OpenScience vs. Online-Research

Open — das wollen heute alle sein und so sind die Begriffe OpenAccess und OpenScience in aller Munde. Als OpenScience wird Forschung unter Einbeziehung von neuen Technologie verstanden. Teil davon ist wiederum das Internet. Online-Research ist somit eine Unterabteilung von OpenScience. Worum geht es dabei? Zunächst einmal geht es darum, dass die Wissenschaft im Real-life keine Relevanz besitzt, dass Universitäten, Forschungseinrichtungen und Fachkonferenzen ignoriert werden, und man sich stattdessen auf nur eine Ressource konzentriert das Internet. Genauer gesagt auf jene Informationen die man mittels Bots crawlen kann um darüber Informationen zu erhalten. Auf diese Weise lässt sich auswerten, wer mit wem kommuniziert, welche neue Projekte durchgeführt werden und was so angesagt ist im Netz.

Online-Research wird nicht von handelnden Personen oder Organisationen ausgeführt sondern ist technologiegetrieben, basiert also auf Suchmaschinen und Künstlicher Intelligenz. Darüber können Informationen gefunden, aggregiert und transformiert werden und zwar unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Die Basis um überhaupt Online-Research betreiben zu können sind sogenannte Suchmachinen, also Serverparks mit Millionen von Linux-Rechnern die riesige Datenbestände vorhalten. Natürlich ist das Internet eingebunden in eine Realworld, denn irgendwoher müssen die Daten ja kommen. Und dafür werden Roboter eingesetzt, also ans Internet angeschlossene Maschinen die Bodenproben nehmen, Tiere beobachten und alte Ruinen ausgraben. Diese Daten werden eingespeist in das große eine Netzwerk wo sie dann weiterverarbeitet werden zu wissenschaftlichen Journalen und Hintergrundinformationen.

Und hier wird deutlich wo die Unterschiede bestehen zu klassischem OpenScience. Üblicherweise wird bei OpenScience die Offline Welt in den Mittelpunkt gestellt, die es zu gestalten gehe, das will die Online-Research ist aber deutlich netzaffiner. Es geht auch darum, Forschung zu automatisieren also Alternativen zum jetzigen System der manuellen Laborexperimente ausfindig zu machen und den Wissenschaftlern leistungsfähige Computersysteme zur Verfügung zu stellen, mit denen sie Daten besser auswerten können, die schon da sind.

Verdacht bestätigt: Die Wissenschaft ist kaputt

In der Robotik gibt es zwei große Konferenzen: die IROS und die ICRA. Beide finden jährlich statt, sind mit hochkarätigen Gästen versehen und werden gesponsert von den großen der Branche. Es handelt sich um die Creme de la Creme der Robotik, um das beste was es weltweit gibt. Nur die Elite-Forscher aus der Robotik dürfen dort einen Vortrag halten und nur gegen hohe Eintrittsgelder kommt man dort hinein.

Doch wehe man möchte angelockt von soviel Fachkompetenz einmal erfahren was genau auf diesen Veranstaltungen besprochen wurde. Denn immerhin ist gerade das Jahr von OpenScience und alle Paper werden allgemein zugänglich unter OpenAccess gemacht. Fragen wie dochmal die gängigen Suchmaschinen nach den sogenannten Proceedings, also den Konferenzberichten wo die Paper nochmal zum Nachlesen für zu Hause aufbereitet und in einem schönen Layout gesetzt sind. Google Scholar weiß noch nichtmal, dass es bei der IROS überhaupt einen Tagungsband gab, Google Books hat zwar die bibliographischen Angaben, kann jedoch eine Vorschau nur von 10 Jahre alten Konferenzen anzeigen. Normalerweise werden wissenschaftliche Konferenzen in der Absicht durchgeführt über den aktuellen Stand eines Gebietes zu unterrichten, also nicht gesichertes Fachwissen von vor 30 Jahren aufzubereiten sondern die letzten Entwicklungen zu zeigen. Wäre es da nicht sinnvoll, wenn diese Proceedings dann auch online stehen? Scheinbar ist man in der Robotik noch nicht mit Online-Publishing vertraut, so dass offenbar kein Weg rein führt, eine Webseite aufzusetzen um dort die PDFs hochzuladen. Da sind sogar die Altertumsforscher besser mit Internet-Technologie vertraut, dort sind die Proceedings immer tagesaktuell.

