Vision Zero in weiter Ferne

Laut der amtlichen Unfallstatistik ist die Zahl der Fahrradunfälle erstaunlich niedrig. Gerade einmal 78653 Unfälle gab es im Jahr 2014 https://www.adfc.de/presse/pressemitteilungen/zahl-der-radfahrunfaelle-gestiegen–adfc-fordert-sichere-radwege-elektronische-warnsysteme-weniger-tempo Man sollte jedoch erwähnen, dass es bei Fahrradunfällen eine extrem hohe Dunkelziffer um den Faktor 6 gibt http://www.upi-institut.de/UPI77Radunfaelle3.pdf Die tatsächliche Anzahl von Unfällen dürfte damit bei 500000 gelegen haben. Nicht weltweit, sondern nur auf Deutschland bezogen.

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Patente sind unwichtig, Software ist entscheidend

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Deutsche-Hersteller-bei-Patenten-zum-autonomen-Fahren-vorn-3813293.html Selbstfahrende Autos sind keineswegs auf Technologien angewiesen wie Kamera und Radar wie im obigen Text suggeriert, sondern was benötigt wird ist Software. Genauer gesagt benötigt man für selbstfahrende Autos schätzungsweise 10 Mio Lines of Code, im Zweifel sogar deutlich mehr. In diesen Codezeilen werden dann die Straßentrajektorien, das Mannöver bein Einparken sowie das Head-up Display spezifiziert. Die deutschen Autobauer sind bei der Softwareentwicklung nicht wirklich schlecht, siehe die Spezifikation https://en.wikipedia.org/wiki/OpenDRIVE_(specification) welche maßgeblich von Daimler, BMW und anderen ausgearbeitet wurde, aber gegenüber dem Silicon Valley gibt es was Softwareentwicklung angeht noch Defizite. Patente auf physische Sensoren und zur mechanischen Kopplung von Servomotoren mit dem Lenkrad sind nicht ausreichend, wenn die Systeme autonom fahren sollen.

Software zu patentieren ist zwar nicht generell unmöglich aber es ist schwierig. Im wesentlichen machen es Google und Co dadurch, dass sie ihre Codebasen geheim halten. Laut einem Wired Artikel sitzt der US-Amerikanische Konzern Google derzeit auf einer Codebasis von 2 Milliarden Zeilen, welches in einem riesigen Repository hinterlegt ist. https://www.wired.com/2015/09/google-2-billion-lines-codeand-one-place/ Vermutlich wird sich darin nicht nur der Code für die Suchmaschine selber befinden sondern auch Software um Autos zu steuern oder Paketdrohnen zu betreiben. Noch wichtiger als bereits geschriebener Code ist jedoch die Fähigkeit from scratch neuen Code zu erzeugen. Und hier liegen die USA und das dortige Bildungssystem sehr weit vorne. Nicht nur github als größter Hoster von OpenSource Projekten ist im Silicon Valley angesiedelt, sondern auch das objektorientierte Programmieren wurde in den vereinigten Staaten von Amerika erfunden.

Aber vermutlich weiß die Heise Redaktion es selbst am besten, und hat den Artikel nur verfasst um ihre Community aus der Reserve zu locken. Einige Diskutanten haben bereits reagiert und ebenfalls als Gegenargument angeführt, dass autonome Autos auf Software basieren:
https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Deutsche-Hersteller-bei-Patenten-zum-autonomen-Fahren-vorn/Autonomes-Fahren-basiert-zum-Grossteil-auf-Software/posting-30933611/show/
https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Deutsche-Hersteller-bei-Patenten-zum-autonomen-Fahren-vorn/Und-wie-gut-sind-die-deutschen-Autobauer-beim-deep-learning/posting-30933412/show/

Einer der Leser bringt es mit einer bissigen Überschrift „mit oder ohne Mogelsoftware?“ auf den Punkt:
https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Deutsche-Hersteller-bei-Patenten-zum-autonomen-Fahren-vorn/mit-oder-ohne-Mogelsoftware/posting-30932563/show/

