Wann ist der richtige Moment um einen Text abzugeben?

Bevor man einen Text abgibt bzw. zu Academia.edu hochlädt sollte er natürlich mehrmals Korrektur gelesen sein. Soweit so gut, wenn man das macht, kann man viele Fehler ausbessern und die Qualität erhöhen. Ebenfalls sollte man darauf achten, eine gute Zusammenfassung zu schreiben und sinnvolle Stichwörter zu vergeben. Dann noch kurz drüberfliegen ob das Layout stimmt und eigentlich wäre jetzt der Moment gekommen auf den Upload Button zu drücken. Doch eh weh, erst bemerkt man die wahren Probleme. Die Gliederung ergibt überhaupt keinen Sinn, die Zusammenfassung erzählt etwas ganz anderes als im Text steht, dann fehlt da irgendwo noch ein Komma und überhaupt, eigentlich ist 50% des Textes längst überholt und sollte am besten gelöscht werden. So oder so ähnlich dürfte es jedem ergehen, der schonmal versucht hat, etwas zu veröffentlichen. Die beste Empfehlung lautet, derartige Dinge zu ignorieren. Anstatt den Text jetzt nochmal zu überarbeiten und das hunderste Mal Korrektur zu lesen heißt es Mut zur Lücke zu zeigen. OK, der Text ist vermurkst, das Thema wurde verfehlt, wichtige Literatur wurde nicht verarbeitet — so what?

Man sollte das ganze als Momentaufnahme betrachten. Ähnlich wie auch eine ArchLinux Distribution ist ein Text nur ein Snapshot vom aktuellen Zustand. Und der ist eben wie er ist. Und wenn man am eigenen Geschriebenen schon so viel negative Dinge findet ist es umso besser, dass man sich seiner entledigt und das geht am besten wenn man ihn in den Welt hinausbläßt. Wie wurde nochmal das Internet scherzhaft bezeichnet? Ja richtig als Trashcan. Damit ist gemeint, dass die Dinge die einem Unnütz erscheinen und stören dorthin gehören.

Warum es nichts bringt noch vor Abgabe endlos um Text herumzuredigieren kann man schön sehen, wenn man einmal daran denkt, wie ein Text aussehen wird, den man in 4 Jahren irgendwo hochlädt. Vermutlich hat man dort komplett andere Akzente und würde über das heute geschriebene nur noch müde Lächeln. Insofern ist die Zeit zu kostbar sich mit minimalen Optimierungen abzugeben, stattdessen heißt es die Augen auf den Horizont zu richten um auf die Zukunft gespannt zu sein. Nur das Morgen ist wichtig.

Academia.edu und das Spiel mit Identitäten

Das Erzeugen von Fake-Profilen war schon immer die Lieblingsbeschäftigung von Jugendlichen Hackern. Schon in den 1980’er wurde in den Datennetzen und Mailbox-Systeme mittels Pseudonym neue soziale Rollen erprobt. Ein bekannter Roman aus den Anfangstagen ist “
Lange Leitung von Fredirika Gers, 1995″. Facebook hat dann viele Jahre später das Spiel mit Identitäten zu einem Massenphänomen erhoben so dass man davon ausgehen muss, dass 99% aller Facebook Nutzer entweder selber unter Fake-Accounts agieren, schonmal Kontakt hatten mit Fake-Profilen oder versuchen mit Hilfe von Facebook herauszufinden ob im Real Life eine Person nun Fake ist oder nicht.

Soweit ist das ganze ein harmloser Zeitvertreib und bleibt beschränkt auf eine Jugendkultur in dem der spielerische Umgang mit der eigenen Identität fester Bestandteil des Entwicklungsprozesses ist. Zwar gibt es durchaus auch mahnende Stimmen, die darauf hinweisen dass es gefährlich ist unter falscher Identität aufzutreten weil dadurch das Gegenüber getäuscht wird doch im Großen und Ganzen handelt es sich dabei um einen harmlosen Zeitvertreib.

Aber was passiert eigentlich wenn man die Sehnsucht nach dem fremden ausdehnt auf andere Bereiche? Wenn es nicht nur darum geht, unter falsche Identität Freunde zu finden sondern unter falscher Identität Forschung zu betreiben? Dieses Gebiet ist nicht so gut ausgeleuchtet. Hier gibt es wenig bis gar keine historischen Beispielen. In den 1980’er wurde beispielsweise in den Mailboxnetzen noch nicht über wissenschaftliche Themen diskutiert und niemand wäre damals auf die Idee gekommen als Professor aufzutreiten und abentuerliche Ideen zu vertreten. Im Zeitalter von Academia.edu und ResearchGate ist aber genau das möglich. Auch hier wiederum sind es die technischen Möglichkeiten welche das Bedrüfnis erzeugen. In dem Maße wie es möglich ist, sich ein Fake-Wissenschaftsprofil zusammenzuklicken werden sich Leute finden die das tun. Und dann haben wir es mit einem Pulk aus Fake-Profilen zu tun, die Phoney Paper veröffentlichen.

