Herschaft an Automaten abgeben

https://digitaltownonthemove.wordpress.com/2017/07/15/grenzen-der-kuenstlichen-intelligenz-wohin-wir-gehen-werden/ Das Denken in Herschaft und Kontrolle ist ein typisch männliches Phänomen. Es hat damit zu tun, dass Männer die heute Führungspositionen innehaben — ahnen, dass sie sich da zu unrecht befinden und paranoid gegenüber jener Technologie werden, die besser ist als sie selber: den Roboter. Wenn Roboter die neuen Herren der Welt sind, dann bleibt für die Männer der Schöpfung ja nur noch die soziale Rolle des Sklaven übrig, so das Vorurteil. Betrachtet man jedoch die Einführung von Robotern aus einer anderen Perspektive, beispielsweise der von Cynthia Breazeal werden die sozialen Aspekte in den Vordergrund gerückt. Damit ist gemeint, dass Gemeinschaften nicht hierarchisch funktionieren wo jemand der Anführer ist und alle anderen müssen folgen, sondern wo es um Interaktion, Beziehungen und das Miteinander geht. Die Idee ist, dass mit Einführung von Künstlicher Intelligenz das Machtgefälle an sich abgelöst wird.

Robotik aus soziologischer Perspektive

[1] Grundsätzlich halte ich den Ansatz ein Gebiet wie die Robotik innerhalb der Soziologie diskutieren zu wollen für überholt. Weil der Diskursrahmen den die soziologische Forschung aufspannt (das Interview, die Rezeptionsgeschichte, die Mediengeschichte) nicht mächtig genug ist um ein komplexes Gebiet wie die Robotik behandeln zu können. Richtig ist zwar, dass Robotik in die Medien und die Gesellschaft hineinwirkt, beispielsweise mit den erwähnten Kurzgeschichten von Isaac Asimov, dass dies aber nur ein kleines Element von Künstlicher Intelligenz ist. Die Gefahr bei einer rein sozialogischen Betrachtung des Themas besteht darin, dass eine gewisse Überheblichkeit entsteht die leicht in eine Ideologie abgleiten kann. Damit ist gemeint, dass die Versuchung groß ist all das auszublenden, was sich nicht mit sozialogischen Begriffen fassen lässt wie z.B. die konkrete Realisierung von Robotik, deren mathematische Grundlagen sowie dessen Hardware.

Um sich die Beschränktheit von Sozialogie klarzumachen sollte man sich vor Augen führen für was diese Wissenschaft ursprünglich erfunden wurde. Sie dient dazu, dass Zusammenleben von Menschen zu beschreiben, ihre sozialen Rollen und und vielleicht sogar ihren Umgang mit Technologie. Wer jedoch Soziologie als Ersatzdiskurs verwendet um sich nicht mit der Technologie als solcher zu beschäftigen der propagiert einen Neoluddismus. Denn was man nicht versteht muss verteufelt werden. Der einzig faire Diskurs innerhalb der Sozialogie die Robotik zu definieren ist es, sie als Gefahr zu bewerten. Paranoia ist die logische Konsequenz aus einem Nichtverständnis. Wenn man also unbedingt einen rein geisteswissenschaftlichen Diskurs über Künstliche Intelligenz führen möchte, dann bitteschön in der Tradition von Ned Ludd und Hans Moravec. Letzterer hat vor einer Substanz namens Grey Goo gewarnt die sich unkontrolliert ausbreitet, was natürlich technisch gesehen kompletter Unfug ist.

Reha-Roboter

Ein Hauptproblem bei der Amazon Picking Challange ist, dass die Teams mit sehr abenteuerlichen Robotern anrücken. Der Grund dafür ist simpel. Die meisten die dort teilnehmen kommen nicht aus der Softwareentwicklung sondern sind Elektronik-Freaks. Auch in den meisten Robotik-Foren geht es überwiegend darum, ob wie man Roboter verkabelt und weniger darum wie man sie programmiert. Das führt konkret dazu, dass der typische Teilnehmer an einer Robotik-Challange seinen Roboter von Grund auf selbst entwickelt hat und auch Stolz darauf ist.

