Bug: Intransparente Qualitätsstandard bei akademischen Journalen

Rund um OpenAccess wird eine Qualitätsdebatte geführt, in der Art dass zwischen hoher und niedriger Qualität eine Grenze gezogen wird, allerdings ohne genau zu definieren was die Grenze ausmacht. Schaut man ein wenig hinter die Kulissen ist der Quaitätsstandard der angelegt wird erstaunlich banal. Als qualitativ hochwertiges akademisches Journal gelten jene welche mit der Software Adobe Indesign entstanden sind, und wo die Paper keinerlei Rechtschreibfehler enthalten. Das ist deswegen erstaunlich, weil das absolut nichts mit dem Inhalt zu tun hat, und eigentlich die Verwendung einer konkreten Layoutsoftware das unwichtigste überhaupt ist. Aber das ist nicht so. Auf https://www.quora.com/What-software-do-academic-journals-such-as-Nature-or-Cell-use-to-format-their-articles wird nochmal explizit darauf hingewiesen, dass die Zeitung Nature selbstverständlich Indesign verwendet, um wie es heißt den höchsten Qualitätsstands zu erfüllen. Aber was passiert eigentlich, wenn man eine andere Software nutzt, wie MS-Word oder sogar Lyx? Nun die Folge ist ein merkliches Absenken der Qualität und zwar der äußerlich wahrnehmbaren.

Der Maßstab wonach aktuell Qualität beurteilt wird hat etwas mit der investierten Arbeitszeit zu tun. Einem Konferenzband der mit Indesign erstellt wurde, merkt man den hohen Aufwand an. Wer schonmal mit Indesign gearbeitet wird wissen, dass seine Wurzeln im Layouten von Zeitschriften. Also ein handwerklich ausgeführter Vorgang bei dem man die Spalten verschiebt, Buchstaben anordnen, vielleicht sogar Kapitalien und Kerning verwendet und im Bereich wissenschaftlichen Publishing auch noch Fußnoten setzt. Seine Wurzeln hat die Software in der Buchdruckkunst, es ist zwar ein digitaler Workflow aber einer der Bücher als Unikate betrachtet. Anders formuliert, Indesign ist kein txt2pdf Generator der automatisiert das Layout erzeugt, womöglich aus einer XML Datei heraus, sondern Indesign hat Ähnlichkeit mit einem Malprogramm.

Das Merkwürdige ist, dass der extrem hohe Aufwand der getrieben wird bis das akademische Paper fertig gesetzt wurde, nirgendwo notiert wird. Sondern das ganze gilt als selbstverständlich, also nicht zu hinterfragende Bestpractice Methode von der auf keinen Fall abgerückt werden darf. Vergleichen wir jetzt dazu Lyx. Lyx ist eine Software welche mit einem anderen Hintergrund antritt. Es wurde entwickelt um den manuellen Aufwand zu minimieren. Böse formuliert ist Lyx nichts anderes als ein txt2pdf Generator. Man kopiert den Nurtext ins Fenster, drückt auf Generate PDF unf fertig ist das zweispalten Paper. Das kommt selbstverständlich nicht an die Standards von Indesign heran, es sieht so aus, als wenn da jemand genau 5 Minuten Zeit ins Layout investiert hat und keine Minute länger. Komischerweise ist Lyx im Bereich des professionellen Publishing verpönt. Ich habe schon ziemlich viele Paper von google Scholar untersucht, aber kein einziges davon wurde mit Lyx erzeugt. Überall steht im Header etwas von einer Adobe Software welche für den PDF Output verantwortlich war.

Bei einem Diskurs rund um OpenAccess ist es an der Zeit einmal die Frage der Layoutsoftware in den Mittelpunkt zu stellen. Selbst das von vielen eingesetzte MS-Word ist nicht als effizient zu bezeichnen, ähnlich wie Indesign ist es visuell orientiert, in dem Sinne dass man manuell vorgibt wo die Seite zuende ist, und wo die Abbildungen positioniert werden. Das hat zur Folge dass bis ein fertiges Dokument erzeugt ist, unglaublich viel Zeit verloren geht. Zeit die üblicherweise mit hoher Qualität gleichgesetzt wird, in Wahrheit jedoch vergeudete Zeit ist. Die meisten Leute die etwas publizieren glauben, sie hätten die Ressourcen um sich mit MS Word oder Indesign zu beschäftigen. Sie glauben es ist vertretbar wenn man 1000 US$ nur für die Software ausgibt, und dann nochmal 200 Stunden für das Layouten investiert. Weil, so die Annahme, das Paper eben perfekt sein muss. Aber genau diese Ressourcen sind nicht vorhanden. Nur haben es die gängigen Publisher noch nicht ganz verstanden. Sie erkennen nicht, dass sie ein Kostenproblem haben und das es dazu eine Abhilfe gibt: technischer Forschritt.

Warum Layout-Programme für OpenAccess wichtig sind, hat damit zu tun, dass man ja nicht einfach nurtext ins Internet hochladen kann. Weil irgendwie wollen die Leser die Paper in ihrem Browser anzeigen. Und als HTML zu formatieren geht meist auch nicht, weil man dann die Abbildungen verliert. Wirklich schwer zu bedienen ist der Spitzenreiter Lyx eigentlich nicht. Er steht für alle Betriebssysteme kostenlos zur Verfügung, nach ca. 1 Woche ist man darin Profi. Worum es geht sind vielmehr kulturelle Traditionen. Also wie die Community funktioniert der man sich zugehörig fühlt. Üblicherweise gibt es im akademischen Publishing noch die Vorstellung dass die best practice Methode eine Linotype Maschine wäre, man in jüngerer Zeit jedoch auf Desktop-Publishing gewechselt sei und man dort dann Indesign einsetzt, weil das für Qualität steht. Nur leider ist dieser Vorstellung komplett veraltet. Es beschreibt eher die Vergangenheit und steht nicht für Effizienz. Genährt wird ein Unbehagen gegenüber möglichen Alternativen durch Leute, welche OpenAccess ohnehin als Sackgasse bezeichnen und für die selbst electronic Publishing zu innovativ ist. Das ist dann jene Fraktion, welche am liebsten noch immer mit ener Linotype Maschine arbeitet, es also gerne sieht, wenn echte Druckerschwärze verwendet wird und echtes Papier. Man mag es kaum glauben, aber das ist das Selbstverständnis von ca. 90% der academic Community. Und wenn die Elseviers, Nature und sonstigen Publisher das tun wofür sie bezahlt werden, also schön auf Buttons in den Adobe Programmen klicken um vermeintlich High-Quality zu erzeugen dann flüchten sie sich gedanklich in ein Rollenmodell des seriösen Publishing, stellen sich also vor, sie wäre ein moderner Gutenberg der die Technologie des Buchdrucks jetzt im Internet anwendet. Aber genau so funktioniert es leider nicht. Das Internet ist eine eigene Domäne, die alten Regeln aus dem Buchdruck haben dort keine Relevanz mehr, das einzige was zählt sind die Kosten.

