Dysfunktionale Anreizstrukturen im südkoreanischen Bildungssystem

Das Bildungssystem in Südkorea gilt als das härteste der Welt. Dort müssen schon die Schüler bis zu 12 Stunden täglich in den Einrichtungen verbringen und die Prüfungen gelten als die härtesten der Welt. Es findet ein gnadenloser Verdränungskampf statt und Bildung genießt oberste Priorität. — So jedenfalls das Bild, was in den Medien gezeichnet wird. Aber ist Südkorea wirklich ein Bildungsland wie es selbst gerne gesehen werden möchte? Richtig ist, dass dort viel Aufwand getrieben wird. Die Schüler und Studenten verbringen viel Zeit mit Lernen, es gibt private Nachhilfeeinrichtungen und viele Studenten leiden an Burnout. Aber schauen wir uns demgegenüber einmal die Ergebnisse an, so sind diese erstaunlich niedrig. Ergebnisse von Bildung ist die Publikation von Papern, darüber wird Forschung vorangebracht. Eine Statistik dazu gibt es auf https://www.reddit.com/r/dataisbeautiful/comments/20k5dk/top_40_countries_by_the_number_of_scientific/ Danach veröffentlicht Südkorea jährlich 39285 wissenschaftliche Paper. Das ist die Jahresproduktion des Landes. Demgegenüber verfügt Südkorea über die stattliche Anzahl von 3,3 Mio Studenten welche an den Bildungseinrichtungen aktiv sind, http://wenr.wes.org/2013/06/wenr-june-2013-an-overview-of-education-in-south-korea

Jetzt stellt sich die Frage: Was machen die vielen Studenten den ganzen Tag? Wissenschaftliche Paper schreiben sie jedenfalls nicht und forschen tun sie auch nicht. Weil, jede Forschung wird publiziert, mindestens durch 1 Paper, manchmal auch durch mehrere. Wir haben also auf der einen Seite einen imensen Aufwand der betrieben wird, während gleichzeitig das Ergebnis mager ist. Nur um die Zahlen etwas gerade zu rücken. Ein halbwegs produktiver Wissenschaftler kann pro Jahr ungefähr 12 Paper veröffentlichen. Um den jährlichen Output von Südkorea zu realisieren würden gut 3000 Leute ausreichen, die sich mäßig Mühe geben. Um dieses Paradox näher zu ergründen ist es wichtig im Detail zu beschreiben wie Bildung in Südkorea funktioniert. Üblicherweise wird der Nachweis über geleistete wissenschaftliche Arbeit durch Prüfungen und die Teilnahme am Unterricht erzielt. Die Anreizstruktur lautet, dass Leute die regelmäßig die Vorlesung besuchen dafür Punkte erhalten und das Leute die die Klausur bestehen ebenfalls positiv bewertet werden. Schauen wir uns etwas genauer an, was eine Klausur in Südkorea ist. Es handelt sich um einen Fragebogen den man ausfüllt, bei dem eine Antwort entweder richtig oder falsch ist. Vergleichbar mit einer theoretischen Führerscheinprüfung. Wenn man aufgepasst hat im Unterricht kann man die richtigen Antworten geben. Nachdem man die Klausur ausgefüllt hat, wird sie korrigiert, also mit Hilfe einer Schablone dahingehend überprüft ob die Antwort richtig oder falsch ist. Dann hat der Student das Recht zur Einsicht, kann also sehen wo er einen Fehler gemacht hat.

Nicht Teil des südkoreanischen Bildungssystem ist das Schreiben von wissenschaftlichen Papern und auch nicht das Veröffentlichen von solchen. Wir haben es mit einem dysfunktionalen Anreizsystem zu tun. Die Studenten erhalten Pluspunkte wenn sie die Klausuren bestehen und am Unterricht teilnehmen, aber sie erhalten keine Punkte wenn sie Paper schreiben und Paper veröffentlichen. Mit Wissenschaft hat das nichts zu tun, eher handelt es um eine Klippschule, also um Auswendiglernen.

Fleißig sind die Studenten in Südkorea, keine Frage. Vom Aufwand in Stunden leisten sie mehr als sonst jemand weltweit. Gleichzeitig sind sie jedoch extrem faul, weil sie nichts publizieren. Wir haben es also mit Cargo-Cult-Wissenschaft zu tun. Einem System was formal und vom Selbstverständnis her sich der Wissenschaft verpflichtet fühlt, defakte jedoch nur sehr eingeschränkt wissenschaftlichen Content produziert. Zur Erinnerung: Wissenschaft bedeutet, dass man neue Dinge erforscht und das man diese publiziert um so anderen zu ermöglichen darauf aufbauend weitere Dinge zu erforschen. Dieser Prozess findet in Südkorea entweder gar nicht oder sehr eingeschränkt statt. Es gilt nicht das Leistungsprinzip sondern es gibt eine Beamtenmentalität wo derjenige verliert, der sich zuerst bewegt.

git zur Verwaltung von Texten und Projekten

git wurde ursprünglich zur Codeverwaltung entwickelt. Aber man kann damit auch Texte und Projekte verwalten. Ich selbst habe es ausprobiert, und in ein git Repository eine .lyx Datei hingestellt. Die Idee ist es, ähnlich wie Computercode diese Lyx-Datei inkrementell zu erweitern. Vorstellbar wäre es auch, Wikiipedia um git-Funktionalitäten zu erweitern, also die Möglichkeit von Branches einzuführen.

