Gründe für Peer Review

https://academia.stackexchange.com/questions/91081/what-is-the-purpose-of-peer-review-in-journals fragt wozu Peer-Reviews durchgeführt werden und vermutet ob es vielleicht der Qualitätsverbesserung oder schlimstenfalls der Zensur dient. Die Antwort liegt auf der Hand: Peer Review dient dazu, das gegenüber zu stigmatisieren. Es also zu einem Opfer zu machen. Man kann das anhand eines Beispiels aufzeigen. Im Feb 2017 hat ein seriöser Forscher auf PeerJ ein Paper hochgeladen, was sich mit der Reise von Pinguinen beschäftigt, https://peerj.com/articles/3459/reviews/ Sogleich haben sich darauf zwei selbst-ernannte Peer-Reviewer gestürzt, die sich zunächst über die Sprachkenntnisse des Einreichers lustig gemacht haben und bösartige Rückfragen bezüglich des Inhaltes gestellt haben:

The English is not perfect,
In general, the methods are fine, but I would like to see some more information:

Im März 2017 fängt der sogenannte Editor (welcher eine Stufe oberhalb der Peer-Reviewer steht) auch noch einen kleinlichen Diskurs darüber an, ob in Zeile 73 der Zusatz „or not“ drinstehen soll oder nicht, um dann im Mai 2017 den „accepted“ Stempel auf das Dokument zu drücken, was bedeutet, dass der Autor offiziell als Victin anerkannt ist. Damit ist das Paper zum Abschuss freigegeben und kann nun auch von Leuten außerhalb der PeerJ Redaktion weichgekocht werden.

ACM Journale unter Beschuss

Innerhalb der OpenAccess Community stehen üblicherweise die Naturwissenschaftlichen Verlage Springer und Elsevier unter Beschuss. Inzwischen dürften sogar Leute wissen, wer Elsevier ist, die selbst gar nicht damit zu tun haben, so oft taucht der Name in den Mainstreammedien auf. Komischerweise genießt eine Organsation das Privileg im Diskurs außen vor zu bleiben. Die Rede ist von der Association for Computing Machinery (ACM). Da sich dieses Blog hier nicht als Physik- und auch nicht Medizin-affin versteht sondern sich mit Robotik und Künstliche Intelligenz beschäftigt liegt es auf der Hand den üblichen „Wir gegen Elsevier-Diskurs“ ein wenig anzupassen in Richtung „Wir gegen ACM“. ACM ist nicht nur eine Organisation in der sich die weltbesten Informatiker versammeln, sondern ACM bringt auch zahlreiche Journale heraus wie das „Communications of the ACM“. In der aktuellen Ausgabe ist beispielsweise Tim Berners Lee auf dem Titelbild abgedruckt. Berners Lee wiederum hält auf Vorträge, wo er vor den Gefahren von Künstlicher Intelligenz warnt, ist also Vertreter der Neoludditen-Bewegung.

An den ACM Zeitschriften gibt es jede Menge Kritik zu üben. Hauptkritik ist, dass sie sich hinter einer sehr mächtigen Paywall verstecken und nur einen Teil der Paper frei zugänglich als OpenAccess veröffentlicht wird. Das ist gerade deswegen tragisch als man glauben müsste, dass die Computerbranche dank Intel, Microsoft und IBM reich genug sein müsste, dass sie etwas freizügiger Einblick gewähren in ihr Wissen, aber offenbar gilt die Regel dass gerade die reichsten Leute auch die geizigsten Leute sind.

Von der ACM Gesellschaft gibt es zwar einen deutschen Ableger (GI-EV) dieser ist aber international bedeutungslos. Das Gros der Paper erscheint in den ACM Journalen wovon explizit die SIGGRAPH Publikationen interessant sind, und wie nicht anders zu erwarten ist die überwiegende Sprache English, was ebenfalls sehr störend ist, weil nicht alle Autoren die etwas über Robotik publizieren wollen des Englischen mächtig sind.

Die Zeitschriften der ACM Gesellschaften machen auf mich den Eindruck, als ob man nicht wirklich an Einsendungen interessiert ist. Man macht sich nochnichtmal die Mühe eine offizielle Preisliste auszuängen. Das bedeutet vermutlich, dass die Gebühren so hoch sind, und die Peer-Reviews so unbestechlich, dass es sich für Außenstehende nochnichtmal der Versuch lohnt etwas zu publizieren. Auch soetwas wie ein Online-Portal wo man auf gut Glück einfach mal sein PDF hochladen kann gibt es nicht. Da ist ja selbst der Elsevier-Verlag sehr viel freundlicher zu seinen Autoren und Elsevier gilt bei Kritikern schon als Albtraum.