Aber mal unabhängig von den Aufmerksamkeits-Gesetzen im Heise-Forum wird aller Voraussicht nach die Software für Autonome Autos, ähnlich wie auch Linux und MS-Windows nicht aus Deutschland kommen. Aber, wirklich schlecht ist Deutschland nicht aufgestellt was Softwareentwicklung angeht. Erinnert sei beispielsweise an die Glanzzeiten des Data Becker Verlages, an die Spielefirma Rainbow Arts oder Anno 1701 http://www.pcgameshardware.de/Spiele-Thema-239104/Specials/Deutsche-Wertarbeit-681808/ alles wurde in Germany programmiert. Selbst wenn Deutschland aktuell keine Ressourcen besitzt, Software für autonome Autos zu schreiben führt wohl kein Weg daran vorbei es zu versuchen.

Die gute Nachricht lautet, dass nicht alles was in den USA programmiert wird gut ist. Erinnert sei an das Programmierprojekt von George Hotz was durch die Firma comma.ai entwickelt wurde. https://github.com/commaai/research

Reaktionsgeschwindigkeit von autonomen Autos

https://robotics.stackexchange.com/questions/11625/how-quickly-can-a-driverless-vehicle-generate-control-commands In der Praxis nimmt die Frequenz mit der die Kommandos erzeugt werden eine untergeordnete Stellung ein. Eine Game-Engine arbeitet üblicherweise mit augenschonenenden 60 fps. Die Steuerung eines selbstfahrenden Autos lässt sich mit deutlich weniger realisieren. In meinem eigenen Projekt habe ich derzeit nur 2 fps in Verwendung. Das heißt, das System wartat nach jeder Aktion erstmal für eine halbe Sekunde.

for i in range(10000000):
  self.automodesteering()
  pygame.time.delay(500)
  if self.autostatus=="off":
    stopthread=True
    break
if stopthread==True: print "automode stopped"

Erstaunlicherweise reicht das bereits aus, um das Auto einer Trajektorie folgen zu lassen. Man kann den Wert zwar erhöhen, aber das ist nicht der eigentliche Flaschenhals. Auch bei Echtzeitsystemen wird die CPU keineswegs maximal ausgelastet, sondern insbesondere High-Performance Systeme zur Multi-Agenten-Simulation bestehen aus sehr vielen Leerlauf-Steps. Die Kunst besteht darin, die Systeme intelligent nichts tun zu lassen.

Fahrassistenzsysteme sind die Zukunft

Wenn man dem Google Konzern glauben schenkt, dann gehört dem autonomen Fahren die Zukunft. Das mag technisch zwar richtig sein, überfordert jedoch die Gesellschaft. Wie ist die Rechtslage bei autonomen Autos? Wer soll solche Systeme programmieren? Mag sein, dass Google das nötige Wissen zum sicheren Betrieb solcher Fahrzeuge verfügt und Uber damit ebenfalls experimentiert, doch realistisch betrachtet sind die altbekannten Fahrassistenzsysteme die bessere Alternative. Es handelt sich dabei um eine inkrementelle Technologie, bei der klassische Automobilhersteller ihre Fahrzeuge leicht besser machen. Also Technik einbauen, die man für 1000 US$ Aufpreis bekommt und die beispielsweise alleine einparkt, oder den Abstand zum Vordermann reguliert. Der Vorteil ist, dass die Anforderungen an die Softwareentwickler, an die Versicherungen ja an die Gesellschaft insgesamt niedriger ist. Man kann so über einen längeren Zeitraum von 20 Jahren bei jeder Automesse ein klein wenig die Technik verbessern, den Verkaufspreis des Autos leicht erhöhen und dann ganz langsam die Technologie in der Praxis ausrollen. Anders gesagt, die Zukunft des Fahrens besteht darin, dass nach wie vor ein menschlicher Fahrer hinter dem Lenkrad Platznimmt. Im Jahr 2017 genauso wie im Jahr 2027 und sogar noch weiter nach vorne gedacht. Er bekommt lediglich immer neue Helferlein an die Hand welche die Sicherheit erhöhen.