Nur, ich bin skeptisch ob dies einen Mehrwert bringt. Auf die lyx-Datei bezogen hat die Umstellung auf git gar nichts gebracht. Dazu ein kleiner Exkurs was eine Textdatei überhaupt ist: bei Lyx kann man sich links im Bild eine Gliederung (Outline) einblenden, also eine Übersich tüber die Kapitel. Für neue Informationen kann man also neue Kapitel verwenden. Die Textdatei ist also standardmäßig strukturiert und zwar nach semantischen Ordnungen. Etwas ähnliches gilt für Tabellen-Kalkulationen, Projekte, Powerpoint Folien und Bücher. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass es eine Gliederungs-ähnliche Struktur gibt, die auch dann existiert wenn keine Versionsverwaltung benutzt wird. Und genau das dürfte der Grund sein, warum git bei solchen Dateiformaten keinen Mehrwert erzeugt. Zur Erinnerung: der Hauptvorteil von git besteht darin, dass man dort geschriebenen Sourcecode in Verbindung setzen kann mit Issues. Für einen Bug/Isssue kann man einen neuen Branch erstellen und dann unter diesem Label am Code werkeln. Seine Stärke spielt git deshalb aus, weil Computercode normalerweise keine semantsiche Struktur besitzt. Zwar gibt es im Code Klassen und Routinen, nur können diese sich verändern und in manchen Programmiersprachen wie SQL, Assembler usw. gibt es überhaupt keine Gliederung. Wenn man dort jetzt anfängt, eine Versionsverwaltung zu verwenden, kann man dem ganzen Struktur geben. Dadurch steigt die Übersichtlichkeit massiv an.

Auch bei Wikipedia lässt sich git nicht produktiv einsetzen. Wikipedia zeichnet sich dadurch aus, dass es ähnlich wie in Lyx Dokumenten per default eine Struktur gibt. Gemeint sind die Wikipedia Kategorien sowie die Unterteilung in Einzelartikel. Würde man jetzt noch anfangen einen Artikel wie „Robotik“ unter git-Versionsverwaltung zu stellen (inkl. tags, branches und merges) würde zwar die Komplexität ansteigen, es gäbe keinen Vorteil.

Die These lautet daher, dass git seine Stärke in der Versionsverwaltung von Computercode besitzt, es für normale Textdateien jedoch overkill ist. Auch die Illusion, dass Texte gemeinschaftlich erstellt werden ist so nicht richtig. Das einzige existierende Beispiel wo kollaboratives Arbeiten funtkioniert ist Wikipedia, und dort gibt es eben kein git, sondern nur eine simple lineare Versionsverwaltung. Und normale Texte wie sie im Office-Umfeld oder in den Wissenschaften erstellt werden, sind üblicherweise das Resultat von 1:1 Kommunikation. Das heißt, jede Person schreibt ein Kapitel. Das git in diesem Umfeld mit Gewinn eingesetzt wird, ist unwahrscheinlich und ich kenne auch keine Beispiele wo sowas schon gemacht wurde.

Wo hingegen git ausordentliche Stärken besitzt, dass ist zur Verwaltung von Code-Repositorien. Also überall dort wo der Content aus Computercode besteht, wie z.B. Java, PHP oder was auch immer. Dadurch lässt sich durch die Umstellung auf git die Produktivät erhöhen, und die Zusammenarbeit im Team verbessern.

Unter dem Titel „KSL002 Digital Lab Journalling with Git“ gibt es einen Vortrag https://www.youtube.com/watch?v=6f6yNgxdT9k wie man git im wissenschaftlichen Umfeld einsetzen kann, genauer gesagt zur Verwaltung von wissenschaftlichen Projekten. Obwohl sich die Rednerin Mühe gibt das Prinzip zu erläutern, wirkt das Beispiel gestellt. Das Problem ist, dass gerade so Wissenschaft eben nicht funktioniert. Das Problem besteht darin, dass Versionsverwaltung bei wissenschaftlichen Projekten keine oder nur eine Randbedeutung besitzt. Worüber sich stattdessen die Projekte strukturieren sind inhatliche Dinge, genauer gesagt wie das fertige Paper aufgebaut ist, also ob es dort ein Kapitel über fehlgeschlagene Experimente gibt oder nicht.

Wo man git jedoch einsetzen kann, wäre wenn man eine wissenschaftliche Software benötigt. Also beispielsweise zur Erstellung eines Python Scripts um Berechnungen auszuführen. Wenn man das mit git erledigt ergibt sich in der Tat ein Mehrwert und vielleicht könnte man den git-tree sogar im fertigen Paper mit abdrucken um die Reproduzierbarkeit zu verbessern.

Natürlich ist mir klar, warum im obigen Vortrag der Einsatz von git näher untersucht wurde. Weil das Ziel darin besteht, die Produktivität in der Wissenschaft zu erhöhen und vielleicht auch die Transparenz zu steigern. Nur, git ist ein Tool um damit Software zu entwickeln, man kann das Prinzip nicht auf andere Bereiche übertragen. Was man hingegen in den Natur- und Geisteswissenschaften einsetzen kann um die Produktivität zu erhöhen sind Paper-basierende Werkzeuge. Dazu gehören Volltextsuchmaschinen um Texte ausfindig zu machen (google Scholar) und Bibliographieeditoren wie Jabref um Titelinformationen zu verwalten und zur Not auch Wikis um kollaborativ Texte zu schreiben. git jedoch bietet wesentlich mehr Funktionalität die beim Texterstellungsprozess nicht richtig genutzt werden kann. Weil das Schreiben von Texten nicht noch weiter formalisiert zu werden braucht. Wenn man ein Kapitel hat wie „Hypothese“, dann ist im Regelfall klar, was sich darin befindet. Die Sprache ist ohnehin natürlichsprachlich, die Texte sprechen für sich. git jedoch legt noch eine weitere Ebene obendrauf, das heißt, man würde einen Commit erzeugen, dass man soeben das Kapitel „Hypothese“ geschrieben hat. Das ist ohnehin aus dem Text ersichtlich.