Was kann man von ACM Journalen inhaltlich erwarten? Nun, ich habe mir einige der Paper angeschaut, das meiste davon ist in einem sehr wohlformulierten Englisch beschrieben und mit etwas suchen findet man genau das was benötigt wird. Die Auswahl könnte reichhaltiger sein, aber als Einstieg in ein Thema reicht es aus. Das heißt, inhaltlich habe ich an ACM nichts auszusetzen, die Paper machen auf mich einen guten Eindruck, und die Autoren wissen wovon sie schreiben. Störend ist jedoch, die eingangs erwähnte kommerzielle Ausrichtung. Das also der Zugriff auf die Paper nur sehr selten OpenAccess ist und die offiziellen Subscriptionspreise astronomisch hoch sind. Den aktuellen Rekord hält die Zeitschrift „Networking“ für die eine Jahresgebühr von 2979 US$ fällig ist http://www.acm.org/publications/alacarte/non-member-subscription-prices-for-institutions Die aktuelle Ausgabe kann man online kostenlos lesen, für ältere Ausgabe fällt pro Paper eine Artikelgebühr von 33 US$ an. Unzumutbar.

Auch Google Scholar gelingt es nicht, für die ACM Jounale kostenlos einsehbare Preprint-Server ausfindig zu machen. Die Paper werden nicht auf Arxiv gespiegelt, sondern sind nur über acm.org abrufbar.

UPDATE
Mit etwas suchen findet sich doch noch eine Preisliste wenn man Artikel veröffentlichen will http://authors.acm.org/main.html Danach kostet das Veröffentlichen eines OpenAccess Artikels in einem Journal 1700 US$. Was im Vergleich zu naturwissenschaftlichen Zeitschriften wie Nature ungefähr die Hälfte ist.

Mein Eindruck ist, dass das Thema OpenAccess bei ACM kleingehalten wird. Viel lieber redet man darüber, dass man Mitglied werden soll in der ACM weil man dann, und nur dann, Zugriff erhält auf die Digital Library, also das Archiv über die alten Ausgaben aus den ACM Journalen. Nur, bei OpenAccess geht es um etwas anderes. Und zwar darum, dass auch Leute die Informationen erhalten, die nicht an Universitäten unterrichten, sondern Leute wie du und ich. Offenbar hat gerade die ACM Angst davor ihr Herschaftswissen preiszugeben, wenn sie ihre Archive für die Allgemeinheit öffnen. Es könnte ja sein, dass plötzlich ausgerechnet die Informatik sich legitimieren müsste. Auf der anderen Seite ist die ACM ganz vorne mit dabei, wenn ahnungslose User einer russischen Tauschbörse für wissenschaftliche Paper getrackt und ihre IP Adresse zurückverfolgt wird.

Boykott-Aufruf gegen die ACM bleibt hinter den Erwartungen zurück

Wie https://irights.info/artikel/tear-down-this-paywall/12896 im März 2013 berichtete gibt es einen Boykott Aufruf gegen die „association for computing machinery“ (ACM) nicht in deren Zeitschriften zu publizieren. Auf größeres Medienecho ist die Aktion bisher nicht gestoßen was wohl damit zusammenhängt dass ein Aufruf nicht illegal ist. In anderen Organisationen wie der Psychologen Vereinung APA geht es weniger friedlich zu http://archivalia.hypotheses.org/65553 Dort stellen Wissenschaftler zunächst einmal ohne ihre Fachgesellschaft zu fragen, die Paper ins Netz und die APA muss dann anfangen die Paper mit Take-Down-Requests wieder einzusammeln bzw. wegzuklagen. Dadurch entsteht natürlich ein beträchtliches Konfliktpotential worüber die Medien sehr gerne berichten. Bei der Vereinigung der Informatiker ist die Beziehung zwischen Autoren und der ACM Gesellschaft noch in Ordnung, dort haben beide Seiten die selben Interessen. Anhaltspunkte für ACM Takedown Requests konnte ich trotz intensiver Google Suche nicht ausfindig machen. Allerdings gibt es auch keine Autoren die auf eigene Faust Paper ins Netz stellen. Damit so ein Konflikt ins Köcheln gerät müssten langjährige ACM Autoren den ersten Schritt machen. Daraufhin wäre dann die ACM in Zugzwang und müsste wiederum ein Exempel stattuieren. Der Leidensdruck bei den ACM AUtoren ist derzeit noch nicht hoch genug, die Informatiker sind satt und zufrieden, niemand ist auf Krawall gebürstet.

An welcher Stelle des Publikationszyklus könnte man der ehrenwerten ACM Gesellschaft auf die Füße treten? Dank der OpenAccess Initiative verpflichten sich Wissenschaftler, wenn sie Fördermittel beantragen, eine zeitnahe Veröffentlichung der Ergebnisse. Das heißt, OpenAccess ist mandatory. Wenn ich mir jedoch die in der ACM versammelten Wissenschaftler so anschaue, so scheinen einige davon das Prinzip noch nicht ganz verstanden zu haben. Sie glauben, OpenAccess heißt, wenn das Paper hinter der ACM Paywall verschwindet. Genau das ist die Sollbruchstelle:
1. Die Universität welche Fördergelder vergibt setzt die Autoren mit OpenAccess unter Druck
2. die Autoren publizieren ihre Paper entgegeben der Vereinbarung mit ACM auf OpenAccess Plattformen im Internet
3. ACM sendet Takedown-Requests an die Krawallmacher
4. das ganze landet in den Medien

