen der Plattform gegenüber skeptisch eingestellt – Kritik an Schulen an sich sei angebracht, aber nicht auf diese Weise.“ https://de.wikipedia.org/wiki/SchulRadar

Der komplexeste Piano-Song der jemals erfunden wurde

Wer nach dem „most complex piano song ever“ sucht, erhält einige Beispiele angezeigt, es sind Songs bei denen sehr viele von den weißen und schwarzen Tasten gleichzeitig eingesetzt werden und die Musiktheoretisch äußerst anspruchsvoll sind. Einige sagen auch, dass 12-Ton-Musik die schwierigste und unverständlichste Musikrichtung sei, die man auf einem Piano spielen könne. Meiner Recherche nach geht jedoch das Prädikat „komplexester Piano Song“ an jemand anderen und zwar das Bristol Reggae Orchestra, https://www.youtube.com/watch?v=e6Ba10EBqHE Die dort gezeigte Mischung aus klassischer Musik einerseits und jamakainischem Reggae andererseits ist für alle Beteiligten eine Herausforderung. Man kombiniert da zwei Dinge, die eigentlich nicht zusammengehören, so als würde man einer russischen Ballerina beibringen zu twerken. Das kann nicht funktionieren. An dieser Stelle sei nochmal darauf hingewiesen, dass ein Klavier kein Rythmusinstrument ist, sondern harmonischen Charakter besitzt. Und eine Musikrichtung wie Ska ist nicht kompatibel mit einer formalen Notenschrift.

Neoludditen Test

1. Haben sie schonmal einen Computer mit einem Hammer zerstört? (ja, nein)
2. Kennen sie das Buch „Walden“ von Henry David Thoreau? (ja, nein)
3. In welchem Jahr wurde Bill Joy geboren (1954, 1970, 1921)?
4. Womit haben die ersten Maschinenstürmer die Mechanik blockiert (Holzschuh, Zahnspange, Friedenstaube)?
5. Was ist Black Goo (eine Substanz aus Naniten, ein Kopfschmerzmittel, ein Freizeitpark)?
6. Wie löscht man unter Linux alle Daten (dir c:, rm -rf, format c:)?
7. Was bedeutet Singularity (Super-Human AI erobert die Welt, ein Raum-Zeit-Paradoxon, grammatikalisch Einzahl)?
8. Was war Ted Kaczynski in seinem bürgerlichen Leben (Literaturwissenschaftler, Mathematiker, Bademeister)?
9. In welchem Bundesstaat steht das Computer History Museum (New York, Texas, Kalifornien)?
10. Ist Überwachung gut (ja, nein)?

Auswertung:
0-3 Fragen richtig beantwortet: sie sind kein Neoluddit
4-6 Fragen richtig beantwortet: sie besitzen gewissen Tendenzen eines Maschinenstürmers
7-10 Fragen richtig beantworet: sie sind ein Neoluddit

ACM Journale unter Beschuss

Innerhalb der OpenAccess Community stehen üblicherweise die Naturwissenschaftlichen Verlage Springer und Elsevier unter Beschuss. Inzwischen dürften sogar Leute wissen, wer Elsevier ist, die selbst gar nicht damit zu tun haben, so oft taucht der Name in den Mainstreammedien auf. Komischerweise genießt eine Organsation das Privileg im Diskurs außen vor zu bleiben. Die Rede ist von der Association for Computing Machinery (ACM). Da sich dieses Blog hier nicht als Physik- und auch nicht Medizin-affin versteht sondern sich mit Robotik und Künstliche Intelligenz beschäftigt liegt es auf der Hand den üblichen „Wir gegen Elsevier-Diskurs“ ein wenig anzupassen in Richtung „Wir gegen ACM“. ACM ist nicht nur eine Organisation in der sich die weltbesten Informatiker versammeln, sondern ACM bringt auch zahlreiche Journale heraus wie das „Communications of the ACM“. In der aktuellen Ausgabe ist beispielsweise Tim Berners Lee auf dem Titelbild abgedruckt. Berners Lee wiederum hält auf Vorträge, wo er vor den Gefahren von Künstlicher Intelligenz warnt, ist also Vertreter der Neoludditen-Bewegung.

An den ACM Zeitschriften gibt es jede Menge Kritik zu üben. Hauptkritik ist, dass sie sich hinter einer sehr mächtigen Paywall verstecken und nur einen Teil der Paper frei zugänglich als OpenAccess veröffentlicht wird. Das ist gerade deswegen tragisch als man glauben müsste, dass die Computerbranche dank Intel, Microsoft und IBM reich genug sein müsste, dass sie etwas freizügiger Einblick gewähren in ihr Wissen, aber offenbar gilt die Regel dass gerade die reichsten Leute auch die geizigsten Leute sind.