Ein kleiner Lichtblick ist zumindest die Baxter Plattform die sehr selten verwendet wird. Baxter ist zumindest ein kommerzielles Produkt, allerdings eines was immernoch sehr technisch orientiert ist. Noch besser ist hingegen wenn man sich mit einem Zweig beschäftigt, in dem Roboter-Arme schon länger eingesetzt werden: im Bereich Rehabilation wie in dem obigen Video zu sehen. Der Grund ist dass anders als bei industriellen Robotern man dort nicht die Wahl hat zwischen Automatisierung ja oder nein, sondern dass die Leute auf die Technik angewiesen sind. Demzufolge agieren die Hersteller professioneller. Der Jaco Arm ist um einiges leichter und flexibler als ein klobiger Baxter Roboter, weil er ursprünglich dafür entwickelt wurde an einem Rollstuhl befestigt zu werden.

Nach meiner Recherche sind Jaca und vergleichbare Modelle die derzeit beste Robotik-Hardware die man für Geld kaufen kann. Leider fehlt es bis heute an guter Software. In dem obigen Video sieht man den Status-Quo und zwar eine manuelle Joystick basierende Steuerung. Wie bei einem Bagger muss man die Zielkoordinaten vorgeben. Man kommt damit zu einem Ergebnis, aber es ist langwierig.

Es gibt noch weitere Beispiele wo dieser Roboterarm zum Einsatz kommt. Auch dort wieder manuell gesteuert. Das heißt, Hardwaremäßig ist die Technologie ausgereift und sie befindet sich im Einsatz. Das heißt, das Produkt wird kommerziell vertrieben. Der Clou am Jacko Arm ist, dass dort viele Dinge geschon gelöst wurden, die bei der Amazon Picking Challange mit Baxter und ähnlichen Modellen noch ein Problem darstellen. Und zwar ist der Arm schön leicht, er ist auf einer mobilen Plattform montiert, es gibt eine autonome Stromversorgung und eine manuelle Steuerung mittels Joystick existiert bereits. Im Grunde wäre ein Rollstohll mit aufmontiertem Jacko Arm die bessere Standardplattform um damit die Amazon Picking Challange anzugehen. Man könnte alle Teams damit arbeiten lassen und die Software in den Fokus rücken. Das obige Video hat zunächst einmal nichts mit Robotik zu tun. Aber man sieht dort eine Reihe von Tasks die aus Sicht der Robotik interessant sind. Am Anfang füllt der Roboterarm Hundefutter nach, dann nimmt der Arm ein Buch aus dem Regal. Bei Zeitindex 2:58 sieht man sogar wie der Roboterarm einen Postkasten öffnet und zwar mit einem Schüssel der zuvor hineingeschoben wird. Offenbar existiert also die Hardware, die in der Lage ist, stabile Bewegungen auszuführen. Aber die Sucess Story geht noch weiter. Als nächstes wird gezeigt, wie der Arm in einem Supermarkt ein Produkt aus dem Regal nimmt. Laut https://www.vecna.com/product/kinova-jaco2-robotic-arm-bras-robotise/ kostet der Arm derzeit 35000 US$.

Der Jaco Arm ist wohl auch in Deutschland schon verbreitet, hier ist ein Video https://www.youtube.com/watch?v=rQR2IwjtvkQ was nicht aus den USA stammt. Auch in diesem Video sind eine Reihe von dexterous Tasks zu sehen wie das öffnen einer Schublade, das Benutzen eines Damenrasierers und das Öffnen des Kühlschrankes. Die Steuerung ist wiederum manuell. Das heißt, es gibt einen Joystick der mit der Hand oder sogar mit dem Fuß bedient wird, und noch einige Knöpfe um zwischen den Gelenken umzuschalten. Und damit wird der Task ausgeführt. Aus Sicht der Robotik fehlt also ein Vision System und eine Künstliche Intelligenz. Der Jacko Arm ist nur die Hardware, aber die ist ziemlich hochentwickelt.

