Unfriedlicher Disney Roboter vorgestellt

Seit April 2017 sind die ersten Youtube Video aufgetaucht die einen neuen Disney Roboter im Themenpark Tomorrowland zeigen. Wenn ich mich recht entsinne wurde eine ähnliche Konstruktion bereits auf Technikmessen gezeigt, ohne jedoch die Interaktion mit dem Publikum auf Video festzuhalten. Der Disney Roboter trägt die Bezeichnung „iCan“ und verhält sich menschenecht, das heißt er besteht den Turing-Test. Er ist so gut darin, dass die Vermutung nahe liegt es wäre keine Maschine sondern entweder ist direkt ein Schauspieler in dem Kostüm, oder aber es handelt sich um ein Telepräsenzsystem. Was iCan nun genau ist bleibt unklar, wie alle Attraktionen von Disney ist das ganze als Zaubertrick ausgelegt, das heißt es wird offen gelassen wie die technische Realisierung stattfindet.

Dennoch kann man iCan in einen Kontext setzen mit ähnlichen Attraktionen und vielleicht sogar versuchen ein wenig mehr die technischen Hintergründe zu beleuchten. Zunächst einmal zur Geschichte der Animatronics die von Disney selber eingesetzt werden. Relativ bekannt und schon länger verfügbar sind die Audio-Animatronics Figuren, es handelt sich dabei um lebensgroße Nachbildungen von amerikanischen Präsidenten und Aschenputtelfiguren die sprechen können. Eine Stufe weiter geht die „Lucky the Dinosaur“ Darbietung bei dem ein Dinosaurier mit einem Wagen herumläuft und den Kopf bewegt. Ebenfalls bekannt ist die „Muppet Mobile Lab“ Show, sie ist deshalb bemerkenswert weil rein von der Mechanik dort kein Mensch verborgen sein kann sondern zur Stabilisierung der Plattform zwingend Algorithmen eingesetzt werden müssen. Doch kommen wir jetzt zu iCan. Im Grunde gibt es zwei Möglichkeiten: entweder es handelt sich um einen hochentwickelten Roboter, oder es ist kein Roboter. Unterstellen wir mal es wäre ein Roboter. Der Fachbegriff der in der wissenschaftlichen Literatur verwendet wird lautet Animabotics. Es handelt sich um eine weiterentwickelte Form eines Talking-Head. Also eine Mischung aus Mechanik, KÜnstlicher Intelligenz Software mit dem Zweck des Entertainment. Unter der Bezeichnung „Philips iCat Robot“ gibt es mehrere wissenschaftliche Veröffentlichungen die einen Talking-Head zeigen. Von „icat“ steht zweifelsfrei fest, dass er nicht ferngesteuert ist und ein richtiger Roboter ist. Sein Geheimnis liegt in der hochentwickelten Software. Es handelt sich um ein integriertes System aus Umgebungserkennung, Motion Planner und Chatbot. Unter der Bezeichnung JAST wurde der icat Talking Head auf einen Robotertorso draufgeschraubt und mit Manipulativen Fähigkeiten ausgestattet.

Ob aus dem JAST Projekt das Disney ican Projekt hervorging ist unklar, Literatur gibt es dazu nicht. Aus dem Jahr 2007 gibt es ein Paper was das JAST System näher erläutert: „Integrating Language, Vision and Action for Human Robot Dialog Systems, 2007“ https://pdfs.semanticscholar.org/5715/8ed9a1451cf4fb5be11d388734ed7cc1a7bc.pdf Als Projektziel wird nur lapidar auf ein „integratives System“ referenziert. Damit ist eine Softwarearchitektur gemeint, die sehr unterschiedliche Dinge wie Sprache, Dialogmanagement, Vision, Motion Planner, Objektmanipulation, Animatronics, Emotion miteinander kombiniert. Zumindest einige technische Details werden in dem Paper erläutert. Als Middleware wird „Internet Communications Engine (Ice)“ verwendet, eine CORBA ähnliche Plattform mit der man unterschiedliche Programmiersprachen koppeln kann, für die Spracherkennung wird bei JAST Dragon NaturallySpeaking genutzt, weiterhin gibt es einen Facetracker, und für das Natural Language Parsing kommt OpenCCG zum Einsatz. Zur Sprachsynthese kommt eine Software von AT&T zum Einsatz. Insgesamt beschreibt der Begriff „integrativ“ das System ganz gut. Unklar ist aus wieviel Lines of Code das ganze besteht und wie üblich — leider — fehlt der Sourcecode vollständig.