Das wirklich wirklich erstaunliche ist, dass offenbar diese Ineffizienzen bis heute niemandem aufgefallen sind. Normalerweise müsste ein knallharter Markt dafür sorgen, dass die antiquierten Indesign Liebhaber von alleine verschwinden weil sie zu teuer sind. Aber offenbar haben wir es mit Marktversagen zu tun indem Sinne dass sich ineffiziente Verfahren erstaunlch lange bewähren und es zuwenig Druck gibt von außen. Offenbar hat man sich gut in Nischen eingerichtet und verteidigt diese gegen jeden technischen Fortschritt. Das es da ein Problem gibt wird deutlich wenn man einmal objektiv Indesign mit Lyx gegenüberstellt und zu dem Schluss kommt dass es eigentlich nur einen Sieger gibt. Wer böses im Schilde führt könnte sogar auf den Gedanken kommen dass man indesign vorzuglich dafür einsetzen kann um OpenAccess zu verhindern. Wenn das Erstellen eines PDF Papers so aufwendig ist, kann man nicht unbegrenzt viele davon herstellen, folglich bleibt der Preis hoch und OpenAccess fällt wie ein Kuchen in sich zusammen.

Eine vergleichbare Attitüde gibt es im deutschen Sprachraum in der Fixierung auf rein englischsprachliche Publikationen. Als gute wissenschaftliche Praxis zählt, entweder ein Paper in perfektem Native English zu veröffentlichen oder alternativ gar nicht. Da das Schreiben eines Papers auf English inkl. Korrekturlesen extrem aufwendig ist, wenn man Deutsch als Muttersprache spricht führt das ebenfalls zu einer künstlichen Verknappung. Das heißt, es gibt zahlenmäßig extrem wenige Paper die veröffentlicht werden. Vorgeblich um hohe Qualitätsanforderungen zu erfüllen doch in Wahrheit um den technischen Fortschritt zu blockieren. Es ist eine Art von Dogma, dass man immer in English publizieren muss und immer Indesign zum Layout verwenden muss. Diese Dogmen haben keine objektiven Gründe außer dass es schon immer so gemacht wurde. Ihre Einhaltung ist keine echte Notwendigkeit sondern zeigt auf wie wissenschaftliche Communities funktionieren. Anders gesagt, wer gegen diese Regeln verstößt landet im Abseits. Und derjenige der die Einhaltung der Regeln fordern und durchsetzen kann hat die Macht.

Ich will damit andeuten dass es beim wissenschaftlichen Publizieren keineswegs um inhatliche oder formale Dinge geht sondern eigentlich ist es ein „social Game“, dessen Regeln sehr vergangenheitsorientiert konservativ funktionieren. Am ehesten kann man die Attitüde mit einem Künstleratterlie vergleichen bei dem ein bestimmter Stil von allen eingehalten wird. Das heißt, irgendwer hat mal entschieden, dass alle impressionistisch malen müssen und aus Angst vor Gruppenausschluß wagt niemand mehr zu experimentieren. Sowas nennt die Sozialwissenschaft auch sektenähnliche Zustände, wo also eine Gemeinschaft sehr auf Konformität achtet insbesondere dann wenn die inneren Widersprüche zunehmen.

Der bessere weil objektive Maßstab besteht darin, die ökonomischen Kosten für das Publizieren von wissenschaftlichen Papern auf Null zu senken und jede Technologie zu adaptieren die dabei behilflich ist. Es geht keineswegs darum, ob man nun Lyx einsetzt, sondern man sollte jene Software einsetzen, die am wenigsten kostet.

SCIGEN
Im Jahr 2005 wurde das berühmt berüchtige Scigen Paper veröffentlicht. Das Projekt wurde nachträglich als Versuch gedeutet, ein Unsinnspaper in einem wissenschaftlichen Journal unterzubringen und einen Fake-Vortrag darüber zu halten. Doch was Jeremy Stribling et al. wirklich versucht haben, war ihre eigenen Kosten zu senken. Es ging keineswegs darum bewusst Unsinn zu erzählen oder sich als Wissenschaftler zu verkleiden sondern es ging darum, lowprofile Wissenschaft zu machen, also möglichst lowquality Science zu produzieren als Gegenentwurf zu dem was normalerweise üblich ist. Selbstverständlich hat es Stribling dabei übertrieben, er hat ein wenig zuviel weggelassen was dazu führte dass er tatsächlich nur noch Fake-Science ohne Substanz betrieben hat, die Stoßrichtung ist jedoch zu begrüßen. Es wurde hinterfragt ob man am wissenschaftlichen Publishing Prozess und beim Halten von Vorträgen nicht irgendwas weglassen kann, was möglicherweise keinien Sinn ergibt.

Ganz sicher kann man mit Scigen keine wissenschaftlichen Paper erzeuen, aber mit dem zugrundeliegenden Tex-System schon. Und ganz sicher kann man mit angeklebtem Bart keine Fachvorträge halten, aber mit einem preiswerten Second Hand Kittel schon. Ich will damit sagen, dass es im wissenschaftlichen System mehrere Punkte gibt, an denen man Ressourcen einsparen kann und wenn man das macht man eine andere bessere Wissenschaft erhält. Eine bei der man buchstäblich irgendjemanden von der Straße wegcastet und der dann den Vortrag hält ohne dass er einen richtigen Doktortitel hat oder seine Arbeit gepeerreviewed wurde.

