Wie man „Social Robots“ konstruiert

Auf einer TED Woman Conference hat Cynthia Breazeal bereits erläutert was Social Robots sind und woraf es dabei ankommt. Ich möchte an das gesagte anknüpfen und detailiert erklären was das Ziel ist. Ein Social Robot wird als „robot victim“ konstruiert. Es ist ein Roboter der eine soziale Rolle ausführt. Der Roboter spielt ein Entführungsopfer, also eine Person, die in einem Plot komplett passiv ist. Auch Hitchbot war ein „kidnapped robot victim“, das wurde zwar von der Erfinderin nicht so explizit genannt, aber der Roboter wurde auf diese Rolle hin konstruiert. Und das, was am Ende mit Hitchbot passiert ist der Normalfall und wurde von Frauke Zeller antizipiert.

Wenn man der Autor eines Romans ist in dem ein Entführungsopfer vorkommt, dann kann man diese Figur detailiert beschreiben und man kann vorgeben, wie sich der Plot entwickelt. Und laut Definition wird das Opfer eben nicht aggressiv gegen andere auftreten, sondern wird Gewalt ertragen. Egal welchen Film, welches Buch man ließt, die Opfer werden dort immer ängstlich schauen, sich unterordnen, nichts verkehrt machen und müssen um ihr Leben fürchten.

Man kann jetzt natürlich im Detail darüber philosophieren wie man ein victim-robot konstruiert, also ob er gelbe Handschuhe oder rote Handschuhe bekommt. Doch das ist womöglich gar nicht wichtig. Im Kern geht es darum, den Roboter eine soziale Rolle spielen zu lassen. Dadurch kommt es zu einer Interaktion mit der Umwelt. Der Grund, warum die Photos von Hitchbot um die Welt gingen war, dass die soziale Rolle des Entführungsopfers von der Gesellschaft akzeptiert wurde. Die Leute die ihn im Auto mitnahmen wussten, dass sie der Maschine überlegen sind. Und auch der Badboy der ganz am Ende bei Hitchbot die Arme ausgerissen hat, wusste, dass es keine Konsequenzen haben wird. Gewalt gegen Roboter ist gesellschaftlich legitimiert, es gibt niemanden der dagegen etwas einzuwenden hätte.

Was hingegen sanktioniert wird ist die umgekehrte Rollenverteilung. Das also der Roboter den aktiven Part übernimmt und der Mensch das Opfer ist. Sowas wird als Kampfroboter bezeichnet. Hätte Frauke Zeller so einen Roboter konstruiert und ihn auf die Reise geschickt dann wäre das Projekt anders verlaufen.

Der Fehler ist, den die Öffentlichkeit macht ist anzunehmen, dass social Robotics und ihre Erfinderinnen harmlos wäre. Viele sagen Frauke Zeller ist keine richtige Informatikerin weil sie a) eine Frau ist und b) sich mit niedlichen Robotern beschäftigt. Auch das oben verlinkte Youtube Video sieht zunächst harmlos aus. Es wird dort ein Computerspiel namens „The sims“ erläutert was auf keinem Index steht. Es ist eben kein gewaltverherrlichendes Killerspiel und inhatlich geht es auch nur um ein Rollenspiel, vorgetragen übrigens wieder nicht von einem Mann sondern vom weiblichen Geschlecht. Aber schaut man sich das Video einmal genau an, so findet man darin das was als passive-Aggressivität bekannt ist. Das heißt, junge Männer zocken Spiele wie Battlefield 3 wo sie mit Mörsergranaten ins Hinterland vorstoßen, während junge Frauen „the sims“ spielen um dort Entführungssimulationen zu planen?

Ich glaube es ist zu kurz gegriffen, das allein über die Gender-Frage zu definieren, sondern worum es eigentlich geht ist Aufrüstung. Es geht darum, dass Computerspiele immer brutaler werden, und das auch Rollenspiele die ohne Waffen funktionieren immer hinterlistiger werden.