Von den Aktionsmöglichkeiten ist der Jacko Arm im Stande fast alles zu emulieren was auch eine echte Hand kann, inkl. Kochen, Benutzen von Tablets, aufräumen usw. Der Unterschied ist nur, dass die Steuerung bis man den Roboterarm bewegt hat um einiges länger dauert. Ich würde mal anhand des Videos schätzen, dass man die zehnfache Zeit benötigt. Das heißt, ohne den Roboterarm braucht man 5 Minuten um die Einkäufe ins Regel zu packen, mit dem Roboterarm sind es schon 50 Minuten. Das Problem ist, dass sich diese Geschwindigkeit nicht verbessern lässt, weil ja die Human-Operator ohnehin mit der maximalen Effizienz auf dem Joystick herumdrücken. Das Problem ist leider, dass man jede Aktion individuell durchführen muss, so als wenn man mit einem Bagger eine filigrane Arbeit ausführen will. Die einzige Methode um die Effizienz von Jacko zu steigern, ist eine Künstliche Intelligenz, also ein Robot-Control-System was nicht über einen Joystick sondern über ein Textinterface funktioniert.

Hier https://www.youtube.com/watch?v=pWQNmZUWlcg gibt es noch ein weiteres Beispiel für Reha Roboter. Dort fährt aus dem Kofferraum eines Autos ein Roboterarm aus, der einen Rollstuhl greift und zu sich hineinzieht. Das sieht ein wenig so aus, wie in dem Film „Wild Wild West“ also wie in einem Steampunk Roman. Und wenn das Auto losfährt kommt sogar Rauch aus dem Auspuff heraus.

Ein weiteres Video was die Bedienung einem Newbee erläutert findet sich hier https://www.youtube.com/watch?v=GmrQxVgyIQ0 Das interessante daran ist, dass man den User nicht erst überzeugen muss dass der Roboterarm nützlich ist, sondern vielmehr ist besteht ein intrinsiche Motivaton. Natürlich weil man mit Arm mehr machen kann also ohne Arm. Und so wird nicht nur der Arm dankbar angenommen sondern auch die Einweisung in dessen Bedienung goutiert. Das heißt, die Person in dem Rollstuhl bringt ein Eigeninteresse mit den Roboterarm möglichst effizient einzusetzen. Der Witz ist, dass die Begeisterung für die Technik eigentlich nicht gerechtfertigt ist. Weil der Jaco Arm massiv überteuert ist, und die Steuerung alles andere als gut funktioniert. Aber offenbar wird das ausgeblendet weil der Vorteil noch groß genug ist.

Aus ökonomischer Sicht gibt es offenbar für Rollstuhl Roboterarme soetwas wie einen Markt und jetzt muss man die Person im Rollstuhl nur noch davon überzeugen, dass der Verkäufer des Jaco Arms von Robotern keine Ahnung hat und man selber das bessere Produkt hat. Aber kommen wir zurück zu dem eigentlichen Video. Man kann dort eine komplexere Aktionsfolge sehen. Die Operatorin versucht mit dem Arm ein Objekt zu greifen. Es sind dazu mehrere Tastendrücke auf dem Joystick erforderlich, bis die exakte Position erreicht wurde. Das heißt, der Task ist hardware mäßig durchführbar aber es benötigt sehr viel Zeit. Während die Operatorin den Task ausführt ist bei ihr die cogntive Last hoch. Das heißt, sie muss schauen wo sich das Objekt befindet, überlegen in welche Richtung der Joystick bewegt wird und zwischendurch auch noch eigene Fehler korrigieren. Aus Sicht der Informatik stellt sich hier eine interessante Frage: wie reduziert man die cognitive Load? Das also der selbe Task ausgeführt wird, nur wesentlich entspannter.