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Über das Führen von Gottesbeweisen

Einen Gottesbeweis zu führen ist simpel. Zuerst einmal benötigt man Fakten die sich zugetragen haben. Das kann die persönliche Schildung eines Erlebnisses sein wie z.B. das jemand berichtet er habe einen Engel gesehen oder es sind Messergebnisse, oder vielleicht Fotos von übernatürlichen Ereignissen. Auch ein Gewitter, Lichterscheinungen oder eine merkwürdige Reise können dazu zählen. Im zweiten Schritt werden diese Fakten interpretiert, und hier kommt der eigentliche Gottesbeweis ins Spiel. Er funktioniert so, dass man willkührlich ausschließt dass Gott damit auf gar keinen Fall etwas zu tun haben kann und das andere Ursachen existieren müssen. Das heißt, wenn jemand einen Engel gesehen hat, redet man ihm ein, dass es auf keinen Fall der Engel aus der Bibel gewesen sein kann und das man jetzt gemeinsam nach einer anderen Erklärung sucht. Und wenn ein Gewitter stattfand, es auf gar keinen Fall die Rache eines erzürnten Gottes gewesein sein kann (auch wenn man das vielleicht vermutet), sondern dass es zwingend wissenschaftliche Ursachen geben muss. Kennt man diese noch nicht umso besser, dann hat man ein interessantes Forschungsgebiet wo man seiner Fantasie freien lauf lassen kann. Man kann ruhig die Messergebnisse fälschen oder sich eine komplette Unsinnserklärung ausdenken, es darf nur nichts mit Gott oder der Bibel zu tun haben.

Natürlich sind derartige Gottesbeweise umstritten. Weil sie eben mit einer Grundhaltung geführt werden und nicht ergebnisoffen jede Erklärung gelten lassen. Stattdessen wird vor der eigentlichen Untersuchung schonmal übernatürliche Deutungsmuster zurückgewiesen. Wie kann man sich sicher sein, dass nicht doch Gott hinter dem Gewitter steckt? Die Antwort lautet: man ist sich nicht sicher. Deshalb muss man ja die Nichtexistenz von Gott explizit beweisen. Es ist wirklich schwer, die Wahrheit zu leugnen und wissenschaftliche Deutungsmuster zu bemühen, aber langfristig zwahlt es sich aus, weil man darüber lernt, andere Menschen zu manipulieren. Die komplette Wissenschaften wurdenn erfunden um Menschen zu betrügen. Schon die ersten Gravitationsexperimente von Newton waren gefakt. Sie wurden mit einer vorgefassten Grundhaltung durchgeführt, nähmlich dass auf gar keinen Fall der Hergott dahinter steckt wenn ein Stein zu Boden plumpst. Das heißt, Newton und alle die seine Theorien weitererzählen haben sich der Häresie schuldig gemacht. Newton wusste, dass er nur Unsinn erzählt, dass seine Theorie es nicht mit der Wahrheit der Bibel aufnehmen konnte. Er wusste dass er ein Zauberer und Betrüger ist. ABer er war verdammt gut darin.

In dem Gedicht „Faust“ von Goethe gibt es eine Stelle wo Mephistopheles beschrieben wird, als ein Geist der stets verneint. Damit ist gemeint, dass der Teufel nicht Klarheit in die Welt bringt sondern er Verwirrung stiftet. Das ist das Äquivalent zu einer Beweisführung wo das offensichtliche von Anfang an und ganz bewusst ausgeschlossen wird. Obwohl alle Wissen, was die wirkliche Erklärung für ein Naturphänomen ist, entschließt man sich das nicht zu verwenden. Man gibt freiwillig seine Trumpfkarte aus der Hand und spielt mit den restlichen Karten weiter obwohl diese weniger mächtig sind. Um jetzt noch zu gewinnen muss man zu Tricks greifen, also das typische Falschspiel betreiben. Welche Alternative hätte man denn sonst? Ohne die Trumpfkarte ist man in einer schlechteren Ausgangsposition, die Erklärungen die man liefert passen nicht mehr zu den Beobachtungen, also muss man ausschweifende Erklärungen erfinden und wenn die nicht überzeugen noch weitere Wissenschaftler hinzuziehen die ebenfalls ein diabolische Grundhaltung mitbringen.