Üblicherweise wähnt sich der Wissenschaftsbetrieb imun gegen derartige Unterwanderung. Man glaubt die Sache unter Kontrolle zu haben weil bekanntlich immer jemand ein Paper liest bevor es in einer angesehenen Zeitschrift erscheint. Aber was ist, wenn Preprint Server zum Standard werden und aus Kostengründen auf einen Peer-Review Prozess verzichtet wird? Dann kann man sich zumindest noch dadurch retten, dass spätestens der Leser den Betrug entdeckt. Als Wissenschaftler weiß man schließlich was der Unterschied ist zwischen einem per Scigen erzeugten Paper und einem richtigen wissenschaftlichen Aufsatz, so dass auch hier der Betrug praktisch unmöglich ist. Das unterstellt jedoch, dass der Leser ein Fakepaper als solches entlarfen möchte, also bereit ist das Urteil „Fake“ zu verwenden.

Das ist jedoch nicht die einzige mögliche Reaktion. Nehmen wir mal an, jemand erhält das berühmte Paper von Jeremy Stribling „Rooter: A Methodology for the Typical Unification of Access Points and Redundancy“ und weiß schon nach der Einleitung dass es kein echtes Paper ist, sagt aber nichts sondern spielt das Spiel mit. Er schreibt dann eine wohlwollende Empfehlung. Der nächste liest diese Empfehlung, ahnt ebenfalls was hier läuft weiß, dass auch die Empfehlung ironisch gemeint war, sagt aber auch nichts und schreibt ebenfalls eine Empfehlung usw. Wie lange geht dieses Spiel, wo ist der Moment ab dem es langweilig wird? Rein formal könnte man so eine Reaktionskette relativ früh stoppen. Das setzt jedoch die Bereitschaft voraus, sich auf eine gemeinsame Wahrheit zu einigen. Wenn es jedoch attraktiv wird, Gegenwelten aufzubauen um sich darin zu bewähren dann wird dieses Imunsystem des Wissenschaftsbetriebes auf eine harte Probe gestellt.

Oder nehmen wir noch ein anderes Beispiel, den Kreationismus. Wenn man sich die Theorie anschaut weiß man natürlich dass es kompletter Unsinn ist und es sich dabei nicht um echte Wissenschaft handelt. Dennoch gibt es Leute die sich zum Kreationsmus bekennen und zwar aus Prinzip. Sie tun dies, aus einer sozialen Motivation heraus. Diese Motivation hat häufig Grunde die nichts mit der Wissenschaft als solche zu tun haben, sondern weil vielleicht der Vortragende sympathisch rüberkommt. Auch wenn sie ganz genau wissen, dass er lauter Lügen erzählt haben sie kein Interesse daran ihn bloßzustellen. Ganz im Gegenteil, sie setzen sogar noch eines drauf und supporten seine kruden Thesen.

Und schon haben wir das, was im Wissenschaftsbetrieb als Super-GAU eingestuft wird: die Unterschiede zwischen Fake und Real verschwimmen. Es gibt mehrere Wahrheiten die gleichberechtigt nebeneinander existieren. Das führt langfristig zu Paranoia. Wenn das einzelne betrifft wie in dem Film „Truman Show“ mag das noch lustig sein, aber man stelle sich mal vor wenn man eine Truman Show hat, wo jeder glaubt, dass er Truman ist und alle anderen ihm nur etwas vorspielen.

AGGRESSION IM WISSENSCHAFTSBETRIEB
Wer glaubt, dass zwischenmenschliche Beziehungen die einzige Möglichkeit sind, jemanden emotional zu verletzen sollte sich einmal den Workflow im Wissenschaftsbetrieb näher anschauen. Dieser ist von seiner Struktur so angelegt, dass es nur Sieger geben kann, wenn zugleich Verlierer produziert werden. Damit der eine Topwissenschaftler sein Paper in Nature unterbringen kann und damit Nature das weltweit beste Magazin in den Naturwissenschaften bleiben kann, müssen 100 andere Paper abgelehnt werden. Möglichst so, dass die Autoren die sie verfasst haben, an sich selbst zu zweifeln beginnen. Und hier kommt Academia.edu ins Spiel. Richard Price verspricht seinen gegenwertigen und zukünftigen Nutzern, dass sie ihren Frust ganz einfach dadurch kompensieren können, dass sie das Paper dann eben bei Academia.edu hochladen, weil dort niemand abgelehnt wird. Soweit so gut, das führt in der Summe dazu, dass diejenigen Leute sich besonders für dieses Wissenschaftsnetzwerk interessieren die ihre Minderwertigkeitskomplexe mit Hilfe von Aggression kompensieren. Academia.edu wird so zu einer Plattform von latenter Aggression wo sich all jene Paper und Profile finden, die aus welchen Gründen auch immer es nicht ins Nature Magazine geschafft haben. Wie sich dieser Frust konkret äußert ist unklar, zunächst einmal ist er aber da und führt dazu, dass die Betroffenen eher bereit sind, alternativen Wirklichkeitskonstruktionen anzuhängen die persönliche Entlastung versprechen.