Von der ACM Gesellschaft gibt es zwar einen deutschen Ableger (GI-EV) dieser ist aber international bedeutungslos. Das Gros der Paper erscheint in den ACM Journalen wovon explizit die SIGGRAPH Publikationen interessant sind, und wie nicht anders zu erwarten ist die überwiegende Sprache English, was ebenfalls sehr störend ist, weil nicht alle Autoren die etwas über Robotik publizieren wollen des Englischen mächtig sind.

Die Zeitschriften der ACM Gesellschaften machen auf mich den Eindruck, als ob man nicht wirklich an Einsendungen interessiert ist. Man macht sich nochnichtmal die Mühe eine offizielle Preisliste auszuängen. Das bedeutet vermutlich, dass die Gebühren so hoch sind, und die Peer-Reviews so unbestechlich, dass es sich für Außenstehende nochnichtmal der Versuch lohnt etwas zu publizieren. Auch soetwas wie ein Online-Portal wo man auf gut Glück einfach mal sein PDF hochladen kann gibt es nicht. Da ist ja selbst der Elsevier-Verlag sehr viel freundlicher zu seinen Autoren und Elsevier gilt bei Kritikern schon als Albtraum.

Was kann man von ACM Journalen inhaltlich erwarten? Nun, ich habe mir einige der Paper angeschaut, das meiste davon ist in einem sehr wohlformulierten Englisch beschrieben und mit etwas suchen findet man genau das was benötigt wird. Die Auswahl könnte reichhaltiger sein, aber als Einstieg in ein Thema reicht es aus. Das heißt, inhaltlich habe ich an ACM nichts auszusetzen, die Paper machen auf mich einen guten Eindruck, und die Autoren wissen wovon sie schreiben. Störend ist jedoch, die eingangs erwähnte kommerzielle Ausrichtung. Das also der Zugriff auf die Paper nur sehr selten OpenAccess ist und die offiziellen Subscriptionspreise astronomisch hoch sind. Den aktuellen Rekord hält die Zeitschrift „Networking“ für die eine Jahresgebühr von 2979 US$ fällig ist http://www.acm.org/publications/alacarte/non-member-subscription-prices-for-institutions Die aktuelle Ausgabe kann man online kostenlos lesen, für ältere Ausgabe fällt pro Paper eine Artikelgebühr von 33 US$ an. Unzumutbar.

Auch Google Scholar gelingt es nicht, für die ACM Jounale kostenlos einsehbare Preprint-Server ausfindig zu machen. Die Paper werden nicht auf Arxiv gespiegelt, sondern sind nur über acm.org abrufbar.

UPDATE
Mit etwas suchen findet sich doch noch eine Preisliste wenn man Artikel veröffentlichen will http://authors.acm.org/main.html Danach kostet das Veröffentlichen eines OpenAccess Artikels in einem Journal 1700 US$. Was im Vergleich zu naturwissenschaftlichen Zeitschriften wie Nature ungefähr die Hälfte ist.

Mein Eindruck ist, dass das Thema OpenAccess bei ACM kleingehalten wird. Viel lieber redet man darüber, dass man Mitglied werden soll in der ACM weil man dann, und nur dann, Zugriff erhält auf die Digital Library, also das Archiv über die alten Ausgaben aus den ACM Journalen. Nur, bei OpenAccess geht es um etwas anderes. Und zwar darum, dass auch Leute die Informationen erhalten, die nicht an Universitäten unterrichten, sondern Leute wie du und ich. Offenbar hat gerade die ACM Angst davor ihr Herschaftswissen preiszugeben, wenn sie ihre Archive für die Allgemeinheit öffnen. Es könnte ja sein, dass plötzlich ausgerechnet die Informatik sich legitimieren müsste. Auf der anderen Seite ist die ACM ganz vorne mit dabei, wenn ahnungslose User einer russischen Tauschbörse für wissenschaftliche Paper getrackt und ihre IP Adresse zurückverfolgt wird.