FORTSCHRITT WIRD VERSCHLEPPT
Das die Umstellung auf hocheffiziente Workflows zur Erzeugung von wissenschaftlichen Dokumenten bisher noch nicht zum Standard gehört kann man erklären. Die Geschichte des Publizierens insgesamt ist dadurch geprägt, dass zwar technische Innovationen angestoßen wurden, eine breite Adaption jedoch Jahrzehnte und länger brauchten. Das älteste halbwegs effiziente Druckverfahren ist der Bleisatz. Dieser wird heutzutage noch bei Stempeln angewendet wo man die Buchstaben einsortiert und dann auf einem Kissen mit Farbe betupft. Der Bleisatz wurde im Mittelalter erfunden und laut Wikipedia war er bis in die 1970’er Jahre hinein das dominierende Druckverfahren. Zeitgleich dazu wurde ab 1890 schon die erste Linotype Machine erfunden, bei dem nicht der Setzer sondern eine Maschine die Buchstaben zusammenstellte, später kam dann der Fotosatz und ab Mitte der 1980’er das Desktop Publishing hinzu. Heute werden die meisten wissenschaftlichen Dokumente mittels Desktop Publishing erstellt, also so wie es Mitte der 1980’er Jahre erfunden wurde wo man schön auf einem Apple Computer und mit kommerzieller Adobe Software das Layout erstellt und zwar möglichst in einer Druckerei die sich darauf spezialisiert hat. Nur, wie ein Blick auf den Kalaneder verrät ist das System inzwischen schon über 30 Jahre alt, inzwischen gab es mehrere technische Innovationen die wichtigste davon war das Internet. Bis heute haben die Verlage darauf jedoch nicht umgestellt und es ist zu befürchten, dass sie es niemals machen werden. Ihr Selbstverständnis orientiert sich an einem Publishing Verlag, also an einer Insitution die entweder für Print oder für Digital arbeitet.

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Was ist wissenschaftliches Arbeiten?

Die meisten verstehen unter wissenschaftlichem Arbeiten einen Workflow der in ein Paper mündet. Doch eigentlich geht es um soziale Fragen. Einen guten Eindruck erhält man wenn man sich die Webseite https://academia.stackexchange.com anschaut. Die Mehrheit der Fragen orientiert sich keineswegs an der Schriftgröße die man als Überschrift festlegt oder welche Literatur man zitieren soll sondern die Standardfrage geht mehr in Richtung „Ist es meiner Karriere zuträglich wenn ich bei dem Journal einen Artikel einsende?“ oder „mein Professor verhält sich so und so, wie soll ich reagieren?“. Genau genommen bezeichnet „wissenschaftliches Arbeiten“ das Verhalten in einem sozialen Kontext, also was man in der Community der man sich zugehörig fühlt tun sollte und was lieber nicht. Interessant wird es auch, wenn über Textprogramme philosophiert wird. Man erhält auf https://academia.stackexchange.com/questions/30160/why-do-some-journals-prefer-ms-word/30169#30169 einen guten Einblick darin, wie die Praxis aussieht. Dort wird ein Workflow beschrieben, bei dem Phd Doktoranden einen Text in MS-Word vorschreiben, sie dann zu einem Journal hinschicken, wo dann das Word Dokument in das Adobe Indesign Format konvertiert wird. Das ist kein Einzelfall sondern eigentlich machen das 100% aller Journale so. Der Fragesteller wollte wissen, warum die Journale MS Word präferieren. Wiederum ist das eine soziale Frage, weil es dafür keinen anderen Grund gibt außer den, dass es alle so machen.

Macht es aus Kostengründen Sinn, zuerst Word zu nutzen (was ein kommerzielles Produkt ist, nicht im Sourcecode vorliegt, und sehr umständlich zu bedienen ist) um danach dann der Publisher mühsam mittels import Filter und manueller Nachbearbeitung daraus ein Indesign-PDF Paper erzeugt, was dann womöglich hinter einer Paywall verschwindet? Allein die Frage ist schon ketzerisch. Der Sinn ergibt sich daraus, dass es sich um den Ist-Zustand handelt. Und das jeder der davon abweicht, wissenschaftliche Regeln verletzt. Anders gesagt, wenn man das Paper nicht als MS Word Dokument einsendet oder wenn ein Journal nicht indesign für das Layouten nutzt, dann ist das ein Fehler. In dem Sinne, dass die Leser, die Universität oder sonstwer von den Peers damit ein Problem hat.

Das wichtigste Merkmal des kaputten wissenschaftlichen Publikatonssystem besteht darin, dass es sehr zeitaufwendig ist. Die Qualität der Paper wird daran gemessen wieviel Aufwand jemand treibt. Objektiv betrachtet kann man mit dem beschriebenen Workflow eben nicht mal auf die schnelle ein Paper erstellen und veröffentlichen, sondern man muss viele Monate einplanen. Der imense Aufwand der getrieben wird gilt als Ausdruck besonders hoher Güte. So nach dem Motto, wenn man ein Dokument handschriftlich mit einem Federkelch schreibt ist es deswegen automatisch besser. Die Arbeit ist einmalig und ein Kunstwerk. Kein Zweifel, die heutigen Elsevier Journale sind Kunstwerke. Aber kann die inhaltliche Güte mithalten? Diese Frage wird nicht gestellt, weil die meisten Zeitschriften über kein Peer-Review System verfügen, das heißt es gibt niemanden der das Paper lesen und bewerten würde. Vielmehr ist das Veröffentlichen reiner Selbstzweck. Man hat einen Schonraum geschaffen der keine Leistungsbewertung besitzt und freut sich, wenn Studenten versuchen sich darin zurechtzufinden.

