Das autonome Auto hat noch Zeit

Rein vom technischen her könnte man in wenigen Jahren autonome Autos auf den Markt bringen. Hardware die geeignet ist für Autos gibt es bereits heute, und eine passende Software kann man als OpenSource programmieren. Wie das geht steht bei Google Scholar und einige Hersteller haben sogar schon fertigen Programmcode geschrieben. Mit so einem autonomen Auto könnte man dann die jetzt 1 Mio Verkehrstoten die jedes Jahr entstehen drastisch reduzieren. Fast möchte man ausrufen: Frisch ans Werk, lasst und das Auto bauen. Doch nicht so schnell, bewerten wie die Lage etwas nüchterner. Zunächst einmal ist die Menschheit die letzten 5000 Jahre ohne Künstliche Intelligenz ausgekommen, Veränderung ist zwar nie verkehrt, aber sie kann ruhig etwas langsamer vonstatten gehen. Zweitens lässt sich sagen, dass die Elite der Informatiker zwar bereit ist für autonome Autos (und es gibt sogar schon Prototypen die herumfahren), aber die breite Masse der Bevölkerung ist es nicht. Da die Autos nicht nur im Sillicon Valley auf dem Google Plex herumcruisen sollen, sondern weltweit eingesetzt werden würde das die Leute überfordern. Man darf bei aller Begeisterung für neue Technologie nicht vergessen, dass die ersten Mikrocomputer erst in den 1980’er auf den Markt kamen und die ersten Breitband Internetleitungen erst seit 2005 verbuddelt wurden. Das ist technikhistorisch gesehen noch etwas sehr junges. Bis sich damals das Rad oder die Dampfmaschine durchgesetzt hat, ist sehr viel mehr Zeit ins Land gegangen.

Mag sein, dass das Entwicklungstempo nicht hoch genug ist und dass es dysfunktionale Strukturen gibt die Innovation behindern, aber man darf andererseits auch die Gesellschaft nicht überfordern. Die Technikgeschichte ist wie ein großer Tanker, der sich nur langsam bewegt. Veränderungen sind grundsätzlich möglich, aber bitteschön erst wenn auch alle mitziehen. Nach wie vor ist die Informatik eine Exotendisziplin, selbst die als leicht geltende Python Programmiersprache spricht von der Gesamtbevölkerung niemand. Und innerhalb der Informatik wiederum ist die Künstliche Intelligenz nochmals sehr geheimnisvoll. Wenn man diese SubSubdisziplin pushen will bedarf es schon sehr viel Energie.

Langfristig glaube ich schon, dass autonome Autos eine gute Sache sind. Man könnte damit nicht nur die Staus verhindern, die Innenluft verbessern, die Auslastung erhöhen, die Transportkosten reduzieren sondern auch die Verkehrsunfälle minimieren und die Robotik insgesamt nach vorne bringen. Nachteile sehe ich keine. Realistisch betrachtet wird es aber noch 30 Jahre dauern bis sich das Thema durchsetzt. Noch mindestens eine Generation an Studenten muss zuvor durch die Unis geschleust werden bis man von einer breiten Akzeptanz sprechen kann. Autonome Autos sind etwas grundlegend anderes als einfach nur ein neues iPhone Modell. Künstliche Intelligenz ist in seinen Auswirkungen mit der Computerrevolution vergleichbar: es wird tiefgreifende Veränderungen geben. Die Computer haben von 1950 bis 1990 gebraucht, bis sie halbwegs akzeptiert waren. Die ersten autonomen Autos gibt es seit ca. 2010, wenn man den selben Zeitraum von 40 Jahren ansetzt, wird es bis zum Jahr 2050 dauern bis das Thema relevant ist.

Natürlich kann man schon sehr viel früher an der Thematik forschen. Man kann es im Simulator, auf Wettbewerben, ja sogar auf echten Straßen schon ausprobieren. Und vielleicht kann man schon die Software soweit entwickeln, dass sie auf Human-Level-AI Niveau kommt, also das Auto weniger Fehler macht als ein menschlicher Fahrer. wovor man sich jedoch hüten sollte, ist das Thema mit hoher Priorität zu verfolgen. Gerade weil es so wichtig ist für die Gesellschaft, gerade weil es so erstrebenswert ist, sollte man die Dinge auf kleiner Flamme köcheln lassen.