Es gibt jedoch einen Bereich, wo Wissenschaftler von git profitieren können. Und zwar dort, wo wissenschaftliche Software erstellt werden muss. Beispielsweise sind das Matlab-Scripte, Python Scripte und R-Programme. Für soetwas ist git ausgezeichnet geeignet und man kann seine Stärken voll ausnutzen. Auch die Zusammenarbeit im Team geht damit leichter von der Hand. Am ehesten kann man git mit Literate Programming vergleichen, oberhalb vom Computercode wird noch eine zweite Textebene eingefügt woraus hervorgeht was die Bedeutung ist. Der Branch „issue/int-to-string“ erklärt ziemlich gut, wofür die neu angefügten 20 Codezeilen gut sind. Und wenn man sich die logfiles durchsieht kann man nachvollziehen, wer am fleißigsten programmiert hat.

Gibt es eine Bildungsbenachteiligung?

Wikipedia hat in einem längeren und gut recherchierten Artikel die wichtigsten Fakten rund um das Thema Bildungsbenachteiligung zusammengefasst, https://de.wikipedia.org/wiki/Bildungsbenachteiligung Im Kern geht es um den Zusammenhang, dass Kinder reicher Eltern eher aufs Gymansium gehen und folglich studieren, während das bei armen Familien nicht so ist. Derartige Studien gibt es auch aus den USA so dass man von einem internationalen Phänomen sprechen kann. Üblicherweise enden solche Diskurse damit, dass man eine Gauß Glockenkurve zeichnet dort dann die sozialen Gruppen einträgt und damit eine zutiefst ungerechte Gesellschaft beschreibt. Aber womöglich ist hier noch nicht das letzte Wort gesprochen, ich will versuchen den Diskurs weiterzudenken.

Richtig ist zunächst einmal dass es die im Wikipedia Artikel genannte Bildungsbenachteiligung gibt. Man muss ein Narr sein, wenn man versucht die Fakten zu leugnen. Und wenn man die Statistiken richtig auswertet wird man exakt das finden, was auch Sozialwissenschaftler entdeckt haben: dass die reichen Kinder aufs Gynmnasium gehen und die armen Kinder auf die Hauptschule. Wo man jedoch die Dinge unterschiedlich interpretieren kann dass ist die Frage nach dem Grund. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die Anzahl der Gymanasiuen eine knappe Größe ist, gleiches gilt für die Anzahl der Studienplätze. Wieviele Gymnasien und Universitäten es gibt ist eine poltische Entscheidung die durch finanzielle Rahmenbedingungen definiert ist. Und genau hier findet sich die Erklärung warum Ungerechtigkeit herscht. Die Ausgangslage ist folgende: für einen Jahrgang aus 100 Schülern gibt es 30 Plätze an Gymnasien, 50 Plätze an Hauptschulen und 20 Plätze an Sonderschulen. Die Frage ist nur noch, welches Kind auf welche Schule geht. Also werden objektive oder gerne auch weniger objektive Tests und Beurteilungen herangezogen um die Kinder auf die freien Plätze zu verteilen. Der Witz ist, dass bei diesem Zuteilungsspiel am Ende 70 Schüler garantiert nicht auf einem Gymnasium landen werden, weil das mathematisch gar nicht geht. Gerne wird argumentiert, es läge an den Personen selber, dass sie also in dem Test durchgefallen wären, doch die eigentliche Ursache ist, dass die Plätze an Gymnasien knapp sind und auch nicht erhöht werden können.

Hier http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/statistik-so-viel-kosten-studenten-ihre-unis-pro-jahr-a-1078683.html gibt es eine Studie von Spiegel Online, die herausgefunden hat, dass ein Studienplatz im Fach Medizin für den Staat pro Jahr stolze 31690 EUR kostet. Keineswegs geht es darum, dass Medizin nur Leute studieren dürfen, die wirklich gut darin sind, sondern zunächst geht es darum, dass es nicht genug Plätze gibt für alle die gerne möchten. Man kann jetzt im Detail darüber philosophieren ob man die Auswahl anhand von Zensuren, IQ-Tests, mündliche Beurteilungen, Einkommen der Eltern oder wonach auch immer durchführt, Fakt ist jedoch, dass eine solche Auswahl durchgeführt wird weil man die Anzahl der Studienplätze nicht erhöhen kann.

Das Problem ist keineswegs neu. Im Mittelalter war es noch sehr viel extremer. Dort haben von 100 Bauern nur 1 die Schule besucht. Der Grund war, dass damals das Studieren noch um einiges teurer war als heute, und es die Gesellschaft es sich nicht leisten konnte, mal eben den kompletten Jahrgang zu Medizinern auszubilden. Damals wie heute haben Bildungsexperten versucht, aufgrund ihrer Erfahrung oder auch nur auf Gut Glück eine Auswahl zu treffen. Die Idee, damals wie heute war, dass das Studium am ehesten jene Leute überstehen, die genug finanzielle Rücklagen haben, die mit dem Bildungssystem vertraut sind, die die selbe Sprache sprechen usw.

Und jetzt kommt der Clou. Stellen wir uns mal vor, es gelingt die Kosten für ein Studium zu senken. Dadurch stehen nicht nur 10 Studienplätze bereit sondern 50. Was bedeutet das für die Gesellschaft? Es bedeutet, dass man die Standards absenken kann. Man also jeden durchwinkt der halbwegs nach Student aussieht. Egal ob er reich ist, egal ob er gute Noten hat, alles egal. Alles darf rein, heute ist Happy Hour. Ok, das war ein wenig flapsig formuliert, aber es zeigt auf, wie Bildungsbenachteiligung funktioniert bzw. wann sie nicht funktioniert.

Anders ausgedrückt, wenn eine Gesellschaft nicht fähig ist, die Kosten für das Gymnasium und für die Universitäten zu senken, ist diese Gesellschaft auf eine Bildungsbenachteilgung angewiesen. Sie entwickelt Auswahlprozesse um 90% der Bewerber abzulehnen. Wenn hingegen eine Gesellschaft aufgrund technischem Fortschritt und schlankerer Prozesse mehr Gymnasien und mehr Studiermöglichkeit bereitstellt, kann sie die Zugangsvoraussetzungen lockern. Bildungsbenachteilung überwindet man nicht wenn man beim Individuum ansetzt, also schwächeren Schülern erklärt wie Mathematik funktioniert, sondern Bildungsbenachteilgung überwindet man dadurch dass man Paper unter OpenAccess veröffentlicht, Vorlesungen ins Internet streamt, und Akademische Suchmaschinen einrichtet. Das Ziel ist nicht die Leute klüger zu machen, sondern das Ziel ist es, die Kosten für Bildung auf Null zu senken.