Der Ansatz das offensichtliche auszuschließen und zwar ohne Not hat sich bis heute als wissenschaftliche Methoden halten können. Wenn immer ein Augenzeuge berichtet, er habe ein UFO am Himmel gesehen, kommen selbsternannte Skeptiker die nach möglichen Alternativen Erklärungen suchen. Damit ist gemeint, dass sie als erstes einmal die Wahrheit als Lüge bezeichnen und dann mit konstruierten Beweisen eine gegenteilige Weltsicht produzieren. So definieren sie die Ufo-Sichtung um in eine Wettererscheinung. Das ist zwar kompletter Unsinn, weil es nicht mit den meterologischen Daten übereinstimmt, aber zumindest ist es jetzt keine Ufo-Sichtung mehr. Die Kunst besteht darin, den „Elephant in the room“ zuzudecken. Also davon abzulenken dass er existiert und den leuten einzureden, dass sie etwas anderes sehen als eigentlich da ist. Alle guten Wissenschaftler gehen nach dieser Methode vor, es gehört zum 1×1 der Schwarzmagier, Teufelsanbeter und Scharlatane.

Forth dictionary

Ich versuche mich gerade an der Entzifferung eines Textes von Paul Frenger. Dieser hat einen kurzen Aufsatz über einen Surgial Robot verfasst der mit Forth programmiert wurde. Paul Frenger: A Robotic Surgeon for Support of Deep Space Missions: http://www.academia.edu/28458605/A_Robotic_Surgeon_for_Support_of_Deep_Space_Missions Leider ist der Text ein wenig schwer verständlich, abr zumindest wurde auf einen weiteren Text verlinkt in dem das Konzept der AI erläutert wurde: Paul Frenger: Forth and AI revisited: BRAIN.FORTH, https://www.researchgate.net/publication/220177757_Forth_and_AI_revisited_BRAINFORTH Darin ist zu lesen, dass ein Forth Dictionary verwendet wurde, auf das der User zugreifen kann. Eine nähere Erläuterung was das ist gibt es auf Forth dictionary: https://www.forth.com/starting-forth/9-forth-execution/#The_Structure_of_a_Dictionary_Entry
was sich erstaunlicherweise mit der Frenger Definition deckt. Das Problem ist nur, dass ich nicht genau sagen kann ob ein Forth Dictionary eine unglaublich kluge oder unglaublich dumme Erfindung ist. Zwar gibt es auch in Python den Begriff des Dictionarys aber kann man allein auf dieser Basis ein komplettes Programm schreiben?

Aber zurück zu den Frenger-Text. Wenn ich das Konzept richtig verstanden habe wird das Programm nicht auf eine konkrete Aufgabe hin erstellt, sonddern man beginnt mit einem sehr allgemeinen Ansatz wo man erstmal das komplette englische Wörterbuch auf Vorrat als Dictionary definiert und das dann stückweise mit Sinn versieht. So nach dem Motto: dass man gleich von Anfang an, 2000 Befehle definiert welche genauso heißen wie die Verben in der natürlichen Sprache. Leider ist unklar ob das Konzept wirklich aufgeht, weil der Sourcecode zu BRAIN.FORTH konnte ich nirgends finden und ein ähnliches Projekt „Mentifex“ lässt seine User auch ein wenig ratlos zurück,

Das ganze liegt wohl weniger an Frenger und Co, sondern an der Forth Programmiersprache. Das darin verwendete Konzept weicht doch erheblich ab vom üblichen Programmierstil. Die Frage ist nur ob zu Recht oder oder ob es sich dabei um eine Sackgasse handelt.