Aber ich will nicht übertrieben kritisch sein, schauen wir doch in die 10 Jahre alten Proceedings hinein, die es online gibt. Dort sind zwar viele lustige Photos und Erklärtexte enthalten, doch was fehlt ist der Sourcecode zu den Robotern, weiterführende Literaturangaben oder auch nur eine Angabe darüber ob nun Windows oder Linux eingesetzt wurde. Die Informationen sind komplett nichtssagend.

Das auch die Videos von IROS und ICRA nicht online abrufbar sind, brauche ich gar nicht erst zu erwähnen. Das kann man sich fast schon denken, dass wo nichtmal PDFs verfügbar sind, erst die hochauflösenden Videomitschnitte entweder gar nicht angefertigt wurden, oder aber nicht ins Internet gestreamt werden. Vermutlich gibt es auch hierfür gute Gründe. Der Hauptgrund dürfte sein, dass das Wissenschaftssystem im Allgemeinen und die Informatik im Speziellen broken ist. Damit ist gemeint, dass nochnichtmal so simple Dinge wie das Veröffentlichen von schlecht gemachten Proceedings funktioniert, von einer inhaltlichen Qualitätskontrolle noch gar nicht geredet. Anders gesagt, gerade das was Wissenschaft ausmacht — die Überprüfbarkeit durch eine unabhängige Öffentlichkeit — ist nicht gewährleistet. Weder ist es für Laien noch für Experten möglich sich ein Urteil darüber zu bilden, was auf der IROS 2017 besprochen wurde, geschweige denn die Experimente nachzuvollziehen.

Nun ist natürlich niemand perfekt, und auch eine Konferenz ist immer nur so gut, wie die Leute die sie veranstalten. Was aber bei der IROS auffällig ist, dass man gleichzeitig extrem hohe Ansprüche stellt an diejenigen die dort etwas vortragen. Wenn man sich dort mit einem Paper bewirbt, wird man zu 90% eine Absage erhalten, weil die eigene Arbeit leider nicht dem Qualitätsstandards entspricht.

Sind private Hochschulen wettbewerbsfähig?

Auf den ersten Blick sind die privaten Hochschulen in Deutschland gut aufgestellt. Sie verlangen hohe Studiengebühren und bieten dafür auch eine bessere Leistung als ihre durch Steuergelder finanzierten Pendants. Sie bieten kleine Unterrichtsgruppen und können so besser auf die individuellen Bedürftnisse der Studenten eingehen, und sie haben hohe Etats um die Bibliotheken mit der neuesten Fachliteratur auszustatten. Hinzu kommt ein Management, was sich an wirtschaftlichen Kennzahlen orientiert und konkurrenzfähig ist. Insofern ideale Ausgangsbedingungen für eine moderne Hochschule.

Doch leider sieht die Realität nicht ganz so gut aus, wie es zunächst den Anschein hat. Um die Probleme von privaten Hochschulen herauszuarbeiten ist es wichtig sich mit etwas zu bschäftigen was auf den ersten Blick weder eine Hochschule ist noch privat finanziert wird, die Rede ist von Udacity. Rund um diese Unternehmung / Startup ranken sich so allerhand Gerüchte. Gehen wir in die Details. Rein formal besteht Udacity aus 70 Angestellten, die meisten davon sind ehemaligen Professoren von privaten oder staatlichen Universitäten. Im Kern besteht Udacity aus der folgenden Webseite https://www.udacity.com/wiki/downloads Das ist der Download Bereich wo man sich Kursvideos herunterladen kann. Das geht auch dann, wenn man selbst dort nicht angemeldet ist. Man klickt auf einen Kurs z.B. „Introduction to Programming in Java“, daraufhin öffnet sich ein Untermenü wo 12 Einzeldateien liegen. Jede davon im .zip Format und 300 MB groß. Wenn man die herunterlädt finden sich darin H.264 komprimierte Videos mit dem eigentlichen Kurs. Ob es bei Udacity noch weitere Kurse und weitere Videos gibt konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Es wäre jedoch logisch, wenn Leute die dort zahlende Kunden sind noch einen Premium Bereich haben wo es dann weiteres Material gibt.