Spannend wird es, wenn man schaut wer sich gegen OpenAccess Ausspricht. Das sind Leute die ein Interesse daran haben, dass die Kosten für Bildung utopisch hoch bleiben. Das sind beispielsweise die meisten Informatiker, die in den ACM Journalen publizieren. Ein ACM Journal kann man nur lesen, wenn man es gegen viel Geld abboniert. Damit das eine Bibliothek bezahlen kann, muss sie sehr reich sein. Anders formuliert, ein ACM Journal ist ein knappes Wirtschaftsgut mit einem hohen Preis. Ein weiteres Beispiel was im Kontext von OpenAccess häufiger thematisiert wird ist der Elsevier Verlag. Auch dort sind die Preise sehr hoch und damit wird verhindert, dass man kostenlos auf Paper zugreifen kann. Anders formuliert, jene Gruppen welche heute reich sind, und gebildet haben ein Interesse daran, dass Bildung teuer bleibt. Sie profitieren davon dass die Gesellschaft gespalten ist und das man um Mediziner zu werden, man zuvor mehrere hunderttausend Euro ausgeben muss. Rein vom technischen her könnte man sowas sehr viel billiger machen. Man müsste nur die Paywalls abschalten, die Vorlesungen online stellen, und das ganze mittels Suchmaschinen indizieren und schon hätte man die Bildungsrevolution da. Komischerweise würde diese Revolution so ablaufen, ohne dass man auch nur einen Hauptschüler mehr fördern müsste, oder dass sich die Schüler mehr anstrengen würden, sondern man erhöht einfach das Angebot an Lehrmaterialien und die Bildung kommt von ganz allein.

Fragen wir dochmal die Vertreter oer Informatiker Vereinigung ACM warum die Paper nicht online im Netz stehen und warum die Vorlesungen nicht bei Youtube landen. Man wird uns erzählen, dass sich dadurch nichts ändern würde, dass die Leute die heute vom Bildungssystem ausgeschlossen sind keinen Nutzen davon hätten, wenn sie plötzlich 10 Mio ACM Paper lesen könnten. Selten so gelacht, natürlich würden sie davon profitieren. Sogar sehr stark weil es einen Nachhalebedarf und einen riesigen Wissensdurst gibt. Nur würde man das befriedigen wäre die Gesellschaft eine andere. Die Menschen wären stärker, gebildeter und aggressiver. Das Verhindern von OpenAccess ist Ausdruck von Macht. Genauer gesagt geht es um das Aufrechterhalten des Bildungsmonopols.

Und noch etwas ist erstaunlich: ausgerechnet jene Informatiker die das Internet erfunden haben, zeigen keinerlei Bereitschaft es zur Verbreitung von Wissen einzusetzen. Normalerweise sollte man der ACM Vereinigung unterstellen, dass sie Internet affin wäre, also die ersten wären, die ihre PDF Paper OpenAccess ins Netz stellen. Doch schaut man sich einmal die Bereitschaft der unterschiedlichen Disziplinen an, so sind es ausgrechnet die Alternatumsforscher und Soziologen die sich für OpenAccess erwärmen während die Informatik und Elektrotechnik überhaupt nichts davon hält Wissen der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Geht es womöglich hier um andere Interessen als nur um Wissencshaft? Geht es der ACM möpglicherweise um Herschaftssicherung? So nach dem Motto: was kümmert mich die Gesellschaft, solange Microsoft fette Gewinne abwirft.

Leute wie Linus Torvalds, Richard Stallman und Richard Price sind keineswegs Vordenker ihres Fachs, sondern es sind Außenseiter, ja Ketzer. Sie haben die komplette ACM gegen sich wenn sie auf der Bühne stehen und ihre Ideen vortragen. Das kann man gut an den Statistiken erkennen wenn man einmal nachschaut wieviele Paper aus der Informatik als OpenAccess veröffentlicht werden. Es sind verschwindend wenige. Die Idee dahinter ist simpel: um den eigenen Wissensvorsprung zu halten, wird die komplette Welt vom Wissen ausgeschlossen. Egoismus pur.

Im Internet gibt es einen netten Boykott Aufruf der von der ACM fordert die Paywall abzuschalten, http://teardownthispaywall.appspot.com/ Die Nutzerbeteiligung ist mäßig, aller Voraussicht nach wird er nichts bewirken. Ich habe dort unterzeichnet weil ich die Idee gut finde. Die Idee ist folgende: Bildungsungerechtigkeit wird verursacht durch zu hohe Kosten in der Bildung. Um diese Kosten zu senken muss man OpenAccess fördern. Und deshalb soll ACM ihre Paywall abschalten. Die Vereinigung der Informatiker wird darüber nur müde lächeln, weil sie mit dem Verkauf ihrer Journal viel Geld verdient und was noch wichtiger ist, eine ClosedAccess Kultur beibehält die unterscheidet zwischen Leuten mit Zugang und Leuten die davon augeschlossen sind. Das heißt, es gibt viele Firmen die davon profitieren und sich im jetzigen System eingerichtet habe. Bildungsungerechtigkeit ist eine direkte Folge von überteuerten ACM Journalen.