Das ist das ideale Basis für einen Konflikt zwischen Universitäten, ACM, Autoren und Öffentlichkeit. Da es bei diesem Spiel um viel Geld geht, haben alle Seiten etwas zu verlieren. ich will mal ein Beispiel bringen. Die Proceedings der letzten Siggraph Konferenz werden wie fast alle Paper von der ACM Gesellschaft herausgebracht. Sie sind aktuell hinter einer Paywall im Internet abrufbar. Das ist jedoch kein OpenAccess. Jetzt muss man nur herausfinden, welcher Uni-Professor an der Siggraph teilgenommen hat, mit Geldern der Universität dorthin gefahren ist, aber entgegen seiner Selbstverpflichtung bisher nicht sein Proceeding als OpenAccess der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Diesem Professor könnte man dann die Fördergelder streichen. Bzw. sie umleiten auf einen Fachkollegen der sich bei ResearchGate ein eigenes Profil eingerichtet hat, und dort die Siggraph Proceedings hochlädt.

Hier https://open-access.net/informationen-fuer-verschiedene-faecher/informatik/ wird erläutert, dass die Informatik sehr zurückhaltend agiert was OpenAccess betrifft. Scheinbar glaubt man, nicht Teil des Hochschulsystems zu sein, so dass OpenAccess nur für die Fachkollegen aus den Natur- und Geisteswissenschaften gilt nicht jedoch für einen selber.

„Die nationalen Fachgesellschaften haben sich in Bezug auf Open Access bisher eher konservativ verhalten. […] in Bezug auf die Fachzeitschriften der thematischen Fachbereiche ist man jedoch immer noch stark an das klassische Subskriptionsmodell gekoppelt. “

Wenn ich das System richtig verstanden haben, sind die Autoren (also die Professoren) dafür persönlich verantwortlich dass die Ergebnisse eines Projektes zeitnah veröffentlicht werden. Nicht unter OpenAccess zu publizieren stellt somit einen Verstoß gegen wissenschaftliche Regeln da, der von den Universitäten sanktioniert werden kann.

Startups in Publishing

Normalerweise hat man den Eindruck, dass unter dem Stichwort OpenAccess nicht wirklich Innovationen angeschoben werden, sondern die Bibliotheken nur Marketing in eigener Sache betreiben. Das obige Video ist hier anders. Es werden explizit Startups vorgestellt aus dem Bereich OpenAccess. Also Unternehmen die sich das disruptive auf die Fahnen geschrieben haben und überhaupt keine Lust haben, im Fahrwasser von etablierten Strukturen zu bleiben. Diese Firmen machen im Details:

– Software um ein OpenAccess Journal zu verwalten
– ein Megajournal, also ein komplett neues Journal wohin man Artikel senden kann
– Plattform für OpenPeer Review, https://thewinnower.com/
– Plattform um aus einem Manuscript ein komplettes Buch zu machen
– und weitere kleinere Firmen

Am interessantesten erscheint mir https://thewinnower.com/ zu sein. Die Idee ist, dass man sein PDF hochlädt, andere Leute einlädt es zu lesen, und wenn die ihr OK geben man für das Paper eine DOI Nummer erhält. Sowas ähnliches gibt es auch bei Academia.edu nur nicht ganz so fokussiert auf das reine Peer-Review. Langfristig könnte TheWinnower oder wer immer das Startup aufkauft, damit den etablierten Publishing Prozess aushebeln. Weil, wenn ein PDF ein Peer-Review durchlaufen hat, und eine DOI besitzt, dann gilt es als publiziert.

Mein Eindruck ist, dass Thewinnower schon etwas weiter ist als Academia.edu. Bei Thewinnower ist der PeerReview Prozess schon sehr viel stärker formalisiert. Man hat dort ein Formular wo man ankreuzen kann:
– Orginalität der Arbeit
– Qualität der Abbildungen
– Qualität des Textes
– Vertrauen in das Paper

Jeweils kann man dort Schulnoten verteilen und zusätzlich noch ins Freitext Feld etwas ausfüllen. Vergleichbar mit dem Ebay-Bewertungssystem. Wenn sich diese Plattform wirklich durchsetzt, könnte es irgendwann eng werden für Elsevier und Co. Die machen etwas ähnliches aber sind nicht so auf das Web zugeschnitten. Aber, ganz so mutig ist das Startup dann doch nicht. In ihrer Selbstbeschreibung steht:

„The Winnower is an open access online scholarly publishing platform that employs open post-publication peer review.“

Das heißt, es soll klassisches Publishing nicht ersetzen, sondern reviewd werden können nur Paper die zuvor schon bei PLOS erschienen sind.

Ich glaube das Problem ist folgendes: würde man wirklich eine Plattform aufbauen, wo sich einerseits Leute registrieren können und diese Leute dann PDF Paper peer-reviewen könnten diese Leute dann plötzlich Paper zur Wissenschaft erklären, die das nicht verdient haben. Damit würde das jetzige Publishing System sein Monopol aufgeben. Anders als bei Wikipedia ist das zentralisiert organisiert, wo also die Universitäten und biblitheken an der Spitze stehen und entscheiden, was veröffentlicht wird und was nicht. Mit veröffentlichen ist nicht gemeint, was auf einem Webserver steht, sondern damit ist im Academic publishing gemeint „was eine DOI Nummer erhält und bei Worldcat.org gelistet ist“.