Warum dieser langsame sukzessive Weg der richtige ist, erkennt man wenn man den Blick auf die Software als solche richtet. Genauer gesagt an die benötigten Lines of Code. Schone heute sind im Autombobilsektor mehrere Million Lines of Code der Standard um GPS, Fahrassistenten und Einspritzanlage zu steuern. Wenn man weitere Features hinzunimmt wie Verkehrschilddetektion und Überholassistent steigt der Codeumfang drastisch an. Sourcecode fällt jedoch nicht vom Himmel sondern will programmiert werden. Und das funktioniert nur, wenn die Erwartungen an die Software und die Programmierer überschaubar ist. Das heißt, einen vorhandenen Bremsassistenten leicht zu verbessern lässt sich von den Entwicklerteams realisieren, das Auto jedoch komplett auf autonomen Betrieb umzustellen ist eine Hürde die zu groß ist.

Ein weiterer Grund sind die Kosten. Damit man Sourcecode insbesondere wenn er als OpenSource veröffentlicht werden soll programmieren kann muss das jemand finanzieren. Die Kunden jedoch kaufen nur dann ein Produkt wenn es einen Mehrwert verspricht. Das heißt, es muss sehr gut getestet sein. Sowas lässt sich realistisch betrachtet nur bei Fahrassistenz-Systemen sicherstellen. Es ist auch aus ökonomischen Gründen sinnvoll, wenn man hier langsam vorgeht. Einen Aufpreis von 5000 US$ pro Auto wofür die Kunden dann eine Einparkhilfe plus Bremsassistenten erhalten ist noch geradeso verschmerzbar. Man kann solche Produkte in großer Stückzahl in heutigen Automobilen einbauen und in wenigen Jahren das Produkt so refinanzieren. Von dem Geld wiederum können neue Programmierer bezahlt werden, die die nächste Generation an Software entwickeln.

Natürlich ist das Fernziel in 20 Jahren ganz klar das autonome Auto, wo also der Fahrer nur noch den Zielort eingibt, und dann gar nichts mehr machen muss. Doch zu glauben, dass die benötigte Software quasi über Nacht entwickelt wird, oder bereits da wäre ist ein Irrglaube. Mal ein kleiner Vergleich: der Texteditor Eclipse besteht aus 7 Mio Lines of Code. Eine Game-Engine kommt bereits auf 20 Mio Lines of Code. Ein Autonomes Auto würde ich schätzen benötigt wenigstens 100 Mio Lines of Code. Im Vergleich dazu kann man einen Abstandswarner zum Vordermann schon für deutlich weniger Codezeilen realisieren. Im Extremfall reichen 10k aus.

Die Problematik beim selbstfahrenden Auto besteht darin, dass per heute kein einziges Softwarepaket als OpenSource existiert, was einsetzfähig wäre. Will man etwas neues haben, wie einen Einparkassistenten kann man entweder darauf hoffen, dass die Autohersteller sowas inhouse entwickeln oder man muss from scratch die benötigte Software schreiben. Anders formuliert, im Bereich des autonomen Fahrens gibt es derzeit eine Softwarekrise, also einen Mangel an einsatzfähiger Software. In dieser Situation kann man realistisch betrachtet nicht das autonome Auto versprechen ohne sich lächerlich zu machen. Auch das selbstfahrende Auto von Google wird nicht Wirklichkeit, sondern es bleibt eine Konzeptstudie. Es ist nur unwesentlich höher entwickelt als das selbstfahrende Auto von Ernst Dieter Dickmanns was formal in den 1980’er eine längere Strecke auf der Autobahn zurückgelegt hat, aber weit entfernt war von einem Praxiseinsatz.

Allein die Hardwarekosten sind immens. Schon ein relativ gering automatisiertes Auto benötigt ein Head-up Display, Abstandssensoren, Lidar-Sensoren die nachts funktionieren, elektrisch betriebene Lenkung und Motor, Kamerasysteme für Stereosehen, Onboard-CPU, GPS Empfänger, Internetverbindung für aktualisierte Karten usw. Und das ist nur jene Ausstattung die heute bereits käuflich zu erwerben ist. Wir reden hier von Hardwarekosten von oberhalb von 10000 US$. Hinzu kommt noch die eigentliche Software um diese Hardware auch in ein Sicherheitssystem zu verwandeln. Ketzerisch betrachtet wird durch all diese Feature die Cogntive Load des Fahrers um vielleicht 10% reduziert, ebenso die Unfallwahrscheinlichkeit. Das ganze ist also ein Anfang, mehr nicht. Will man den Automatisierungsgrad steigern dürften die Kosten proportional ansteigen. Sowohl für die Hardware als auch für die Software. Und hier liegt der Flaschenhals. Am Ende muss sich das ganz noch ökonomisch rechnen, und zwar für Hersteller wie für Konsumenten gleichermaßen.