Die Gemeinsamkeit zwischen Kampfrobotern und Victim-Robots ist, dass es sich um soziale Rollen handelt. Die Maschine also bestimmte Eigenschaften hat. Bei social-robotics bzw. victim-robotics steht die Interaktion mit der Umwelt im Fordergrund, was der Roboter denkt oder will ist nicht wichtig, vielmehr entscheidet das seine Umgebung. Bei Kampfrobotern hingegen steht Autonomie und Selbstbehauptung im Fordergrund. Hier sind die Interessen der Umwelt egal und der Roboter fährt wie eine Planierraupe durch die Welt. Die Gemeinsamkeit ist, dass man messen kann wie gut die angestrebte soziale Rolle ausgefüllt wird. Häufig wird das als Intelligenz oder IQ bezeichnet, also die Fähigkeit wie gut man das Opfer spielt oder wie gut man als Kampfroboter ist. Und hier kommen wir zum Eigentlichen Thema. Denn in Wahrheit geht es gar nicht darum, einen Roboter aktiv oder passiv zu gestalten sondern worum es wirklich geht ist, den IQ zu erhöhen, also die Fähigkeiten mehr zu erreichen, von dem was das Ziel ist.

Künstliche Intelligenz ist egal wie sie erreicht wird, eine Meta-Eigenschaft mit der man sowohl Kampfroboter als auch victim-Robots konstruieren kann. Im Extremfall sogar beides, also ein System was sowohl aggressiv als auch passiv agiert. In der Geschichte der Informatik wurde zunächst die aktive-klassische Künstliche Intelligenz, also die Fähigkeit in Konfliktsituationen wie computerschach oder in Militärsimulationen sich zu behaupten. Erst relativ spät hat die Spieleindustrie sich auch mit anderen Dingen beschäftigt. Das Beispiel „The sims“ wurde bereits erwähnt. Es geht in diesem Spiel hauptsächlich um zwischenmenschliche Beziehungen. Es gibt dort keinen eigentlichen Sieger und wenn dann werden sie gemeinsam errungen. Die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz um derartige Spiele zu spielen steht noch ganz am Anfang, es gibt bisher nur wenig Forschung in diese Richtung.

Trollalarm — weiblicher Roboticist gesicht

In dem obigen Video erläutert uns die schmeichelhafte Carol Reiley die feminine Sicht auf Roboter. Zunächst möchte man denken, ganz interessant aber langweilig. So fragt sie die Zuschauer beispielsweise ob sie wussten, dass Ada Lovelace eine weibliche Computerexpertin war. Natürlich wussten wir das, das gehört zur Grundbildung, was soll das nochmal auf einem TED Talk? Schaut man sich den Vortrag von Reiley jedoch etwas genauer an, so weiß sie vermutlich dass wir das schon wussten und was sie da oben auf der Bühne macht ist gar kein richtiger Vortrag sondern sie versucht uns zu trollen. Glaubt mir, ich kann einen Fake mehrere Meter gegen den Wind riechen und das da ist eine/r. Die Körpersprache die Reiley nutzt, die Betonung der Sätze, die Inhalte all das soll provozieren.

Hören wir ihr dochmal etwas genauer zu was sie berichtet. Sie möchte eine Alternative zu Singularity promoten. Das also Roboter nicht zwangsläufig gefährlich sein müssen sondern auch nette Wesen sein können. Das ist die Leitidee welche vorgetragen wird. Aber wiso hat man dann trotzdem das Gefühl, dass Super-Human-AI unmittelbar bevorsteht? Vielleicht weil sich Carol Reiley so bewegt wie die Terminatrix, oder weil das was sie sagt keinen Sinn ergibt? Ich meine, wenn man Roboter schlauer macht, sie als Autopilot einsetzt und Systeme wie Pepper baut dann ist das doch gefährlich oder etwa nicht? Genau genommen spielt Reiley mit der Angst ihrer Zuschauer, sie sendet zweideutige Signale aus. Wenn man den Vortrag bis zu Ende verfolgt wird man bemerken, dass sich einige der männlichen Zuhörer davon provoziert fühlen und kritisch nachfragen. Aber, das ist genau das was der Obertroll will. Im Usenet gibt es so ein schönes Meme: Do not feed the trolls!