REHA ROBOTER
Warum sind Reha Roboter so interessant? Nun das Hauptproblem mit Robotern ist, dass sie niemand wirklich braucht. Systeme wie der Baxter Roboter oder auch der Jaco Robot sind praktisch unverkläuflich. Selbst Technikfreaks würde sich nie einen Baxter Roboter kaufen, um damit dann ihren Haushalt zu machen, weil es eine massive Verschlechterung an Lebensqualität bedeuten würde. Ohne Roboterarm können alle Dinge um sehr viel schneller ausgeführt werden. Der Grund ist simpel. Es gibt aktuell noch keine hochentwickelte Software, bei der Roboter die Performance von Menschen überbieten, also schneller das Essen zubereiten als das ein geübter Koch könnte.

Im Bereich Rehatechnik ist die Ausgangslage eine andere. Dort ergibt sich selbst durch extrem schlechte Hard- und Software eine merkliche Verbesserung. Das heißt, es entsteht ein Vorteil den Roboter einzusetzen. Und wo dieser vorteil existiert bildet sich ein Markt, also Anbieter und Nachfrager und es kommt zu Wettbewerb. Der Rehabereich ist ein Anwendungsfeld in dem kommerzielle Robotik heute schon Sinn macht. Anders als in der Industrie oder im Bereich Haushaltsrobotik muss man potentielle Konsumenten nicht erst überzeugen sich sowas anzuschaffen, sondern die Nachfrage existiert bereits.

Schauen wir uns den individuellen Nutzen etwas genauer an. Wenn man mit einem Rollstuhlroboterarm einen Gegenstand aus einem Regal greifen will, dauert das extrem lange. Und die Steuerung ist aufwendig. Schneller und einfacher würde es gehen, wenn man einfach aufsteht und den Gegenstand manuell herausnimmt, also den Roboterarm umgeht. Die gleiche Aktion dauert dann nicht 5 Minuten sondern nur 5 Sekunden. Wenn jedoch die Ausgangslage so ist, dass Aufstehen und selbergreifen aus welchen Gründen auch immer verboten ist, dann sind selbst die 5 Minuten die der Roboterarm benötigt eine akzeptable Zeitspanne. Die Rechnugn geht dann so, dass man entweder 5 Minuten sich mit dem Joystick herumärgert oder den Gegenstand überhaupt nicht aus dem Regal bekommt.

Selbst mit einer hochentwickelten Software ist es unmöglich den Jaco Robotarm auf das Niveau eines Menschen zu bringen. Das heißt, immer wird es so sein, dass das Greifen eines Objektes mit dem Roboterarm langsamer geht als wenn man mit einer richtigen Hand arbeitet. In der Nische Reha-Robotik ist das aber unwichtig.

VISION
Aus mehreren Gründen ist aber Reha-Robotik trotzdem nicht das optimale Feld um Künstliche Intelligenz zu entwickeln. Und zwar ist die Aufgabe für den vorhandenen Jaco Arm eine Künstliche Intelligenz zu programmieren immernoch zu anspruchsvoll. Weil man neben der Steuerung auch noch eine Vision Komponente benötigt und diese mit dem Joystick kombinieren muss. Ein solches Projekt ist zu ambitioniert um hier schnelle Erfolge zu erzielen. Das heißt, natürlich kann man sich damit beschäftigen, aber es wird nichts dabei herauskommen.

Weitaus sinnvoller ist es, sich zunächst mit einer Aufgabenstellung beschäftigen die virtuell definiert ist. Also einen Robot-controller für ein Computerspiel zu programmieren. Denn dort ist anders als bei einem Rollstuhlroboter der Game-Engine schon bekannt wo sich jedes Objekt befindet. Der Schwierigkeitsgrad sinkt dadurch. Anders formuliert, wenn man bereits ein leistungsfähige Vision Komponente hat und auch einen Robot-Controller für einen 6 dof Arm, kann man das sicher in den Jaco Robot integrieren um so in echt damit die Messlatte hochsetzen. Wenn diese Komponenten jedoch erst noch entwickelt sind, sollte man etwas weniger ehrgeizig an das Projekt herangehen.