Ich will damit sagen, dass selbst im Luxus-Segment von Mercedes, Audi und höher die Fahrer noch viele Jahre lang selber fahren werden.

Parkassistenz-Systeme im Vergleich

Parkassistenz-Systeme sind sowohl bei Versicherungen als auch bei Konsumenten beliebt. Laut den Testberichten bei den Fachzeitschriften hat sich die Qualität der Systeme in den letzten 5 Jahren dramatisch erhöht. Als praxistauglich gelobt wird das System von VW aber auch die Mercedes S-Klasse überzeugt. Dort ist der Automatisierungsgrad wesentlich höher. Aber wohin geht der Trend? Interessant zu beobachten dass im Luxussegment wie Jaguar ebenfalls Park-Assistenten verbaut werden. Insofern wäre es logisch die Gleichung aufzustellen: je teurer desto besser. Und in der Tat: neue Technologie wird zuerst in Sportwagen getestet wie dem Ford GT und wandert dann langsam in den Konsumer-Markt hinab. Meine persönliche Meinung ist jedoch, dass der Trend in Richtung Lowcost-Parkassistent geht. Das also die Qualität der Technologie zweitrangig ist, sondern es vor allem darauf ankommt sie billig zu produzieren. Im Extremfall also einfach eine Android App auf sein Smartphone draufzuspielen, dass mit der Autosensorik zu koppeln und dann für 2,99 EUR einen Parkassistenten zu nutzen.

Das man rein technisch einen Parkassisten bauen kann daran besteht kein Zweifel. Jeder Autobauer ist dazu in der Lage. Dazu braucht es viele Programmierer und viele Stunden im Simulator. Die eigentliche Kunst besteht jedoch, die Systeme in den Massenmarkt hineinzubringen, wo man das System dann für 200 EUR Aufpreis erwerben kann und in dem Preis dann auch die Abstandssensoren, Display und Software schon mit dabei sind. Das ist die eigentliche Kunst.

Parkassistenten wie auch Fahrassistenten ganz allgemein sind Softwaregetrieben. Ihre Leistungsfähigkeit hängt vom Sourcecode ab. Aktuell sind alle ausgelieferten Systeme propritär. Damit ist gemeint, dass der Code nicht bei github zum Download bereitsteht, sondern als vorkompilierte Binärdatei ausgeliefert wird, die irgendwo verschlüsselt im Onboard-Computer des Fahrzeuges verborgen ist. Aus Herstellersicht ist das die richtige Entscheidung weil man so Firmenknowhow schützen kann. Ja, vermutlich ist der Sourcecode den Audi, Mercedes und wie sie alle heißen, das wichtigste Asset was die Firmen besitzen. Wenn der abhanden kommt ist das weitaus schlimmer, als wenn irgendwelche Mitschnitte von Konferenzen an die Öffentlichkeit gelangen. Im Regelfall stecken in dem Sourcecode hohe Investitionen. Programmierer arbeiten nicht umsonst und Code zu schreiben ist zeitaufwendig.

Ähnlich wie bei Linux auch, gibt es gleichzeitig einen hohen Druck Software als OpenSource zu veröffentlichen. Weil man nur darüber die Kosten senken kann und die Qualität der Programme erhöht. Die spannende Frage lautet, wie man als Firma Geld verdient mit einem Parkassistenten der als OpenSource veröffentlicht wird. Meiner Meinung nach so ähnlich wie Red Hat Geld verdient. In dem man rund um das Produkte weitere Dienste anbietet: also Support, Updates usw. Davon sind die Autohersteller derzeit noch meilenweit entfernt. Ein konkretes Beispiel gibt es keines. Möglicherweise sind klassische Autohersteller hierfür auch die falschen Ansprechpartner. Gut möglich, dass in 10 Jahren die Parkassistenten nicht mehr von Autoherstellern, sondern von Google entwickelt werden und dann mit dem Android Smartphone gekoppelt sind. Das also die eigentliche Logik vom Onboard-Car-PC ins externe Smartphone verlagert wird, wo sehr viel mehr in Richtung OpenSource forscht.