Versuchen wir den Vortrag etwas nüchterner zu analyiseren. Zunächst einmal nimmt die Vortragende eine Position ein, die zu Singularity Propheten wie Ray Kurzweil auf Distanz geht. Und sie betont, dass sie an social robotics glaubt, das also Menschen und Maschinen gemeinsam interagieren können. Damit wird ein diskursiver Rahmen aufgespannt den man als möglicher Teilnehmer an diesem Diskurs einhalten muss. Das heißt, anders als Leuten wie Ray Kurzweil kann man ihr nicht vorwerfen sie würde an Super-Human-AI forschen die die Menschheit vernichten will. Nein, Reiley will etwas anderes. Sie möchte liebe Roboter die lächeln können, die Gefühle haben, die uns eine heiße Schokolade bringen und mit denen wir knuddeln können. Dieses Utopie steht keineswegs allein im Raum, sondern es ist ein Gegenentwurf zu dem was vorher da war. Der Normalfall wie sich Leute die Roboter von morgen vorstellen ist als Kampfmaschine. Wo also schwerbewaffnete T-800 Modelle sich aufmachen um gegen die Menschen Krieg zu führen. Das ist das was uns James Cameron und Ray Kurzweil erzählen. Wenn jetzt Reiley diesen gewohnten Diskurs verlässt und anders an die Sache herangeht, darf man getrost unterstellen, dass es sich dabei um eine Form der Täuschung oder auch Mimikry handelt. Auf den ersten Blick eine harmlose Missachtung des üblichen diskursiven Rahmens. Die Nachwuchs-Roboter-Expertin weiß eben noch nicht dass Roboter auch als Kampfmaschinen eingesetzt werden und dass es eine dunkle Seite gibt. Weiß sie das wirklich nicht?

Nein, sie blendet ganz bewusst das Schreckensszenario aus um dann innerhalb der Singularity Debatte einen Fake-Dialog zu starten und dort ihre Zuhörer mit hineinzuziehen. Solche sektiererischen Abspaltungen sind extrem gefährlich weil es dann plötzlich zwei Singularity Diskurse gibt. Einmal die Leute welche gute Roboter bauen und einmal wo die bösen Roboter gebaut werden. Reilay will natürlich die guten Roboter bauen und das werden dann jene sein, welche technisch höherentwickelt sind.

Diese neue Generation von Roboterbauern will streng genommen folgendes: Weak AI plus Social Robotics. Aber wie sieht die technische Realisierung davon aus? Weak AI bedeutet, dass man einen Algorithmus verwendet der auf eine bestimmte Aufgabe programmiert wurde. Die Bots in „The sims“ sind ein gutes Beispiel für Weak AI. Sie wurden exakt für dieses eine Spiel entwickelt und dafür optimiert. Social Robotics hingegen bedeutet, dass Maschinen Gefühle simulieren und mit Menschen interagieren. Beispiele hierfür sind Kismet oder Hitchbot. Wenn man jetzt beides kombiniert (Weak AI plus social Robotics) erhält man Robotermodelle welche die soziale Rolle eines Opfers einnehmen. So ähnlich wie in der Anfangsszene von „I, Robot“ wo Will Smith den netten Briefträgerroboter erstmal gegen die Stirn fasst und wegdrückt und der Roboter lässt das mit sich machen und entschuldigt sich sogar noch dafür. Solche schwachen und empfindsamen Roboter sind aber genau das, was richtig gefährlich wird für die Menschheit. Die Gefahr besteht darin, dass überall dort wo es Opfer gibt der Täter nicht weit ist. Wenn man weiß wie man einen Roboter baut der unterwürfig ist und sich in eine soziale Rolle hineinfindet, dann gibt es irgendwo auch das genaue Gegenstück dass eine andere Agenda hat. Und dieses unaufgelösste Spannungsverhältnis lässt vor allem männliche Zuschauer im Publikum unruhig werden wenn sie dem Vortrag lauschen. Weil sie insgeheim kein Interesse an Friede/Freude/Eierkuchen haben, sondern heimlich brutale Computerspiele bevorzugen, also ahnen dass da irgendwo noch eine dunkle Seite existiert.