OPENACCESS REVOLUTION?
Alle die oben genannten Firmen haben es sich auf die Fahnen geschrieben die Dinge voranzutreiben. Aber womöglich ist genau das der Fehler. Meine Prognose ist, dass das jetzige System immun ist gegen jedwede Veränderung weil es perfekt funktioniert. Der Ist Stand ist so, dass kommerzielle Publisher gegen eine APC Gebühr von stolzen 5000 US$ und wenn das Paper die Qualitätsstandards erfüllt publiziert wird also sich „wissenschaftliches Paper“ nennen darf. Das in Frage zu stellen ist absurd. Der Prozess kostet eben seine 5000 US$ und das durchgeführte Peer-Review Verfahren gilt als bewährt. Warum sollte man das ändern?

Ich glaube was man tun sollte ist, sich in diesem System einzurichten und zwar in der Sparte „unpublished manuscript“. Sowas darf jeder veröffentlichen, es entstehen keine Kosten und man belässt das traditionelle System unangetastet. Wenn man sich selber als „unpublished manuscript“ bezeichnet erkennt man damit die richtigen peer-revieweden Paper als überlegen an: Da ist die richtige Forschung mit DOI Nummer und allen Extra und man selber ist nur unpublished. Sollen doch die Forscher selber entscheiden, ob sie das zitieren wollen oder nicht.

Gut möglich, dass man am jetzigen Publishing System noch Feinheiten verbessern kann. Gut möglich, dass es gelingt im Einzelfall die APC Gebühr von 5000 US$ auf 4500 US$ zu senken, aber grundsätzlich etwas ändern wird sich nicht. Das ganze hat einfach zu viele Vorteile sowohl finanziell als auch inhaltlich. Im Grunde werden von diesen Kosten nicht nur ein professionelles Layout sondern auch Korrekturlesung und mitunter Übersetzung bezahlt. Will man auf diese Vorteile verzichten? Wohl kaum. Ich wage mal die These, dass Elsevier auch in 50 Jahren noch mit dem selben Geschäftsmodell Geld verdient.

Die Frage die sich jedoch ergibt ob parallel dazu noch Platz ist für eine Wissenschaft light. Wo also die Standards niedriger sind, die Kosten aber auch. Diese Wissenschaft light kann mit dem klassischen Publishing nicht konkurrieren aber vielleicht kann sie etwas neues hervorbringen. So eine Art von Blogosphäre für PDF womöglich. Anders als in der Richtigen Wissenschaft ist die Grundidee, dass erstmal alles hineindarf das will und die Qualitätskontrolle auf später verschoben wird. So eine Art von Gegenentwurf zu den strengen Qualitätsanforderungen in den Universitäten.

Am weitesten in die Richtung geht Academia.edu von Richard Price. Die Grundidee dort ist es, zunächst einmal ein Social network zu bauen wo man einen Account beantragt und in diesem Social Network dann einen akademischen Raum aufzubauen. Das Ziel besteht darin, so eine Art von Wissenschaft „in the box“ zu betreiben. Genau genommen schottet man sich damit ab gegen OpenAccess, gegen DOI, gegen Orcid, gegen die Peer-Reviews und was noch so alles in den letzten Jahren erfunden wurde. Stattdessen gibt es bei Academia.edu die Academia.edu ID, Werbeeinblendungen, und jede Menge Spam.

OpenAccess und Orcid

Das Kernproblem von OpenAccess besteht darin, dass niemand so genau sagen kann wie der aktuelle Stand ist. Stattdessen gibt es eine Vielzahl von Bestrebungen die noch dazu in einem stetigen Fluss sind. Die Zielrichtung ist grob gesagt, das Hochschul- und Publikationssystem zu ändern. Aber was innerhalb von OpenAccess funktioniert und was nicht ist Gegenstand eines Verhandlungsprozesses.

Ich will mal einige Beispiele aufführen. Aktuell ist es so, dass man als Professor an einer Uni es am leichtesten hat, seine Publikationen online zu stellen. Man hat sowohl eine ORCID ID als auch eine universitäre E-Mail Adresse. Darüber kann man dann sein eigenes Google Scholar Profil anlegen, darüber kann man bei PLOS publizieren und darüber wird dann der Impact-Factor berechnet.

Deutlich mehr Hürden entstehen, wenn man nicht an einer Universität aktiv ist. Entweder weil man bei Udacity ein Nanodegree gebucht hat, oder weil man sich überhaupt keiner Hochschule zugehörig ist. Jetzt wird es deutlich schwerer zu publizieren aber es ist nicht komplett unmöglich. Sondern es beginnt eine Odysee die deswegen so kompliziert ist, weil OpenAccess noch unvollendet wird. Die einfachste Variante besteht darin, sein PDF auf seine Homepage hochzuladen und fertig. Wenn man wartet, wird das Paper von der Google Websuche indiziert und ist damit weltweit zitierfähig. Aber man kann auch noch einen Schritt weiter gehen und das Paper zu Academia.edu hochladen. Wenn man es jedoch von google Scholar auffindbar machen will, muss man schon etwas tiefer in die Trickkiste greifen. Um manuell Paper in den Google Scholar Index aufzunehmen, benötigt man ein eigenes Google Scholar Profil, das bekommt aber nur derjenige der eine E-Mail Adresse von einer Universität vorzuweisen hat. Aber, ob diese Regel auf alle Ewigkeiten in Stein gehauen ist, bleibt abzuwarten, momentan ist das jedenfalls der Stand.