Derzeit sind Car-PCs eine Art von Geheimwissenschaft. Irgendwo tief verborgen im Motorblick befindet sich der Port. Wie man da herankommt weiß nur die Vertragswerkstatt und die kann auch nicht einfach so die Firmware upgraden, sondern muss noch dreifach rückfragen. Das ist natürlich Gift wenn man Software OpenSource vermarkten will oder wenn man als Drittanbieter Updates einspielt. Bevor man also über Parkassistenten nachdenkt, heißt es erstmal den Onboard-Car-PC freizulegen. So dass dort Konsumenten herankönnen um Änderungen vorzunehmen. Auch aus rechtlicher Sicht ist das geboten. Weil ja die Fahrzeugführer für Unfälle haftbar sind und demzufolge dafür sorgen müssen, dass die von ihnen installierten elektronischen Hilfsmittel reibungslos arbeiten. Gewissermaßen hat der Fahrzeugführer die Obliegenheitspflicht sich vom einwandfreien Funktionieren der Assistenzsysteme zu überzeugen, und das kann er nur, wenn er eigenständig die Software installiert, upgraded und testet.

Nicht etwa die Vertragswerkstatt oder VW haftet für Unfälle die durch eine falsche Anwendung des Autopiloten entstehen, sondern es ist der Fahrer selber. Es sind seine Entscheidungen das System zu aktivieren oder es zu übersteuern. Es macht keinen Sinn, einerseits den Fahrer in Haftung zu nehmen, ihm aber gleichzeitig den Zugang zum Onboard-Car-PC zu untersagen.

Mag sein, dass der Parkassistent im Tesla Model S der weltweit beste ist, der ökonomisch am interessantesten ist hingen der Renault Clio Parkassistent. Der Clio ist ein dezidierter Kleinwagen und Lowcost-Fahrzeug. Entsprechend reduziert sind darin die verbauten Extras. Das macht die Sache umso interessanter. Weil es nicht nur um die Technik als solche geht, sondern es auch darum geht, diese zu verkaufen.

Noch sehr viel spannender wäre ein Parkassistent für das Modell Kwid, was speziell für den indischen Markt produziert wird und nicht mehr als 5000 US$ kosten darf. Wohlgemerkt, nicht für den Fahrassistenten sondern für das komplette Auto. Dafür ein elektronisches Helferlein zu entwickeln ist anspruchsvoll. Man darf allenfalls Billig-Sensoren nutzen und als Software kommt nur Standard-Software in Frage die bereits getestet wurde. Und genau das wird die Zukunft sein. Das man irgendwann Systeme hat, die sich in Lowcost-Fahrzeugen verbauen lassen.

Das autonome Auto hat noch Zeit

Rein vom technischen her könnte man in wenigen Jahren autonome Autos auf den Markt bringen. Hardware die geeignet ist für Autos gibt es bereits heute, und eine passende Software kann man als OpenSource programmieren. Wie das geht steht bei Google Scholar und einige Hersteller haben sogar schon fertigen Programmcode geschrieben. Mit so einem autonomen Auto könnte man dann die jetzt 1 Mio Verkehrstoten die jedes Jahr entstehen drastisch reduzieren. Fast möchte man ausrufen: Frisch ans Werk, lasst und das Auto bauen. Doch nicht so schnell, bewerten wie die Lage etwas nüchterner. Zunächst einmal ist die Menschheit die letzten 5000 Jahre ohne Künstliche Intelligenz ausgekommen, Veränderung ist zwar nie verkehrt, aber sie kann ruhig etwas langsamer vonstatten gehen. Zweitens lässt sich sagen, dass die Elite der Informatiker zwar bereit ist für autonome Autos (und es gibt sogar schon Prototypen die herumfahren), aber die breite Masse der Bevölkerung ist es nicht. Da die Autos nicht nur im Sillicon Valley auf dem Google Plex herumcruisen sollen, sondern weltweit eingesetzt werden würde das die Leute überfordern. Man darf bei aller Begeisterung für neue Technologie nicht vergessen, dass die ersten Mikrocomputer erst in den 1980’er auf den Markt kamen und die ersten Breitband Internetleitungen erst seit 2005 verbuddelt wurden. Das ist technikhistorisch gesehen noch etwas sehr junges. Bis sich damals das Rad oder die Dampfmaschine durchgesetzt hat, ist sehr viel mehr Zeit ins Land gegangen.