GEGENMAßNAHMEN
Carol Reiley steht keineswegs alleine da. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von „female Roboticist“ die einen ähnlichen Diskussionsbeitrag bevorzugen. Wo also eine Mischung aus Weak AI und social Robotics gepredigt wird. Ich glaube es ist wichtig hier aufklärend gegenzusteuern und zu betonen, dass Roboter primär aus Softwarecode bestehen und dieser ist weder social noch weak sondern ist entweder gut programmiert oder schlecht programmiert. Robotik vorantreiben bedeutet automatischen besseren Code anzustreben. Und damit lassen sich dann sowohl social robotics als auch anti-social Robotics bauen. Es ist zu kurz gegriffen, Roboter in einem gesellschaftlichen Kontext zu verniedlichen. Dadurch wird lediglich die Einstiegshürde gesenkt was dazu führt, dass sich mehr Leute für dieses Thema interessieren. Und je mehr Leute in der Robotik aktiv sind, desto höher die Entwicklungsgeschwindigkeit in Richtung Super-Human-AI.

Das Grundproblem ist, dass man den technischen Fortschritt weder aufhalten noch verlangsamen kann. Vielmehr scheint er sich verselbstständigt zu haben. Die eigentliche Gefahr sind wir die Menschen, die es nicht lassen können über ihren eigenen Horizont zu schauen und den Dingen auf den Grund zu gehen. Die immer nach höherem streben und sich nicht mit Mittelmäßigkeit abfinden können.

Krieg führen mit Gefühlen

Derzeit wird gerade über eine UN_Konvention zum Verbot von aggressiven Militär-Robotern debattiert, https://netzpolitik.org/2016/un-konvention-verbot-von-killer-robots/ Der Ansatz ist lobenswert, es geht darum dass man die Forschung an und die Verbreitung von autonomen Kampfrobotern einschränkt; vergleichbar mit der Rüstungskontrolle bei Kernwaffen. Damit soll verhindert werden, dass Terroristen eine Roboter-Armee aufbauen. Es ist zu befürchten, dass die komplette Menschheit vernichtet wird. Auf der anderen Seite ist die Lage nicht ganz so übersichtlich wie es zunächst den Anschein hat. Deshalb ein kleiner Exkurs was Kampfroboter sind und was womöglich noch viel gefährlicher ist.

Ein Kampfroboter ist vermutlich die natürlichste Art wie man sich einen Roboter vorstellen kann. Es ist das, wovon heranwachsende Männer geradezu bessessen sind. In einem Kampfroboter kommen zwei sehr mächtige Dinge zusammen: einmal die Zielstellung Krieg zu führen, also antisoziale Tendenzen auszuleben verbunden mit fortschrittlicher Technologie insbesondere Künstlicher Intelligenz. Im Grunde ist das ein perfektes Rollenbild worüber sich Männer identizieren: einerseits im Kampf zu sterben und zweitens stärker zu sein als der Gegner. Kein Wunder, dass sowohl die Hard-Science Fiction wie auch im Reallife Kampfroboter das sind, was die absolute Macht verkörpert. So gab es in den Starwars Filmen einen Roboter, der explizit zum Foltern der wunderschönen Prinzessin Leia eingesetzt wurde und bei Judge Dredd wird der ABC Warrior aufgeweckt um in den Krieg zu ziehen.