Womöglich ist das Forth Dictionary ganz einfach mit Python nachbildbar. Unter https://stackoverflow.com/questions/9205081/python-is-there-a-way-to-store-a-function-in-a-list-or-dictionary-so-that-when wird erläutert wie man Funktionsnamen in einem Dictionary speichert und diese aufruft. Dieses Feature lässt sich in weniger als 3 Lines of Code implementieren. Aber: ein Robot-Control-System hat man damit noch nicht, weil es ja darauf ankommt die Funktionen vorher zu definieren, sonst passiert gar nichts.

Ich glaube, worum es hier geht ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. In der Theorie ist ein 4 kb großes Forth System was man auf einem C-64 instaliert vollumfänglich im Stande einen Roboter zu steuern. Wenn man dann noch ein Dictionary mit 200 englischen Vokabeln hinzufügt hat man bereits ein vollständiges Robot-Control-System. Das Problem ist nur, dass mit diesem Vorschlag niemand etwas anfangen kann, er basiert auf einer sehr naiven Vorstellung des Programmierprozesses bei dem die konkrete Realisierung niederen Untergebenen überläst. Man selbst hat ja das theoretische Konzept und den Forth-Interpreter bereitgestellt und die Details sollen dann irgendwelche Mechaniker lösen. Nur, so funktioniert es leider nicht. Weil dieser letzte Schritt dann der wichtigste ist. Und nein, man kann nicht in 4 kb mit Forth ein Robot-control-System programmieren, man kann damit nochnichtmal einen Texteditor programmieren.

Military Rap

Die NASA hat ein neues Rap Video herausgebracht. Man kann es wohl am ehesten als Military Rap bezeichnen. Das heißt, in dem Video werden kurze Sequenzen aus Streng geheimen Weltraummissionen gezeigt, also so eine Art von Whistleblowing als Endlos-Schleife. Warum das Video nicht von Youtube zensiert wurde ist unklar, eigentlich ist sowohl das Shuttle, die Raumanzüge, als auch das Misson Control Center was zu sehen ist in der höchsten Geheimhaltungsstufe Topsecret anzusiedeln. Es handelt sich um einen Leak ganz eindeutig. Insbesondere die Startsequenz ab Zeitindex 2:28 könnte einem Gegner wertvolle Informationen verraten, man erhält dort einen sehr direkten Einblick in die Zündung der Triebwerke.

Zugangskarten zum US-Senat nur mit Bild

[1] Die Antwort lautet, dass man bei „The sims“ auch keine Sicherheitsüberprüfung benötigt weil in der Game-Engine ohnehin in der zentralen Datenstruktur in Echtzeit gespeichert wird, welcher Sims gerado wo ist und was macht. Ob das nun lustig ist, sei mal dahingestellt, ich würde das eher als lehrreich bezeichnen wollen. Das heißt, die DARPA oder wer sich das immer ausgedacht hat möchte uns damit eine Geschichte erzählen und möchte das wir sie verstehen.

Warum die Mondlandung kein Fake sein kann

Die Anhänger von Flatearth behaupten, dass es technisch nicht möglich wäre den Mond zu erreichen und deshalb Apollo 11 sowie alle weiteren Mondmissionen in einem TV-Studio entstanden. War es so? Natürlich nicht. Und zwar deswegen weil in den 1960’er Jahren die benötigte Technik nicht vorhanden war um derartig aufwendiges Filmmaterial zu erstellen. Wollte man wirklich die hochauflösenden Kameraaufnahmen vom Mond in einem Studio erstellen und das auch noch realistisch machen, würde man weitaus mehr benötigen als einfach nur einige Halteseile und etwas Licht. Selbst in der Gegenwart ist Pixar nicht im Stande, derart realistisch Echtbilder auf ihren Supercomputern zu erzeugen. Und mitlerweile stehen Intel 64Bit CPUs zur Verfügung, die um einiges schneller sind als die Computer aus der damaligen Zeit. Nur mal zur Erinnerung. in den 1960’er war das Internet noch nicht erfunden, und UNIX steckte gerade in den Anfängen. Workstations zum Filmschnitt gab es noch nicht, und CGI (Computer generated Images) waren unbekannt. Aber was in den 1960’er vor allem noch nicht erfunden war, das war Künstliche Intelligenz. Also eine Software, die man innerhalb einer Simulation startet und die dort menschenähnliche Bewegungen ausführt wie z.B. das Simbicon-Projekt wo über Finite State-Machines eine Laufbewegung erzeugt wird. Es ist vollkommen unmöglich, dass man in den 1960’er Jahren die Mondaufnahmen als CGI gerendert hat und Buzz Aldrin und all die anderen als computergesteuerte Avatare dort hineingesetzt hat. Eine solche Simulations- und Steuerungssoftware zum Erzeugen einer virtuellen Welt inkl. computererzeugter Intelligenz ist selbst gegenwärtig außerhalb des Möglichen.