Das Helsinki University Museum

Beim Rumstöbern nach guten Schulmuseen ist mir aufgefallen, dass man auch eine Universität in eine Museum verwandeln kann. Und zwar wenn man die Institution als solche in Frage stellen möchte, mit einem gewissen Abstand bewerten und es inszenieren möchte. Das Helsinki University Museum ist dafür ein gutes Beispiel. Es ist zwar keine komplette Universität die als Museeum umgestaltet wurde, aber doch zumindest eine Etage. Der Anspruch des Museeums lautet, etwas über die Geschichte der Universität zu erzählen. Also wie früher einmal die Studenten dort studiert haben, und was es heißt gebildet zu sein. Es gibt sogar einen Youtube Clip „A Student of the Time – coming soon to a museum near you! | Helsinki University Museum“ wo 3 Studenten ein Rollenspiel veranstalten. Sich also kleiden wie früher einmal Studenten aussahen und sich auch so bemehen. Nicht, weil sie wirklich etwas studieren sondern weil sie mehr über die soziale Rolle erfahren möchten. Das besondere daran ist, dass früher Studenten immer männlich waren und soetwas ähnliches wie Offiziere und Gentleman. Die geschichtlichen Hintergründe arbeitet Wikipedia ziemlich gut auf https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Universit%C3%A4t Danach waren Universitäten früher einmal Gemeinschaften von Lehreren und Lernenden, vergleichbar mit einem Kloster. Daher auch die Dominanz von männlichen Studenten. Neuere Entwicklungen und Reformen begannen erst mit der Studentenbewegung ab den 1960’er Jahren. Der Unterschied war, dass ab da an, alle gesellschaftlichen Schichten also auch Arbeiter und Frauen Zugang hatten zu Universitäten, die Massenuniversität entstand.

Will man die jüngere Universitätsgeschichte als Rollenspiel aufführen muss man vermutlich Studentenproteste inszenieren. Also Männer und Frauen die mit Plaketen lautstark etwas fordern, Hörsääle besetzen und sich von Polizisten wegtragen lassen. Das interessante an Studentenprotesten in jüngerer Zeit ist, dass die Eskalation in Bezug auf externe Strukturen wie Polizei, Medien und Politik gesucht wird. Also aus dem Protest immer auch ein Medienereignis wird. Darüber versucht jede Seite Druck auszuüben und die Deutungshoheit zu gewinnen. Der Grund ist dass auch die erste Proteste in den 1968 einen politischen Kontext besaßen (Dritte Welt, Vietnamkrieg, soziale Ungleichheit) und das in den Universitäten über gesellschaftliche Themen verhandelt wurde.

Auch heute noch eignet sich die Universität sehr gut, um gesellschaftliche Forderungen durchzubringen. Weil dort die Medien eine Kulisse vorfinden die man in den Nachrichten zeigen kann. Das ist der Hauptunterschied zu Schulen, die üblicherweise nicht als gesellschaftliches Eskalationmedium verwendet werden.

Zukunft der Universitäten

Über die Geschichte von Schulen gibt es bei Youtube relativ viele Informationen. Zahlreiche Clips mit Schulmuseen inkl. live-Rollenspiel stehen zum Abruf bereit. Wesentlich weniger Material findet sich zur Geschichte der Universität. Aber in Textform hat die WIkipedia zuminidest die wichtigsten Fakten gesammelt: Danach bestehen Universitäten aus einer Anzahl von Personen die sich zu einer Gemeinschaft zusammenfinden:

„The original Latin word „universitas“ refers in general to „a number of persons associated into one body, a society, company, community, guild, corporation, “ https://en.wikipedia.org/wiki/University#History

Dann gibt es noch einen historischen Überblick über Universitäten im Mittelalter, in der Aufklärung und in der Neuzeit. Üblicherweise ist Universität und Institution dasselbe. Es handelt sich also um abgeschlossene Räume, vergleichbar mit einer Kadetten-Akademie und einem Kloster, die entrückt von der restlichen Gesellschaft existieren. Eben ein speziell der Bildung vorbehaltener Rahmen. Ist dieses Konzept noch zeitgemäß, und wie sieht eine Universität im Internet-Zeitalter aus? Die Antwort ist betrüblich: ähnlich wie normale Schulen auch, ist das die Idee als solche überholt. Es macht keinen Sinn, auf einem speziellen Gelände ausgewählte Personen zusammenzuziehen, damit diese über Mathematik oder Literatur philosophieren, sondern Bildung ist eine Querschnittsdisziplin die über alle gesellschaftlichen Strukturen hinweg von Bedeutung ist. Das beste Beispiel ist vermutlich der einfache Bauer, der heutzutage nicht einfach nur Bauer ist, sondern in einem supermordernen gps-gesteuerten Traktor nach wissenschaftlichen Prinzipien die Ernte einholt, und sich mit seinen Mitkollegen überall auf der Welt in engem Kontakt ist, sowie auf Wissenschaftliche Daten aus der Meteorologie angewiesen ist.

Ähnlich wie eine Bibliothek erfüllten Universitäten in früheren Zeiten einen Zweck: und zwar ging es um Wissenschaft. Frühere Bibliotheken waren vor allem klein. Sie bstanden aus nicht mehr als 10000 Büchern, auf die nur wenige Leute zugreifen wollten. Und ähnlich waren frühere Universitäten vor allem auf die Ausbildung von einigen wenigen Leuten hin ausgelegt. Im Mittelalter waren das gelehrte Mönche, später waren es dann Offiziere. Auf einen Offizier kamen 100 Soldaten, die allesamt nicht an der Universität ausgebildet wurden, sondern gar nicht. Können sich moderne Gesellschaften diesen Luxus leisten? Nein, das Konzept ist überholt. Universitäten stehen zur Disposition, sie sind antiquierte Relikte einer vergangenen Epoche. Sie können per se nicht modernsiert werden. Das Grundkonzept einer Universität besteht immer darin, Insitution zu sein, also einen Raum zu schaffen, der örtlich begrenzt ist und der nur wenige Studenten beherbt.

Noch in den 1970’er Jahren hat man versucht, dieses Konzept zu erweitern. Die Massenuniversität war geboren. Die Idee damals war es, die Anzahl der Studenten zu erhöhen, die Durchlässigkeit für breite Schichten zu verbessern. Dieses Konzept stößt jedoch an Grenzen. Man kann ein Gebäude schon baulich nicht für 20000 Leute herrichten, weiträumige riesige Universitätskomplexe sind an einer Wachstumsgrenze angelangt. Ähnlich wie bei Bibliotheken auch besteht die Weiterentwicklung darin, die Vermittlung von Wissen ins Internet zu verlagern. Distance Learning heißt das Zauberwort. Das jedoch hat mit einer Universität nicht mehr viel zu tun. Distance Learning ist im Grunde nichts anderes als ein Videoportal wie online-vorlesungen.de auf dem H.264 Video gehostet werden, die irgendwo auf der Welt erstellt wurden. Es ist keine Insitution mehr sondern eine Inhaltsbeschreibung. Es geht nur noch um Mathematik, Physik oder was auch immer.