Obwohl derartige Kampfmaschinen unzweifelhaft destruktiv und wenig erstrebenswert sind, haben sie doch einen Vorteil: es ist sehr überschaubare Technologie. Wenn man in einem Science-Fiction Film einen Kampfroboter als Figur charakterisieren möchte, muss man dazu nur wenig Aufwand treiben. Auf eine komplexe Persönlichkeitsstruktur kann verzichtet werden, im Grunde ist es einfach nur eine Maschine, die alles kaputt machen will sonst aber keine Interessen hat. Der ABC Warrior hat eine schlichte Persönlichkeit. Man schaltet ihn ein und er kann entweder gar nicht sprechen, oder sagt nur „Ich bin böse“. Man kann ihn als Stilelement in Filmen verwenden, muss aber die eigentliche Geschichte über richtige Personen erzählen, die mehr Tiefe besitzen.

Spannend wird es, wenn man Kampfroboter verbietet und nach vermeintlich besseren Alternativen sucht. Gehen wir auf diese Alternativen etwas genauer ein. Wenn man ein wenig in der Robotergeschichte recherchiert wird man in der zweiten Reihe und nicht so präsent eine Reihe von Forscherinnen entdecken die sich von männlich konnotierten Kampfroboter abgestoßen fühlten und stattdessen eigene Vorstellungen vorantrieben. Die Zielstellung lautet, einerseits Roboter zu entwickeln aber diese nett und freundlich zu gestalten. Zunächst wurden diese Roboter vom Schriftsteller Isaac Asimov literarisch beschrieben. Asimov wollte in seinen Geschichten einen Gegenentwurf ausbreiten, bei dem Roboter nicht wie in dem Frankenstein-Plot anfangen gegen ihre Schöpfer zu rebellieren und sogar Krieg zu führen, sondern Asimov hat als Kunstgriff die drei Robotergesetze benutzt um damit Geschichte zu erzählen von Robotern die freundlich sind. Fast alle Asimov Geschichten beschreiben eine Zukunft in der Mensch und Maschine friedlich zusammenleben. Dadurch wurde es möglich, die Persönlichkeit von Robotern vielfältiger zu beschreiben. Beispielsweise ist hier die Geschichte „Der Zweihundertjährige“ zu nennen aber auch Data aus Startrek entspricht dem Asimov-Prinzip. Datas Wunsch ein Mensch zu sein, zieht sich über die gesammte Serie und hat dazu geführt, dass sich viele Zuschauer mit ihm identifizierten.

Später wurden dann auch in echt freundliche Roboter konstruiert. Der wohl bekannteste war Kismet wodurch sich Cynthia Breazeal ab dem Jahr 2000 den Ruf erarbeitet hat, Expertin für Social Robots zu sein, aber es gibt noch weitere Forscherinnen die es sich zur Aufgabe gemacht haben, süße/freundliche Roboter zu konstruieren:

Kismet, Cynthia Breazeal, http://www.sciencephoto.com/image/344999/530wm/T2800094-Kismet_robot-SPL.jpg
Frauke Zeller Hitchbot, http://naplesherald.com/wp-content/uploads/2015/07/Hitchhiking-Robot.jpg
Heather Knight, Robot Performance, http://2.bp.blogspot.com/-FeXO1STj-KA/TfZJJYc7lbI/AAAAAAAAANU/XxlI6n8ZnFQ/s1600/DSCN2327.JPG

Auf den ersten Blick ist das eine schöne Sache, weil man so endlich einen Gegenentwurf zu den mordlüsternen Kampfmaschinen hat die eingangs geschildert wurden. Heather Knight versteht sich selber als Performance-Künstlerin die einen Nao Roboter so umprogrammiert hat, dass dieser zusammen mit Heather auf einer Bühne Comedy-Performances durchführt.

Wie kann man diese neuen weichen Roboter einschätzen? Anfangs hat die Forschung angenommen, dass es sich dabei um keine echten Roboter handelt. Schaut man sich die Beispiele näher an, so sind es keine autonomen Roboter bei der die Künstliche Intelligenz im Mittelpunkt steht, sondern die Systeme funktionieren nur als Performance. Aus Sicht der Hardcore Informatik sind diese Roboter nicht die Avantgarde des technisch möglichen, sondern stellen eine Täuschung des Publikums da. Der Nao Roboter von Heather Knight ist eher nachlässig programmiert worden, er besitzt keine hochentwickelte KI-Algorithmen wie sie in autonomen Kampfrobotern eingesetzt werden, sondern vielmehr funktioniert die Performance so, dass ein Mensch auf die Bühne geht, einen Vortrag über Roboter erzählt und darin dann Nao einbaut, der mit den Armen wackelt und Witze erzählt. Es ist also keine Hardcore Informatik die dort betrieben wird, sondern es handelt sich um „female Robotics“.