Inmoov schürrt den Konkurrenzkampf

Auf den ersten Blick ist die Inmoov Hardware sehr fortschrittlich, nicht nur dass sie OpenHardware verwendet sondern sie ist auch preiswert und gut durchdacht. Das Problem mit dem inmoov Projekt ist jedoch, dass es die Softwareseite unberücksichtigt lässt. Genauer gesagt ist die Inmoov Hardware für Programmierer ein Problem, ja sogar der Feind. Schauen wir uns mal die Details an. Die erste Generation von Inmoov war noch halbwegs überschaubar. Es gab meherere Servos und die musste man ansteuern. Aber dann hat der Erfinder angefangen immer neue Features einzubauen, beispielsweise wurde die Hand mit Drucksensoren ausgestattet. Aus Sicht der Hardware sicherlich eine gute Sache, weil dadurch die Hand aufgewertet wird. Nur, wer bitteschön soll die Sensordaten auswerten? Inmoov ist da fein raus, weil die machen ja nur die Hardware. Kurz gesagt, das erklärte Ziel von Inmoov scheint es wohl zu sein, die Programmierer an ihre Liestungsgrenzen zu führen, also bessere Hardware zu veröffentlichen als man derzeit von der Software aus ansteuern kann. Aber damit nicht genug, für die Zukunft sieht es noch düsterer aus. Auf dem Blog hat der Erfinder schon angekündigt, dass der Roboter auch noch Beine erhalten soll. Und ich ahne es schon, die Steuerung dieser Beine wird in der Software erledigt, wenn sie denn jemand programmieren kann. Was kommt als nächstes? Wogmöglich noch Drucksensoren in den Füßen oder sogar passive Servos um den Stromverbrauch zu senken?

Für den Roboter als solchen wäre das alles eine Verbesserung, keine Frage. Doch sollte man nicht vergessen, dass dieser Konkurrenzkampf zwischen Hard- und Software dazu führt, dass sich der Konflikt aufschaukelt. Ich glaube, die Hardwareseite macht das mit Absicht damit sie gut dastehen und die Software der Verlierer ist.

Man wuss wohl dem Inmoov Team dankbar sein dafür dass sie zumindest noch bei klassischen Materialen wie Plastik und Metall verbleiben und nicht den Unsinn mitmachen der bei einigen Biotech-Laboren eingekehrt ist, wo man den Ehrgeiz hat, biologische Materialien wie künstliche Haut zu entwickeln. Um das zu steuern oder zu programmieren muss man softwaremäßig noch sehr viel mehr aufrüsten, weil dann simple Python Programme nicht mehr ausreichen. Für sowas bräuchte man Neurochips. Also Systeme die eine Symbiose herstellen zwischen Technik und Biologie.

Wie man „Social Robots“ konstruiert

Auf einer TED Woman Conference hat Cynthia Breazeal bereits erläutert was Social Robots sind und woraf es dabei ankommt. Ich möchte an das gesagte anknüpfen und detailiert erklären was das Ziel ist. Ein Social Robot wird als „robot victim“ konstruiert. Es ist ein Roboter der eine soziale Rolle ausführt. Der Roboter spielt ein Entführungsopfer, also eine Person, die in einem Plot komplett passiv ist. Auch Hitchbot war ein „kidnapped robot victim“, das wurde zwar von der Erfinderin nicht so explizit genannt, aber der Roboter wurde auf diese Rolle hin konstruiert. Und das, was am Ende mit Hitchbot passiert ist der Normalfall und wurde von Frauke Zeller antizipiert.

Wenn man der Autor eines Romans ist in dem ein Entführungsopfer vorkommt, dann kann man diese Figur detailiert beschreiben und man kann vorgeben, wie sich der Plot entwickelt. Und laut Definition wird das Opfer eben nicht aggressiv gegen andere auftreten, sondern wird Gewalt ertragen. Egal welchen Film, welches Buch man ließt, die Opfer werden dort immer ängstlich schauen, sich unterordnen, nichts verkehrt machen und müssen um ihr Leben fürchten.

