Agressivität in der Wikipedia steigt an

Wer mit Wikipedia bisher keine nähere Bekanntschaft gemacht hat oder davon ausging, dass es dort eine „healthy community“ gibt, die sich unterstützt wird entsetzt feststellen, dass innerhalb des Lexikons ein sehr rauer Umgangston herscht. Live miterleben kann man diesen auf der Vandalismus-Meldungsseite https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Vandalismusmeldung Aber sind das womöglich nur die Schattenseiten und nicht repräsentativ? Eher im Gegenteil, so aggressiv wie auf der Vandalismusseite geht auch in anderen Bereichen zu, daher stellt sich die Frage: wie halten das die Admins aus, sich jeden Tag dieser Aggressivität zu stellen bzw. selbst welche auszuüben? Blättern man ein wenig durch die Vandalismus-Seiten durch, so stellt man fest, dass anders als zunächst gedacht offenbar die Admins sogar ausgesprochen gerne sich mit derlei Dingen beschäftigen. Es gibt sogar eine Unterseite namens „Trollübersicht“ wo langjährige Zerstörer der Wikipedia ausführlicher vorgestellt werden, teilweise mit psychographischen Profilen. Anders formuliert, dafür dass die Vandalismusseite angeblich die Schattenseiten des Lexikons repräsentieren geht es dort erstaunlich munter und lustig zu. Ich glaube, das hat etwas damit zu tun, dass die Rollen klar verteilt sind. Das heißt, alle Beteiligten wissen um die Spielregeln und haben das ganze zu einem Wettbewerb erweitert. Das betrifft die Trolle auf der einen Seite, die natürlich wissen, dass sie Unsinn in die Wikipedia hineinschreiben und damit offizielle oder inoffizielle Guidelines verletzen. Sie machen es, weil es unglaublich gut tut, gegen die weltweit angesehende Wikipedia mal so richtig zu stänkern. Und auf der anderen Seite gibt es die Wikipedia-Admins, die natürlich ebenso wissen, dass sie unter Feuer stehen, aber eine breite Palette an Erfahrung und Tools an der Hand haben, um 6 Stunden sperren, oder 24 Stunden sperren zu verteilen und die es ebenfalls als Genugtuung empfinden mal so richtig schön vom Leder zu ziehen. Kurz gesagt, das haben sich zwei Seiten gesucht und gefunden, die zueinander passen. Das ganze funktioniert wie ein Katz-und-Maus spiel was schon seit ewigkeiten existiert, und bis in alle Ewigkeit die Beteiligten fasziniert.

Die Textbeiträge auf der VAndlismusseite folgen einem sehr eigenen Diskursstil, ja fast wie bei einem Gedicht ist dort zu lesen:
– Kleiner Timmy on Trolltour
– für 6 Stunden gesperrt, Begründung war: Unsinnige Bearbeitungen
– Editwaer mit mehreren Beteiligten
– keine Besserung erkennbar

Sozial entlastend wirkt auch, dass ein Diskurs zwischen beiden Seiten nicht erwünscht ist und auch komplett unwahrschenlich erscheint. Man hat ein wenig den Eindruck, als ob da sich zwei Seiten im Schützengraben gegenübersitzen, und das einzige was ausgiebig tun ist Dauerfeuer zu geben. Das ganze ist nicht etwa ein Ziel, sondern es ist die Beobachtung. Egal ob man die Vandalismusseite an Heiligabend, an einem Montag oder in 3 Jahren nochmal aufruft, es ist immer dasselbe Bild. Die einzige erkennbare Währung in diesem Spiel sind Lulz, also die Schadenfreude es der Gegenseite mal wieder so richtig besorgt zu haben. Wobei Lulz als Fun wohl beide Seiten (Hase und Igel) haben, sonst würden sie nicht aus ausdauernd dabei sein. Offenbar macht es einerseits unglaublich viel Spaß, seine Zerstörungswut an der ehrwürdigen Wikipedia auszulassen und genausau macht es Spaß, User und IP dafür zu maßregeln (am besten von oben herab).