Doch schauen wir uns jene Informationen an, die frei zugänglich sind. Inhaltlich orientieren sich die Videos ungefähr daran, was auch an privaten Universitäten angeboten wird. Das heißt, ein Dozent der mehr oder weniger weiß wovon er redet, erläutert ein Thema. Überwiegend aus dem Bereich Wissenschaft. Bei Udacity hat man sich speziell auf Computerwissenschaften / Mathematik spezialisiert. Die Themen sind die selben, wie sie auch in den akademischen Einführungslehrbüchern behandelt werden. Man orientiert sich also am kleinsten gemeinsamen Nenner.

Nun möchte man vielleicht einwenden, dass es auch vor Udacity schon Online-Vorlesungsvideos gab. Das M.I.T. hat ab 2002 damit begonnen Vorlesungen ins Internet zu stellen. Diese sind was die Anzahl als auch den inhaltlichen Tiefgang angeht um einiges besser als was Udacity bietet. Wo also ist die Innovation? Der Unterschied besteht darin, dass das M.I.T. nicht weniger als 12000 Mitarbeiter beschäftigt (Professoren, Hausmeister, Verwaltung) http://web.mit.edu/facts/faculty.html während Udacity mit den oben genannten 70 Personen auskommt. Das heißt, bei Udacity produziert man einen minimalen Corpus von Vorlesungsvideos und sonst gar nichts. Keine Forschung, keine Workshops, keine Phd Thesis, ja es gibt nochnichtmal eine Caffeteria, einen Sportplatz oder eine Bibliothek. Nach herkömlichen Maßstäben also keine besonders gut ausgestattete Universität.

Genau das macht den Unterschied aus. Damit das M.I.T. kostendeckend arbeiten kann braucht man extrem hohe Einnahmen. Also Studenten die sehr reich sind, ehemalige Studenten die Geld zuschießen, Spender aus der Wirtschaft usw. Udacity hingegen arbeitet nach dem Motto Minimalismus. Das heißt, es gibt einige wenige Personen die häufig als Ein-Mann-Armee auftreten ohne großartige Infrastruktur im Hintergrund. Es ist das selbe Prinzip, was in Betriebswirtschaftlichen Lehrbüchern als virtuelles Unternehmens bezeichnet wird. Also eine minimal-Organisiationsform die nur das nötigste enthält und so in der Lage ist in einem schwierigen Umfeld schlagkräftig zu agieren.

GUERILLA
Laut Wikipedia bedeutet Guerilla übersetzt Kleinkrieg, https://de.wikipedia.org/wiki/Guerilla Im Extremfall wird von einem Partisan gesprochen. Das Prinzip ist identisch wie bei einem regulären Krieg, es kommt Gewalt zum Einsatz, nur eben ohne Armee. Die Merkmale eines solchen Krieges sind die hohe Flexibilität, die schwere Identifizierbarkeit. Meist wird es eingesetzt von unterlegenen Einheiten.

Das Konzept ist exakt das, was auch Udacity einsetzt. Udacity kämpft mit 70 Leuten, während das MIT mit 12000 Leuten in die Schlacht zieht. Udacity hat keine Backstein Bibliothek und kein Audimax, während das M.I.T. eine eigene Hymne und ein eigenes Jahrbuch besitzt. Udacity ist ein loser Haufen von gescheiterten Professoren, während das M.I.T. eine langjährige Exzellenz-Tradition besitzt. Das Thema um das es geht, ist jedoch dasselbe. Der Krieg wird im Bildungssektor ausgetragen, genauer gesagt in der akademischen Erwachsenenbildung.