Schauen wir uns die ominöse ACM Library etwas genauer an. Man wird feststellen, dass nur die Hälfte der Suchergebnisse überhaupt als PDF im System hinterlegt ist. Wenn man sich so einen Treffer anschaut steht dort der Abstract, der Autorname und das wars dann. Das Paper ist in einer finsteren Bibliothek irgendwo am Ende der Welt und wurde nochnichtmal digitalisiert. Wie gesagt, wir reden hier von Papern aus dem Jahr 2010 im Fach Computerwissenschaft. Bei der anderen Hälfte der PDF wird zumindest angezeigt, dass die PDF Datei verfügbar ist, das heißt aber noch lange nicht, dass man sie auch herunterladen darf. Vielmehr wird man weitergeleitet zu der Paywall Abfrage wo man sich registrieren muss. Einige sagen, Elsevier wäre schon geldgierig, aber die haben noch nicht mit der ACM Bekanntschaft gemacht, dagegen ist Elsevier geradezu am Gemeinwohl orientiert.

Intelligenzquotient = Konkurrenzsituation

Der Grund warum es bei Studienplätzen einen Numerus Clausus gibt beschreibt https://zv.hochschulstart.de/index.php?id=42 so:

Die Auswahlgrenzen sind immer Endergebnisse bereits zurückliegender Konkurrenzsituationen und können Ihnen daher lediglich als Anhaltspunkt dienen, um Ihre Zulassungschancen in der Zukunft abzuschätzen.

Ausgehend von einem knappen Angebot an Studienplätzen für Humanmediziner wird dafür ein Mindestnote bestimmt die dazu führt, dass man sehr viele Bewerber ablehnen kann. Anstatt eines Numerus Clausus könnte man auch andere Bewertungsmaßstäbe nutzen, wie z.B. Empfehlungsschreiben, Einkommen der Eltern, ein Mensa IQ Test, Biographische Analysen und vieles mehr. Es läuft aber in jedem Fall darauf hinaus, dass man 90% mehr oder wenigen schonend beibringt, dass sie ungeeignet sind für ein Medizinstudium. Es ist schonmal ein richtiger Schritt, wenn man von einer Konkurrenzsiutation spricht, weil damit die Realität ganz gut beannt wurde. Das gleiches trifft übrigens zu beim Übergang von der Grundschule aufs Gymnasium. Auch dort konkurrieren die Schüler eines Jahrgangs um die knappen Ressourcen.

Die Frage ist nicht so sehr wie man als Student oder Schüler es fertigbringt die Anforderungen zu erfüllen, sondern worum es im kaputten bildungssystem wirklich geht ist das Angebot an Studienplätzen möglichst klein zu halten. Das geht beispeilsweise dadurch, dass man die überteuerten Zeitschriftenpreise des Springer Verlages bezahlt, was die Kosten für das Studium in die Höhe treiben. Oder indem man Vorlesungsmitschnitte verbietet. Anders gesagt, die Königsklasse in Sachen Planwirtschaft besteht darin, auch in Zukunft für eine massive Konkurrenz zu sorgen. In so einem Umfeld kann man dann wunderbar von den echten Problemen ablenken. Man sorgt stattdessen dafür, dass die Gymnasiasten und Hauptschüler kein Wort miteinander reden.

Der Witz ist, dass Bildung normalerweise nichts ist, womit man in Konkurrenz zueinander steht. Den selben Vorlesungsmitschnitt kann man dutzendfach kopieren, und das selbe Buch können unendlich viele Studenten lesen. Dadurch dass ein Video von mehr Leuten betrachtet wird, wird sein Wert nicht geringer. Ganz im Gegensatz zu Lebensmitteln, wo man dem anderen etwas wegessen kann. Trotzdem hat es das kaputte bildungssystem es geschaft Bildung zu verknappen, also ein freies Gut zu begrenzen und darauf aufbauend ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Was würde passieren wenn sich OpenAccess durchsetzt? Nun, Elsevier würde seine Zeitschriften kostenlos abgeben, die Bibliotheken würden Geld einsparen, das Medizinstudium wird preiswerter, es können mehr Studenten studieren, der Numerus Clausus wird gesenkt, der Druck auf die Schüler wird geringer, sie bringen höhere Leistung usw. usw. Das einzige was nicht so gut laufen würde, wären die Gewinne für Elsevier und Co. Die würden einbrechen.

Testbericht: Mensa Begabungskoffer

Der Mensa Begabungskoffer https://www.mensa.de/fileadmin/_migrated/content_uploads/Mensa-Begabungskoffer-lowres.pdf ist ein konkretes Beispiel dafür was falsch läuft im Bildungssystem. Auf den ersten Blick macht das Set einen guten Eindruck. In dem Koffer befinden sich lustige Spiele, ein Testfragebogen und die Anmeldekarten für Mensa e.V. in Deutschland. Auch der Ansatz Kinder fördern zu wollen und positiv in die Gesellschaft hineinzuwirken ist das richtige Ziel. Wenn man jedoch einmal näher in den Koffer schaut wird er den hohen Anforderungen nicht gerecht. Es finden sich darin lustlos gestaltete Spiele, Kärtchen die bereits Eselsohren haben und Bilderbücher die langweilige Geschichten erzählen. Der Mensa Begabungskoffer ist nicht im mindesten in der Lage eine Schulklasse zu unterrichten. Mag sein, dass er vor 100 Jahren bei unseren Großeltern noch der Hit war wenn der Lehrer mit so einem Koffer in die Klasse kam, aber nach heutigen Maßstäben sind weder die darin enthaltenen Puzzles, Mathequiz-Aufgaben noch die Knobelspiele besonders attraktiv.