Nur zugern würde ich persönlich für eine der beiden Seiten Partei ergreifen. Aber dafür ist das Schauspiel viel zu kostbar. Vielmehr ist das Gegeneinander und die unversöhnliche Härte die fasziniert, es ist vergleichbar mit der Futurebörse in Chicago wo sich die Händler anschreien. Es geht ähnlich wie in dem Roman von Frank Norris nicht nur um die Sache an sich, sondern es spielen immer auch persönliche Motive eine wichtige Rolle. Ähnlich wie beim Kartenspiel kann daraus ein Sucht werden, wo es um die Interaktion als solche geht, wo also das Trolling bzw. das Gegentrolling zum Lebensinhalt wird. Im Wikipedia Sprech wird von notorischen Wiederholungstrollen gesprochen, aber auch die Gegenseite zeichnet sich durch eine Konstanz und Vehemenz aus. So ähnlich wie bei einem einarmigen Banditen kann man den Automaten dazu verwenden, um dem Alltag zu entfliehen, sich also für einige Stunde in die Parallelwelt des Vandalismus flüchten.

Kurzanleitung um einen Wikipedia Artikel zu schreiben

Die Abläufe um einen Wikipedia Artikel zu schreiben sind übersichtlich und wenn man es praktisch ausprobiert lernt man sehr viel darüber was wissenschaftliches Schreiben ausmacht. Schritt 1 besteht darin, zunächst einmal ein Thema zu identifzieren. Im Optimalfall gibt es dazu noch keinen Wikipedia Artikel und man hat selbst keine Ahnung davon, so dass man neugierig recherchieren kann. Das Ergebnis der Recherche vermerkt man im Literaturverwaltungsprogramm Jabref. Während man die Paper dort einfügt kann man sich parallel dazu Stichpunkte machen, also Kurzexzerpte erstellen für wichtige Informationen. Als Verweis dient der Bibtex-Key.

Nachdem man die Literatur bewältigt hat beginnt der schwerste Teil: das Schreiben eines eigenen Artikels. Üblicherweise sitzt man vor dem leeren Blatt und will natürlich gleich beim ersten Mal den großen Wurf machen, weiß aber nicht so recht wie man beginnen soll. Das beste ist sich vorzustellen, dass man zu einem Youtube-Video einen Kommentar verfasst. Und den Text schreibt man dann hin. Dabei lieber etwas umgangssprachlicher formulieren. Das Niveau dieser Texte zu erhöhen kann man später immernoch. Es ist sogar erstaunlich simpel, weil man lediglich die Rechtschreibung verbessern muss und Literaturangaben hinzufügt und schon wird aus einem flappsigen Kommentar ein lesenswerter Text. Den lädt man zu Wikipedia hoch.

Was man vermeiden sollte, ist sogenanntes Live-Editing. Also im Webbrowser gleich einen Artikel erstellen, dort zwei Sätze reinschreiben und das dann iterativ durch mehrere Wikipedia-Edits zu verbessern. Besser ist es, den Text offline zu schreiben und dann die 10 kb große Textdatei mittels Copy&Paste ins Fenster hineinzukopieren. Der Vorteil ist, dass eine derartige Änderung als kraftvoller / mächtiger wahrgenommen wird.

UPDATE1
Vor 7 Tagen habe ich den neu erstellten Inmoov-Artikel zu Wikipedia hochgeladen. Einen Löschantrag gab es zwar noch nicht, aber dafür wartet der Text jetzt auf eine Sichtung. Die Erfahrung mit Wikipedia hat gezeigt, dass sinnvolle Änderungen sofort freigeschaltet werden, das heißt 7 Tage ist schon relativ lange also mag Wikipedia meinen Text vermutlich nicht. Viel machen kann man da aktuell nicht. Jetzt heißt es warten, bis zu 40 Tagen kann die Sichtung dauern, was dann passiert steht in den Sternen.

UPDATE2
10 Tage nach dem Upload des Artikels gab es heute den ersehnten Sichter-Vermerk. Das heißt, der Text ist jetzt in der regulären Wikipedia freigeschaltet und kann dort angeschaut werden https://de.wikipedia.org/wiki/InMoov. Laut Statistik sind es aktuell 3 Visits am Tag. Da Wikipedia bei Google ein sehr gutes Ranking hat, dürfte das niedrige Leserinteresse allein dem Thema geschuldet sein. Aber egal, nach 1 Jahr wären es dann schon 1000 Abrufe, für ein Robotik-Thema ein guter Wert.