Aber was ist, wenn diese Ansicht zu überheblich ist? Was ist, wenn die „social Robots“ in Wirklichkeit die Zukunft darstellen? Schauen wir uns die Sachlage doch etwas genauer an: Forschungen zu Kampfrobotern erhalten durch die eingangs zitierte UN Konvention massiven politischen Gegenwind. Solche Maschinen sind gesellschaftlich geächtet. Im Gegensatz dazu werden „social Robots“ wie Hitchbot oder Nao die womöglich noch flauschiges Feld haben und lustige Geschichten erzählen als positiv beurteilt. Wenn Heather Knight mit ihrer Roboter-Marionette irgendwo auftritt, braucht sie sich über mangelndes Publikumsinteresse nicht zu sorgen. Die Hallen sind voll, die Leute sind begeistert. Und vor allem wird damit ein breiteres Publikum angesprochen. Und viele Zuschauer fühlen sich inspiriert sich ebenfalls mit der Thematik zu beschäftigen und es Miss Knight gleichzutun.

Versuchen wir uns das Ziel klarzumachen, was mit social Robotics verfolgt wird. Zunächst einmal grenzt man sich dort konsequent von Kampfrobotern ab. Die Roboter welche von Frauen wie Frauke Zeller entwickelt wurden, haben keine Waffen und auch sonst nichts, was gefährlich ist. Vielmehr werden social Robots von der Hardware als auch von der Software als Opfer konstruiert. Als Materialien kommen nachgebende passive Strukturen zum Einsatz wie Plastik, Plüschfell oder eine verträgliche Gummierung. Von der Software her wird darauf geachtet, dass sie die Gefühle des Gegenübers erkennen können. Beispielsweise kann ein guter Social Robot wie Pepper mit Hilfe von OpenCV erkennen ob die Person in der Kamera gerade lächelt oder ärgerlich ist, und der Roboter reagiert darauf dann. Und selbstverständlich ist die Software so ausgelegt, dass sie lustig ist und nachgebend agiert, das also der Roboter zurückweicht wenn ein Mensch auf ihn zukommt.

Man kann sagen, dass „Social Robots“ das Gegenstück zu Kampfrobotern bilden. Aber sind sie dadurch weniger harmlos? Gesellschaftlich gesehen schon, „Social Robots“ werden gefördert, Kampfroboter werden verboten. Langfristig jedoch wird damit ein „Arms race“ in Gang gesetzt. Denn das weiteifern um die beste Technologie kann man nicht nur bei Kampfrobotern durchführen, sondern lässt sich als Stellvertreter Rüstungsspirale auch bei „social Robots“ sehen. Schauen wir uns die ersten Modelle an, die Cynthia Breazeal entwickelt hat. Kismet war ursprünglich nur ein Metallskelett wo Kulleraugen verbaut waren. Das war Version 1. Später wurde dann noch ein Fell darübergelegt damit er aussah wie so ein kleines Kuscheltier. Das war Version 2. Man kann sagen, dass Kismet technologisch aufgerüstet wurde. Nicht etwa dadurch, dass er stärkere Waffen bekommen hat, sondern dass er noch niedlicher noch mehr sozial-kompatibel gestaltet wurde. Die nächste Generation von Robotern hat dann Frauke Zeller erfunden. Ihre Idee war es, das Handlungsfeld von Robotern auf die Welt außerhalb des Labors auszudehnen. Heute gibt es sehr viele Fotos die Menschen überall auf der Welt zeigen wie sie Hitchbot in ihrem Auto mitgenommen haben und es gibt das berühmte Video wo er in Boston, Philadelpha auf einer Parkbank gezeigt hat, wer die wirkliche Kampfmaschine auf der Welt ist, der Mensch. Im Grunde hat moralisch gesehen Hitchbot seine Überlegenheit demonstriert, er war friedlich, Hitchbot war das Opfer, während der böse Blogger, Youtuber und Prankster Ed Bassmaster der Bad-Boy war.