GELD
Die großen privaten Universitäten sind Profitcenter. So groß wie sie sind, soviel Geld verdienen sie auch. Je mehr Studenten dort eingeschrieben sind, desto höher die Gewinne. Wir reden hier von Beträgen im Millionenbereich die hochgehen bis zu Milliarden. Bei Udacity und ähnlichen Anbietern ist Geldverdienen offenbar nicht so einfach. Laut http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-05/silicon-valley-google-udacity gibt das sogar Sebastian Thrun zu:
„Geld war mit diesem Konzept jedenfalls nicht zu verdienen. Es gab Momente, die sich nicht so gut angefühlt haben“

Das Problem wird vermutlich sein, dass ähnlich wie oben in der Einleitung, die Leute sich zwar die kostenlosen Videos runterladen, aber selbst keinen Kurs belegen und dadurch auch nicht für hohe Einnahmen sorgen. Das dürfte die Achillesferse von Udacity sein. Prinzipbedingt lässt sich das auch nicht überwinden. Wenn man den Studenten keine imposanten Grünflächen, keine einladenen Gebäude und auch keine Präsenzveranstaltungen bietet kann man nicht von ihnen verlangen dass sie mehrere Tausend Euro ausgeben. Insofern ist Udacity was das Geldverdienen angeht auf absehbare Zeit der Looser.

Pro und Contra Hochschulprivatisierung

Obwohl es derzeit noch keine Diskussion über die Hochschulprivatisierung gibt wäre dafür jetzt der richtige Zeitpunkt. Zunächst einmal ist absehbar, dass sich massiver Widerstand aufbauen wird. Das Kernargument der Kritiker lautet, dass kommerziell ausgerichtete Hochschulen nur noch Fähigkeiten vermitteln die zufällig in der Wirtschaft benötigt werden und für geistige Dinge wie Literaturwissenschaft und Philsoophie kein Platz mehr ist. Infolge dessen eine private Hochschule zu einem wirtschaftlichen Ausbildungsbetrieb verkommt wo die Studenten nichts anderes lernen als was der künftige Arbeitgeber für nötig erachtet.

Das Gegenargument lautet, dass es alles eine Frage der Kosten ist. Wenn man sich über Literatur und Kunst unterhalten möchte muss man jemanden haben der es finanziert. Das ist auch an den heutigen staatlichen Hochschulen ein generelles Problem. Weil auch diese finanziert werden. Ob die schönen Dinge des Lebens Platz haben ist also ganz generell die Frage und kein Argument was nur bei privaten Hochschulen ein Problem darstellt.

Die einfachste Möglichkeit wie man auch weniger wirtschaftliche Themen an Hochschulen breitflächig behandeln kann besteht darin die Kosten drastisch zu senken. Mal ein Beispiel. Durch das Internet (was in privater Hand ist) ist es heute möglich, jede Art von Buch oder Paper auf einem Server zu veröffentlichen der etwas mit Kunst und Kultur zu hat. Gleiches gilt für Videoclips. Der Grund ist keineswegs darin zu sehen, dass private Konzerne ein gesteigertes Interesse an diesen Dingen entwickelt hätten, sondern weil Bandbreite nichts kostet und Speicherplatz auf Servern billig ist. Das eigentliche Ziel lautet daher, zunächst einmal den Aufwand/Nutzen zu optimieren, dann kann man auch Nebenfächer die nur wenige interessieren darin unterbringen. Anders formuliert, eine Privatieserung von Bildung hat zunächst einmal das Ziel die Effizienz zu erhöhen. Also dafür zu sorgen, dass Räume in einem Gebäude ausgelastet sind, dass alle Studenten die Studiengebühren auch tatsächlich bezahlen, und das die Dozenten korrekt angeben wieviel sie eigentlich unterrichtet haben.