Mag sein, dass das Entwicklungstempo nicht hoch genug ist und dass es dysfunktionale Strukturen gibt die Innovation behindern, aber man darf andererseits auch die Gesellschaft nicht überfordern. Die Technikgeschichte ist wie ein großer Tanker, der sich nur langsam bewegt. Veränderungen sind grundsätzlich möglich, aber bitteschön erst wenn auch alle mitziehen. Nach wie vor ist die Informatik eine Exotendisziplin, selbst die als leicht geltende Python Programmiersprache spricht von der Gesamtbevölkerung niemand. Und innerhalb der Informatik wiederum ist die Künstliche Intelligenz nochmals sehr geheimnisvoll. Wenn man diese SubSubdisziplin pushen will bedarf es schon sehr viel Energie.

Langfristig glaube ich schon, dass autonome Autos eine gute Sache sind. Man könnte damit nicht nur die Staus verhindern, die Innenluft verbessern, die Auslastung erhöhen, die Transportkosten reduzieren sondern auch die Verkehrsunfälle minimieren und die Robotik insgesamt nach vorne bringen. Nachteile sehe ich keine. Realistisch betrachtet wird es aber noch 30 Jahre dauern bis sich das Thema durchsetzt. Noch mindestens eine Generation an Studenten muss zuvor durch die Unis geschleust werden bis man von einer breiten Akzeptanz sprechen kann. Autonome Autos sind etwas grundlegend anderes als einfach nur ein neues iPhone Modell. Künstliche Intelligenz ist in seinen Auswirkungen mit der Computerrevolution vergleichbar: es wird tiefgreifende Veränderungen geben. Die Computer haben von 1950 bis 1990 gebraucht, bis sie halbwegs akzeptiert waren. Die ersten autonomen Autos gibt es seit ca. 2010, wenn man den selben Zeitraum von 40 Jahren ansetzt, wird es bis zum Jahr 2050 dauern bis das Thema relevant ist.

Natürlich kann man schon sehr viel früher an der Thematik forschen. Man kann es im Simulator, auf Wettbewerben, ja sogar auf echten Straßen schon ausprobieren. Und vielleicht kann man schon die Software soweit entwickeln, dass sie auf Human-Level-AI Niveau kommt, also das Auto weniger Fehler macht als ein menschlicher Fahrer. wovor man sich jedoch hüten sollte, ist das Thema mit hoher Priorität zu verfolgen. Gerade weil es so wichtig ist für die Gesellschaft, gerade weil es so erstrebenswert ist, sollte man die Dinge auf kleiner Flamme köcheln lassen.

Warum man die Dinge ruhig etwas abbremsen sollte hat damit zu tun, dass autonome Autos zwingend etwas mit Künstlicher Intelligenz zu tun haben. Selbst wenn irgendein Genie auf der Welt einen komplett neuen Ansatz findet wie er ein Auto in die Parklücke bringt oder es auf der Autobahn einen „Lane change“ ausführen lässt, wird auch seine Software Methoden der KÜnstlichen Intelligenz verwenden. Diese Technologie ist etwas grundlegend anderes, als wenn man die Firmware für ein iPhone programmiert oder mit einem Router IP Pakete versendet. Künstliche Intelligenz und normale Informatik haben nicht das geringste gemeinsam. Ein selbstfahrendes Auto ist eben kein Computer auf Rädern, sondern es ist etwas vollkommen anderes. Richtig ist, dass Künstliche Intelligenz durch hardware und Software realisiert wird, also durch jene Technologie die den meisten bekannt sein dürfte, aber es gibt noch einige Dinge, die nicht nur Software und Hardware sind. Das ist ja gerade der Grund warum die KI_forschung innerhalb der Informatik isoliert ist und sich nur wenige Spezialisten damit beschäftigen.