Ich will damit andeuten, dass OpenAccess Netzwerke nicht so harmlos sind wie es zunächst den Anschein hat sondern dazu führen, dass sich neue Konfliktlinien herausbilden. Auf http://www.laborjournal.de/blog/?p=8073 ist zu lesen, dass große wissenschaftliche Zeitschriften nur 10% der eingerichten Manuskripte für gut genug halten um sie zu veröffentlichen. Es besteht also ein großes Potenzial von Leuten deren einzige Erfahrung im Leben darin besteht schonmal zurückgewiesen worden zu sein. Beim ersten Mal kann man soetwas wegstecken, aber auch noch beim 10. Mal? Was macht das mit der Psyche eines Wissenschaftlers wenn er sich anstrengt aber dennoch keinen Erfolg hat? Führt das nicht automatisch dazu, dass er die Schuld auf andere Schiebt und womöglich anfängt das System als solches zu hinterfragen und sich Ideologien zu öffnen, die alternative Belohnungssysteme beinhalten? Wo man selber also plötzlich der Held ist und die anderen abgelehnt werden?

Es wäre verwunderlich, wenn ausgerechnet in den seriösen Wissenschaften soetwas nicht existiert und Wissenschaftler ähnlich wie Roboter emotional unbeteiligt das Urteil ihrer Fachkollegen hinnehmen. Nehmen wir mal an, eine Person strebt eine Karriere in den Wissenschaften an. Dann gehört eine Veröffentlichung bei Nature selbstverstandlich zum guten Ton, und wenn genau das scheitert ist die Karriere ruiniert. Für die Forscher steht also sehr viel auf dem Spiel. Wenn man jetzt entdeckt, dass man einen Mißerfolg nach dem anderen vorzuweisen hat dann entsteht ein Gefühl der Hilfslosigkeit. Man befindet sich in einer Situation die man selbst nicht länger kontrollieren kann, es entstanden andere. Das drüfte gerade für Wissenschaftler die auf Autonomie bedacht sind, eine unangehme Erfahrung sein.

Was das für Academia.edu bedeutet ist simpel: auf der einen Seite werden sich ausgerechnet jene Leute dort ein Fake-Profil anlegen, die unter Minderwertigkeitsgefühlen leiden. Und zum zweiten werden sie jene Paper hochladen, die woanders völlig zurecht als zu schlecht abgelehnt wurden. Das ist eine sehr ungute Mischung, wie ich finde. Ich meine, aus welchen Gründen werden normalerweise Paper von einem Journal zurückgewiesen? Entweder weil sie Fehler enthalten, weil die Meßergebnisse gefälscht sind und weil der Kandidat generell nicht geeignet ist als Wissenschaftler zu arbeiten. Wenn jetzt ausgerechnet solche Paper von solchen Kandidaten bei Academia.edu … also ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen aber hier bekommt der Ausdruck „Mad Scientist“ eine klare Bedeutung.

Edward Nygma wurde im Film „Batman Forever, 1995“ in der Anfangszene portraitiert. Es handelte sich um einen durchgeknallten Wissenschaftler der ein Gedankenlesegerät erfunden hat aber von Bruce Wayne eine Absage erhalten hat. Die Folge davon war, dass sich Nygma in den Riddler verwandelte. Auf Academia.edu gibt es derzeit 10 Profile unter der Bezeichnung „Edward Nygma“. Allerdings hat keiner von ihnen ein Paper hochgeladen, zum Glück muss man wohl sagen.

Hinter den Kulissen von Academia.edu

Zu den neuen Wissenschaftsnetzen wie ResearchGate und Academia.edu gibt es nur wenig öffenltiche Informationen. Aber dann und wann erscheinen dennoch Hintergrundinfos. Das bemerkenswerte daran ist, dass auf den ersten Blick Academia.edu ein Zwerg ist. Das Unternehmen hat gerade mal 20 Angestellte die wohl alle in einem Büro in Silicon Valley sitzen und macht vermutlich gar keinen Umsatz ist also bald wieder weg vom Fenster. Nur, offenbar lässt sich aus finanziellen Gründen allein das System Academia.edu nicht fassen, offenbar geht es dem Gründer Richard Price um wesentlich mehr als um den schnellen Börsengang. Offenbar will er wirklich die Welt verändern.

Auf https://techcrunch.com/2015/11/04/academia-a-startup-that-hosts-scientific-papers-looks-to-score-the-best-studies/ gibt es einige statistische Informationen. Danach hat Academia.edu derzeit 27 Mio registrierte Nutzer die täglich 20000 Paper hochladen. Ferner sind unter den Nutzern noch Leute dabei mit mehr Rechten, die Empfehlungen abgeben. Das heißt, Academia.edu ist anders als PLOS One keine Zeitschrift wo man etwas hinsendet was dann begutachtet wird, sondern es besteht aus vielen Zeitschriften gleichzeitig bei dem die Grenzen zwischen Autor, Begutachter und Leser fließend sind.