Warum die Privatisierung von Hochschulen dringend erforderlich zeigt sich daran, dass selbst Hochschulen die sich bereits in privater Hand befinden (siehe die USA) unter einem enormen Erfolgsdruck stehen. Der Grund ist, dass immer mehr Universitäten angefangen haben ihre Vorlesungen kostenlos ins Internet zu stellen. Das heißt, offenbar haben einige Marktteilnehmer es darauf abgesehen, die Preise nicht nur zu unterbieten sondern mit kostenlosen Produkten zu Arbeiten um dann mit alternativen Finanzierungsmodellen wie Werbung und Sponsering die Kosten einzuspielen. Die Antwort darauf besteht ironischerweise darin, noch mehr zu privatisieren.

Der immense Druck wird weniger durch kluge Management-Entscheidungen produziert, sondern der Hauptgrund ist der technische Fortschritt, besonders in Sachen Internettechnologie. Heute kann man Glasfaserkabel einsetzen, leistungsfähige Videocodecs und Dokumenten-Server bereitstellen. Sowas gab es vor 15 Jahren noch nicht. Diese neuartige Technik allein ist es, welche das Bildungssystem in einen Zugzwang bringt. Die einzelnen Player auf dem Markt wie Google, Academia.edu, M.I.T. usw. reagieren auf diese Herausforderungen lediglich und wissen zugleich dass es nicht reichen wird.

Derzeit ist von diesen Entwicklungen im deutschen Hochschulsystem noch nichts zu spüren. Selbst die Hochschulgebühren wurden erfolgreich abgewehrt, an Privatisierung denkt derzeit niemand. Stattdessen haben es die Hochschulen es geschafft in einer Oase der Ruhe zu entspannen ohne dass sie die Entwicklungen in den USA groß kümmern würde. Die Hypothese lautet, dass es eine trügerische Ruhe darstellt und das Erwachen irgendwann umso stärker sein wird. Das heißt, irgendwann wird der Druck zugroß sein, als dass man das Thema aufschieben kann.

PRIVATE ANBIETER UNTER DRUCK
Üblicherweise stehen die öffentlichen Hochschulen im Fokus. Aber um Kritik zu üben braucht man sich nurmal die wenigen privaten Hochschulen in Deutschland anschauen wo man richtig viel Geld bezahlt um dort eine Vorlesung zu besuchen. Besonders die Bibliotheken sind leider komplett veraltet. Da werden doch tatsächlich noch gedruckte Bücher verwendet, die man sich ausleiht, mit nach Hause nimmt und dann wieder zurückbringt. Obwohl rein formal dort schon die Marktwirtschaft eingekehrt ist und alles auf maximale Effizienz hin optimiert wurde, merkt der Student davon nur wenig. Auch die Professoren an den Privathochschulen sind keineswegs über den aktuellen Stand informatiert, sondern unterrichten im wesentlichen das, was sie selber vor 40 Jahren mal gelernt haben. Offenbar es ist es möglich sich selbst in einem kompetitiven Wettbewerb so einrichten, dass es keiner bemerkt wie schlecht man eigentlich aufgestellt ist. Gerde die Studenten die an einer privaten Hochschule studiert haben, sind regelmäßig verwundert darüber, wenn sie erklärt bekommen wie Google Scholar funktioniert oder was Linux ist. Das haben sie in ihrem Studium nie gelernt.

Hier mal ein Beispiel-Werbefilm. Man hat den Eindruck in einer Art von Museum gefangen zu sein. Die Hochschule wird betrieben von Leuten, die mit Technik auf Kriegsfuß stehen und die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern bereits für das Nonplusultra erachten. Anders formuliert, die private Hochschule PFH ist nicht effizienz genug, sie bietet keine Zukunftsperspektiven, sie hat keine guten Computerarbeitsplätze und die Lehrinhalte sind hoffnungslos veraltert.

Aber, ich will nicht zu sehr auf die privaten Hochschulen einprügeln. Sie sind einer der wenigen Lichtblicke. Meist leiden sie unter regiden staatlichen Regelungen. Der Bildungsmarkt ist komplett überreguliert und von Bürokratie geprägt. Das schränkt die Handlungsmöglichkeiten von privaten Anbietern ein und behindert den konstruktiven Wettbewerb.