Warum man die Dinge ruhig etwas abbremsen sollte hat damit zu tun, dass autonome Autos zwingend etwas mit Künstlicher Intelligenz zu tun haben. Selbst wenn irgendein Genie auf der Welt einen komplett neuen Ansatz findet wie er ein Auto in die Parklücke bringt oder es auf der Autobahn einen „Lane change“ ausführen lässt, wird auch seine Software Methoden der KÜnstlichen Intelligenz verwenden. Diese Technologie ist etwas grundlegend anderes, als wenn man die Firmware für ein iPhone programmiert oder mit einem Router IP Pakete versendet. Künstliche Intelligenz und normale Informatik haben nicht das geringste gemeinsam. Ein selbstfahrendes Auto ist eben kein Computer auf Rädern, sondern es ist etwas vollkommen anderes. Richtig ist, dass Künstliche Intelligenz durch hardware und Software realisiert wird, also durch jene Technologie die den meisten bekannt sein dürfte, aber es gibt noch einige Dinge, die nicht nur Software und Hardware sind. Das ist ja gerade der Grund warum die KI_forschung innerhalb der Informatik isoliert ist und sich nur wenige Spezialisten damit beschäftigen.

Rein vom technischen her sind die Probleme handelbar. Man kann KI-Systeme programmieren, testen und sie für konkrete Dinge einsetzen. Es ist also keineswegs so, dass das Auto plötzlich Unsinn anstellen würde oder gar die Menschheit versklaven. Was man jedoch nicht so einfach umsetzen kann ist die Gesellschaft als solche darauf vorzubereiten. Hier sind die Entwicklungszyklen langsamer. Ein normales Informatik-Studium dauert 5 Jahre, die Lehrinhalte an den Hochschulen ändern sich in einem Abstand von 20 Jahren. Und bis man es geschafft hat, eine komplette Generation durchs Studium zu bringen, vergeht noch sehr viel mehr Zeit. Schauen wir unsmal die heutige Rentner-Generation an im Alter von 60-70 Jahren. Interaffin ist davon keiner. Einige haben zwar Internet-Anschluss aber wirklich zufrieden sind sie damit nicht. Als echte Generation Internet werden jene Leute bezeichnet die heute zwischen 20-30 Jahre alt sind. Aber auch diese Millenials sind nicht mit Künstlicher Intelligenz aufgewachsen, sie haben zwar in ihrer Kindheit mit Computern zu tun gehabt, aber keiner von ihnen mit Robotern. Wenn diese Millenials einmal 60-70 Jahre alt sind (in 40 Jahren) werden sie immernoch Experten sein für Youtube, E-Mails und Suchmaschinen aber mit Robotern werden sie nie warm werden.

Meine Prognose lautet, dass erst ab dem Jahr 2050 es so richtig losgeht mit autonomen Autos, also in der Art dass es dann Leute gibt, die wirklich davon Ahnung haben, und die kulturell damit aufgewachsen sind. Das ist dann eine Zeit wo man anfängt, Städte neu zu bauen und wo autonomes Fahren zum Standard wird. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Der lässt sich nicht abkürzen und auch nicht beschleunigen. Falsch ist es hingegen, wenn man heute schon diese Welt anstrebt. So nach dem Motto: lasst und alle zusammenarbeiten, damit ab 2025 serienmäßig autonome Autos vom Band rollen. Wie gesagt, technisch ist es machbar, gesellschaftlich würde es die Bevölkerung überfordern.

Selbst der halbwegs gemächliche Zeitplan bis 2050 autonome Autos an den Start zu bringen ist schon sehr ehrgeizig. Wir reden hier nicht etwa vom 4K Fernsehen oder davon die Haltbarkeit von Vollmich um 3 Tage zu verlängern, sondern wir reden hier von autonomen Robotern, die ungefähr die selbe Intelligenz besitzen wie K.I.T.T. aus Knightrider. Also Autos die sprechen können, und die all das können was auch menschliche Fahrer können: inkl. Driften auf regenasser Fahrbahn, Einfädeln bei 120 km/h sowie Vollbremsung für einen Radfahrer.