Das Killerfeature was Academia.edu von früheren sozialen Netzen für Wissenschaftlern unterscheidet (von denen in der Tat schon einige wieder eingestampft wurden) ist, dass man nicht nur ein Foto von sich hochlädt, und den Lebenslauf hinterlegt, sondern im Kern geht es darum, dass man Academia.edu als Dokumentenhoster verwendet, also den eigenen Text dort ablegt. Das heißt, es geht nicht darum wie bei einem Verzeichnis oder einem Bookmark Dienst die ohnehin vorhandenen Offline Aktivitäten zu verwalten, sondern Academia.edu ist ein Ersatz für eine Universität.

Gegen Ende des obigen Links erfährt man noch etwas über die finanzielle Ausstattung, danach hat Academia.edu 18 Mio US$ an Venture-Kapital eingesammelt, was lächerlich wenig ist. Wir haben also auf der einen Seite eine Firma mit fast keinen Angestellten, fast keinerlei Börsenwert und fast keinerlei Wachstumsaussichten. Auf der anderen Seite gewinnt das Unternehmen permanent neue Nutzer dazu und verändert aktiv das Wissenschaftliche Publikationssystem. Offenbar ist Academia.edu eine Art von Eisberg bei dem Geld der unwichtigste Teil ist. Vermutlich strebt Richard Price etwas anderes an. Meine Vermutung geht dahingehend, dass er die Zahl der Nutzer erhöhen will, die Anzahl der hochgeladenen Paper und den Impact Factor von Academia.edu als ganzes.

Die Besonderheit von Academia.edu ist, dass es das einzige Unternehmen ist, das soetwas versucht. Das mag etwas merkwürdig klingen weil Konzerne wie Elsevier eigentlich schon seit Jahrzehnten sich mit wissenschaftlicher Publikation beschäftigen. Der Unterschied ist der, dass Elsevier tatsächlich Geld verdienen möchte, während man bei Price den Eindruck hat, dass da noch andere Motive eine Rolle spielen.

Bei Elsevier weiß man wenigstens woran man ist, die haben ein klares Ziel vor Augen und möchten innerhalb der bestehenden Marktstrukturen ihren persönlichen Erfolg maximieren. Bei Academia.edu hingegen hat man den Eindruck, als ob die die Spielregeln verändern wollen. Also die Kosten des Publishing senken um in dem neuen Markt dann Kontrolle auszuüben.

Am besten kann man das mit der GNU Linux Strategie vergleichen. Auch dort stand im Gründungsmanifest drin, dass es um Software geht und tatsächlich hat Linus Torvalds alle möglichen Ziele nur eben nicht Geld. Ich glaube, worum es Torvalds und Stallmann von Anfang an ging, war Anerkennung. Das heißt, sie wollten von anderen Hackern angebetet werden, und genau das ist ihnen gelungen. Es gibt heute niemanden in der Hackerszene der ernsthaft gegen Linux stänkert oder die Führungsrolle von Torvalds in Frage stellt. Mit Geld hatte dieser Coup fast nichts zu tun. Natürlich kann man auch Freie Software als Markt verstehen nur das dort die Währung keine US-Dollar mehr sind.

Bei Academia.edu scheint das ähnlich zu verlaufen. Auch dort geht es einerseits um eine marktbeherschende Stellung, allerdings in einem Markt der sich nicht in Geld messen lässt. Eine knappe Überschlagsrechnung zeigt, dass der Deal klappen könnte. Einen Preprint Server zu hosten ist so teuer nicht. Und wenn man keine weitergehende Ziele verfolgt wie schnelle Autos, schöne Frauen und Champagner dann bleiben die Kosten niedrig. Dadurch ist es nicht möglich, Academia.edu finanziell platt zu machen. Sondern man kann die Jungs aus Kalifornien nur dadurch schlagen, dass man besser die Bedürfnisse von Wissenschaftlern erkennt.

Meine Prognose lautet, dass Academia.edu auch in 10 Jahren noch nicht profitabel sein wird. Vermutlich wird die Anzahl der Angstellten klein sein, der erwirtschaftete Umsatz unbedeutend. Gleichzeitig dürfte jedoch wenn das Tempo so weitergeht, der Einfluss von Academia.edu steigen. Es wird zu einem dezentralen Wissenschaftsnetz heranwachsen, eine Art von Hub der Wissenschaftler weltweit miteinander connected. So eine Art von Youtube, nur eben für PDF Paper. Das ist jedoch keine Leistung die man Richard Price zuschreiben kann, sondern was er macht ist lediglich die Schwächen des jetzigen Systems auszunutzen. Wenn man versucht ohne Academia.edu etwas zu publizieren wird es richtig kompliziert und teuer. Und weil das jetzige System so nervig und altbacken ist, hat Academia.edu leichtes Spiel eine bessere Alternative anzubieten. Wirklich gut programmiert ist die verwendete Software nicht, die Webseite reagiert zäh, die Dokumentation ist nicht perfekt und es fehlt ganz allgemein die Professionalität. Aber dieses Mittelmaß ist bereits ausreichend. Wenn man einmal vergleicht wie man ein Paper bei Elsevier veröffentlicht und im Vergleich dazu bei Academia.edu es innerhalb von 1 Minute auf den Server schiebt, so könnte der Unterschied größer nicht sein. Wir haben auf der einen Seite einen umfangreichen Workflow der sich über Monate hinstreckt, das Stellen von Förderanträgen und Druckkostenzuschüsse beinhaltet und im Ergebnis bei einer Ablehnung des Manuscriptes sogar noch enttäuschend verläuft, während bei der Gegenseite ein simpler Klick auf einen Upload Button alles ist, was der Wissenschaftler machen muss.