Hochschule 4.0 reicht nicht aus

Das Ziel von „Hochschule 4.0“ ist die staatlichen Universitäten zu privatisieren und zu digitalisieren. Damit ist gemeint, dass sie ähnlich wie die einstige Post an einen Konzern verkauft werden (Bertelsmann wäre geeignet) und dass man mehr auf das Internet setzt, also Bücher einscannt und Moodle nutzt. Die Hoffnung lautet, dass sich darüber die Kosten senken lassen und die Effizienz gesteigert wird. Obwohl der Ansatz sicherlich viele Vorteile besitzt wird er jedoch nicht ausreichen. Man kann das an den wenigen privaten Hochschulen sehen, die sich heute schon in privater Hand befinden. Im wesentlichen ist nach der Reform vor der Reform. Sie werden jetzt zwar geführt wie ein Unternehmen, verlangen Studiengebühren und stehen untereinander im Wettbewerb, aber gut gerüstet für die Anforderungen von morgen sind sie noch immer nicht.

Allein über Hochschulen und Bildung nachzudenken reicht nicht. Weil es nicht darum geht, Hochschulen besser zu machen, sondern weil das Bildungssystem von außerhalb unter Druck steht. Damit ist gemeint, dass heute Konzerne die gar nichts mit Bildung zu tun haben und auch keine Buchverlage sind, bestimmen wohin die Reise geht. Gemeint sind damit Konzerne wie Apple, Google, ResearchGate und Udacity. Sie eint, dass sie für die Zukunft bestens gerüstet sind, ihre gegenwärte Produktportfolios sind beliebt und sie werden auch in 10 Jahren noch an Relevanz besitzen. Apple ist jedoch gerade keine Universität und Google auch nicht. Sondern es sind Konzerne aus dem Bereich Technologie und Internet. Diese sind es, welche gegen Hochschulen konkurrieren.

Wäre es nur ein Kampf zwischen staatlichen Hochschulen auf der eine Seite wo die betagte Humboldt-Universität zu Berlin antritt gegen eine Privatuniversität vom Bertelsmann Konzern wäre die Lage übersichtlich. Sie alle kochen nur mit Wasser, in beiden Fällen gibt es Präsenzveranstaltungen, eine Bibliothek und fest angestellte Professoren die am Monatsende ein Gehalt erhalten. Zwar ist die private Uni leicht im Vorteil, weil sie sich mehr um betriebswirtschaftliche Dinge kümmert und unter einem Wettbewerbsdruck steht, aber nicht sehr viel. Vergleicht man jedoch einmal eine privatisierte Universität mit einem Konzern wie Google so nützt der beste Managementplan der Universität überhaupt nichts.

Das, was gemeinhin als Bildung bezeichnet wird, sind in Wahrheit Informationen darüber wie die Welt funktioniert. Informationen jedoch sind nicht an eine Hochschule 4.0 gebunden sondern ihre Erdung sind unpersönliche Glasfaserkabel die im Boden liegen und noch sehr viel mehr unpersönlichere Linux-Server die schön gekühlt in einem Keller stehen. Der Diskurs rund um Universität 4.0 ist nichts weiter als eine Falle. Es wird so getan, als reicht es aus innerhalb von Universitäten zu denken. Sich also nicht mit Technologie beschäftigen zu müssen.

In einem Diskurs über die mögliche Privatisierung von Universitäten gilt man bereits als marktradikal wenn man fordert, staatliche Universitäten in gewinnorientierte Unternehmen oder gar an einen Konzern zu verkaufen. Diese Aussicht wird dann zum Anlass genommen, dass sich Gegner wie Befürworter heftig streiten. Doch es ist ein Scheindiskurs. Schauen wir uns einen Konzern wie Google etwas näher an. Lässt sich dieser in eine Kategorie wie privat oder staatlich einteilen? Diese Unterteilung ist ein Begriff der normalerweise in der Volkswirtschaftslehre eingesetzt wird und manchmal auch in politischen Diskursen. Die Welt, die vorausgesetzt wird, ist die des 19. Jahrhunderts, wo also in den USA große Trusts gegründet wurden, die gewinnorientiert gearbeitet haben und damit die einstige öffenltiche Ordnung umgestaltet haben. Begriffe wie Aktiengesellschaft, Kartellrecht und Eigentümer stammen aus dieser Zeit. Wenn man jetzt anfängt, Hochschulen ebenfalls nach diesem Muster zu bewerten, orientiert man sich an diesem Weltbild.

