Warum Zauberkunst heute nicht mehr gefragt ist

Die Geschichte der Zauberei ließt sich wie ein Krimi. Gezaubert wurde schon vor mehreren Tausend Jahren, und Magie gibt es in allen Kulturen. Ob der indische Seiltrick, die schwebende Jungfrau oder französische Kartenzauberei, immer geht es darum, das Publikum in eine Traumwelt zu entführen. Wer jedoch aufmerksam die Geschichte der Zauberkunst studiert wird bermerken dass sie ab ungefähr dem Jahr 1900 langweilig wurde. Das war zugleich auch die Hochzeit der Zauberei, als in Zaubertheater Berufsmagier in Abendgarderobe auftragen und am nächsten Tag in der Zeitung diskutiert wurden. Seitdem ist die Zauberkunst auf einem absteigenden Pfad. Woran liegt das? Natürlich an der Erfindung des Films. Wer heute in eine andere Welt entschwinden möchte, besucht keine Zaubergala mahr sondern geht ins Kino.

Von der gesellschaftlichen Rolle haben Kino und Zauberei sehr viel gemeinsam. In beiden Fällen ist Verschwiegenheit oberstes Gebot. So wird im Regelfall nicht verraten was in einem Film passiert bevor er offiziell startet und wer einen Film von der Leinwand abfotografiert kommt im Regelfall ins Gefängnis. Allein von den Zuschauerzahlen und vom gesellschaftlichen Impact ist heute der Film das was früher einmal die Zauberei war. Vor allem aber ist Kino Motor gesellschaftlichen Fortschritts. Zur Erinnerung: im 19. Jahrhundert waren es Zauberkünstler die bereits den elektrischen Strom in ihre Vorstellungen einbauten. Als viele Leute nochnichtmal wussten, was das überhaupt ist, haben sie bereits künstliche Blitze erzeugt. Diese Vorreiterrolle ist der Zauberei inzwischen verloren gegangen, aber ihr legitimer Nachfolger ist das jetzt das Kino. Genau genommen war auch Walt Disney ein Zauberkünstler, nur einer der sich modernster Technologie bedient hat. Walt Disney war streng genommen ein Appratezauberer; nahezu sein gesammtes Werk basiert auf der Nutzung von physikalischen Gesetzmäßigkeiten und wie die Zauberer vor ihm hat Disney die Welt beeinflusst. So war es Disney der das Mondprogramm eines Werner von Braun publik gemacht hat und in Disney Spielfilmen wurden die ersten technischen Innovationen präsentiert.

Three Monte Kartentrick

Wenn man auf Youtube nach guten Zaubertricks sucht, wird man irgendwann auf den Klassiker stoßen. Er wird als „Three Monte cardtrick“ bezeichnet und kommt ursprünglich aus der Straßenzauberei wurde inzwischen aber professionell weiterentwickelt. Worum geht es dabei? Am besten schaut man sich dazu einmal einige Vorführungen an, im Regelfall sind sie sehr gut gemacht. Wenn man nach einer Auflösung sucht wird man feststellen, dass es nicht einen Trick gibt, sondern dass sehr viele Kniffe gleichzeitig angewendet werden. Meist kommen doppelt bedruckten Spielkarten, eine Karte mehr und Fingerfertigkeit zum Einsatz.

Wissenschaft ist moderne Zauberei

Als Wahrheit wird normalerweise die Wissenschaft bezeichnet. Weil diese sich anders als die Religion beweisen lässt durch Experimente. Aber ist Wissenschaft automatisch wahr und Religion gelogen? Nicht ganz, sondern man muss zunächst einmal betrachten wie die moderne Wissenschaft entstanden ist. Ausgangspunkt war in der Regel die Zauberkunst. Man kann zeitgleich mit dem entstehen der modernen Naturwissenschaften ab dem 18. Jahrhundert auch einen parellelen Aufstieg der Zauberkunst feststellen. Damit ist gemeint, dass überall dort wo Kartentricks, Seiltricks und verschwundene Elefanten dargeboten wurden gleichzeitig immer auch echte Wissenschaft betrieben wird. Zauberei ist dabei die Vorform von Wissenschaft. Insbesondere die Apperate-Zauberei ist eine Vorwegnahme des Maschinenbaus. Damit ist gemeint, dass die ersten Dieselmotoren ursprünglich nicht zur Fortbewegung konstruiert wurden, sondern um als Jahrmarktattraktion zu gefallen. Nicht viel anders ist es mit dem elektrischen Licht. Und selbst trockene wissenschaftliche Vorträge die vor einem Publikum gehalten werden, kann man historisch als Erzähldarbietung bezeichnen. Nur wird dort eben nicht mit Dingen gezaubert, sondern der Zauberer erzählt nur etwas und versucht damit sein Publikum zu beindrucken.

Das interessante bei der Bühnenkunst ist, dass hinter jeder Darbietung ein Trick steckt. Niemand kann wirklich Dinge verschwinden lassen, sondern dahinter stecken physikalische Prinzipien. Es ist eine Mischung aus Psychologie, optischen Täuschungen und einem doppelten Boden. Ein Zaubertrick ist im Kern durch einen Wissensvorsprung gekennzeichnet. Der Magier weiß etwas, was sein Publikum nicht weiß. Und was ist die systamtische Sammlung von Wissen? Richtig, es ist Wissenschaft, nichts anderes.

Interessanterweise hatte sowohl die Zauberkunst als auch die Wissenschaft mit Anfeindungen durch die Kirche zu kämpfen. Beides wurde als Teufelszeug bezeichnet und unterdrückt. Und nicht zu Unrecht übrigens. Von der Wissenschaft ist bekannt, dass sie tatsächlich Teufelszeug ist (siehe die Atombemabwürfe auf Hiroshima), aber auch Zauberkünstler sind in den seltensten Fällen ehrliche Menschen. Ja mehr noch, wirft man einen Blick in die Ratgeberliteratur für angehende Schwarzmagier so wird dort im Detail beschrieben wie man sein Publikum an der Nase herumführt.

Zwischen den modernen Wissenschaften und der Zauberei des 18. Jahrhunderts gibt es einen Unterschied. Im Regelfall verstehen sich Wissenschaftler heute nicht mehr als Magier und viele wissen gar nicht wie man zaubert. Stattdessen hat sich in den Wissenschaften ein Kodex durchgesetzt, der Geheimnisse explizit verrät. Es wird also darauf geachtet als Anti-Zauberer aufzutreten. Aber ist deshalb Wissenschaft und Zauberei etwas grundsätzlich gegensätzliches? Nicht zwangsläufig. Auch die moderne Wissenschaft gibt Rätsel auf. Das beginnt schon damit, dass man mitunter Jahre studieren muss, bis man es halbwegs verstanden hat. Wissenschaft ist nichts was man nebenbei machen kann. Weiterhin ist Wissenschaft ähnlich wie früher die Zauberei etwas sehr mächtiges. Auf dieser Grundlage wird nicht nur Wirtschaft betrieben sondern auch Weltraumfahrt. Und ähnlich wie ein Zaubertrick mit gezinkten Spielkarten hat sich irgendjemand die Wissenschaft zuerst ausgedacht. Man kann sehr gut zurückverfolgen, wer zuerst den Elektromotor erfunden hat, oder wer den ersten Computer gebaut hat.