Eine Alternative besteht darin, dass man das Paper zu Zenodo hochlädt. Dort bekommt es auch gleich noch eine DOI Nummer. Außerdem wird Zenodo nachgesagt, dass es automatisch von google Scholar indiziert wird. Aber, das betrifft nicht alle Paper sondern nur einen Teil.

Es gibt aber noch eine Dritte Methode, wenn man Lange Weile hat, und einfach mal sehen will, wie weit man das Spiel treiben kann, und zwar ORCID. Das ist eigentlich ein sehr langweiliger Dienst, der nichts weiter macht als einer Person eine Nummer zuzuordnen. Das Interessante daran ist, dass rein theoretisch auch Leute eine Orcid Nummer beantragen können, die nicht an einer Universität eingetragen sind. Gut möglich, dass sich dadurch die Chancen beträchtlich erhöhen von Google Scholar indiziert zu werden. Dazu gibt es gegenwärtig nur wenige Informationen. Das wichtigste Online-Forum wo über solche und ähnliche Probleme diskutiert wird lautet https://academia.stackexchange.com/ Dort geht es weniger um Wissenschaft selbst, sondern um die Formalien, also OpenAccess und alles was dazugehört.

Für die Zukunft könnte ich mir folgendes vorstellen:
1. jeder der will kann sich bei Orcid registrieren lassen
2. unter dieser Nummer werden dann die eigenen Paper ins Netz hochgeladen, und zwar in „academic social networks“
3. Google Scholar indiziert diese Netzwerk und sammelt Querverweise zusammen über das sich dann der Impact Factor bestimmen lässt.
4. Hochschulen oder institutionelle Repositorien spielen nur noch eine untergeordnete Rolle

Ob diese Vision so eintritt ist unklar. Am besten sollte man einfach abwarten und die Dinge beobachten. Generell glaube ich nicht, dass es ohne Orcid funktionieren wird. Das also anonymes wissenschaftliches Publizieren sich durchsetzen wird. Sondern wenn überhaupt, dann nur über eine ID. Jetzt wird man sich fragen, was soll der Quatsch mit einer ORCID Id? Die Antwort lautet, dass im klassischen heutigen Publikationssystem eine Orcid Id entbehrlich ist, weil es eine klare verbindung zwischen Hochschule und Professor gibt. Das heißt, man kann immer nur an einer Universität angemeldet sein. Und wenn man die wechselt ist man an der neuen regristriert. Wenn man irgendwo seine Paper hochlädt, gibt man im Regelfall seine aktuelle Universität an.

In dem neuen Orcid System hingegen ist es egal, von welcher Universität man kommt, es ist nur ein Statusfeld unter vielen. Das heißt, damit wird Autor und Universität entlinkt. Aber Achtung, laut https://www.tu-chemnitz.de/ub/publizieren/bibliometrie/orcid_id.pdf muss man bei der Registrierung eines Orcid Accounts zwingend eine Heimatuniversität angeben. Ob man dort auch independent reinschreiben kann ist derzeit unklar.

ORCID
Wenn man ORCID etweas genauer anschaut kommen Zweifel auf, ob das wirklich die Zukunft ist. Ursprünglich wurde ORCID von den großen Publishern entwickelt, also von Nature, Springer Elsevier um den Upload zu erleichtern. Das Problem mit diesen Publishern ist, dass sie Teil des Problems sind. Weil die Orcid-ID alleine ja noch kein Server ist wo man etwas publiziert, sondern nur die Vorbereitung darstellt um bei Elsevier etwas zu publizieren. Obwohl ORCID selber kostenlos ist, sind es damit die verbundenen Uploads zu Publishern nicht. Zur Einordnung: ein simples 10 Seiten Dokument was man an Nature schickt wird Kosten in Höhe von 5000 US$ verursachen. Das heißt, Orcid wurde erfunden mit dem Ziel, den Autoren einen Gesamtbetrag von wenigstens 50000 US$ bis hoch zu 200000 US$ abzunehmen.

Zugegeben, alles kein besonders schöner Anblick. Dennoch besteht Grund zur Hoffnung. Und zwar weil sich die Lage gegenüber von vor 10 Jahren dramatisch verbessert hat. Schauen wir mal zurück ins Jahr 2005. Damals gab es keine Vorlesungsvideos von Harvard, Stanford usw. bei Youtube, es gab auch keine Google Scholar Suchmaschine und Richard Price CEO von Academia.edu war noch ein moppliges unsportliches Kind. Wollte man damals auf andere Paper verweisen, musste man in den gedruckten Journals nach Quellangaben suchen, die dann per Fernleihe bestellen und hatte dann etwas woraus man zitieren konnte. Sollten die 10 nächsten Jahre genauso innovativ sein wie die letzten 10 Jahre, so ist da noch einige Verbesserung in Aussicht. Die Hauptaufgabe für die nächste Dekade besteht darin, Geldverdienen und wissenschaftliches Publizieren voneinander zu trennen. Die Journale und Unis müssen sich um alternative Einnahmequellen wie z.B. Spenden kümmern und so den Weg frei machen, für eine inhaltlich orientierte Auseinandersetzung. Das also zunächst einmal sämtliche Publikationen in der selben Datenbank drinstehen und nicht vorher schon eine Selektion stattfindet.