Liebe Informatiker, lasst uns alle gemeinsam diese Entwicklung möglichst verschleppen, so dass es noch viele Jahre dauert, bis sowas Realität wird. Es mag ein wenig sonderbar erscheinen Technikfeindlichkeit fördern zu wollen, aber manchmal ist sowas nötig. Genau genommen ist schon die normale Internet-Revolution viel zu viel des guten. Sie verändert mehr Dinge als vorgesehen. Nochmehr davon wird der Gesellschaft keine Erlösung sondern das Chaos bringen.

FORTSCHRITT AUFHALTEN
Eine gute Methode den Fortschritt hinauszuzögern sind Paywalls hinter denen man wissenschaftliche Paper versteckt. Die beste und schönste hat die ACM (association for computing machinery) am Start. Dort verbergen sich mehrere dutzend von Fachartikeln zum Thema autonomes Fahren hinter einer unüberwindlichen Paywall. Kein Forscher erhält darauf Zugriff, und Leute die keine Forscher sind schonmal gar nicht. Bravo ACM, ihr wisst wie es richtig geht. Wer doch so dreist ist auf den Button „get this pdf“ zu klicken erhält eine SSL Verschlüsselte Verbindung aufgebaut, wo man sich erstnoch einloggen muss, dann etwas in den Einkaufskorb legen muss, und automatisch auch noch ACM Mitglied wird, wodurch weitere Gebühren anfallen. Da steht dann etwas von 15 US$ für die PDF Datei, 200 US$ für die Mitgliedschaft und nochmal 42 US$ für die Extra-Mitgliedschaft. Jetzt dürfte auch der letzte verstanden haben, dass man das Paper auf keinen Fall herunterladen sollte, es sei denn man will die nächsten Monate sich mit Abbuchungen auf seiner Kreditkarte herumärgern.

Das Jahr 2050 ist keineswegs als Zielmarke bis wann man autonome Autos spätestens am Start haben will zu sehen, sondern es ist so gemeint, dass man vor 2050 auf keinen Fall autonome Autos haben möchte. Das heißt, ab 2050 geht es los und wer schon vorher damit herumspielt der hat leider verloren.

Was autonome Autos nicht können

Das beste am Fahren sind die Crashs, also wenn das Auto sich überschlägt, in die Leitplanke führt, beim Driften übersteuert oder in einem See landet. Leider ist die Literatur zu dieser Frage nicht sehr umfangreich, genauer gesagt gibt es kein einziges Paper in dem erläutert wird, wie man ein autonomes Auto crashen kann. Dabei wäre aus wissenschaftlicher Sicht gerade dieses Verhalten erstrebenswert. Ich meine, warum steigen denn Menschen in ein Auto ein? Weil sie es gegen den Baum setzen wollen, ist doch klar. Insofern sollte ein KI dieses Verhalten nachbilden können. Also in der Lage sein, ein Auto so zu übersteuern, dass es bei nasser Fahrbahn aus der Kurve ausbricht und sich mit einem Überschlag gegen ein statisches Hinderniss auf einer definierten Flugbahn bewegt und zwar so, dass die Innenraum-Fahrgastzelle maximal beschädigt wird. Einen sauberen Crash hinzulegen, ist nicht so trivial wie es zunächst scheint. Man muss schon relativ viel Erfahrung haben mit Sportwagen um sich selbst wie auch andere Verkehrsteilnehmer maximal zu gefährden. Mitunter braucht es dafür mehrere Versuche bis das Mannöver gelingt.