Man kann sagen, dass im Bereich der „social robots“ eine Rüstungsspirale existiert, die dazu führt, dass die Modelle sich immer mehr in Richtung victim-Robot entwickeln. Mit jeder Generation werden die Modelle emotionaler, verhalten sich unterwürfiger und sind noch lustiger. Auf den ersten Blick eine super-Sache, ist doch so die Gefahr von Kampfrobotern gebannt. Doch die eigentliche Gefahr ist nicht so sehr die Unterscheidung zwischen Kampfroboter und Social Robot sondern die Gefahr ist die Rüstungsspirale die in Gang gesetzt wird.

Natürlich ist keiner der Roboter vom Himmel gefallen, sie wurden entwickelt von Menschen die damit Ziele verfolgen oder vielleicht auch einfach nur berühmt werden wollen. Aber wenn man die Roboter isoliert als Meme betrachtet dann haben sie offenbar einen Weg gefunden, sich auch dann weiterzuentwickeln, wenn Kampfroboter gesellschaftlich geächtet sind und zwar in der Nische der Social Bots. In diesem Segment erhalten die Roboter einerseits die nötige Medienpräsenz, und können gleichzeitig ihre Weiterentwicklung vorantreiben.

Das Problem ist folgendes: Kampfroboter kann man relativ leicht verbieten. Man muss den Leuten einfach nur die Gefahren von autonomen Dronen klarmachen und schon will niemand damit etwas zu tun haben. „Social robots“ können jedoch nicht verboten werden. Dann müsste man ja auch das Lachen verbieten oder Teddybären verbieten. Sie können deshalb nicht verboten werden weil sie keine Waffen darstellen und weil sie jeder mag. Social Robots werden gesellschaftlich akzeptiert und in dieser Rolle werden sie konstant weiterentwickelt. Was die weiblichen Roboterbauer wie Heather Knight und Co. in Gang gesetzt haben, dürfte sich für die Menschheit später einmal als fatal herausstellen. Social Robots verwenden Mimikry um das Verbot von Kampfrobotern zu unterlaufen. Damit soll die Gesellschaft getäuscht werden. Social Robots sind ein trojanisches Pferd was problemlos in die Stadt hineinkommt und aus seinem Bauch kommen dann die Krieger heraus. Das „Kismet“ von Cynthia Breazeal erschreckende Ähnlichkeit mit „Gremlins — Kleine Monster“ besitzt ist kein Zufall.

Frauen in der Künstlichen Intelligenz

Normalerweise ist Künstliche Intelligenz eine reine Männerdomäne. Die Wissenschaft wurde erdacht und weiterentwickelt von Leuten aus dem Militär und der Informatik. Der typische Robotik-Bauer ist weiß, männlich und hat Angst vor einer Roboter-Apokalypse a la Terminator II. Das interessante ist, dass man vor diesen Männern die Roboter bauen keine Angst haben muss. Es sind Versager wie Rodney Brooks und Hans-Moravec, die seit Jahren vor superintelligenten Maschinen warnen tatsächlich aber unfähig sind auch nur einen Roboter zu bauen, der dem nahekommt. Man hat den Eindruck, als ob da jemand viel Wind macht ohne dass da Substanz dahinter ist.

Wovor man sich jedoch in Acht nehmen muss, sind Leute aus der zweiten Reihe, die normalerweise nicht als große Roboterbauer in Erscheinung treten sondern eher zurückhaltend an die Sache herangehen. Kate Crawford ist dafür ein gutes Beispiel, sie hat auf der Republica 2016 einen interessanten Vortrag gehalten indem sie dafür plädiert, Roboter nicht so negativ zu sehen http://studio54.rocks/2016/05/17/crawford-kuenstliche-intelligenz. Ebenfalls eher im Hintergrund geblieben ist Frauke Zeller welche Hitchbot entwickelt hat mit der Absicht social-robotics zu fördern. Zu guter letzt ist noch Jennifer Lynn zu erwähnen, welche am Massachusetts Institute of Technology forscht, die bisher aber niemand kennt.