Man kann jetzt natürlich im Detail darüber philosophieren wie man ein victim-robot konstruiert, also ob er gelbe Handschuhe oder rote Handschuhe bekommt. Doch das ist womöglich gar nicht wichtig. Im Kern geht es darum, den Roboter eine soziale Rolle spielen zu lassen. Dadurch kommt es zu einer Interaktion mit der Umwelt. Der Grund, warum die Photos von Hitchbot um die Welt gingen war, dass die soziale Rolle des Entführungsopfers von der Gesellschaft akzeptiert wurde. Die Leute die ihn im Auto mitnahmen wussten, dass sie der Maschine überlegen sind. Und auch der Badboy der ganz am Ende bei Hitchbot die Arme ausgerissen hat, wusste, dass es keine Konsequenzen haben wird. Gewalt gegen Roboter ist gesellschaftlich legitimiert, es gibt niemanden der dagegen etwas einzuwenden hätte.

Was hingegen sanktioniert wird ist die umgekehrte Rollenverteilung. Das also der Roboter den aktiven Part übernimmt und der Mensch das Opfer ist. Sowas wird als Kampfroboter bezeichnet. Hätte Frauke Zeller so einen Roboter konstruiert und ihn auf die Reise geschickt dann wäre das Projekt anders verlaufen.

Der Fehler ist, den die Öffentlichkeit macht ist anzunehmen, dass social Robotics und ihre Erfinderinnen harmlos wäre. Viele sagen Frauke Zeller ist keine richtige Informatikerin weil sie a) eine Frau ist und b) sich mit niedlichen Robotern beschäftigt. Auch das oben verlinkte Youtube Video sieht zunächst harmlos aus. Es wird dort ein Computerspiel namens „The sims“ erläutert was auf keinem Index steht. Es ist eben kein gewaltverherrlichendes Killerspiel und inhatlich geht es auch nur um ein Rollenspiel, vorgetragen übrigens wieder nicht von einem Mann sondern vom weiblichen Geschlecht. Aber schaut man sich das Video einmal genau an, so findet man darin das was als passive-Aggressivität bekannt ist. Das heißt, junge Männer zocken Spiele wie Battlefield 3 wo sie mit Mörsergranaten ins Hinterland vorstoßen, während junge Frauen „the sims“ spielen um dort Entführungssimulationen zu planen?

Ich glaube es ist zu kurz gegriffen, das allein über die Gender-Frage zu definieren, sondern worum es eigentlich geht ist Aufrüstung. Es geht darum, dass Computerspiele immer brutaler werden, und das auch Rollenspiele die ohne Waffen funktionieren immer hinterlistiger werden.

Die Gemeinsamkeit zwischen Kampfrobotern und Victim-Robots ist, dass es sich um soziale Rollen handelt. Die Maschine also bestimmte Eigenschaften hat. Bei social-robotics bzw. victim-robotics steht die Interaktion mit der Umwelt im Fordergrund, was der Roboter denkt oder will ist nicht wichtig, vielmehr entscheidet das seine Umgebung. Bei Kampfrobotern hingegen steht Autonomie und Selbstbehauptung im Fordergrund. Hier sind die Interessen der Umwelt egal und der Roboter fährt wie eine Planierraupe durch die Welt. Die Gemeinsamkeit ist, dass man messen kann wie gut die angestrebte soziale Rolle ausgefüllt wird. Häufig wird das als Intelligenz oder IQ bezeichnet, also die Fähigkeit wie gut man das Opfer spielt oder wie gut man als Kampfroboter ist. Und hier kommen wir zum Eigentlichen Thema. Denn in Wahrheit geht es gar nicht darum, einen Roboter aktiv oder passiv zu gestalten sondern worum es wirklich geht ist, den IQ zu erhöhen, also die Fähigkeiten mehr zu erreichen, von dem was das Ziel ist.

Künstliche Intelligenz ist egal wie sie erreicht wird, eine Meta-Eigenschaft mit der man sowohl Kampfroboter als auch victim-Robots konstruieren kann. Im Extremfall sogar beides, also ein System was sowohl aggressiv als auch passiv agiert. In der Geschichte der Informatik wurde zunächst die aktive-klassische Künstliche Intelligenz, also die Fähigkeit in Konfliktsituationen wie computerschach oder in Militärsimulationen sich zu behaupten. Erst relativ spät hat die Spieleindustrie sich auch mit anderen Dingen beschäftigt. Das Beispiel „The sims“ wurde bereits erwähnt. Es geht in diesem Spiel hauptsächlich um zwischenmenschliche Beziehungen. Es gibt dort keinen eigentlichen Sieger und wenn dann werden sie gemeinsam errungen. Die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz um derartige Spiele zu spielen steht noch ganz am Anfang, es gibt bisher nur wenig Forschung in diese Richtung.