Auch vor Academia.edu gab es schon eine rege Publikationstätigkeit. Jeden Tag erscheinen neue Paper überall auf der Welt. Der Unterschied ist nur, dass bis sie erscheinen sehr viel mehr Aufwand investiert wird. Das ist vergleichbar damit, als wenn man eine Manufaktor mit einer Fabrik vergleicht. In beiden Fällen kommt auf der anderen Seite etwas heraus.

WIKIPEDIA
Ein wenig erinnert der Aufsteig von Academia.edu an den Aufsteig von Wikipedia. Zur Erinnerung, als Wikipedia noch jung war gab es bereits etwas anderes was so ähnlich war: den Brockhaus. Er bestand aus gedruckten Bänden, und wurde von bezahlten Autoren gepflegt. Wikipedia hat das ganze übertragen in das digitale Zeitalter. Heute kann jeder dieses Wissen nutzen und daran mitarbeiten. Den Brockhaus gibt es nicht mehr. Warum Wikipedia so erfolgreich war, lag daran dass der Brockhaus schlichtweg keinen Sinn machte. Das Konzept einer gedruckten Enzyklopädie hat sich überlebt.

Ein Lexikon ist jedoch nur ein Medium unter vielen was in den Bibliotheken aufbewahrt wird. Meist steht es im Eingangsbereich weil viele darauf zugreifen, häufig in einem Extra-Regal. Nun gut, dank Wikipedia kann man dieses Regel jetzt leerräumen und eine simple DVD dorthin stellen. Es bleiben jedoch noch die zig Millionen anderer Bücher die auf klassische Weise benutzt werden. Im Grunde geht es erneut um die Frage ob der Weg ihres Entstehens womöglich zu kompliziert ist und ob man die Kosten nicht dramatisch reduzieren kann. Auf den ersten Blick klingt die Idee aberwitzig auf Buchverlage und Zeitschriften zu verzichten und stattdessen alles Online abzuwickeln. Aber genau daran wagt sich Academia.edu. Es geht darum, nachdem die Wikipedia sich erfolgreich etabliert hat, auch die übrige Bibliothek und damit das komplette Wissenschaftssystems ins Internet zu übertragen. Damit ist nicht gemeint, einfach nur die Bücher einzuscannen wie es Google Booksearch gemacht hat, sondern damit ist gemeint, den kompletten Workflow bis zum Entstehen von gedruckten Informationen zu rationalisieren. Academia.edu ist das Distellitat was übrigbleibt, wenn man alles überflüssige entfernt. Academia.edu ist eine Kriegserklärung gegen das tradionelle Publishing-System. Es geht um nichts geringeres als den Fortbestand der heute üblichen Bibliotheken.

Ich glaube, was Richard Price wirklich antreibt ist nicht Geld oder Macht. Was ihn motiviert ist die blanke Lust am Zerstören. Er will die Universitäten und die Bibliotheken brennen sehen. Das perfide an seinem Plan ist, dass man ihm nichts entgegensetzen kann. Weil ja Price nicht einfach Bücher klaut, sondern was er macht ist viel schlimmer: Er lacht die Bibliotheken aus.

Anfang 2012 hat Richard Price auf einer Party verkündigt, dass seine Plattform eine Million Nutzer hat. In 2017 spricht er von 50 Millionen registrierten Usern. Dazwischen lag ein Zeitraum von 5 Jahren. Offenbar ist das die Kennzahl die für Price neben der Anzahl der gehosteten Paper von Interesse ist. Die Frage ist, was gedenkt er mit all diesen Usern anzufangen. Will er ihre Daten verkaufen, will er ihnen Abos eines Premium Dienstes verkaufen, oder will er sie einfach nur als unbezahlte Schreiberlinge, die seinen Science-Hub mit Content füttern? Vermutlich von allem etwas. Ähnlich wie bei Youtube auch, ist das einzige womit er seine Nutzer entlohnen kann die Aufmerksamkeit. Bei Youtube lädt man etwas hoch, was dann von 10000 Leuten angeklickt wird, weil youtube eine maximale Reichweite besitzt.

Versuchen wir den Blick etwas zu erweitern. Wenn man bei Google Scholar sich nur jene Paper anzeigen lässt die bei Academia.edu gehostet sind, so steht aktuelle eine Trefferzahl von rund 1 Mio. Eine Eingrenzung auf Researchgate weißt eine stattliche Anzahl von 2 Mio Papern aus. Die überwiegende Anzahl dieser Paper dürften nicht exklusiv bei Academia.edu liegen sondern eine Kopie von einer Erstveröffentlichung die in einem anerkannten wissenschaftlichen Verlag erfolgte. Das ist so ähnlich, wie in der Anfangszeit von Wikipedia wo Leute alte DDR Lexika eingescannt haben und das dann bei Wikipedia als Content eingestellt haben.