Was haben all diese Frauen gemeinsam? Gemeinsam ist ihnen, dass sie anders als ihre männlichen Kollegen nichts von Strong AI halten sondern anders an die Sache herangehen. Ironischerweise ist das am Ende weitaus gefährlicher für die Menschheit. Schauen wir dochmal im Detail was die oben genannten Forscherinnen erreicht haben. Der Hitchbot von Frauke Zeller war für sich betrachtet eher mittelmäßige Technologie. Gummihandschuhe aus dem Baumarkt wurden verbaut und eine schlechte Sprachsynthese-Software. Aber, Hitchbot ist nicht irgendein Roboter. Es ist das Modell was in Boston, Philadelphia zerstört wurde. Es gibt dazu ein Überwachungsvideo. Warum wurde Hitchbot zerstört? Primär weil er als passiv aggressiv wahrgenommen wurde. Das heißt, ein Mann fühlte sich dazu aufgerufen, solange auf diesen Pappkameraden einzutreten, bis er komplett kaputt war. Natürlich könnte man jetzt sagen, dass damit die Erbauerin nicht viel zu tun hatte. Aber stimmt das wirklich? Schaut man ein wenig in die Literatur so wird man dort entdecken, dass im Rahmen von Social Robotics sehr genau untersucht wurde, ob und wie Menschen aggressiv auf Roboter reagieren. Man könnte sogar sagen, dass Hitchbot explizit in der Hoffnung entwickelt wurde, dass genau sowas passiert.

Aber gehen wir noch einen Schritt weiter. Auch Jennifer Lynn ist keineswegs so harmlos wie es den Anschein hat. Was sie in ihrem Paper aus dem Jahr 2013 beschreibt (den DARRT Algorithmus) ist nichts anderes als der Blueprint um Roboter der nächsten Generation zu entwickeln. Also Systeme die komplexe Dexterous Tasks ausführen können. Vermutlich mit der Absicht, damit dann Social Bots zu bauen, auf die Leute wie Bassmaster and Wellens (die beiden Prankster die zuletzt Hitchbot im Auto mitgenommen haben) einprügeln. Wirklich gefährlich werden Roboter dadurch, wenn sie die soziale Rolle des Opfers spielen. Wo also ein starker muskulöser Mann mit einer Eisenstange auf den Roboter eindrischt, dieser zu Boden geht und vielleicht noch Angst artikuliert. Diese neue Generation von passiven sozialen Robotern ist es, was die Avantgarde der weiblichen Roboterbauer anstrebt. Anders als ihre männliche Kollegen klingt der Ansatz zunächst harmlos, ist aber sehr mächtig.

Ich glaube nicht, dass uns auf dem Republica Vortrag die volle Wahrheit erzählt wurde. Mag sein, dass die Rednerin von Social Robotics und Weak AI gesprochen hat, doch in Wahrheit ist exakt dieser Ansatz strong. Die Frage ist nicht, wie das fertige System einmal aussehen wird, sondern die Frage ist wie man dorthin gelangt. Um eine superintelligente Skynet ähnliche Strong AI zu entwickeln, muss man zuerst einmal einen süßen Hitchbot bauen der niemand etwas böses will und der sich extrem gut als Opfer eignet. Roboter werden dann zu einer Gefahr, wenn sie Schwäche zeigen. Also sich unterordnen, gemobbt werden, passiv aggieren, nicht perfekt sind. Um so ein Verhalten zu entwickeln, muss man technisch die Roboter weitaus intelligenter machen als sie es heute sind. Und mehr noch, gleichzeitig wird dadurch explizit sichtbar was sie nicht können. Und genau das ist die eigentliche Provokation.