Sun Tzu und die Kunst ein Lexikon zu schreiben

Sun Tzu sagt, jede Schlacht ist geschlagen bevor sie begonnen hat. Im Beispiel von Wikipedia heißt das, dass man bevor einen Text überhaupt dort einstellt man wissen sollte, wie darauf die Gegenseite reagiert. Um das herauszufinden habe ich folgendes Python Script erstellt:

# -*- coding: utf-8 -*-
'''
Created on 22.02.2017
Wikipedia Check
@author: Manuel Rodriguez
'''
class Quality: 
  def __init__(self):
    self.sentences = input('How much sentences? ')
    self.sources = input('How much sources from Google Scholar? ')
    self.doi = input('... from that with a DOI number? ')
    self.orthography = input('Is orthography correct? (0=no, 1=yes) ')
    self.quotationmarks = input('Are the quotation marks changed from"that" to „that“? (0=no, 1=yes) ')
    self.result()
  def result(self):
    self.neededcitation = 5
    self.neededdoi = 0.5
    count1 = 1.0 * self.sources / self.sentences
    count2 = 1.0 * self.doi / self.sources
    cond1,cond2,cond3,cond4=False,False,False,False
    if count1 >= (1.0*1 / self.neededcitation): cond1 = True 
    if count2 >= (1.0*self.neededdoi): cond2 = True
    if self.orthography==1: cond3=True
    if self.quotationmarks==1: cond4=True
    print "\nResult: ",
    if cond1==True and cond2==True and cond3==True and cond4==True:
      print "Text is great, please upload. Sighting can take up to 40 days"
    else: 
      print "Textquality is bad, Don't upload. The problems are:"
      if cond1==False: print "- number of sources"
      if cond2==False: print "- number of DOI"
      if cond3==False: print "- orthography"
      if cond4==False: print "- quotation marks"
 
if __name__ == "__main__":
  myQuality = Quality()

Nachdem man das Programm mit „python check.py“ startet muss man auf der Komamndozeile einige Fragen beantworten: Anzahl der Sätze, Anzahl Quellen, Anzahl Quelllen mit DOI Nummer, Rechtschreibung korrekt? und Anführungszeichen korrekt? Dann wird überprüft ob die Wikipedia-Qualitätskriterien erfüllt sind und entweder erscheint dann, dass alles super ist oder eben nicht. Der Check bietet eine erste Möglichkeit grob einzuschätzen ob sich ein Upload überhaupt lohnt. Vielleicht mal ein kleines Beispiel.

Auf meiner Festplatte habe ich schon einen kleinen Wikipedia Artikel geschrieben über ein Thema was interessant ist, und wozu es noch keinen Artikel bei Wikipedia gibt. Wenn ich jetzt das Programm starte, gebe ich bei Anzahl Sätze wahrheitsgemäß „10“ ein, bei Anzahl Quellen „1“ bei Anzahl Quellen mit einer DOI Nummer „0“, bei Rechtschreibung und Anführungszeichen beidesmal eine „0“ für nicht eingehalten. Die Software rechnet dann ein wenig und es wird ausgegeben, dass die Textqualität zu niedrig ist. Jetzt könnte ich natürlich den Text trotzdem zu Wikipedia hochladen. Nur, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es Stress gibt. Entweder gibt es einen Löschantrag oder ein erfahrener Admin hat daran etwas auszusetzen. Insofern ist es besser auf den Upload zu verzichten. Das ist zwar schade aber nicht zu ändern.

Wer sich den Sourcecode näher anschaut wird relativ schnell bemerken was man eingeben muss, damit die Software den Text für perfekt hält: man muss alle 5 Sätze mindestens eine Quelle haben und es müssen 50% DOI Quellen sein. Bei den Fragen 4 und 5 muss man beidesmal „1“ eingeben. Und ja, darüber kann man den Check austricksen.

Kritik an Wikipedia

https://de.wikipedia.org/w/index.php?limit=50&title=Spezial%3ABeitr%C3%A4ge&contribs=user&target=ManuelRodriguez&namespace=0&tagfilter=&year=2017&month=-1

Inzwischen bin ich ca. 2 Monate bei Wikipedia neu dabei und habe insgesamt 8 Edits durchgeführt. Zeit für ein kleines Resüme was mir in dieser Zeit aufgefallen ist. Bei Wikipedia gibt es derzeit zwei große Kritikpunkte. Einmal ist das Verhältnis von Naturwissenschaften zu Geistenwissenschaft nicht ausgewogen, sondern 80% aller Wikipedia Einträge sind aus den Geisteswissenschaften. Übrigens hat sich in den letzten 2 Jahren das Verhältnis sogar noch verschlechtert, das heißt, die Naturwissenschaften verlieren leicht. Der zweite Kritikpunkt betrifft dass zu wenig wert auf wissenschaftliche Belege gelegt wird und stattdessen aus Newsportalen wie Spiegel Online, Heise.de und aus Tageszeitungen zitiert wird.