Boykott-Aufruf gegen die ACM bleibt hinter den Erwartungen zurück

Wie https://irights.info/artikel/tear-down-this-paywall/12896 im März 2013 berichtete gibt es einen Boykott Aufruf gegen die „association for computing machinery“ (ACM) nicht in deren Zeitschriften zu publizieren. Auf größeres Medienecho ist die Aktion bisher nicht gestoßen was wohl damit zusammenhängt dass ein Aufruf nicht illegal ist. In anderen Organisationen wie der Psychologen Vereinung APA geht es weniger friedlich zu http://archivalia.hypotheses.org/65553 Dort stellen Wissenschaftler zunächst einmal ohne ihre Fachgesellschaft zu fragen, die Paper ins Netz und die APA muss dann anfangen die Paper mit Take-Down-Requests wieder einzusammeln bzw. wegzuklagen. Dadurch entsteht natürlich ein beträchtliches Konfliktpotential worüber die Medien sehr gerne berichten. Bei der Vereinigung der Informatiker ist die Beziehung zwischen Autoren und der ACM Gesellschaft noch in Ordnung, dort haben beide Seiten die selben Interessen. Anhaltspunkte für ACM Takedown Requests konnte ich trotz intensiver Google Suche nicht ausfindig machen. Allerdings gibt es auch keine Autoren die auf eigene Faust Paper ins Netz stellen. Damit so ein Konflikt ins Köcheln gerät müssten langjährige ACM Autoren den ersten Schritt machen. Daraufhin wäre dann die ACM in Zugzwang und müsste wiederum ein Exempel stattuieren. Der Leidensdruck bei den ACM AUtoren ist derzeit noch nicht hoch genug, die Informatiker sind satt und zufrieden, niemand ist auf Krawall gebürstet.

An welcher Stelle des Publikationszyklus könnte man der ehrenwerten ACM Gesellschaft auf die Füße treten? Dank der OpenAccess Initiative verpflichten sich Wissenschaftler, wenn sie Fördermittel beantragen, eine zeitnahe Veröffentlichung der Ergebnisse. Das heißt, OpenAccess ist mandatory. Wenn ich mir jedoch die in der ACM versammelten Wissenschaftler so anschaue, so scheinen einige davon das Prinzip noch nicht ganz verstanden zu haben. Sie glauben, OpenAccess heißt, wenn das Paper hinter der ACM Paywall verschwindet. Genau das ist die Sollbruchstelle:
1. Die Universität welche Fördergelder vergibt setzt die Autoren mit OpenAccess unter Druck
2. die Autoren publizieren ihre Paper entgegeben der Vereinbarung mit ACM auf OpenAccess Plattformen im Internet
3. ACM sendet Takedown-Requests an die Krawallmacher
4. das ganze landet in den Medien

Das ist das ideale Basis für einen Konflikt zwischen Universitäten, ACM, Autoren und Öffentlichkeit. Da es bei diesem Spiel um viel Geld geht, haben alle Seiten etwas zu verlieren. ich will mal ein Beispiel bringen. Die Proceedings der letzten Siggraph Konferenz werden wie fast alle Paper von der ACM Gesellschaft herausgebracht. Sie sind aktuell hinter einer Paywall im Internet abrufbar. Das ist jedoch kein OpenAccess. Jetzt muss man nur herausfinden, welcher Uni-Professor an der Siggraph teilgenommen hat, mit Geldern der Universität dorthin gefahren ist, aber entgegen seiner Selbstverpflichtung bisher nicht sein Proceeding als OpenAccess der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Diesem Professor könnte man dann die Fördergelder streichen. Bzw. sie umleiten auf einen Fachkollegen der sich bei ResearchGate ein eigenes Profil eingerichtet hat, und dort die Siggraph Proceedings hochlädt.

Hier https://open-access.net/informationen-fuer-verschiedene-faecher/informatik/ wird erläutert, dass die Informatik sehr zurückhaltend agiert was OpenAccess betrifft. Scheinbar glaubt man, nicht Teil des Hochschulsystems zu sein, so dass OpenAccess nur für die Fachkollegen aus den Natur- und Geisteswissenschaften gilt nicht jedoch für einen selber.

„Die nationalen Fachgesellschaften haben sich in Bezug auf Open Access bisher eher konservativ verhalten. […] in Bezug auf die Fachzeitschriften der thematischen Fachbereiche ist man jedoch immer noch stark an das klassische Subskriptionsmodell gekoppelt. “

Wenn ich das System richtig verstanden haben, sind die Autoren (also die Professoren) dafür persönlich verantwortlich dass die Ergebnisse eines Projektes zeitnah veröffentlicht werden. Nicht unter OpenAccess zu publizieren stellt somit einen Verstoß gegen wissenschaftliche Regeln da, der von den Universitäten sanktioniert werden kann.

Ist Künstliche Intelligenz eine Antwort auf das kaputte Bildungssystem?