Aber was ist eigentlich ein Autocrash? Es handelt sich um ein spektakuläres unabsichtliches Fahrmannöver bei dem sich Bewegungsenergie in Zerstörung umwandelt. Häufig passiert alles sehr schnell und es entsteht ein hoher Sachschaden. Haben heutige Autonome Autos von Google und Co einen Crash Mode bei dem sie dieses Ziel anstreben? nicht das ich wüsste, das deutet darauf hin, dass diese Thematik wissenschaftlich noch nicht ausreichend genau untersucht wurde. Im Film ist man da weiter. Dem Auto K.A.R.R. wird nachgesagt, dass es einen selbstzerstörungs-Modus hatte, wo er sich und den Fahrer gleich mit an den nächstgelegenen Baum katapultiert hat, so dass jede Hilfe zu spät kommt. Die maximale Zerstörung erzielt man übrigens dadurch, dass man den Gegenverkehr mit in die Kalkulation mit einbezieht. Bei einem Frontalzusammenstoß mit entgegenkommenden Verkehr addieren sich die Geschwindigkeiten was eine sehr viel stärke kinetische Aufprall Energie verursacht. Zumindest Menschen beherschen diese Spielart ziemlich gut, wie das folgende Video zeigt https://www.youtube.com/watch?v=AWXAucu92UI Fast schon routinemäßig kommt es zu Bränden im Fahrzeug. Häufig sind noch weitere Fahrzeuge beteiligt wenn es bei hohen Geschwindigkeiten passiert.

Flying Uwe kann nicht Autofahren

[1] In dem obigen Video stellt Flying Uwe seinen neuen Sportwagen vor. Das ganze ist ein sehr schönes Auto, mit ordentlich Dampf unter der Haube. Billig ist das gute Stück ganz sicher nicht. Doch so ein Sportwagen will auch gefahren werden. Daran mangelt es jedoch offenbar. Hier [2] wird gezeigt wie man richtig Sportwagen fährt. Zu sehen ist eine Szene wo zwei Frauen in Monaco einen Sportwagen so geschickt einparken, dass ein Schaden von rund 1 Mio US$ dabei entsteht. Die Mädels haben nicht nur ihr eigenes Auto dabei geschrottet sondern auch gleich noch 2 weitere Autos und eine Traube an Menschen interessiert sich ebenfalls für das Spektakel. In dem Flying Uwe hingegen drücken die Herren der Schöpfung lediglich lustlos auf das Gaspedal, und sind weit davon entfernt einen hübschen Crash hinzulegen.

Immer Ärger mit den Supercars

Auf den ersten Blick ist Auto-Tuning und sportliches Fahren ein sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Kann man darüber doch sein technisches Wissen vertiefen und lernt das Auto auch in Grenzsituationen zu beherschen. Wer weiß, wie man einen Ferrari zum Driften bringt kann dieses Wissen auch dafür einsetzen, Unfälle zu vermeiden und wird so zu einem besseren Verkehrsteilnehmer. Wirklich? Auf den zweiten Blick gibt es mit Auto-Tuning im Allgemeinen und Supercars im Besonderen nur Probleme. Es gibt auf Youtube mehrere Videos mit dem Stichwort „Supercar Crash“ wo man schön sieht, wie Leute sich an Überholmannöver versuchen und natürlich scheitern. Das hat zum einen etwas mit Selbstüberschätzung zu tun, aber viel zu oft betrifft das auch Leute, die sehr gute Autofahrerer sind. Das Problem besteht schlichtweg darin, dass ab 150 km/h jedes Auto (selbst wenn es vom Tüv abgesegnet wurde) sehr instabil wird, und wenn man dann noch eine Kurve oder gar rutschige Fahrbahn hat, ist ein Totalcrash fast schon unvermeidbar.

Wie mir scheint besteht das eigentliche Problem darin, wenn man Autos fährt, die besonders hohe Beschleunigung besitzen und die schneller fahren als 150 km/h. Die einzig rationalle Verhlatensweise ist es, wenn hier der Gesetzgeber aktiv wird. Im Grunde müsste dieser explizit alle Sportwagen von den Straßen verbieten. Also alles was in der Typbezeichnung das GTI innehat oder für eine Zielgruppe verkauft wird, die Wert legt auf Heckspoiler und ähnliches. Damit sind nicht nur irgendwelche Nachrüstkits gemeint, um das Auto tiefer zu legen, sondern damit sind auch explizite Sportwagen gemeint, die also bereits serienmäßig auf schnelles Fahren hin ausgelegt sind. Wiso gibt es auf den öffentlichen Straßen überhaupt Autos die in 10 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen? Warum gibt es überhaupt Autos, die schneller sind als 150 km/h? Richtig, eine Notwendigkeit gibt es dafür keine. Die Welt wäre sicherer, wenn man all diese Fahrzeuge für illegal erklärt. Sollen doch die Fans auf stillgelegten Flughäfen und in der Formel 1 ihre allmachtsphantasien ausleben aber bitte nicht im öffentlichen Raum.