Meiner Meinung nach liegt eine grundsätzliche Fehleinschätzung bezüglich der Intelligenzentwicklung von Kindern vor. Der Verein Mensa e.V. unterstellt, dass es intelligente und weniger intelligente Kinder gibt. Dadurch findet eine Entlastung der Institution Schule statt. Die Verantwortung der Lehrer anregenden Unterricht zu gestalten wird abgewälzt auf das vermutlich hochbegabte Kind. Es handelt sich um schwarze Pädagogik. Besser ist es, wenn man zunächst einmal die Lernumgebung verbessert, sich also überlegt welches Spielzeug das richtige ist um Kinder zu fördern, und was der richtige Unterricht ist. An dieser Stelle sei verwiesen auf das berühmte Sprachexperiment von einem König im Altertum der Kinder beobachtet hat, in deren Umgebung kein Wort geredet wurde. Diese Kinder haben keine Sprache entwickelt, weil es an einer Lernumgebung fehlte. Der Mensa Bildungskoffer in seiner eingangs erwähnten Orginalverpackung ist ein Deprivations-Experiment. Den Kindern wird nötiges Robotik-Spielzeug vorenthalten um dann zum Abschluss noch einen IQ Test durchzuführen. Das kann nicht funktionieren.

Eltern wollen für ihre Kinder das beste vom besten. Wenn sie ihre Kinder jedoch mit dem Mensa-Begabungskoffer spielen lassen, besteht die Gefahr, dass sich ihre Wonneproppen zu Analphabeten zurückentwickeln, die keine Ahnung von Computern haben und mit ihren gleichaltrigen Freunden nicht mithalten können. Der Verein Mensa e.V. thematisiert häufiger, dass gerade hochbegabte Kinder verhaltensauffällig sind. Das ist auch kein Wunder, wenn man so einen schlechten Begabungskoffer zum Spielen bekommt dann wird jeder davon verhaltensauffällig. Was soll man mit dieser Mensa-Anmeldungskarte dann groß machen: man kann damit ein Flugzeug falten und das wars dann. Und das dumme Bilderbuch ist bereits nach 3 Minuten durchgelesen.

Das Konzept einen Koffer zu packen um damit eine Schulklasse zu unterrichten ist so falsch nicht. Auch ist es grundsätzlich richtig, dass Schüler und Kinder mit Spielen zum Nachdenken angeregt werden sollen. Deshalb schlage ich vor, den Mensa Koffer mit hochwertigem besserem Spielzeug und Lernmaterialien zu versehen: unbedingt hinein gehört dort:
– Mindstorms Education EV3 Robotik Set
– Ein aktuelles Handbuch vom BEAM Erfinder Mark W. Tilden
– ein Raspberry PI Kleinstcomputer
– für die kleinen Schüler ein Bee-Bot inkl. Anleitung
– ein USB Stick mit Ubuntu 16.04 LTS zum Booten eines beliebigen Notebooks
– das Buch „Python für Kids“
– Anmeldekarte für die First Lego League

Mit einem derartig ausgestatteten Premium-Koffer ist es tatsächlich möglich, in die Gesellschaft positiv hineinzuwirken und Schüler zu fördern.

Ist Künstliche Intelligenz eine Antwort auf das kaputte Bildungssystem?

Heutige Schulen und Universitäten funktionieren nicht mehr richtig. Es gibt keine Disziplin, die Schüler sind gefrustet, die Lehrer überfordert. Der Unmut entlädt sich in Aggression und die verschlechtert das Lernklima. Üblicherweise werden derartige Herausforderungen dadurch angegangen, dass die Schulen sich auf ihre Kernkompentez zurückziehen. Das heißt, sie verwenden knallharte IQ-Tests um eine Bestenauslese durchzuführen und wer sich nicht einfügen kann oder will wird bestraft. Das jedoch verschärft den Konflikt, weil es objektiv für die Schüler nicht möglich ist solche Tests zu bestehen und sie lernen dabei auch nichts. Es gibt jedoch aus dem Dilemma einen Ausweg. Und der besteht darin, sich auf jenen Stoff zu fokussieren wo keiner die Antwort weiß. Das heißt, auf Stoff den man nicht in einem Leistungstest überprüfen kann. Bei den üblichen Inhalten wie Sport, Mathematik oder Deutsch ist das nicht gegeben. Dieser Unterrichtsstoff zeichnet sich dadurch aus, dass es klare Fragen und klare richtige Antworten gibt. Sowas führt automatisch in dysfunktionale IQ Tests. Die Alternative dazu lautet, dass man an den Schulen Künstliche Intelligenz unterrichtet. Es handelt sich dabei um ein Gebiet der Informatik das man nicht in Tests abfragen kann, es gibt dort kein Lösungsbuch was der Lehrer hervorzaubert und womit er Schüler benotet, sondern Künstliche Intelligenz ist ein offenes Unterrichtsthema. Damit ist gemeint, dass alle gleichermaßen (Lehrer wie Schüler) überfordert sind. Das wiederum schafft eine ideale Lernatomosphäre, bei dem klassische autoritäre Strukturen vermieden werden.

Anstatt zu Unterrichten verändert sich die Rolle des Lehrers in Richtung Mediator. Und anstatt reinen Gehorsam zu zeigen müssen die Schüler eigenständig aktiv werden. Ob Künstliche Intelligenz wirklich ein Thema der Informatik ist, oder ob es nicht in Wahrheit eine geheime Didaktik-Theorie ist, ist noch nicht ganz geklärt. Fakt ist jedenfalls, dass es in Klassen in denen Robotik auf dem Plan steht erstaunlich entspannt zugeht. Das gilt auch und vor allem für Hauptschulen und Förderschulen, denen nachgesagt wird, dass es sich um Problemschulen handelt.