Jetzt mögen einige einwenden, dass OpenCourceware und andere Angebote auch soetwas wie eine Universität wären. Das sind sie leider nicht. Es gibt dort gerade keinen Universitätsdekan, keine Mensa, keine Prüfungsordnung, und keine Studenten sondern e-learning ist etwas anders. E-Learning bedeutet die Universität durch etwas besseres zu ersetzen.

Rein formal gibt es sie noch: die großen Qualitätsuniversitäten. Sie heißen Harvard, M.I.T oder ETH Zürich und sie bilden aus: Lehrer, Wissenschaftler und Ärzte. Aber das tun sie heute anders als früher. Die einstigen Spitzenuniversitäten sind zu einer Simulation verkommen. Damit ist gemeint, dass sie ähnlich wie Schulen auch in einer Legitimationskrise gefangen sind. Ob man nun in Stanford Kurse belegt hat oder nicht spielt keine Rolle, weil man die Vorlesung ja auch bei Youtube nachschauen kann. Und ob man mehr über Mathematik weiß, wenn man auf dem Campus vom M.I.T. wohnt als jemand der noch nie eine Universität von innen gesehen hat, ist ebenfalls fraglich.

So richtig traut sich derzeit keiner heran die Problematik zu benennen. Universitäten befinden sich in einem Schonraum, der sie gegen jede Kritik schützt. Scheinbar sind sie unersetzlich und scheinbar sind sie gut gerüstet für die Anforderungen von morgen. Tatsächlich ist die reale Stanford Universität einfach nur ein Witz. Die dortige Bibliothek gehört angeblich zu den besten der Welt, tatsächlich kann sie jedoch mit Google Scholar nicht mithalten. Und ähnliches gilt für die Lehrangebote. Sie mögen im Vergleich zu anderen Hochschulen sehr gut sein, aber man lernt dort nur das, was an Stanford unterrichtet wird. Das ist, wenn man international mithalten will, doch etwas wenig.

Ich glaube es ist an der Zeit, Universitäten in ihrer historischen Funktion zu betrachten. Also nicht länger in der Gegenwart zu verorten und mit der Hoffnung aufzuladen, man könnte dort etwas über Kunst oder Mathematik lernen, sondern vielmehr ihre Geschichte zu erforschen. Also zu ergründen, warum Universitäten gegründet wurden, was ihr Selbstverständnis war und warum sie heute nicht mehr zeitgemäß sind.

Ähnlich wie das Röhrenradios würde ich Universitäten als gute Technologie bezeichnen. Es ist etwas, was Sinn machte, als es erfunden wurde. Es erfüllte einen bestimmten Zweck. Das Problem ist nur, dass nach dem Röhrenradio das Transistorradio und später das iPhone kam und so ähnlich geht es auch mit den Universitäten. Sie sind ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Bildung. Einer der gekoppelt war an das klassische Buch und die mündliche Vorlesung.

GRAZ
Eine Imagefilm zur Geschichte der Univerisität Graz:

Am Ende heißt es im O-Ton dass die Universität aktuell 30000 Studierende hat. Was ein extrem hoher Wert ist, aber im Vergleich dazu sollte man wissen, dass die Stadt Graz derzeit 270000 Einwohner hat. Können es sich die 90% der Einwohner von Graz leisten, nicht an der Uni eingeschrieben zu sein, also keinen Zugriff zu haben auf die neusten Erkenntnisse der Mathematik, Physik, Landwirtschaft und Ökonomie? Und Graz gilt bereits als Universitätsstadt, wo also Bildung groß geschrieben wird.

Was tun gegen Technophobie bei Lehrern?

Das Paper Ali Asghar Yousefi Azarfam: „Dealing with Teachers’ Technophobia in Classroom“, https://www.researchgate.net/publication/277830848_Dealing_with_Teachers%27_Technophobia_in_Classroom kommt zu der erfrischend nüchternen Erkenntnis, dass Lehrer sich generell schwertun mit Computern. Im letzten Teil werden dort mögliche Lösungsstrategien diskutiert wie das Aufbauen von Technik-Skills und es wird empfohlen, dass die Lehrer einfach von ihren Schülern lernen sollten. So wohlmeinend diese Ratschläge doch sein mögen, werden sie dem Problem nicht gerecht. Weil Schule ja als Voraussetzung besitzt, dass die eine Seite bereits über das nötige Knowhow verfügt, andernfalls wird sie ihrem eigenen Selbstverständnis nicht gerecht. Was also tun? Ich glaube, die Lage ist hoffnungslos. Technophobe Lehrer und eine immer technologischer ausgerichtete Wissensgesellschaft passen ganz einfach nicht zusammen. Man muss sich einmal klarmachen was Technophobie im Klassenzimmer konkret bedeutet: es heißt, dass man auf herkömmliche Medien wie Tafel und gedrucktes Schulbuch setzt, das Internet jedoch ignoriert. Es heißt, dass man alles was etwas mit Technologie zu tun hat nicht unterrichtet. Also keine Mikroelektronik, keine Computerspiele, keine Technomusik und ganz besonders keine Informatik. Üblich bleibt da nur noch ein Unterricht der auf Sport setzt und wo vielleicht das Mittelalter erläutert wird, also eine Zeit wo die Menschen noch kein fließend Wasser hatten und mit spätestens 30 Jahren an Typhus gestorben sind.