Der wichtigste Gradmesser für Wissenschaft wird keineswegs der Impact Faktor sein, sondern es werden Suchmaschinen sein, mit denen man definiert was die Forschung voranbringt. Die wichtigste Erkenntnis lautet, dass auch außenstehende sehr leicht ermitteln können, was ein gutes Paper ist und was nicht. Das heißt, Punktzahlen oder Reviews sind grundsätzlich überflüssig. Man kann sie zwar mit dem Paper abspeichern, aber sie enthalten keine relevante Information. Was jedoch viel wichtiger ist, dass von der Volltextsuche her alle Paper wirklich ausgegeben werden, die auch da sind. Dazu schlage ich folgenden Test vor. Man nehme die Suchmachine seines Vertrauens und versucht in 10 Minuten herauszufinden, was das top-Paper in einer Subkategorie ist. Kann diese Aufgabe gelingen, auch wenn man nicht die Zitationshäufigkeit hat? Ja das geht, und zwar allein dadurch, dass man sich ein eingenes Modell erstellt. Man gibt einige Stichworte in die Suchmaschine ein, schaut sich die Resultate an, verfeinert die Suche und stellt eine Rangliste der Paper auf. Was also hip ist und was nicht. Selbst für Leute die keine Experten sind, geht das erstaunlich leicht. Der Grund dafür lautet, dass es sehr leicht ist, die Qualität eines Papers zu beurteilen, aber sehr schwer ein gutes Paper zu schreiben. Man kann sich das Vorstellen wie bei Musik. Um zu ermitteln, ob ein Pianostück zu den weltbesten gehört, reicht wenn sich ein Amateur die ersten 30 Sekunden anhöhrt. Selbst wenn er nicht weiß, dass es von Mozart geschrieben wurde, wird er sagen: Daumen hoch, besser gehts nicht. Der selber Hörer kann jedoch nicht selbst so eine Leistung abliefern, weil er von Musik keine Ahnung hat.

Ich will damit sagen, dass die Beurteilung von wissenschaftlicher Forschung nicht das Problem ist. Sondern eigentlich ist nur wichtig, dass man neue Paper schreibt.

Paper abgelehnt, warum?

https://academia.stackexchange.com/questions/90710/what-gets-a-paper-rejected-after-conditional-acceptance gibt es eine indirekte Erklärung dafür, warum Google Scholar so repressiv indiziert. Und zwar funktioniert akademisches Publishing seit Jahrzehnten so, dass man sein Paper irgendwohin schickt, es dort begutachtet wird, und dann entweder rejected wird oder akzeptiert. Die Paper, die bei PLOS, Elsevier oder sonstwo erscheinen und die auch bei Google Scholar im Volltext durchsuchbar sind, besitzen als Gemeinsamkeit, dass 100% davon ein accepted erhalten haben. Wenn man hingegen ein Paper auf seine eigene Homepage hochlädt oder es bei Academia.edu einstellt, hat dieses Paper kein derartiges Siegel. Und das heißt, es wird von Google Scholar nicht indiziert.

Anders formuliert, die Gralshüter des Wissenschaftsbetriebes in den Redaktionen der großen OpenAccess Zeitschriften entscheiden darüber, was die restliche Community zitieren darf und was nicht. Elsevier weiß besser als ich selber, was ich bei Google Scholar suchen möchte. Eigentlich wäre das ein Fall für eine Gegensuchmaschine. Also ein Google Scholar wo nur jene Paper indiziert werden, die zuvor ein rejected erhalten haben, um dann explizit diese Paper zu zitieren. Wer traut sich?

Um das Dilemma konkreter einzuordnen ist es wichtig, die Begriffe zu kennen die von der Scientific Community genutzt werden. Generell unterscheidet man zwischen unpublished work und final paper. Als unpublished, draft oder preprint wird all das verstanden, was zwar ein Autor bereits geschrieben hat, was aber bisher nicht publiziert wurde. Also nicht von Elsevier und Co mit einer ordentlichen DOI Nummer aufgenommen wurde, sondern nur als Rohfassung durch die Welt irrt auf der Suche nach einem Verlag, nach einem Peer-Review usw. Google Scholar wiederum indiziert nur Final Papers, also die überarbeitetenden und abgesegneten Dokumente. Explizite Repositorien für Drafts gibt es derzeit keine. Und ganz besonders nicht für Drafts, die von Nicht-Uniangehörigen geschrieben wurden. Der Grund ist simpel: es gibt danach keine Nachfrage.

Mangels Erfahrung habe ich meine eigenen Paper bei Academia.edu immer als normales Paper hochgeladen, genau genommen hätte man diese PDF Dokumente jedoch unter Draft einordnen müssen, weil sie bisher noch keinen Publisher besitzen, also weder bei Google Scholar indiziert sind noch eine DOI Nummer besitzen.