Selbst der Microchip war in den 1960’er noch nicht erfunden, und die schnellsten verfügbaren Supercomputer arbeiteten noch mit Transistoren. Auf dieser Hardware lässt sich jedoch nur eine sehr geringe Rechenleistung erzeugen die zuwenig ist für 3D Simulation. An moderne Rechnerarchitekturen wie Quantencomputer oder optische Computer hat damals noch niemand gedacht. Lediglich in Alternativweltgeschichten wie „Die Differenzengine“ von Gibson/Sterling wurde der Microchip viel früher erfunden so dass Nikolas Tesla dann den ersten Quantencomputer in Betrieb nehmen konnte, der dann in den 1960’er von der NASA zum Rendern der Mondmission eingesetzt wurde, aber das ganze ist nur ein Roman und nicht die Realität.

Ist SCIgen ein Geheimcode?

Schon in einem früheren Blogpost wurde die Vermutung geäußert, dass der Nonsens-Generator Scigen sich wie eine Virus-Kascade in die richtige Wissenschaft hineinfrisst. Diese Hypothese soll im folgenden ausgebaut werden, leider offenbart sich dabei eine Verschwörungstheorie die neu ist. Aber der Reihe nach.

Fangen wir mal ganz bottom up an. Scigen wurde programmiert von einem Junginformatiker der eigentlich eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreiben sollte, darauf aber keine Lust hatte und stattdessen die Gegenseite getrollt hat. Er hat das dadurch gemacht, in dem er ein Programm entwickelt hat, was bis heute auf https://pdos.csail.mit.edu/archive/scigen/ online ist und wo man nur seinen Namen einzutragen braucht und es wird dann per Zufall automatisch ein Paper erzeugt. Soweit nichts besonderes, es gibt innerhalb der Natural Language Processing Community dutzende derartiger Programme. Sie basieren meist auf kontextfreien Grammatiken die mittels Zufallsgenerator grammatikalisch korrekte Sätze erzeugen, die aber keinen Sinn ergeben.

Das bekannteste Paper was mit Scigen erzeugt wurde trägt den Titel „Rooter: A methodology for the typical unification of access points and redundancy“. Es ist deshalb bekannt, weil es der Autor Jeremy Stribling an verschiedene Stellen geschickt hat, die dachten es wäre ein echtes Paper. Weiterhin hat sich rund um Stribling eine Gruppe gebildet die auf einer Fachkonferenz weitere Nonsens-Dokumente vorgetragen haben. Erst im Nachhinein haben sie den Schwindel auffliegen lassen.

Soweit die offizielle Geschichte. Sie zeigt deutlich auf, wie anfällig das Wissenschaftssystem für elaborierten Nonsens ist und dass dringend der Peer-Review-Prozess in Fachzeitschriften verbessert werden muss. Das Problem ist nur, dass mit dieser Geschichte irgendwas nicht stimmt. Es gibt da noch eine zweite Wahrheit die im folgenden angerissen wird.