Trollalarm — weiblicher Roboticist gesicht

In dem obigen Video erläutert uns die schmeichelhafte Carol Reiley die feminine Sicht auf Roboter. Zunächst möchte man denken, ganz interessant aber langweilig. So fragt sie die Zuschauer beispielsweise ob sie wussten, dass Ada Lovelace eine weibliche Computerexpertin war. Natürlich wussten wir das, das gehört zur Grundbildung, was soll das nochmal auf einem TED Talk? Schaut man sich den Vortrag von Reiley jedoch etwas genauer an, so weiß sie vermutlich dass wir das schon wussten und was sie da oben auf der Bühne macht ist gar kein richtiger Vortrag sondern sie versucht uns zu trollen. Glaubt mir, ich kann einen Fake mehrere Meter gegen den Wind riechen und das da ist eine/r. Die Körpersprache die Reiley nutzt, die Betonung der Sätze, die Inhalte all das soll provozieren.

Hören wir ihr dochmal etwas genauer zu was sie berichtet. Sie möchte eine Alternative zu Singularity promoten. Das also Roboter nicht zwangsläufig gefährlich sein müssen sondern auch nette Wesen sein können. Das ist die Leitidee welche vorgetragen wird. Aber wiso hat man dann trotzdem das Gefühl, dass Super-Human-AI unmittelbar bevorsteht? Vielleicht weil sich Carol Reiley so bewegt wie die Terminatrix, oder weil das was sie sagt keinen Sinn ergibt? Ich meine, wenn man Roboter schlauer macht, sie als Autopilot einsetzt und Systeme wie Pepper baut dann ist das doch gefährlich oder etwa nicht? Genau genommen spielt Reiley mit der Angst ihrer Zuschauer, sie sendet zweideutige Signale aus. Wenn man den Vortrag bis zu Ende verfolgt wird man bemerken, dass sich einige der männlichen Zuhörer davon provoziert fühlen und kritisch nachfragen. Aber, das ist genau das was der Obertroll will. Im Usenet gibt es so ein schönes Meme: Do not feed the trolls!

Versuchen wir den Vortrag etwas nüchterner zu analyiseren. Zunächst einmal nimmt die Vortragende eine Position ein, die zu Singularity Propheten wie Ray Kurzweil auf Distanz geht. Und sie betont, dass sie an social robotics glaubt, das also Menschen und Maschinen gemeinsam interagieren können. Damit wird ein diskursiver Rahmen aufgespannt den man als möglicher Teilnehmer an diesem Diskurs einhalten muss. Das heißt, anders als Leuten wie Ray Kurzweil kann man ihr nicht vorwerfen sie würde an Super-Human-AI forschen die die Menschheit vernichten will. Nein, Reiley will etwas anderes. Sie möchte liebe Roboter die lächeln können, die Gefühle haben, die uns eine heiße Schokolade bringen und mit denen wir knuddeln können. Dieses Utopie steht keineswegs allein im Raum, sondern es ist ein Gegenentwurf zu dem was vorher da war. Der Normalfall wie sich Leute die Roboter von morgen vorstellen ist als Kampfmaschine. Wo also schwerbewaffnete T-800 Modelle sich aufmachen um gegen die Menschen Krieg zu führen. Das ist das was uns James Cameron und Ray Kurzweil erzählen. Wenn jetzt Reiley diesen gewohnten Diskurs verlässt und anders an die Sache herangeht, darf man getrost unterstellen, dass es sich dabei um eine Form der Täuschung oder auch Mimikry handelt. Auf den ersten Blick eine harmlose Missachtung des üblichen diskursiven Rahmens. Die Nachwuchs-Roboter-Expertin weiß eben noch nicht dass Roboter auch als Kampfmaschinen eingesetzt werden und dass es eine dunkle Seite gibt. Weiß sie das wirklich nicht?