Sowas ist kein Unterricht sondern das ist Ausdruck eines dysfunktionalen Systems. Richten wir einen Blick auf gesellschaftliche Strukturen die möglicherweise anstatt der Schulen einspringen könnten. Da wäre zum einen der Konzern Google zu nennen, der mit seiner Suchmaschine dafür sorgt, dass Schüler von zu Hause aus und ganz entspannt an die wichtigsten Informationen gelangen können. Da wäre der Apple Konzern zu nennen, welcher preiswerte iPads herstellt, die optimal geeignet sind, um Musik abzuspielen, Lehrbücher anzuzeigen und Uni-Vorlesungen wiederzugeben. Zu guter letzt sind noch Internet-Service-Provider zu nennen, welche Hochgeschwindigkeits-Datenleitungen bis in jeden Winkel verlegen und worüber man preiswert im Internet surfen kann. Es gibt noch viele weitere gesellschaftliche Strukturen, welche für Bildung im technologischen Zeitalter sorgen aber das sind erstmal die wichtigsten. Generell befinden sich Schulen wie Lehrkräfte also in einer Konkurrenzsituation zu Google, Apple und AT&T. Wer dabei zu den Verlierern gehört ist absehbar. Es sind die klassischen Schulen. Sie sind nicht in der Lage mit den kommerziellen Diensten gleichzuziehen. Auch mit viel Bashing gegen Google und Apple wird kaum jemand es schaffen die Schulen als die besseren Vermittler von Bildung hinzustellen.

Die Prognose sieht für die Schulen nicht gut aus. Vermutlich wird in 10 Jahren das Kräfteverhältnis noch sehr viel ungünstiger für die Schulen ausfallen. Und das merken natürlich auch die Lehrkräfte. Das was sie im Unterricht erzählen interessiert die Schüler nicht im mindesten. Sie sitzen ihre Zeit in der Schule nur ab, wohl wissend, dass sie wichtige Dinge bei Wikipedia und Co sehr viel effektiver lernen als durch das Erledigen von Hausaufgaben oder das Vorbereiten auf Klassenarbeiten. Und weil sich Lehrer dessen bewusst sind, entsteht eine zynische Spirale, wo die Lehrer noch nichtmal den Versuch unternehmen die neuen Medien oder das Internet in den Unterricht zu integrieren. Wohl wissend, dass sie selbst dazu nicht die Fähigkeiten mitbringen und im Zweifel vor ihren Schülern nicht bestehen. Die sozialen Auswirkingen sind fatal. es baut sich eine Kriegsähnliche Situation zwischen Schülern und Lehrern auf, bei dem es nur noch darum geht, dass sich die Seiten gegenseitig fertigmachen. Die Schüler stören den Unterricht, und bringen durch ketzerische Rückfragen das didaktische Konzept zum Erliegen, während die Lehrer die Störenfriede mit Sitzenbleiben und nicht-Empfehlungen für weitergehende Schulen bestrafen. Ein konstruktiver Unterricht wird so unmöglich.

Diesen Teufelskreis zu durchbrechen ist unmöglich. Ich meine, wie soll ein Lehrer mit Google und Co noch mithalten? Das was er erzählt und seine Lebenserfahrung ist komplett unwichtig wenn man wie bei jungen Menschen üblich den Fokus auf die Zukunft richtet. Was die Schüler stattdessen tun ist folgendes: einerseits versuchen sie im Unterricht selber nicht aufzufallen, also sich durch das System zu schmuggeln, gleichzeitig verlagern sie ihr Unterrichtspensum in die Freizeit. Nutzen also das Internet wie eine Schule um dort die Informationen zu holen, die sie benötigen.

Das Problem ist gravierend: wenn Schulen nicht länger der Mittelpunkt der Lernbiographie sind, welche soziale Rolle wird ihnen dann in Zukunft zuteil? Leider bleibt da nicht mehr viel übrig. Schulen sind im wesentlichen Gebäude wo viele Menschen zusammenkommen und wo es keine oder nur sehr wenige externe Medien gibt. Die Anzahl der Bücher in einem Klassenraum ist selbst an Gymnasien gering, und mit Online-vermitteltenden Wissensangeboten können Lehrer nicht konkurrieren. Im Grunde bleibt da als Aufgabe nur noch übrig, dass die Lehrer für Disziplin und Respekt sorgen. Sich also auf Formalunterricht zurückziehen, wo darauf geachtet wird, dass die Schüler korrekte Uniform tragen, dass sie den Lehrkörper mit „Sehr geehrter Herr Lehrbeauftragter“ anreden und das sie pünktlich zum Unterricht erscheinen. Schlimm wird es, wenn das das einzige ist, was Schulen bieten können. Weil dann nähmlich nicht nur die leistungsschwächeren Schüler sondern auch die Streber das System in Frage stellen.

Um zu verstehen wie Schule scheitert, müssen wir uns zurückbewegen in eine Zeit wo Schule noch Sinn machte. Um das Jahr 1900 war das der Fall. Die Gesellschaft damals hatte keine Bücher und kein Radio. Und die unmittelbaren Bekannten aus dem Dorf konnten auch nicht Lesen und Schreiben. Wollte man damals etwas über die Welt erfahren, Bücher lesen oder gar selber Bücher schreiben, war die Schule die Rettung. Dort gab es nicht nur ausgebildete Lehrer, die Ahnung hatten von Mathematik, Kunst und Biologie, sondern in den Schulen gab es auch gedruckte Bücher und Lehrmaterialien wie Landkarten, physikalische Experimente und Diavorführungen. Die damalige Zeit war also dadurch geprägt, dass Schulen gegenüber der Alltagswelt einen massiven Vorteil hatten. Und wer sich länger in Schulen aufhielt daraus einen Vorteil zog. Kinder die nur selten in die Schule gingen und auf dem Land groß wurden, waren abgeschnitten von Mathematik und anderen Fächern, während Schüler die viel und häufig eine Schule besuchten sehr nützliche Dinge lernten und es weit bringen konnten in der Welt.

Diese historische Bedeutung der Schule zu erwähnen ist wichtig, wenn man erkennen möchte was sich seit dem Jahr 1900 verändert hat. Die Schulen haben sich seit damals nicht verändert. Die Versorgung mit Tafelkreide, die Anzahl der Atlanten und die Qualifikation der Lehrer ist die selbe geblieben. Ja es gab sogar kleine Verbesserungen. Heute sind die Karten im Erdkunderaum sogar farbig, und die Lehrer sind viel besser ausgebildet als ihre Pendents im Jahr 1900. Auch die Unterrichtsmethoden haben sich verbessert, der Rohrstock wurde dankenswerter abgeschafft. Das Problem ist nur, dass die Welt außerhalb der Schule sehr viel stärkere Fortschritte gemacht hat. Es kam zu einer Medienrevolution die mit Radio, Fernsehen und Computer begann und sich später zum Internet und Web 2.0 ausweitete. Gleichzeitig sind die Anforderungen an den modernen Menschen gestiegen. Wer heute nur das weiß was er in der Schule gelernt hat, gehört zu den Verlierern.