Wie sieht es denn nun aus, das vorbildliche Automobil? Nun es zeichnet sich dadurch aus, dass es nicht auffällt. Also kein SUV ist, kein Geländewagen, kein Sportwagen und kein Mini-Fahrzeug, sondern ein ganz normales Alltagstaugliches PKW, also mit 4 Sitzen, Kofferraum und fertig. Und der ideale Fahrer ist eben nicht in der Lage, sein Fahrzeug auszureizen oder es in Grenzsituationen noch zu beherschen, sondern er ist relativ schnell überfordert, kennt seine Grenzen und versucht seine Fahrweise anzupassen. Der ideale Fahrer ist demnach ein schlechter Aufofahrer, der also nicht sofort die Parklücke trifft, und sich auf Autobahnen unwohl fühlt.

Supercars Crash Videos

Ein Supercar ist laut Wikipedia ein hochpreisiger Sportwagen von Lamborghini oder Ferrari. Damit kann man schön in den Städten auf dicke Hose machen, weil solche Autos nicht nur einen fetten Sound bringen sondern auch mächtig Dampf unter der Haube haben. Wozu solche Sportwagen eingesetzt werden ist simpel: für illegale Autorennen wie die Gumball 3000 Challange natürlich. Aber wozu die Supercars wirklich gebaut und gekauft werden ist wohl, um sie zu schrotten. Schaut man einmal nach dem Stichwort „Supercar Crash Compilation“ so findet sich bei Youtube eine hübsche Sammlung von Videos wo Autos die mehr als 1 Mio US$ gekostet haben, mal so nebenbei an eine Laterne gefahren werden, wo der Fahrer zuerst versucht einen Drift hinzulegen, das dann aber nichts wird und der Wagen sich überschlägt oder wo Feuer aus dem Auspuff kommt weil der hochgezüchtete Motor irgendwo ein Leck hatte. Ich wage mal die steile These, dass die Crash Videos das eigentliche Sahnehäupchen darstellen, weil sie einerseits aufzeigen, warum diese Autos so aufregend sind, gleichzeitig aber auch ihre Schwächen demonstrieren.

Interessanterweise gibt es einen Stunt der sehr oft gezeigt wird. Eigentlich ist es kein Stunt sondern ein mißlungener Stunt. Die Rede ist vom Drifting. Es handelt sich dabei um ein extrem waghalstiges Fahrmanöver was man nur bei Heckantrieben machen kann, wo der hintere Teil des Wagen ausbricht. Man kann Drifting einsetzen um die Kurvenfahrt zu beschleunigen, man kann es aber auch auf gerader Strecke machen. Drifting ist für Tuning-Freaks ungefähr das selbe was das Skidding für Fahrradfahrer ist: ein verbotenes Mannöver um maximalen Eindruck zu schinden. Die wohl wichtigste Eigenschaft ist, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit schiefgeht. Der unbedarfte Zuschauer wundert sich vielleicht, warum der Sportwagen unmittelbar nach dem Start an einer Ampel mit dem Heck ausbricht, zumal auf gerader Strecke gar keine Kurve da ist. Der Grund ist simpel: der Fahrer versucht mit raschen Lenkbewegungen plus betätigten der Handbremse einen Drift zu zeigen, damit die Zuschauer applaudieren. Das gelingt ihm aber nicht, und der Spaß endet in der Leitplanke oder sogar noch schlimmer. Unnötig zu sagen, dass dadurch nicht nur das eigene Leben riskiert wird, sondern auch die Kosten um das kaputte Auto zu entsorgen astronomisch sind.