Grenzt man den Suchhorizont ein, so werden für das Jahr 2017 nur 1000 Paper durch Google Scholar angezeigt die auf Academia.edu gehostet sind. Klickt man diese wahllos an, so handelt es sich auch hier um Kopien die bereits auf Plos One, Sciencedirect oder in anderen Zeitschriften erschienen sind. Andere Paper könnten wiederum woanders abelehnt worden sein, wurden aber zumindest von richtigen Wissenschaftlern erstellt.

Insgesamt kann man sagen, dass Academia.edu technisch gesehen funktioniert. Das jedoch gegenwertig die Plattform aus unterschiedlichen Gründen noch hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt. Rein theoretisch könnte man den kompletten Wissenschaftsbetrieb auf Academiea.edu switchen um damit klassische Zeitschriften zu umgehen. In der Praxis findet das jedoch nicht statt. Offenbar fühlen sich die Wissenschaftler, welche die Paper ja erstellen, noch zu wohl in ihrer angestammten Umgebung als dass sie aus diesen Strukturen auszubrechen gedenken.

Neuigkeiten in Sachen Academia.edu

Vor einiger Zeit hatte ich hier im Blog berichtet, dass ich bei Academia.edu einige Paper hochgeladen hatte um dem Wissenschaftsnetzwerk von Richard Price eine Chance zu geben. Passiert ist zunächst nicht sehr viel. Die Paper hatten im Schnitt eine Abrufzahl von 0 bis 20 (in der Summe wohlgemerkt, über 3 Monate hinweg), was aber deutlich mehr war, als normalerweise wissenschaftliche Dokumente an Klickrate erzielen. Und dann ganz plötzlich vor rund 1 Woche gab es dann eine interessante Begebenheit. Angefangen hat es damit, dass ein anderer Nutzer von Academia.edu eines meiner Paper wohlwollend kommentiert hat und wenig später die URL im Wikipedia Kurier https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia_Diskussion:Kurier auftauchte, wo dann mehrere Nutzer nacheinander einen kollektiven Verriss erstellt haben, https://www.academia.edu/30907454/Gebrauchsanleitung_f%C3%BCr_Wikipedia Soweit so gut, in Folge dessen ging natürlich der Counter hoch auf jetzt 160 Abrufe.

Nach meiner Analyse war das Interesse der Wikipedia Community weniger dem Paper als solchen geschuldet als vielmehr der Tatsache, dass damit eine Querverbindung zu Academia.edu erfolgte. Man sollte dazu wissen, dass Wikipedia und Academia.edu zwei sehr unterschiedliche Dinge sind. Wikipedia versteht sich bis heute als Bewahrer der traditionellen Bibliotheken und des klassischen akademischen Betriebes. Als guter Zitatationsstil wird gesehen, wenn man aus gedruckten Publikationen oder zumindest aus Papern des Springer Verlages zitiert, während Academia.edu angetreten ist, das Wissenschaftssystem der letzten 100 Jahre zu verändern und mit einem Online-only und OpenAccess-only zu arbeiten. Sowohl Academia.edu als auch Wikipedia.org sind wissenschaftlich ausgerichtet, dennoch gibt es zwischen beiden Communitys seltsamerweise wenig bis gar keine Berühungspunkte. Die Leute, die bei Wikipedia aktiv sind, rekrutieren sich klassischerweise aus dem Bereich Bibliotheken, Lehrerberufe und Journalistik, während bei Academia.edu Primärforschung von Phds und Doktoranden im Fokus steht.

An dieser komplementären Beziehung wird sich auch so schnell nichts ändern. Das heißt, es nicht möglich, Wikipedia mehr in Richtung Academia.edu auszurichten und umgekerht kann man Academia.edu nicht in zweites Wikipedia verwandeln. Jedes System besitzt ganz individuelle Vor- und Nachteile. Auch mir selber wurde erst klar, was Wikipedia eigentlich ist, nachdem ich mich bei Academia angemeldet habe.

Wikipedia wird von einigen zwar noch immer als Innovation gefeiert, doch tatsächlich gesehen gehört das Mitmachlexikon inzwischen zu den ältesten Internetangeboten überhaupt. Und speziell die englische Wikipedia hat weltweit eine Monopolstellung inne und ist praktisch unersetzlich. War zu Anfang noch die Frage ob Wikipedia mit traditionellen Lexikas wie dem Brockhaus konkurrieren kann so ist inzwischen diese Frage beantwortet. Academia.edu und ResearchGate hingegen sind sehr neue Erfindungen. Sie existieren erst seit kurzem und akzeptiert sind sie bis heute nicht. Die Mehrzahl der Profile bei Academia.edu besteht beispielsweise aus Fake-Accounts die gar nicht von den Wissenschaftlern selber erzeugt wurden, sondern von Bots und werden erst freigeschaltet, wenn sich die entsprechende Person dort anmeldet. Und wozu man Academia.edu wirklich brauchen kann, können derzeit nur wenige beantworten. Auf der anderen Seite haben diese Netzwerke jedoch schon heute den wissenschaftlichen Diskurs maßgeblich beeinflusst. Nicht direkt weil plötzlich alle nur noch da publizieren, sondern eher indirekt, weil viele Wissenschaftler ahnen, dass sie es könnten.