An dieser Stelle nochmal zur Eingangsfrage wie man das Dilemma beheben kann. In den meisten Publikationen ist zu lesen, dass Schulen sich öffnen müssten, und das Lehrer versierter werden müssten im Umgang mit dem Internet. Aber ist das wirklich die Antwort auf die Krise? Nein, die Antwort lautet, die Krise zu verstärken. Das heißt, private Konzerne wie Google, Apple und Co müssen nochmehr auf Bildungsangebote setzen wodurch die Schwächen der klassischen Schulen noch sichtbarer werden. Langfristig führt das dazu, dass Schulen irgendwann ignoriert werden. Es handelt sich um Institutionen, die in Vergessenheit geraten. Womöglich könnte man Schulen in Museumsschulen umgestalten, um so eine Zeit zu konservieren wie sie früher einmal war. Ein Klassenraum könnte man im Stil der DDR einrichten, einen weiteren im Stil des Jahres 1900, einen weiteren wie eine Dorfschule usw. und dann werden Theaterstücke aufgeführt die vorher geprobt werden, wodurch Besuchergruppen erfahren was Bildung früher einmal bedeutete. So ähnlich, wie auch Bibliotheken in Richtung Museum umgebaut werden, wo also dezidiert altertümliche Bandkataloge ausgelegt werden. Nicht länger mit der Idee den Besuchern Bücher zur Verfügung zu stellen, sondern ihnen Erfahrungen zu vermitteln. Und Lehrer in den so umgestalteten Schulen sind dann ebenfalls Ausstellungsstücke. Also Schauspieler in einem lebenden Museum die eine bestimmte Epoche verkörpern und die man etwas fragen kann, so als wenn man in einer virtuellen Umgebung mit Avateren interagiert.

Im obigen Video sieht man ein sinnstiftendes Schulmuseum. Damit ist eine Institution gemeint, die einerseits mit völlig veralteten Methoden und Medien auskommt, gleichzeitig aber das so gewollt ist. Sowohl die Schüler als auch die Lehrer spielen eine soziale Rolle. Angefangen über die Kleidung bis hin zur Sprache ist alles auf eine bestimmte Epoche hin zugeschnitten. Ein netter Nebeneffekt davon ist, dass endlich Schüler dafür bezahlt werden, dass sie zur Schule gehen. Sie erhalten einen netten Arbeitsvertrag, wonach sie eine bestimtme Zeitspanne als Komparse, vorlauter Bengel oder was auch immer in eine Rolle schlüpfen.

Schaut mans ich auf Youtube einmal um, so gibt es überraschend vieler solcher Schulmuseuen. Offenbar haben die Beteiligten viel Spaß daran was wohl damit zusammenhängt dass man ahnt, dass Schule ein Auslaufmodell ist. Sowohl Lehrer als auch Schüler wissen insgeheim, dass die klassische Schule keine Relevanz mehr besitzt und die logische Folge darin besteht sie zu inszenieren. Dadurch erhält sie wieder Sinn, allerdings auf einer anderen Ebene. Auch in der oben beschriebenen Museumsschule lernen die Schüler buchstäblich gar nichts, sondern was sie dort tun ist es, ein Theaterstück aufzuführen. Also für die Kamera Schule zu spielen. Das Phänomen altertümliche Geräte oder Ideen in ein Museum zu verfrachten ist nichts ungewöhnliches. Obwohl ein klassisches UKW-Radio wohl in der Gegenwart keiner mehr verwendet ist das Radio keineswegs tot. Es lebt weiter im Radiomuserum und wird dort ergänzt um Schautafeln und Sinnstiftende weitere Radiogeräte die teilweise noch mit Röhren arbeiten und eine lange Einschaltzeit besitzen. Der eihzige Ort wo das Radio wirklich tod ist ist die Gegenwart, also das Jahr 2017. In einem Museum hingegen sind Radio wie auch die Schule gleichermaßen aktueller denn je.

Das sinnstiftende Schulmuseum

Ausgangspunkt war ein unscheinbarer Text Ali Asghar Yousefi Azarfam: „Dealing with Teachers’ Technophobia in Classroom“ der Lehrern pauschaul Technophobie unterstellt, und dessen Ratschläge für die Zukunft wenig einleuchtend klingen. Um es abzukürzen. Die Institution Schule hat keine Zukunft, das Internet erfüllt viel besser diese Funktion. Die Schule wird jedoch weiterleben und zwar als Museum. Es wird dort mit Sinn aufgeladen werden, den es in der Gegenwart eingebüßt hat. Gut möglich, dass Lehrer wie Schüler gleichermaßen in einer Muserumsschule sogar Theaterstücke aufführen, also Live-Rollenspiele um den Alltag zu demonstrieren. Entweder für Schülergruppen oder für die Kamera. Also Schule spielen so wie sie vor 40 Jahren einmal war. In solchen Simulationsräumen kann man ausgezeichnet die jeweiligen Realitätsannahmen herausarbeiten. Also Schüler wie Lehrer gleichermaßen in ihrer sozialen Rolle überzeichnen um zu zeigen wie Schule hätte sein sollen.