Nein, sie blendet ganz bewusst das Schreckensszenario aus um dann innerhalb der Singularity Debatte einen Fake-Dialog zu starten und dort ihre Zuhörer mit hineinzuziehen. Solche sektiererischen Abspaltungen sind extrem gefährlich weil es dann plötzlich zwei Singularity Diskurse gibt. Einmal die Leute welche gute Roboter bauen und einmal wo die bösen Roboter gebaut werden. Reilay will natürlich die guten Roboter bauen und das werden dann jene sein, welche technisch höherentwickelt sind.

Diese neue Generation von Roboterbauern will streng genommen folgendes: Weak AI plus Social Robotics. Aber wie sieht die technische Realisierung davon aus? Weak AI bedeutet, dass man einen Algorithmus verwendet der auf eine bestimmte Aufgabe programmiert wurde. Die Bots in „The sims“ sind ein gutes Beispiel für Weak AI. Sie wurden exakt für dieses eine Spiel entwickelt und dafür optimiert. Social Robotics hingegen bedeutet, dass Maschinen Gefühle simulieren und mit Menschen interagieren. Beispiele hierfür sind Kismet oder Hitchbot. Wenn man jetzt beides kombiniert (Weak AI plus social Robotics) erhält man Robotermodelle welche die soziale Rolle eines Opfers einnehmen. So ähnlich wie in der Anfangsszene von „I, Robot“ wo Will Smith den netten Briefträgerroboter erstmal gegen die Stirn fasst und wegdrückt und der Roboter lässt das mit sich machen und entschuldigt sich sogar noch dafür. Solche schwachen und empfindsamen Roboter sind aber genau das, was richtig gefährlich wird für die Menschheit. Die Gefahr besteht darin, dass überall dort wo es Opfer gibt der Täter nicht weit ist. Wenn man weiß wie man einen Roboter baut der unterwürfig ist und sich in eine soziale Rolle hineinfindet, dann gibt es irgendwo auch das genaue Gegenstück dass eine andere Agenda hat. Und dieses unaufgelösste Spannungsverhältnis lässt vor allem männliche Zuschauer im Publikum unruhig werden wenn sie dem Vortrag lauschen. Weil sie insgeheim kein Interesse an Friede/Freude/Eierkuchen haben, sondern heimlich brutale Computerspiele bevorzugen, also ahnen dass da irgendwo noch eine dunkle Seite existiert.

GEGENMAßNAHMEN
Carol Reiley steht keineswegs alleine da. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von „female Roboticist“ die einen ähnlichen Diskussionsbeitrag bevorzugen. Wo also eine Mischung aus Weak AI und social Robotics gepredigt wird. Ich glaube es ist wichtig hier aufklärend gegenzusteuern und zu betonen, dass Roboter primär aus Softwarecode bestehen und dieser ist weder social noch weak sondern ist entweder gut programmiert oder schlecht programmiert. Robotik vorantreiben bedeutet automatischen besseren Code anzustreben. Und damit lassen sich dann sowohl social robotics als auch anti-social Robotics bauen. Es ist zu kurz gegriffen, Roboter in einem gesellschaftlichen Kontext zu verniedlichen. Dadurch wird lediglich die Einstiegshürde gesenkt was dazu führt, dass sich mehr Leute für dieses Thema interessieren. Und je mehr Leute in der Robotik aktiv sind, desto höher die Entwicklungsgeschwindigkeit in Richtung Super-Human-AI.

Das Grundproblem ist, dass man den technischen Fortschritt weder aufhalten noch verlangsamen kann. Vielmehr scheint er sich verselbstständigt zu haben. Die eigentliche Gefahr sind wir die Menschen, die es nicht lassen können über ihren eigenen Horizont zu schauen und den Dingen auf den Grund zu gehen. Die immer nach höherem streben und sich nicht mit Mittelmäßigkeit abfinden können.