Warum ist diese Spitzfindigkeit von Relevanz? Weil man unterscheiden muss zwischen einem Server auf dem Final Papers gehostet sind, wo also die fertig gelayoutete und accepted Version liegt, die als wahre einzige Wissenschaft gilt und zwischen Preprint Servern auf denen Rohfassungen, Konzepte, Spam abgelegt ist. Ich glaube nicht, dass man das System der OpenAccess Repositorien großartig revolutionieren kann, wo also die Final DOI Paper hinterlegt sind. Merkmal dieser Infrastruktur ist ja gerade, dass ein Peer Review stattfand und dass es eine Qualitätskontrolle gibt, sondern man kann allenfalls bei Preprint Servern ansetzen. Also neuartige Webportale schaffen, wo Rohfassungen gehostet sind, die noch keine DOI Nummer besitzen, kein Peer-Review haben und die möglicherweise aus inhaltlichen Gründen rejected werden.

Leider wird in der Science-Community der Begriff manchmal falsch verwendet. So wird Arxiv als Preprint Server bezeichnet, obwohl eine Publikation bei Arxiv gleichbedeudent ist mit „veröffentlicht“, das heißt, alle Paper die in Arxiv stehen, sind auch bei google Scholar einsehbar.

Gut zusammengefasst hat es https://academia.stackexchange.com/questions/85537/citing-draft-papers-found-on-academia-edu Dort wird gesagt, dass die meisten Dokumente die auf Academia.edu verfügbar sind, Post-prints darstellen. Also Paper, die von anderen Journalen wie PLOS bereits akzeptiert und mit einer DOI versehen wurden und bei Academia.edu nur gespiegelt werden um die Verbreitung zu erhöhen. Es gibt jedoch in dem „Academic social network“ auch eine Kategorie „Draft“ wo man PDF Dateien einstellen kann, die noch keinen Peer-Review Prozess durchlaufen haben, also formal gesehen keine richtige wissenschaftliche Publikation darstellen.

Das ganze ist eigentlich nur eine Feinheit, beim upload des PDF ist es einfach ein Häckchen das man irgendwo setzt, die Unterscheidung ist jedoch relevant wenn man verstehen will wie das akademische Publishing funktioniert.

DRAFT
Das Hauptproblem ist, dass wie oben schon erwähnt, die Beteiligten selber die Begriffe verwechseln und nicht klar genug definieren. Academia.edu beispielsweise sieht sich selbst als Preprint Server, OpenAccess Server und „Academic social network“. Das ist ein sehr dehnbarer Begriff. Die meisten Paper auf Academia.edu wurden zuvor von etablierten Verlagen schon veröffentlicht, also ist der Begriff Pre-Print und Postprint Server gerechtfertigt. Doch die Idee eines „Academic social networks“ ist eigentlich eine andere. Vom Konzept her benötigt man einen Draft Server der mit einem „Social network“ kombiniert wird. Drafts sind dabei Rohmanuskripte die noch an keinen Verlag geschickt wurden, sondern so wie sie sind aus dem pdflatex Präprozessor des Autoren herausgefallen sind.

Streng genommen braucht es keine weitere OpenAccess Server und auch Academia.edu ist witzlos, weil die PLOS Paper die dort gehostet sind, stehen so auch schon auf der PLOS Webseite selber zum Download. Dubletten im Internet bringen nichts. Was die Welt jedoch benötigt sind niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten für Neuautoren. Also eine Stufe vor einem wissenschaftlichen Journal wo es eben explizit um Drafts geht und sonst gar nichts. Ein Draft ist dabei ein wissenschaftliches Paper was zunächst einmal jemand geschrieben wurde, von dem aber nicht so sicher ist, ob es inhaltliche Fehler und Rechtschreibfehler enthält. Das heißt, es wurde noch nicht begutachted, seine Qualität ist zweifelhaft. Reine Draft Server gibt es derzeit noch nicht. Auch Arxiv ist kein Draft Server sondern ein Preprint Server, das heißt, die Paper auf Arxiv wurden von jemanden schon Korrekturgelesen und sind inhaltlich korrekt.

Aus dieser Analyse heraus, kann man ableiten wie ein „academic social network“ aussieht, was in Konkurrenz zu Academia.edu steht. Es müsste ein Network sein, wo finale Paper nicht akzeptiert werden, sondern wo ausschließlich unveröffentliche Drafts angenommen werden. Einen solchen Check könnte man über eine Plagiatskontrolle sicherstellen, das heißt, wenn das Paper schon bei PLOS online ist, wird es rejected wegen doppelung.

Das würde die Einordnung erleichtern, weil klar ist, dass es eben kein OpenAccess Repository ist, sondern es sich um einen Draft Server handelt, wo keines der Paper eine DOI Nummer besitzt. Der Grund warum ResearchGate und Academia.edu hier nicht sauber unterscheiden hat damit zu tun, dass man zwei Dinge auf einmal fördern will. Einerseits soll die OpenAccess Idee gefördert werden, also bereits geschriebene Paper kostenlos im Internet verfügbar sein, gleichzeitig will man aber auch etablierten Journalen Konkurrenz machen, und selbst soetwas sein wie ein Dokumentenhoster. Meiner Meinung nach hat sich Academia.edu dabei verzettelt. Man sollte sich auf eines davon fokussieren. Also entweder als Mirror-Server für PLOS und Elsevier Paper agieren, oder aber als Draft Server.