Hier ein konkretes Beispiel von der „Hugo-Kükelhaus-Schule, Wiehl“. Auf der Webseite der Schule ist zu lesen:

„Die dritte große Abteilung unserer Schule wird von den lebenspraktisch orientierten Klassen (LP-Bereich) gebildet. Dort werden die Schüler gemeinsam unterrichtet, die aufgrund ihrer speziellen Lernstruktur nicht auf der Grundlage der Standard-Richtlinien unterrichtet werden können.“

http://www.hugo-kuekelhaus-schule.lvr.de/de/nav_main/unterricht/unterricht_1.html

Es handelt sich demnach um eine Förderschule, also noch eine Stufe unterhalb von einer Hauptschule. Und hier das entsprechende Video dazu: https://www.youtube.com/watch?v=DY3O5PkXjZs

Man sieht wie der Hersteller Lego sein neuestes EV3 Produkt gut vermarktet hat und wie jetzt damit Schüler im Alter von ca. 8-15 Jahren damit herumspielen. Die EV3 Bots drehen auf den Tischen ihre Runden, die Kinder schauen zu. (Oh Pardon, es ist nicht das Modell EV3 sondern die Vorgängerversion NXT2, das habe ich übersehen). Jedenfalls ist die Lage im Klassenzimmer erstaunlich ruhig. Es gibt da niemanden der herumläuft und das ein Lehrer eingreifen müsste um die Situation zu beruhigen ist auch nicht erkennbar. Ja fast könnte man von selbstgesteuertem Lernen sprechen, also dem Idealbild wie Unterricht sein sollte.

Warum das so ist lässt sich erklären. Und zwar haben die Schüler Respekt vor dem NXT2 Brick. Übrigens genauso wie die Lehrer. Es handelt sich zwar nur um ein simples Spielzeug aber komischerweise kann das besser für Disziplin sorgen als jeder andere. Die Arbeitshypothese lautet, dass man mit Robotikspielzeug wie dem EV3 oder dem Bienenroboter „Bee-Bot“ Haupt- und Förderschulen effektiv disziplinieren kann.

Messung von Akademischer Intelligenz

Das mit dem klassischen Intelligenzbegriff etwas nicht stimmt, ist anzunehmen. Die Frage ist nur, an welcher Stelle genau Intelligenz- und Einstellungstests versagen. Das Paradoxon mit den Persönlichkeitstests ist, dass sie sehr gut den künftigen Erfolg einer Person vorhersagen könne. Alle durchgeführten Studien zeigen auf, dass die erhobene IQ Punktzahl ein guter Schätzer ist um die Aufstiegschancen in Behörden, in der Armee sowie im akademischen Bereich vorherzusagen. Eine mögliche Infragestellung von Intelligenzmessung wurde häufiger versucht. Manchmal unter der Maßgabe von Künstlicher Intelligenz. Das heißt, man betrachtet eine Aufgabe wie die beliebten Zahlenreihen so wie es ein Computer tun würde, und programmiert eine Software die diesen Test löst. Wenn Computer in der Lage sind, eine hohe IQ Punktzahl zu erreichen — so die Idee — können solche Tests nicht besonders sinnvoll sein, insofern sind sie untauglich für die Messung von Menschen? Leider nein, Man kann zwar über künstliche Intelligenz einige oder sogar alle Aufgaben einer Testbatterie lösen, das ist jedoch keine Erklärung dafür, warum einige Personen hohe IQ Werte erreichen und andere nicht.

Wenn man Eignungstest kritisch diskutieren will, sollte man sich zunächst einmal auf das Thema einlassen und die Argumente der Gegenseite berücksichtigen. Generell weiß man über IQ Tests dass sie eine künstliche Situation schaffen. Im richtigen Leben kommt es nicht vor, dass man Gegenbegriffe wie Hund:Katze Maus:Igel finden muss, aber auch Programmieraufgaben wie sie in Java-Tests überprüft werden kommen im Reallife nicht vor. Aber worum geht es dann bei Intelligenz- und Wissenstests? Die wichtigste Erkenntnis lautet, dass bei einem Einstellungstest die richtigen Antworten vorher bekannt sind. Sie sind notiert im Lösungsbuch, was der Prüfer mit in die Veranstaltung bringt, aber keinem zeigt. Die Antworten sind deshalb bekannt, weil sich den Test zuvor jemand überlegt hat. Im Optimalfall wurde der Test eigens für die Veranstaltung konstruiert und wird danach nie wieder angewendet. Um einen Test zu konstruieren benötigt man eine Einwegfunktion. Damit ist gemeint, dass das Formulieren eines Problems simpel ist, das Lösen in der Umgekehrten Richtung jedoch weitaus komplizierter. Ein typisches Beispiel für eine Einwegfunktion ist die Primzahlmultiplikation. Dazu wählt man zwei zufällige Primzahlen aus: 17 und 61, und multiplizitiert diese: 1037. Die Aufgabe des IQ Tests lautet jetzt:

„Ermitteln sie die Primfaktoren für die Zahl 1037 ohne Hilfsmittel.“

Der Zeitaufwand um sich diese Aufgabe auszudenken lag unter 1 Minute. Sollte so eine Aufgabe in einem IQ Test vorkommen, werden die Prüflinge mindestens 10 Minuten Zeit benötigen und gehörig ins Schwitzen kommen. Weiterhin ist anzunehmen dass nicht alle die Antwort werden finden.

Dieses Prinzip der Einwegfunktion kann man auch bei anderen Wissensgebieten nutzen. Will man beispielsweise eine anspruchsvolle Java Aufgabe haben, nimmt man vorhandenen Sourcecode, entfernt dort irgendwo ein Komma, vertauscht zwei Variablennamen und jetzt sollen die Bewerber ermitteln warum es eine Fehlermeldung gibt. Ähnlich wie beim Primfaktoren-Problem kann man so eine Aufgabe in unter 1 Minute erzeugen, um es zu lösen braucht man wesentlich mehr Zeit.

Der Ablauf eines IQ Tests ist folgender: ein Prüfer überlegt sich einmalig 20 Aufgaben, was für ihn ein Zeitaufwand von 20 Minuten bedeutet und eine sehr entspannende Aufgabe ist. Diesen Test teilt er dann an 100 Schüler aus, die 60 Minuten Zeit erhalten. Demnach ist der Zeitaufwand zum Erzeugen des Tests 20 Minuten, und der Zeitaufwand zum Lösen desselben 100×60=600 Minuten. Man hat dadurch die Situation, dass man mit wenig Anstrengung eine komplette Klasse unter Kontrolle bringt und anschließend sogar noch sagen darf: du bist durchgefallen.