Der Wissenschaftsbetrieb bietet eine Möglichkeit das Wikipedia Lexikon in Frage zu stellen. Das heißt, man kann von außerhalb über das Lexikon diskutieren ohne bei Wikipedia Mitglied sein zu müssen. Dieser Diskurs ist nicht etwa falsch oder an der falschen Stelle, sondern er läuft auf einer anderen Ebene ab. Wikipedia ist einerseits ein Lexikon was man sich anzeigen lassen kann wenn man die URL im Browser eingibt, aber gleichzeitig ist Wikipedia auch Thema innerhalb der Geisteswissenschaften. Ähnlich wie über das Fernsehen kann man auch auch über Wikipedia diskutieren, sein Selbstverständnis hinterfragen, Nachteile aufzeigen sowie eine kulturelle Einordnung versuchen.

Rückblick auf 1 Monat Academia.edu

Vor gut einem Monat habe ich mich bei Academia.edu angemeldet und wollte nun über eine Erfahrung mit diesem Social Network für Wissenschaftler berichten. Zunächst die schlechte Nachricht: keines meiner hochgeladenen Paper ist über Google indiziert worden, auch in Google Scholar können sie nicht über die Suchmaske gefunden werden. Lediglich wenn man innerhalb von Academia.edu ein Stichwort eingibt gelangt man zu den Papern. Ebenfalls unmöglich ist es, von außerhalb das PDF herunterzuladen, will man an den Content gelangen muss man selbst ein Konto bei Academia.edu haben und dort dann auf „get pdf“ klicken.

Die gute Nachricht ist, dass in diesem einen Monat meine PDFs dennoch häufiger heruntergeladen wurden als früher, als ich die Paper einfach in mein wordpress-Blog online gestellt habe. Im eigenen Blog war die Abrufrate exakt 0. Jetzt bei Academia.edu haben zumindest 5 Leute das Paper schonmal angeschaut, wovon 2 sogar das vollständige PDF heruntergeladen haben. Für wissenschaftliche Dokumente ist das eine extrem hohe Abrufzahl.

Und es gibt noch eine gute Nachricht. Zumindest einen Follower habe ich jetzt. Offenbar hat das allein ausgereicht, damit jetzt nebem meinem Profil als Einblendung erscheint, dass ich zu den Top5% von Academia.edu gehören würde. Das kann jedoch nur ein Witz sein, angesichts von mageren 3 Papern die derzeit dort unter meinem Account liegen. Man muss also davon ausgehen, dass von den offiziellen 46 Millionen Usern die Academia.edu hat, lediglich 5% echte User sind was 2 Millionen wären. Immernoch ein stattlicher Wert.

Nach wie vor glaube ich, dass Academia.edu die derzeit beste Plattform für wissenschaftliches Publishing darstellt. Anders als Elsevier und Springer ist der Service kostenlos und anders als bei ResearchGate sind auch Geisteswissenschaftler willkommen und anders als bei Arxiv.org benötigt man keine Einladung von einem Universitätsangehörigen sondern kann ganznormal wie bei Facebook auch seinen Account einrichten und fertig. Derzeit ist Academia.edu noch weit davon entfernt unentbehrlich zu sein oder gar ein Must-have zu sein. viele dürften es nochnichtmal kennen und es gibt in der verwendeten Software noch einige technische Probleme. So wird manchmal in meinem Profil angezeigt, dass dort 8 Follower wären, obwohl es nur 1 Follower ist. Das ganze macht den Eindruck als ob es Ghost-Follower sind, die mal da sind oder mal nicht. Vermutlich sind es einfach nur Spam-Follower die Marketing-Informationen absaugen wollen. Aber egal. Bekanntlich ist das ja nichts ungewöhnliches im Facebook Zeitalter.

Leider gibt es noch einen größeren Kritikpunkt. Und zwar gibt es bei Academia.edu keine echte Community. Man findet dort zwar viele Wissenschaftler mit Profil und ihren Papern, aber mehr als auf den Followbutton kann man da nicht klicken. Und selbst dann ändert sich gar nichts. Der einzige Unterschied ist nur, dass man in der Newsliste dann sieht, wenn neue Paper hochgeladen werden. Wäre die interne Suchfunktion nicht so grottenschlecht, könnte man das auch so herausfinden. Insofern muss man ketzerisch anmerken, dass Academia.edu eigentlich nur ein slideshare.net in einem neuen Gewand ist. Anstatt PPT Dateien kann man dort PDF Dateien hochladen. Anderseits gab es sowas davor noch nicht. Wer sich ein wenig mit wissenschaftlichen Publizieren auskennt, wird wissen dass es viele Jahre nur Arxiv.org gab und sonst gar nicht. Und Arxiv ist einfach nur die absolute Katastrophe. Selbst für Informatiker die LaTeX mit der Muttermilch aufgesogen haben, ist die Anleitung wie man dort ein PDF hochlädt unzumutbar.