Aber ist das noch die Welt der Gegenwart? Lässt sich das Internet aufteilen in private Trusts und öffentlich-rechtliche Behörden? Schön wäre es, weil dann die Dinge einfacher wären und die Welt noch die selbe wäre. Die Wahrheit ist, dass im Internetzeitalter es eher um technische Dinge geht wie Glasfaser-Datenrate, Programmierfähigkeiten der Mitarbeiter, und Künstliche Intelligenz. Wenn man jetzt versucht, den technischen Diskurs durch einen betriebswirtschaftlichen zu ersetzen wird man damit scheitern. Man ist nochnichtmal in der Lage das Problem als solches zu erkennen. Die Frage ist weniger, ob Google Aktienoptionen ausgibt oder nach welcher Buchhaltungsvorschrift bilanziert wird, sondern die Frage lautet wieviele Webseiten der Crawler pro Sekunde indiziert und wie eine verteilte SQL-Datenbank programmiert wird.

Die Hypothese lautet, dass der Diskurs rund um Hochschule 4.0 Ausdruck von Hilflosigkeit wird. Obwohl es dort scheinbar zwei Seiten gibt (pro Privatisierung, Contra Privatsierung) teilt man als Gemeinsamkeit, die Technologie auszublenden und stattdessen in Kategorien der Volkswirtschaft zu argumentieren. Die eine Seite sagt, man dürfte Bildung nicht den Marktkräften unterwerfen, während die Gegenseite betont, dass Gewinn zu machen nichts schlechtes ist.

BERTELSMANN
Bertelsmann als möglicher Hauptaktionär der Hochschule 4.0 ist ein gewinnorientiertes Unternehmen mit einer langen Erfahrung in Sachen Medien und Buchgeschäft. Er wäre der ideale Eigentümer für eine oder mehrere Hochschulen und könnte sie nach gewinnorientierten Maßstäben umgestalten. Doch oh weh, Bertelsmann hat leider das Internet-Zeitalter verschlafen. Es verdient heute mit den selben Produkten Geld, die es schon vor 40 Jahren gab, also gedruckte Bücher und Schallplatten. Nach kurzer Zeit würden die privatisierten Hochschulen erneut unter Druck geraten und zwar von Playern die um einiges mächtiger sind. Nach der Privatisierung ist vor der Privatisierung.

Es gibt derzeit einige Beispiele wie Bildung und Hochschule in Zukunft funktionieren. Die Gemeinsamkeit dieser Ansätze besteht darin, dass es sich um Kleinstunternehmen handelt, die betriebswirtschaftlich ohne Relevanz sind. Man kann sie nicht in traditionellen Konzepten wie Geld verdienen oder staatliche Finanzierung denken. Sie sind in diesen Kategorien nicht fassbar, sondern was sie auszeichnet ist eine bestimmte Bewertung von Wirklichkeit.