Die Gründe sind simpel: Supercars bewegen sich von der Technik als auch vom fahrerischen Können an Leistungsgrenzen. Das heißt, damit das Auto die gewünschte Beschleunigung erbringt werden Abstriche gemacht bei der Sicherheit. Und das führt zwangsläufig zu Fehlern. Anders formuliert, bis ein Supercar einen Unfall macht vergehen statistisch gesehen weniger Kilometer als bei einem PKW. Hinzu kommt, dass die Fahrer noch sehr jung sind, oftmals Alkohol getrunken haben, und das Auto aufgrund seiner tiefergelegten Straßenlage von sich aus schon Probleme macht.

Warum ein Crash mit Supercar das Publikum dazu verleitet, Witze zu erzählen ist simpel: weil die Fahrer es einfach nicht draufhaben. Es sind Manta-Fahrer die keinen Opel sondern einen Lamborghini besitzen. Und ja, da gibt es so ein Stereotyp, auf das die Zuschauer warten. Sie wollen nicht etwa sehen, wie der Manta-Fahrer erfolgreich sein fahrerisches Können zeigt, sondern sie wollen über den Clown lachen. Das heißt, damit das Spektakel bejubelt wird, muss es scheitern. Die Pointe endet damit, dass der Supercar-Fahrer der Unterlegene ist.

Natürlich heißt das nicht, dass alle Supercars ausbrennen, an der Leitplanke enden oder die Insassaen von der Feuerwehr herausgeschnitten werden müssen. Aber das ist zumindest das Stereotyp über das die Witze erzählt werden.

Hier https://www.youtube.com/watch?v=tdIUyOWSPMU sieht man wie ein Manta-Fahrer, ah pardon, Supercar-Fahrer ein Polizeiauto rammt. Nun möchte man denken, dass es auf einer abgesperrten Rennbahn besser geht und sich dort zumindest Supercars wie zu Hause fühlen. Aber die Hoffnung trügt. Einige Fahrer schaffen es tatsächlich, auch dort die Zuschauer zu gefährden, indem sie einfach die Geschwindigkeit erhöhen mit der sie durch die Leitplanke fahren. Es ist also egal, ob man mit solchen Autos im Stadtverkehr oder auf der Rennbahn unterwegs ist.

Die Zukunft der Tuner-Szene

In der Turing- und Drifting Szene geht es natürlich zuerst um das Hobby, also die Liebe zu schnellen Autos und vielleicht ist auch ein klein wenig Ehrgeiz dabei, andere zu übertrumpfen. Doch betrachtet man die heutige Tuning-Szene nüchtern, stellt man fest dass sie orientierungslos ist. Klar, das Tunen an sich ist eine gute Sache, das Tieferlegen auch aber relativ schnell stößt man an Grenzen. So ist im deutschen Verkehrsrecht schon eine simple Unterboden-Beleuchtung nicht erlaubt und wenn die Polizei einen schlechten Tag hat wird gleichmal das komplette Auto nur deswegen konfisziert. Und ein tiefergelegtes Auto erzeugt ein hohes Risiko bei der kleinsten Bodenwelle aufzusetzen. Aber auch eine spezielle Lackierung — so cool sie auch aussieht — bringt objektiv gesehen gar nichts. Kurz gesagt, die Tuning-Szene bewegt sich in einem eng begrenzten Gebiet aus dem man nur schwer ausbrechen kann. Und überhaupt, was hat sich eigentlich groß verändert seit der Opel Manto das Top-Auto war? Richtig, nicht besonders viel. Viele sagen, dass hätte mit der Szene an sich zu tun, dass also das Tunen von Autos und die Jagd nach hohen Geschwindigkeiten Quatsch sei aber das ist nicht wahr. Autotuning ist eine sehr schöne Freizeitaktivität, man sollte sich jedoch mit Dingen beschäftigen, die noch nicht zu 100% ausgereizt wurden.

Hier http://selfracingcars.com/ werden „Self racing Cars“ vorgestellt. Es handelt sich um eine sehr kleine Anzahl von Autofreunden die sich als Ziel gesetzt haben, autonome Rennen zu fahren. Also ohne Fahrer hinter dem Steuer. Das ganze funktioniert unabhängig von etablierten Autoherstellern wie Audi und auch unabhängig von der großen Formel E Robocar Weltmeisterschaft. Stattdessen sind dort selbstbau Projekte wie das comma.ai Projekt vertreten. Der Fachverstand der Teilnehmer ist niedrig, worum es stattdessen geht ist die Begeisterung an der Sache. Das heißt, es geht ums Tuning und zwar auf einem Gebiet wo noch extrem viel Potenzial besteht. Mit etwas Glück ist das der Startschuss und in den Folgejahren wächst die Veranstaltung erheblich.