Das eigentliche Problem von Wikipedia ist jedoch, dass die oben genannte Punkte nicht als Problem erkannt werden. Stattdessen glaubt die Community, dass andere Dinge in der Schieflage sind. Häufig wird als Problem bei Wikipedia verortet, dass dort bezahltes Schreiben stattfindet, dass bei umstrittenen Themen Verschwörungstheorien ausgebreitet werden oder dass der Frauenanteil zu niedrig wäre. Das sind jedoch alles keine wirklichen Probleme.

Aber ich will nicht zuviel kritisieren sondern auch sagen, was mir an Wikipedia gut gefällt. Beispielsweise das Ranking in Suchmaschinen. Wenn man es einmal fertiggebracht hat, einen Edit an der Wikipedia-Eingangskontrolle vorbeizuschmuggeln hat man im Regalfall ein Super-Ranking bei Google. Gibt man das Stichwort in die Suchmaske ein, wird der Wikipedia Artikel im Regelfall auf Platz 1 angezeigt. Ein Durchschnitts-Wikipedia Artikel hat 50-150 Hits am Tag, was höher ist als die meisten Blogs erzielen und höher ist als die meisten wissenschaftlichen Paper auf Arxiv erzielen. Ebenfalls angenehm ist die Markup-Sprache Wikisyntax mit der man die Formatierungen festlegt. Das Einbinden von Grafiken ist leicht, Inhaltsverzeichnisse werden automatisch erzeugt und wenn man sich einmal an die Literaturvorlage gewöhnt hat wird man nichts anderes mehr wollen.

Als sehr mächtig hat sich auch das Kategoriesystem erwiesen. Es handelt sich um hierbei um hierarchiche Tags um Artikel zu gruppieren was vergleichbar ist mit der Dewey-Dezimalklassifikation aus Bibliotheken. Apropos Übersicht: auch die Volltextsuche über alle Artikel hinweg funktioniert perfekt. Die dahinterstehenden Server reagieren wirklich prompt.

Soweit mein kleiner Rückblick auf 2 Monate Wikipedia. Mal sehen ob ich nach weiteren 2 Monaten immernoch lächeln kann oder ob bis dahin alle meine Edits zurückgesetzt wurden. …

Applaus für Wikipedia

Wikipedia ist seinem Ruf als technophobe Mitmachenzyklopädie wieder vollumfänglich gerecht geworden. Darunter leiden musste diesmal der Eintrag „Shadow Robot Company“. Für alle, die nicht mit ROS, den Arbeiten von Emo Todorov oder dem Moley Kitchen Robot vertraut sind sei gesagt, dass es nicht irgendein Unternehmen ist, sondern es ist DAS Unternehmen. Aber das weiß Wikipedia selber am allerbesten und genau deshalb gab es pünktlich am 24. Jan 2017 auch den Löschantrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:L%C3%B6schkandidaten/24._Januar_2017#Shadow_Robot_Company

Da kann man nur Beifall klatschen für soviel gebündelten Zorn gegenüber Robotik und Künstlicher Intelligenz. Schon Ned Ludd hat gesagt, dass man alles kaputt machen soll, was nach Technik aussieht, das gilt insbesondere für Technik die vergöttert wird, die man selber nicht versteht und die womöglich vom Teufel besessen ist. All das trifft auf die Shadow Dexterous Hand vollumfänglich zu, insofern ist die Entscheidung von Wikipedia stimmig.

Was kommt als nächstes? Gute Kandidaten die man ebenfalls noch aus Wikipedia rauslöschen könnte um das Lexikon von Robotik und Künstlicher Intelligenz zu reinigen wären: ROS, LISP, Rethink Robotics, C++, IBM oder dwave. Es bleibt abzuwarten wo der Hexenhammer als nächstes zuschlägt, es wird mit Sicherheit eines von diesen Tech-Lemmas sein.

Bravo liebe Wikipedia. Immer weiter so mit dem Kreuzzug gegenüber der Moderne. Dass die Themen aus Physik, Mathematik und Informatik schon immer nachlässig recherchiert wurden war bekannt. Das Portal Informatik ist innerhalb von Wikipedia in einem echt üblen Zustand. Aber das man jetzt auch noch aktiv Artikel löscht ist schon etwas besonderes. Wikipedia sammelt damit Pluspunkte bei den Hardcore-Neoludditen welche den Naturwissenschaften skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen und sich bei den Geisteswissenschaften, also Literatur, Geschichte, Philosophie und Theologie zu Hause fühlen.