Rein vom technischen her sind die Probleme handelbar. Man kann KI-Systeme programmieren, testen und sie für konkrete Dinge einsetzen. Es ist also keineswegs so, dass das Auto plötzlich Unsinn anstellen würde oder gar die Menschheit versklaven. Was man jedoch nicht so einfach umsetzen kann ist die Gesellschaft als solche darauf vorzubereiten. Hier sind die Entwicklungszyklen langsamer. Ein normales Informatik-Studium dauert 5 Jahre, die Lehrinhalte an den Hochschulen ändern sich in einem Abstand von 20 Jahren. Und bis man es geschafft hat, eine komplette Generation durchs Studium zu bringen, vergeht noch sehr viel mehr Zeit. Schauen wir unsmal die heutige Rentner-Generation an im Alter von 60-70 Jahren. Interaffin ist davon keiner. Einige haben zwar Internet-Anschluss aber wirklich zufrieden sind sie damit nicht. Als echte Generation Internet werden jene Leute bezeichnet die heute zwischen 20-30 Jahre alt sind. Aber auch diese Millenials sind nicht mit Künstlicher Intelligenz aufgewachsen, sie haben zwar in ihrer Kindheit mit Computern zu tun gehabt, aber keiner von ihnen mit Robotern. Wenn diese Millenials einmal 60-70 Jahre alt sind (in 40 Jahren) werden sie immernoch Experten sein für Youtube, E-Mails und Suchmaschinen aber mit Robotern werden sie nie warm werden.

Meine Prognose lautet, dass erst ab dem Jahr 2050 es so richtig losgeht mit autonomen Autos, also in der Art dass es dann Leute gibt, die wirklich davon Ahnung haben, und die kulturell damit aufgewachsen sind. Das ist dann eine Zeit wo man anfängt, Städte neu zu bauen und wo autonomes Fahren zum Standard wird. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Der lässt sich nicht abkürzen und auch nicht beschleunigen. Falsch ist es hingegen, wenn man heute schon diese Welt anstrebt. So nach dem Motto: lasst und alle zusammenarbeiten, damit ab 2025 serienmäßig autonome Autos vom Band rollen. Wie gesagt, technisch ist es machbar, gesellschaftlich würde es die Bevölkerung überfordern.

Selbst der halbwegs gemächliche Zeitplan bis 2050 autonome Autos an den Start zu bringen ist schon sehr ehrgeizig. Wir reden hier nicht etwa vom 4K Fernsehen oder davon die Haltbarkeit von Vollmich um 3 Tage zu verlängern, sondern wir reden hier von autonomen Robotern, die ungefähr die selbe Intelligenz besitzen wie K.I.T.T. aus Knightrider. Also Autos die sprechen können, und die all das können was auch menschliche Fahrer können: inkl. Driften auf regenasser Fahrbahn, Einfädeln bei 120 km/h sowie Vollbremsung für einen Radfahrer.

Liebe Informatiker, lasst uns alle gemeinsam diese Entwicklung möglichst verschleppen, so dass es noch viele Jahre dauert, bis sowas Realität wird. Es mag ein wenig sonderbar erscheinen Technikfeindlichkeit fördern zu wollen, aber manchmal ist sowas nötig. Genau genommen ist schon die normale Internet-Revolution viel zu viel des guten. Sie verändert mehr Dinge als vorgesehen. Nochmehr davon wird der Gesellschaft keine Erlösung sondern das Chaos bringen.