Der Udacity Konzern besteht gegenwärtig aus nicht mehr als 70 Angestellten http://fortune.com/2014/04/10/conversation-sebastian-thrun-udacity/ Academia.edu kommt mit 23 Vollzeitkräften aus https://en.wikipedia.org/wiki/Academia.edu Sie können dies, weil sie sich in einer vorhandenen Nische eingerichtet haben. Sie nutzen bereits vorhandene Infrastruktur. Dazu zählen einmal die iPads die bei ihren Kunden bereits existieren und auf denen die Lehrinhalte abgespielt werden, sie nutzen die Glasfaserkabel von AT&T und Telekom um die Inhalte zu streamen und sie nutzen die Server von Webhostern. Das ein Konzern wie Udacity irgendwann massiv wächst und so groß wird wie eine klassische Universität mit ihren vielen Hausmeistern, Gebäudereingern, Assistenten, Dekanen und Verwaltungsangestellten ist unwahrscheinlich. Eigentlich existiert Udacity gar nicht. Man kann das Unternehmen zwar kaufen, aber es würde sich dadurch nichts verändern. Schaut man sich jedoch einmal an, wieviel Druck allein dieses Mini-Unternehmen ausübt so ist dieser immens. Und obwohl sich das etwas merkwürdig anhört aber es besteht die reelle Gefahr dass dieses Unternehmen mit 70 Angestellten eine marktbeherschende Stellung einnimmt und nicht nur Bertelsmann sondern auch staatliche Hochschulen in den Ruin treibt. Jetzt kann man natürlich versuchen in klassischen Kategorien des Kartelrechts das Unternehmen aufzuspalten in zwei Unternehmen. Aber würde das etwas bringen?

Nein, weil das Unternehmen Udacity sich selbst nicht in diesen Kategorien definiert sondern einen Diskurs führt darüber wie die Zukunft aussieht und wie nicht. Es sind böse Trolle die versuchen die Deutungshoheit zu gewinnen, mit Erfolg übrigens. Das heißt, Udacity will gar nicht in den vorhandenen Dialog eintreten um die Hochschule 4.0 und es will auch nicht privater Eigentümer werden von staatlichen Universitäten um sie in Profitcenter zu verwandeln. Nein, Udacity versucht im bisherigen System Schwachstellen zu finden und auf Dinge zu verzichten die überflüssig sind. Es ist damit solange erfolgreich, bis jemand anderes wiederum versucht zu ermitteln wo Udacity Schwachstellen besitzt.

Einführung in Udacity

Schon relativ häufig wurde in diesem Blog das Sozial Network Academia.edu thematisiert. Darum soll es heute jedoch nicht gehen. Sondern stattdessen habe ich mir Udacity ausgesucht um es näher zu beleuchten. Was das ist, lässt sich am besten herausfinden wenn man die folgende URL in den Browser eingibt https://www.udacity.com/wiki/downloads und sich zu seinem Lieblings-Thema das Zip-File herunterlädt. Darin enthalten ist auch ein Video. Warum Udacity diesen umständlichen Weg wählt und nicht gleich auf der Startseite die Videos einbindet ist unklar. Nach dem entpacken der ZIP Datei befinden sich eine reihe von „.flv“ Dateien darin was wiederum ein Container-Format für H.264 darstellt. Diese kann man abspielen im Player seiner Wahl und sieht dann den eigentlichen Content. Udacity besteht im wesentlichen aus diesen Videos.

Das neue daran ist, dass anders als bei Academicearth.org es sich nicht um staatlich finanzierten Content handelt der an einer regulären Vorlesung entstand sondern um Unique Content der nur von Udacity angeboten wird. Das heißt, wir haben es hier mit den ersten professionellen Vorlesungsvideos zu tun, die außerhalb des traditionellen Hochschulsystems entstanden. Inhaltlich bewegt man sich auf einem Einsteiger-freundlichen Niveau. Das heißt, man hat als Zielgruppe Erstsemester im Visier. Wer sich mit dem behandelten Fach bereits auskennt wird nichts interessantes mehr entdecken. Dennoch macht es Spaß sich die Videos anzuschauen.

Sämtliche Videos sind übrigens auf English. Die gute Nachricht lautet, dass die Sprecher in den Videos echte Menschen sind, es sind also keine 3d Avatare aus dem Computerspiel GTAV die dort Programmierkurse durchführen.

Die meisten Videos sind so aufgebaut, dass man eine Hand vom Vortragenden sieht, der einen Kugelschreiber festhält um damit dann in Handschrift etwas zu notieren. Im Hintergrund spricht er dann dazu.