Heutige Schulen und Universitäten funktionieren nicht mehr richtig. Es gibt keine Disziplin, die Schüler sind gefrustet, die Lehrer überfordert. Der Unmut entlädt sich in Aggression und die verschlechtert das Lernklima. Üblicherweise werden derartige Herausforderungen dadurch angegangen, dass die Schulen sich auf ihre Kernkompentez zurückziehen. Das heißt, sie verwenden knallharte IQ-Tests um eine Bestenauslese durchzuführen und wer sich nicht einfügen kann oder will wird bestraft. Das jedoch verschärft den Konflikt, weil es objektiv für die Schüler nicht möglich ist solche Tests zu bestehen und sie lernen dabei auch nichts. Es gibt jedoch aus dem Dilemma einen Ausweg. Und der besteht darin, sich auf jenen Stoff zu fokussieren wo keiner die Antwort weiß. Das heißt, auf Stoff den man nicht in einem Leistungstest überprüfen kann. Bei den üblichen Inhalten wie Sport, Mathematik oder Deutsch ist das nicht gegeben. Dieser Unterrichtsstoff zeichnet sich dadurch aus, dass es klare Fragen und klare richtige Antworten gibt. Sowas führt automatisch in dysfunktionale IQ Tests. Die Alternative dazu lautet, dass man an den Schulen Künstliche Intelligenz unterrichtet. Es handelt sich dabei um ein Gebiet der Informatik das man nicht in Tests abfragen kann, es gibt dort kein Lösungsbuch was der Lehrer hervorzaubert und womit er Schüler benotet, sondern Künstliche Intelligenz ist ein offenes Unterrichtsthema. Damit ist gemeint, dass alle gleichermaßen (Lehrer wie Schüler) überfordert sind. Das wiederum schafft eine ideale Lernatomosphäre, bei dem klassische autoritäre Strukturen vermieden werden.

Anstatt zu Unterrichten verändert sich die Rolle des Lehrers in Richtung Mediator. Und anstatt reinen Gehorsam zu zeigen müssen die Schüler eigenständig aktiv werden. Ob Künstliche Intelligenz wirklich ein Thema der Informatik ist, oder ob es nicht in Wahrheit eine geheime Didaktik-Theorie ist, ist noch nicht ganz geklärt. Fakt ist jedenfalls, dass es in Klassen in denen Robotik auf dem Plan steht erstaunlich entspannt zugeht. Das gilt auch und vor allem für Hauptschulen und Förderschulen, denen nachgesagt wird, dass es sich um Problemschulen handelt.

Hier ein konkretes Beispiel von der „Hugo-Kükelhaus-Schule, Wiehl“. Auf der Webseite der Schule ist zu lesen:

„Die dritte große Abteilung unserer Schule wird von den lebenspraktisch orientierten Klassen (LP-Bereich) gebildet. Dort werden die Schüler gemeinsam unterrichtet, die aufgrund ihrer speziellen Lernstruktur nicht auf der Grundlage der Standard-Richtlinien unterrichtet werden können.“

http://www.hugo-kuekelhaus-schule.lvr.de/de/nav_main/unterricht/unterricht_1.html

Es handelt sich demnach um eine Förderschule, also noch eine Stufe unterhalb von einer Hauptschule. Und hier das entsprechende Video dazu: https://www.youtube.com/watch?v=DY3O5PkXjZs

Man sieht wie der Hersteller Lego sein neuestes EV3 Produkt gut vermarktet hat und wie jetzt damit Schüler im Alter von ca. 8-15 Jahren damit herumspielen. Die EV3 Bots drehen auf den Tischen ihre Runden, die Kinder schauen zu. (Oh Pardon, es ist nicht das Modell EV3 sondern die Vorgängerversion NXT2, das habe ich übersehen). Jedenfalls ist die Lage im Klassenzimmer erstaunlich ruhig. Es gibt da niemanden der herumläuft und das ein Lehrer eingreifen müsste um die Situation zu beruhigen ist auch nicht erkennbar. Ja fast könnte man von selbstgesteuertem Lernen sprechen, also dem Idealbild wie Unterricht sein sollte.

Warum das so ist lässt sich erklären. Und zwar haben die Schüler Respekt vor dem NXT2 Brick. Übrigens genauso wie die Lehrer. Es handelt sich zwar nur um ein simples Spielzeug aber komischerweise kann das besser für Disziplin sorgen als jeder andere. Die Arbeitshypothese lautet, dass man mit Robotikspielzeug wie dem EV3 oder dem Bienenroboter „Bee-Bot“ Haupt- und Förderschulen effektiv disziplinieren kann.