Der Vorteil von Museumsschulen besteht darin, dass sie von ihrer Funktion als Ort der Bildung entlastet werden und nichts weiter sein müssen als sie selbst. Das heißt, der Anspruch den es zu erfüllen gilt ist herauszuarbeiten, wie zu einer Zeit bevor es das Internet gab, die soziale Einrichtung Schule funktioniert hat, welche Rollenstereotypen dort vertreten waren und wie sie die weitere Lernbiographie der Schüler beeinflusst hat. Mag sein, dass es in der Gegenwart zu viele echte Schulen gibt, aber es gibt auf jeden Fall zu wenig Museumsschulen. Wo also mit Liebe zum Detail festgehalten wird was Pädagogik früher einmal war und wie die inneren Mechanismen von Tafel und Klassenarbeiten sind. Das Konzept Schule bis zur 12. Klasse basiert im wesentlichen darauf, wenig oder gar keine externe Medien zu verwenden. Üblich war es, dass die Schüler am Jahresanfang 10 Bücher ausgehändigt bekamen. Eines für Mathematik, eines für Deutsch, eines für Geschichte usw. und das diese Bücher dann gemeinsam mit dem Lehrer im Verlauf des Jahres durchgearbeitet wurden. Zusätzlich haben die Lehrer noch Übungsblätter ausgeteilt und Tafelanschrieb eingesetzt um Inhalte zu vermitteln. Das war im wesentlichen der komplette Lehrstoff den Schüler bewältigen mussten. Nicht besonders viel. Aber früher war das Angebot an Informationen auch gering. Es gab weder Fernsehen noch Suchmaschinen, und Schulbücher waren gegenüber dem was davor verwendet wurde bereits eine Verbesserung. Ohne Schulbücher (und jetzt reden wir von einer Zeit um 1900) war der Lehrer das alleinige Medium. Das heißt, er hat den Schülern etwas erzählt und etwas an die Tafel geschrieben. Bücher zum selberlesen gab es damals noch nicht.

Das traditionelle Schulen ein überholtes Konzept sind braucht nicht explizit erwähnt werden, das sieht man auf den ersten Blick. Wichtig ist sich klarzumachen, dass Schulen eine gesellschaftliche Funktion besaßen. Sie dienten dazu, den Nachwuchs mit dem zu unterrichten was als wichtig angesehen wurde. Und ganz wichtig, mittels Schulnoten wurde auch eine Rangfolge gebildet in dem Sinne, dass einige wenige ausgewählt wurden, die studieren durften, während die große Masse nach Abschluss der Schule keine weitere Bildung erhielt. Sie wurde auf dem Feld oder als Magd in der Küche eingesetzt. Dafür reichten 8 Klassen Schulunterricht locker aus.

Die Hochzeit der Institution Schule war Ende der 1970’er. Als es zwar schon Radio gab, aber noch kein Fernsehen. Und ganz beosnders kein Privatfernsehen a la MTV was das Bildungsmonopol des Staates in Frage gestellt hätte. Das war eine Zeit wo Schule noch Sinn machte, in dem Sinne das hingehen besser war als nicht-hingehen. Ab den 1980’er und erst Recht mit Aufkommen des Internets haben die Schulen ihre Funktion verloren. Sie waren nur noch ein Bildungsanbieter unter vielen und in jüngerer Zeit sogar der schlechteste. Verändert haben sich die Schulen seit den 1970’er Jahren nicht, sondern die Welt außerhalb der Schulen ist eine andere. Ausgelöst wurde diese Revolution durch die Technik. Genauer gesagt begann ab den 1970’er Jahren der Siegeszug der Mikroelektronik und der Halbleiterbauelemente, wodurch Fernsehen und Computer sehr viel preiswerter wurden. Anfangs haben weitsichtige Pädagogen noch versucht, die alternativen Medien wie Fernsehen zu verteufeln. Erinnert sei an die aufopferungsvollen Versuche von Neil Postman das gedruckte Buch gegenüber dem Fernsehen zu verteidigen. Und selbstverständlich war die Schule und die Universität die einzigen, welche im Besitz von Büchern waren. Später wurde dieser Kulturkampf immer aussichtsloser und spätestens seit Wikipedia hat das Internet sich von einem zweifelhaften Medium in ein seriöses Fenster zur Welt verwandelt.

Auf der Strecke geblieben ist die Schule. Sie wird heute in Videoclips verspottet (Olli Banjo – Randale in der Sonderschule). Aber die Schule ist nicht tod, sie lebt weiter. Heute ist es wichtiger denn je sich mit Schule zu beschäftigen und ihre Historie aufzubereiten. Sonst besteht die Gefahr, dass in 20 Jahren niemand mehr weiß was es hieß „zur Schule gehen“.

Biographie-gebundenes Publizieren

Das klassische Akademische Publishing ist an soziale Merkmale gebunden. Es wird durchgeführt von der Institution Hochschule, und Teilnehmer sind Doktoranden. Doktorand wiederum ist ein biographisches Merkmal was sich dadurch ergibt, dass man einen bestimmten Karriereweg einschlägt: also eine höhere Schule besucht, studiert und danach eine Doktorarbeit verfasst. Im klassischen Publishing gibt es keinerlei Quererinsteiger und es gibt auch keine Nicht-Universitäten die etwas veröffentlichen. Woher kommt diese Fixierung auf soziale Merkmale von Bildung? Diese hat mediengeschichtliche Ursachen. Bildung auf Universitätsniveau ist gebunden an Lehrveranstaltungen und Bücher aus dem akademischen Milieu. Beides ist traditionell an den Ort einer Universität gebunden. Das heißt, Bibliotheken wo man sich Bücher mit wissenschaftlichen Inhalt ausleihen kann gibt es nur neben einer Universität, und auch Lehrveranstaltungen / Konferenzen werden in diesem Kontext ausgeführt. Und hier kommt das Internet ins Spiel. Durch das Internet kann man beides virtuell anbieten. Damit entfällt die Notwendigkeit Bildung an Universitäten zu koppeln. Was das bedeutet ist vielen noch nicht ganz klar. Und aktuell bedeutet es noch überhaupt nichts, weil nach wie vor nur an Universitäten und von Doktoranden publiziert wird. Was es jedoch gibt ist der wage Verdacht, dass diese enge Verbindung zur Disposition steht. Die alternative dazu lautet, wissenschaftliche Dokumente unter marktökonomischen Aspekten zu definieren. Wo also Einzelpersonen miteinander wetteifern.

Es geht keineswegs um die Frage: OpenAccess vs. Paywall, sondern worum es geht ist OpenAccess vs. academic social Networks. Bei reinem OpenAccess bleiben die klassischen Instutionen intakt. Das Dokument wird nach wie vor von der eigenen Universität veröffentlicht. Bei Academic social Networks hingegen verliert diese Bindung an Aussagekraft. Das Paper als solches rückt in den Mittelpunkt. Es ist so, als wenn man den Autorennamen und die Universität weglöscht und nur noch den Text als solchen übriglässt. Dieser wird durch Suchmaschinen indiziert und dient als Quelle für andere Texte.