Tutorial zum Schreiben eines Wikipedia Artikels

Die offizielle Hilfe in der Wikipedia ist hoffnungslos veraltet. Sie orientiert sich an der Bedienung der Mediawiki-Installation, was die meisten Benutzer ohnehin kennen dürften. Viel spannender sind jedoch jene Aspekte, die etwas mit dem wissenschaftlichen Arbeiten zu tun haben und die in einen qualitativ hochwertigen Lexikonartikel münden. Dazu ein kleines Tutorial.

Der erste Schritt besteht darin, sofern noch nicht geschehen, Jabref zu installieren und zu starten. Was hat das mit Wikipedia zu tun? Die Antwort lautet, dass man ungefähr 99% der Arbeitszeit auf dem lokalen Desktop verbringt, wo man mit Jabref und weiteren Tools, die noch vorgestellt werden, arbeitet und nur zu 1% der Zeit dann dafür aufwendet die erstellte Textdatei in das Wikisystem hochzuladen. Es geht zwar um das Editieren in der bekannten Online-Enzyklopädie, doch das kommt erst ganz zum Schluss.

wiki1

Nachdem Jabref installiert und arbeitsbereit ist kann man sich die ersten Quellen bei Google Scholar raussuchen. In der deutschen Wikipedia sind das natürlich primär Dokumente die auf Deutsch erstellt wurden, aber in vielen Bereichen der Robotik muss man notfalls auch auf englische Paper zurückgreifen. Das Hinzufügen eines Bibtex Eintrages geht über die Zwischenablage, und manuell ergänzen sollte man dann noch das Feld für die URL, sodass in der Wikipedia Ansicht später einmal das PDF direkt über einen Mausklick erreichbar ist. Nützlich ist noch das Feld „keywords“ in Jabref, was sich im Reiter Allgemein befindet. Dort gibt man das Thema an, an dem man gerade arbeitet. Darüber kann man die Dokumente später dann leichter wiederfinden. Im Screenshot wurden auf diese Weise drei Quellen zu Jabref hinzugefügt.

wiki2

Wie man anhand der Einträge schon sieht, geht es um eine Firma die Roboterhände herstellt. Diesen Artikel gibt es zwar schon bei Wikipedia, er soll aber erweitert werden. Aber das nur als Anmerkung, weiter geht es mit dem Artikel als solchen. Nachdem die Jabref Datenbank mit den ersten Quellen befüllt wurde, kann man sich dem eigentlichen Schreiben zuwenden. Bevor man jedoch einen lesbaren Text erstellt, heißt es zunächst einmal Stichworte anfertigen. Diese Technik wird als Exzerpieren bezeichnet. Dazu öffnet man einen Texteditor und schreibt interessante Fakten, die man in den Quellen gelesen hat heraus und vermerkt dahinter den Bibtexkey.

wiki3

In Jabref kann man den Bibtex-Key über die rechte Maustaste kopieren und diesen dann in die Textdatei einfügen. Wer mag, kann auch noch die Wiki-Markup verwenden um einen „ref-tag“ zu erzeugen, mit dem man später auf die Quelle verweist. In der obigen Abbildung habe ich herausgefunden, welches Gewicht und welche Abmessungen die Roboterhand besitzt.

Jetzt werden die Stichworte umformuliert zu kompletten Sätzen. Wichtig dabei ist, dass man die Referenzen zu den Quellen am Satzende angibt. Damit ergibt sich die typische Wiki-Syntax wo neben den Informationen auch hochgestellte Ziffern mit weiterführenden Informationen eingeblendet sind.

wiki4

Nun ist der Zeitpunkt gekommen, wo man das erste Mal die Wikipedia Spielwiese bemüht. Um sich anzuschauen wie der Text einmal aussehen wird, und welche Markup-Ergänzungen noch nötig sind. Vorher exportiert man die Jabref Einträge in die Wikisyntax. Wie das geht wurde in einem früheren Blogpost bereits erläutert. Trotzdem hier nochmal die Exportvorlage für Jabref:

<ref name="\bibtexkey">{{Literatur
 | Autor = \author
 | Titel = \title
 | Datum = \year
 | Sammelwerk = \journal \booktitle \organization \publisher \school
 | Band = \volume
 | Nummer = \number
 | Seiten = \pages
 | DOI = \doi
 | Online = \url 
}}</ref>

wiki5

Nachdem die Jabref-Einträge an die Textdatei am Ende angehangen sind, kann man sich das Ergebnis in der Wikipedia Spielwiese anschauen. Man sieht einen relativ kurzen Text zu dem vier Quellen angegeben sind. Diese haben dank der Wikipedia-Literatur-Vorlage auch gleich die URL zum Anklicken. Der Text selber ist noch etwas holprig formatiert und man könnte noch 1-2 Interwiki-Links setzen. Beispielsweise haben die Stichworte NASA und „pneumatischer Muskel“ bereits einen Wikipedia Eintrag zu dem man verlinken kann.