Das interessante an der Veranstaltung ist nicht nur die Technik an sich, sondern die Möglichkeit, dort jemanden beeindrucken zu können. Im Grunde ist das ganze so eine Ego-Sache: wer hat das beste Auto. Nur in diesem speziellen Fallen reichen tiefergelegte Fahrgestelle allein nicht aus, sondern gefordert ist noch ein besonderes Feature namens: Künstliche Intelligenz.

Schwerverletzte im Straßenverkehr

Die Zahl getöteter Menschen im Straßenverkehr sind seit Jahren hoch, mehr als 3000 Personen sterben jedes Jahr. Was darin nicht enthalten sind, sind die vielen Unfällen mit Leicht- und Schwerverletzten. Also Personen die mit Querschnittslähmung gerade so überlegen, oder Personen die nach dem Unfall eine Halskrause bekommen, oder mehrere Operationen über sich ergehen lassen müssen. Die genauen Zahlen hat http://www.dvr.de/betriebe_bg/daten/unfallstatistik/de_aktuell.htm Danach waren es in 2016 insgesamt 396476 Leute. Rein rechnerisch sind das täglich rund 1000 Personen die aus verunglückten Autowracks geborgen werden und die man auf der einen Seite bewundert weil sie noch leben aber auf der anderen Seite auch bedauert, weil sie mit Schürfwunden oder ähnliches leben müssen. Vermutlich wird ein großer Teil davon in nahegelegene Krankenhäuser eingeliefert, so dass man etwas zynisch schon fast von Fließbandarbeit sprechen muss. Bei der hohen Anzahl kann man wohl von einem Dauerzustand ausgehen, der systemische Ursachen hat.

Es ist schwer die Anzahl von 400000 Personen irgendwogegen ins Verhältnis zu setzen. Das einzige womit man das vergleichen kann ist höhchstens noch die Unfallstatistik in anderen Ländern. Die ist dort ähnlich hoch. Egal ob in Europa, den USA oder sonstwo. Auf die Einwohnerzahl bezogen gibt es überall ein ähnliches Bild. Eine Statistik für die ganze Welt gibt es meiner Recherche nach nur für die Todeszahlen, nicht jedoch für die Verletzten man kann die Zahlen aber ungefähr schätzen. Wenn in Deutschland auf 3000 Verkehrstote 400000 Verletzte kommen, dann sind es weltweit auf 1,2 Mio Verkehrstote 160 Mio Verletzte. Und zwar jedes Jahr. Einerseits kann man sich vorstellen, was das für die einzelnen bedeutet, wenn sie im Krankenhaus aufwachen und Jahre später noch den Unfall nicht verarbeitet haben. gleichzeitig ist aber auch der Aufwand für die Ärzte, Sanitäter, Pfleger und Krankenkassen immens. Wir reden hier nicht etwa von Kosten im einstelligen Millionenbetrag, sondern die oben genannten 160 Mio Verletzten dürften volkswirtschaftliche Kosten in Milliardenhöhe verursachen. Das ganze ist nicht nur zu einem Wirtschaftszweig geworden, sondern zu einem sehr umfangreichen noch dazu. Irgendeinen Schuldigen gibt es dabei leider nicht, das macht es umso schwerer die Sache rational zu betrachten. Weil einen Fehler an einer roten Ampel zu machen ist etwas menschliches, und das dieser dann zu einem Auffahrunfall führt ist unvermeidlich. Auch der Autohersteller ist hierbei nicht wirklich schuld, weil in aller Regel die verbauten Airbags gut getestet sind und im Laufe der Zeit die Unfallfolgen reduziert wurden. Und dennoch, das heutige Niveau ist nicht akzeptabel. Ich meine, es gibt ja keinen Krieg oder so, dennoch sind die Ausmaße epidemisch.