Im orginalen Paper „Rooter: A methodology for the typical unification of access points and redundancy“ findet sich tatsächlich keinerlei Sinn. Es werden dort Fachbegriffe per Zufall zusammengewürfelt. Das ganze ist zwar English, aber man erkennt relativ schnell dass das keine richtige wissenschaftliche Arbeit ist. Im Abstract heißt es beispielsweise „In order to solve this riddle, we confirm that SMPs can be made stochastic, cacheable, and interposable.“ Dieser Satz ist objektiv betrachtet Blödsinn, soweit stützt es das ursprüngliche Narrativ. Aber schauen wir dochmal ganz nach unten zu den zitierten Literaturquellen, an Position [12] findet sich eine Quelle: „LEARY, T. Decoupling I/O automata from access points in model checking. In Proceedings of PLDI (June 1994) “ Laut den Erklärungen von J. Stribling wurden auch die Literaturangaben über eine kontextfreie Grammatik und einen Pseudorandomgenerator erzeugt. Und gibt man spaßeshalber das Paper bei Google ein, wird auch kein Ergebnis angezeigt. Aber, es gibt hier zwei Probleme. Erstens, zeigt Google Scholar sehr wohl einen Eintrag an. Das heißt, laut Google Scholar existiert das Paper. Allerdings ist kein Zugriff auf den Volltext möglich. Als Paper die es zitiert haben, wird nur das ursprüngliche „Rooter …“ Dokument angezeigt, was der Scherzbold Stribling eingepflegt hat. Die zweite Merkwürdigkeit ist, dass es zumindest Paper gibt, die sehr ähnlich klingen und die richtige Paper sind. Hier ist zu nennen:

– Decoupling Replication from Extreme Programming in Semaphores
– Decoupling I/O Automata from Semaphores in SMPs

Das erste Paper liegt immerhin auf einem Universitären-Server „inria.fr“ (der wichtigste Forschungsverbund in Frankreich) während das zweite Paper in einem Course an einer Uni entstand und ein wenig komisch aussieht, so als wäre das ebenfalls ein Fake Paper.

Fassen wir mal das Problem zusammen. In einem Fake-Paper, was durch einen Zufallsgenerator namens Scigen erzeugt wurde, sind Literaturangaben enthalten, die angeblich nicht existieren. Wenn man aber nach einem ähnlich klingenden Namen sucht, gibt es plötzlich ernsthafte Paper von ernsthaften Autoren die an echten Universitäten arbeiten. Ist das womöglich nur Zufall?

Wohl kaum, wenn normalerweise ein Scherzkeks einen Zufalls-Dokumentengernator schreibt (mit Python geht sowas in wenigen Zeilen Code) und sich eine kleine Kontextfreie Grammatik ausdenkt um den Text, die Bilder und die Literaturliste zu erzeugen, dann wird der Output echter Quatsch sein. Das heißt, es gibt keine Paper die so ähnlich klingen und die möglicherweise einen Sinn ergeben. Also, was um alles in der Welt hat Jeremy Stribling da in Wahrheit programmiert? Also ein Zufallsgenerator ist das nicht, das sieht eher so aus wie ein Code von einer außerirdischen Zivilisation. Und hier wird deutlich, warum in der Einleitung steht, dass offenbar eine neue Verschwörungstheorie erfunden wurde. Ich nenne sie die SCIgen-Verschwörung. Diese beinhaltet, dass SCIgen gar kein Random-Generator ist, sondern in Wahrheit eine hochentwickelte Technologie vom Planeten Melmac. Yup, da wo ALF herkommt.

Welche konkreten Anhaltspunkte gibt es, dass mit SCIgen etwas nicht stimmt? Im originalen Dokument was den Titel trägt „Rooter: A methodology for the typical unification of access points and redundancy“ gibt es keinerlei Hinweise, dass dort ein versteckter Code enthalten wäre. Wenn das tatschlich ein Code sein soll, dann ist er sogut verschlüsselt dass man ihn nie entdecken wird. Aber, wenn man sich die Paper anschaut die in dem Paper zitiert wurden und auch Paper mit berücksichtigt die einen ähnlich klingenden Namen haben, dann findet man in diesen sekundären Paper sehr wohl relavante Informationen. Dort ist keineswegs alles Quatsch, sondern es ist eine Mischung aus echter Informatik, hochkomplexer Informatik und vielleicht ein wenig Quatsch. Das heißt, mit ein wenig gutem Willen ist es möglich, diese sekundären Paper a) zu lesen, und b) zu verstehen. Und genau das deutet auf eine Verschwörung hin. Es ist hin ein Hinweis, dass da offenbar doch ein Code ist.

Die Frage ist jetzt: wie debunked man die These, dass ScIgen in Wahrheit das Spielzeug von ALF dem Melmacer ist?