Damit ist das kleine Autoren-Tutorial beendet. Es wurde gezeigt, dass die Erstellung von neuen Wikipedia Artikeln in erster Linie offline erfolgt und inhaltlich aus exzerpieren besteht. Der Aufwand, um den simplen Absatz wie er in der Spielwiese gezeigt wurde zu erstellen, ist relativ hoch. Man sollte dafür mehrere Stunden einplanen. Teilweise noch länger, wenn man sich zunächst inhaltich in das Thema einlesen muss. Wenn man den Edit dann in der echten Wikipedia ausführt ist jedoch die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Edit nicht sofort wieder gelöscht wird, sondern als produktive Ergänzung zum Lexikon wahrgenommen wird.

Wird der Text in den Wikipedia Artikel eingepflegt und klickt man auf „Speichern“ sieht das Ergebnis dann so aus:

wiki6

Robotik-Artikel bei Wikipedia in einem schlechten Zustand

Mit einem spöttischen Unterton habe ich bereits angemerkt, dass Wikipedia und Technologie derzeit keine Freunde sind und dass sich bei Wikipedia vorwiegend Autoren tummeln die sich dem Neoluddismus verpflichtet fühlen. Ein Blick auf die Portalseite Robotik https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:WikiProjekt_Robotik ergibt jedoch, dass die Lage noch schlimmer ist als befürchtet. Dort finden sich nicht nur jede Menge verweiste Artikel sondern auch sonst macht das Portal / Projekt den Eindruck einer Geisterstadt. Gerademal ein Benutzer hat sich dort zur Mitarbeit eingetragen und das war vor 8 Jahren. Da gibt es nicht nur kleinere Defizite, sondern die Portalseite Robotik befindet sich in einem heruntergekommenen armseligen Zustand. Offenbar fühlt sich dafür niemand so recht verantwortlich.

Das die Artikel aus der Kategorie Robotik / Künstliche Intelligenz nicht zu den besten von Wikipedia gehören war bekannt. Aber das es so schlimm ist? Machen wir mal den Test: Der Eintrag „Willow Garage“ hat überhaupt keinen Text, und bei „Shadow Robot Company“ gibt es lediglich zwei magere Abschnitte zu lesen. Und auf der Diskussionsseite zum Portal fragt jemand, ob man das Portal nicht löschen sollte weil es offenbar inaktiv ist.

Was tun? Ich glaube da kann man im Augenblick gar nichts tun. Im Grunde kann man nur die Lage als solche beschreiben und zur Kenntnis nehmen, dass Robotik und Wikipedia wohl zwei sehr gegensätzliche Dinge sind. Schaut man sich zum Vergleich andere Portale an wie „Fußball“ oder „Denkmalpflege“ erhält man einen Eindruck wie es sein könnte, wenn es denn Leute gibt, die sich wirklich Mühe geben und mit viel Engagement dabei sind. Ich schlage deshalb vor, das Portal Robotik mit dem Negativpreis auszuzeichnen für das am schlechteste gewartete Projekt innerhalb der Wikipedia, wo es die meisten Defizite gibt und wo es an Autoren mangelt, an Ressourcen und wohl auch an Motivation.

In anderen Projekten der Wikipedia versucht man den Frauenanteil zu erhöhen, die Artikel mit mehr Quellen anzureichern oder das Kategoriesystem übersichtlicher zu gestalten. Von solchen Luxusproblemen ist der Bereich Robotik weit entfernt. Dort gibt es noch nichtmal eine Basis von der aus man eine Verbesserung anstreben könne, bei Robotik gibt es überhaupt nichts. Das Portal sieht aus wie nach einem Hackerangriff wo jemand die Seite gelehrt hat.

Selbst Wikipedia-Vandalen haben kein Interesse mehr dort etwas kaputtzumachen. Wo nichts ist, lohnt es auch nicht das zu zerstören.