Die Problematik kann man den academic social network aber nicht allein anleisten. Die Community insgesamt, also die 7 Mio Wissenschaftler und Studenten wissen häufig selber nicht um die Unterschiede und sind komplett überfordert in Sachen Publishing. Das hängt damit zusammen, dass die Vorgänge insgesamt historisch gewachsen sind, kommerzielle eingebettet sind und häufig als Firmengeheimnisch / Herschaftswissen betrachtet werden.

Laut dem Bibtex-Lexikon wird als unpublished ein Werk bezeichnet, dass:

„A document with an author and title, but not formally published.“

https://nwalsh.com/tex/texhelp/bibtx-21.html

Auf den ersten Blick ist diese Bezeichnung irreführend, weil man ja nicht aus etwas zitieren kann, was es gar nicht gibt. Der Unterschied besteht darin, dass im akademischen Publishing anders als in der Blogosphäre es eine Kontrollinstanz gibt, also eine Fachzeitschrift mit Peer-Review Funktion. Erst dann gilt ein Paper als published und erhält die Bezeichnung Paper. Obwohl es mitlerweise OpenAccess Repositorien und „Academic social networks“ gibt, wird sich an dieser Unterscheidung so schnell nichts ändern. Ich glaube, umlernen müssen hier die Autoren die selbstbewusst zu ihren „unpublished“ Einträgen stehen müssen.

In der bbildung sind die Auswahlmöglichkeiten von Jabref aufgelistet. Obwohl es verführerisch ist, die eigene Arbeit als „Article“ oder zur Not als „Misc“ zu bezeichnen ist die korrekte Bezeichnung für ein PDF was nicht gepeer-reviewd wurde und keine DOI Nummer besitzt: unpublished. Man kann jetzt im Einzelfall vielleicht zu der Erkenntnis kommen, dass es Qualitätsmäßig ok ist, und das es ja eine URL besitzt was man von vielen Papern die hinter einer Paywall versteckt liegen nicht sagen kann, aber rein formal ist es „unpublished“.

Plagiate in der Wissenschaft?

Einige unerfahrende Studenten haben Angst vor Plagiaten. Entweder davor, dass sie selbst sich schuldig machen oder das jemand andereres aus ihren unpublished Drafts zitiert ohne es zu nennen. Dabei ist die Sorge vor Plagiaten etwas, womit sich eigentlich nur Roman-Autoren beschäftigen. In der fiktionalen Literatur gibt es nicht nur ein Copyright auf Werke, sondern es wird mit Büchern auch sehr viel Geld verdient. Wenn man dort bei einem Konkurrenten den Plot klaut um ihn selbst zu erzählen kann man sich damit einen großen Vorteil verschaffen. Ebenfalls häufig kommt es vor, dass fremdsprache Romane übersetzt werden, was besonders das Genre Arztroman betrifft.

Im bereich der Non-Fiktion Literatur speziell der wissenschaftlichen Veröffentlichung ist die Lage eine andere. Auch hier ist es technisch möglich mittels Copy&Paste Teile oder komplette Arbeiten zu übernehmen. Nur, man hat selbst davon keinen Vorteil. Weil man das Urheberrecht von solchen Arbeiten ja nicht an Verlage verkauft sondern im Gegenteil sogar noch Geld bezahlt damit es überhaupt gedruckt wird. Desweiteren ist es für die wissenschaftliche community unerheblich wenn etwas doppelt publiziert wird, weil zwei Texte die identisch wären noch das geringste von den Problemen ist die man so hat. Normalerweise diskutieren Physiker über Gleichungen und sehr komplexe Dinge, wenn sie ausnahmsweise mal auf eine Wiederholung von bereits bekanntem stoßen, werden sie das nicht als Betrug sondern eher als amüsant betrachten.

Warum trotzdem in vielen Wissenschaft die Angst vor Plagiaten weit verbreitet ist, hat etwas damit zu tun, dass beim wissenschaftlichen Schreiben häufig nicht unterschieden wird zwischen Fiktion und Non-Fiktion. Auch in vielen Schreibkursen die an Universitäten angeboten wird, erfährt man nicht etwa wie man wissenschaftlich arbeitet, sondern was dort gelehrt wird ist fiktionales Schreiben. Das man sich also einen Plot überlegt aus Einleitung, Mittelteil, Drama, und Schluss. So soll es schon vorgekommen sein, dass Studenten der Medizin nicht etwa über die Behandlung von Bauchschmerzen einen Aufsatz verfasst haben, sondern einen Arztroman geschrieben haben, in dem der Artz Herr Müller erst eine Liebebeziehung einging. Also das Krankenhaus nur der Hintergrund war für ein Prosa-Erzählung. Bei solchen Traktaten muss man in der Tat Angst haben vor Plagiaten.