Wie man vielleicht schon ahnt, handelt es sich hierbei um einen sozialen Raum den man erzeugt. Wo also unterschiedliche Privelegien verteilt werden. Der Prüfer bleibt entspannt, er kann sich vorne an den Tisch setzen und Kaffe trinken, während die Klasse die er unterricht einen Durchschnittspuls von 120 entwickelt, und um ihre Karriere bangt.

Der Grund warum Einstellungstests so beliebt sind, hat damit zu tun, dass man sie für jedes Fachgebiet aufstellen kann. Egal ob Sprache, Geschichte, Physik oder Kunst. Jedesmal ist der Test schwer und enthält eine objektiv richtige Lösung. Es bleibt noch die Frage zu beantworten warum solche Tests in der Lage sind den künftigen Erfolg der Studenten vorherzusagen. In der Fachliteratur wird dieser Punkt nur selten erläutert. Häufig kommt von Kritikern der Vorwurf, dass ein IQ Test nicht in der Lage wäre zu ermitteln, ob ein Student später einmal Erfolg haben wird oder nicht. Das ist jedoch kein echtes Gegenargument. Sondern zunächst einmal sollte man akzeptieren, dass diese Tests eine ausgezeichnete Vorhersagekraft besitzen. Und zwar deshalb, weil die meisten sozialen Umgebungen in denen sie eingesetzt werden sehr autoritär strukturiert sind. Damit ist gemeint, dass eine Armee so ähnlich funktioniert wie ein IQ Test. Es gibt jemanden der hat das Kommando und die Truppe muss dem Folge leisten. Auch in Behörden ist eine hierarchiche Gliederung der Normalfall.

IQ Tests simulieren einen sozialen Raum der autoritär funktioniert. Wo also der Prüfer ein Geheimnis besitzt und damit seine Untergebenen unter Druck setzt bzw. maßregelt. Genau dieses Muster findet sich auch in Schulen, Armeen und Behörden wieder. Wer mit derartigen sozialen Räumen vertraut ist, hat es leichter in diesen Karriere zu machen. Und diese Fähigkeit wird in IQ Tests überprüft. Der eigentliche Skandal besteht darin, dass sogenannte akademische Leistungstests ebenfalls messen, ob man sich gut in autoritäre Strukturen einfügen kann. Gerade an Universitäten geht es leider nicht um die Inhalte, also um Mathematik, Biologie oder Informatik, sondern es wird sehr viel Wert gelegt auf formale Dinge wie bestandene Prüfungen, Publikationslisten, Anerkennung der geltenden Lehrmeinung usw. Das ist ein Grund dafür, warum das universitäre Ausbildungssystem dysfunktional ist. Es ist nicht in der Lage zukünftige Probleme zu diskutieren noch findet es dafür Lösungen, sondern das universitäre System schafft sich seine eigenen Bewertungsmaßstäbe innerhalb derer dann zwischen Erfolg und Niederlage unterschieden wird.

Das ausgerechnet Leute, die bei einem Multiple-Choice Test die Maximalpunktzahl erreichen, später einmal ausgezeichnete Studenten werden zeigt das eigentliche Problem auf. Nähmlich dass auch an Universitäten nur die Fragen gestellt werden, wo die Antworten bekannt sind. Das heißt, die Studenten können sich auf die Prüfungen vorbereiten, es gibt eine richtige und eine falsche Antwort. Aber ist das schon dasselbe als wenn man Forschung betreibt? Schauen wir uns dazu ein aktuelles Problem aus der Informatik an. Die Konstruktion eines autonomen Fahrzeuges. Gibt es für dieses Problem eine richtige Antwort? Nicht in dem Sinne, dass man daraus einen IQ Test konstruieren könnte. Es gibt zwar eine Software die so ein Fahrzeug steuert, aber diese Software ist heute noch gar nicht programmiert. Die Antwort steht also noch nicht im Lösungsbuch des Prüfers drin. Insofern kann man auch nicht sagen, ob jemand auf dem richtigen Weg ist oder nicht.

Was aus Sicht der Persönlichkeitsdiagnostik interessant wäre, ist die Frage wie man Leute identifziert die einmal das Problem mit dem autonomen Auto werden lösen. Das heißt, wenn man eine Klasse hat mit 100 Informatikstudenten wer davon ist der richtige Kandidat für das Problem? Leider hat die Psychologie darauf keine Antwort. Man kann das nicht vorhersagen. Weil gar nicht klar ist, welche Fähigkeiten für das Problem „autonomes driving“ benötigt werden. Gut möglich, dass es niemanden gibt der dem gewachsen ist. Klar, man könnte einen synthetischen IQ Test konstruieren, rund um autonomes Fahren, aber dort würden nur jene Fragen drinstehen, wo man selber bereits die Antwort hat. Wenn man jedoch schon weiß, wie autonomes Fahren geht, braucht man solche Tests nicht durchzuführen.

Im Internet gibt es zumindest einen Quiz zum Thema „self-driving car“, wie alle IQ Test zeichnet sich der dadurch aus, dass das Niveau sehr niedrig ist. Das heißt, es werden Fragen gestellt auf die es bereits eine Antwort gibt, wie z.B. „Wer hat Stanley erfunden? – Sebastian Thrun“. Das wichtigste Merkmal von solchen und ähnlichen Tests lautet, dass die Beantwortung der Fragen aufwendig ist, man sogar den Test nicht bestehen kann, gleichzeitig jedoch die Fragen geradezu banal sind. Weil dieser Test nicht über Inhalte argumentiert, sondern soziale Spiele anstrebt. Also unterscheidet zwischen Teilnehmern und Prüfern.

Genau genommen ist es kein Test über selbstfahrende Autos, sondern es wird Teamfähigkeit überprüft. Damit ist gemeint, dass man die sozialen Strukturen akzeptiert, sich Autoritäten unterordnet, und trotz willkührlicher Bewertungen gelassen bleibt.