FORTSCHRITT AUFHALTEN
Eine gute Methode den Fortschritt hinauszuzögern sind Paywalls hinter denen man wissenschaftliche Paper versteckt. Die beste und schönste hat die ACM (association for computing machinery) am Start. Dort verbergen sich mehrere dutzend von Fachartikeln zum Thema autonomes Fahren hinter einer unüberwindlichen Paywall. Kein Forscher erhält darauf Zugriff, und Leute die keine Forscher sind schonmal gar nicht. Bravo ACM, ihr wisst wie es richtig geht. Wer doch so dreist ist auf den Button „get this pdf“ zu klicken erhält eine SSL Verschlüsselte Verbindung aufgebaut, wo man sich erstnoch einloggen muss, dann etwas in den Einkaufskorb legen muss, und automatisch auch noch ACM Mitglied wird, wodurch weitere Gebühren anfallen. Da steht dann etwas von 15 US$ für die PDF Datei, 200 US$ für die Mitgliedschaft und nochmal 42 US$ für die Extra-Mitgliedschaft. Jetzt dürfte auch der letzte verstanden haben, dass man das Paper auf keinen Fall herunterladen sollte, es sei denn man will die nächsten Monate sich mit Abbuchungen auf seiner Kreditkarte herumärgern.

Das Jahr 2050 ist keineswegs als Zielmarke bis wann man autonome Autos spätestens am Start haben will zu sehen, sondern es ist so gemeint, dass man vor 2050 auf keinen Fall autonome Autos haben möchte. Das heißt, ab 2050 geht es los und wer schon vorher damit herumspielt der hat leider verloren.

Was autonome Autos nicht können

Das beste am Fahren sind die Crashs, also wenn das Auto sich überschlägt, in die Leitplanke führt, beim Driften übersteuert oder in einem See landet. Leider ist die Literatur zu dieser Frage nicht sehr umfangreich, genauer gesagt gibt es kein einziges Paper in dem erläutert wird, wie man ein autonomes Auto crashen kann. Dabei wäre aus wissenschaftlicher Sicht gerade dieses Verhalten erstrebenswert. Ich meine, warum steigen denn Menschen in ein Auto ein? Weil sie es gegen den Baum setzen wollen, ist doch klar. Insofern sollte ein KI dieses Verhalten nachbilden können. Also in der Lage sein, ein Auto so zu übersteuern, dass es bei nasser Fahrbahn aus der Kurve ausbricht und sich mit einem Überschlag gegen ein statisches Hinderniss auf einer definierten Flugbahn bewegt und zwar so, dass die Innenraum-Fahrgastzelle maximal beschädigt wird. Einen sauberen Crash hinzulegen, ist nicht so trivial wie es zunächst scheint. Man muss schon relativ viel Erfahrung haben mit Sportwagen um sich selbst wie auch andere Verkehrsteilnehmer maximal zu gefährden. Mitunter braucht es dafür mehrere Versuche bis das Mannöver gelingt.

Aber was ist eigentlich ein Autocrash? Es handelt sich um ein spektakuläres unabsichtliches Fahrmannöver bei dem sich Bewegungsenergie in Zerstörung umwandelt. Häufig passiert alles sehr schnell und es entsteht ein hoher Sachschaden. Haben heutige Autonome Autos von Google und Co einen Crash Mode bei dem sie dieses Ziel anstreben? nicht das ich wüsste, das deutet darauf hin, dass diese Thematik wissenschaftlich noch nicht ausreichend genau untersucht wurde. Im Film ist man da weiter. Dem Auto K.A.R.R. wird nachgesagt, dass es einen selbstzerstörungs-Modus hatte, wo er sich und den Fahrer gleich mit an den nächstgelegenen Baum katapultiert hat, so dass jede Hilfe zu spät kommt. Die maximale Zerstörung erzielt man übrigens dadurch, dass man den Gegenverkehr mit in die Kalkulation mit einbezieht. Bei einem Frontalzusammenstoß mit entgegenkommenden Verkehr addieren sich die Geschwindigkeiten was eine sehr viel stärke kinetische Aufprall Energie verursacht. Zumindest Menschen beherschen diese Spielart ziemlich gut, wie das folgende Video zeigt https://www.youtube.com/watch?v=AWXAucu92UI Fast schon routinemäßig kommt es zu Bränden im Fahrzeug. Häufig sind noch weitere Fahrzeuge beteiligt wenn es bei hohen Geschwindigkeiten passiert.