Das ist schon eine gewisse Ironie, dass es von 1993 (tim Berners Lee erfindet das WWW) bis 2008 (Academia.edu geht an den Start) gedauert hat, bis es eine Infrastruktur gibt, wo man wissenschaftliche Paper hochladen kann, die jeder lesen kann. Ich glaube das Problem war jahrelang, dass das Internet nur scheinbar einen wissenschaftlichen Background hatte. Zum Gründungsmythos gehört, dass tim-Berners Lee den wissenschaftlichen Austausch voranbringen wollte. Nur, vor Academia.edu gab es keine Webseite wo wissenschaftler ihre Paper hochladen konnten. Und ebenfalls zum Mythos gehört, das Mark Zuckerberg die Stundenten von Harvard vernetzen wollte. Eigentlich ist auch Facebook keine wissenschaftliche Community.

Draft Funktion in Academia.edu

Inzwischen habe ich mir die Draft Funktionalität etwas genauer angeschaut. Zunächst war es schwierig Autoren zu finden, die nicht nur Final-Versionen online gestellt hatten, sondern auch Drafts. Richard Price ist einer davon, aber auch wenige Autoren aus der Robotik haben explizite Drafts hochgeladen. Zunächst dachte ich, dass man diese Dateien dann kommentieren könne, doch leider geht das nicht. Wenn man das PDF aufruft sieht es aus wie ein normales Paper. Meine Vermutung lautet, dass man zuerst dem Autor folgen muss, und erst dadurch dann zu einer Draft Session eingeladen wird.

Aber: die Funktion scheint wohl noch sehr experimentell zu sein. Erstens, gibt es keine Suchfunktion um sich überhaupt Autoren anzeigen zu lassen, die Drafts anbieten (wo man sich dann entscheiden kann zu followen) und zum Zweiten gibt es im WWW auch noch keine Anleitung, dass jemand tatsächlich den Draft eines anderen bearbeitet hat.

Aber, nehmen wir mal an das ganze funktioniert irgendwann, dann könnten Drafts einmal dazu dienen ASEO zu betreiben, also „Academia Search Engine Optimiziation“. Nehmen wir mal an, jemand hat sich gerade neu bei Academia.edu angemeldet und möchte, dass seine Paper von anderen zitiert werden. Wie macht man dass? In der Blogosphäre empfehlen die SEO Leute dass man auf anderen Blogs kommentieren soll, in der Hoffnung, dass dann zurückkommentiert wird. Nehmen wir mal an, man sucht sich jetzt einen Draft eines externen Autors, ließt dort Korrektur und macht inhaltliche Anmerkungen. Dann ist ähnlich wie bei einem richtigen Blog die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das positiv zur Kenntnis genommen wird und zurückkommentiert wird oder sogar ein Verweis gesetzt wird. Voila, man erhält einen Backlink.

Wie gesagt, das ganze sind derzeit nur theoretische Überlegungen. Vermutlich ist den meisten nicht klar, dass man darüber die Leute motivieren kann zusammenzuarbeiten. Die Draft Funktion ist dabei eine Möglchkeit über den eigenen Account woanders einzugreifen. Wie ist der weitere Ablauf? Derzeit steht ein Paper von mir im Draft Modus. Ob es möglich ist, nachdem man auf Follow geklickt hat, dafür eine Anmerkung zu erstellen weiß ich nicht. Vermutlich muss man schon followen bevor das Paper hochgeladen wird, weil der Autor dann eine Einladung per E-Mail an seine Follower versenden kann, doch zu kommentieren. Das ganze ist etwas nebulös und man merkt deutlich, dass das ganze noch einem Beta-Stadium ist. Auch macht es keinen Sinn, die Draft Funktion nur für Follower zu öffnen, im Grunde würde es Sinn machen, wenn jeder Kommentare abgeben kann.

Ob es bei ResearchGate so eine Funktion gibt, weiß ich leider nicht. Irgendwas in diese Richtung habe ich gelesen, bin mir aber nicht sicher ob sich das nur auf die Diskussionen bezieht.

Update: Academia.edu

Heute geht es mal wieder um das neue Lieblingsspielzeug, Academia.edu. Zuerst entdeckt hatte ich das Portal am 6. Dez 2016 und habe dazu auch einen Blogartikel verfasst. Damals war ich einerseits enttäuscht von den sogenannten Science-Blogs (zu schlechte Qualität) aber auch von den richtigen Portalen wie Arxiv war ich nicht begeistert, weil man als Außenstehender keinen Zugang hatte. Dann hatte ich kurzerhand Academia.edu etwas näher in den Fokus genommen und mache damit jetzt die ersten Gehversuche. Das bemerkenswerte ist, dass für meine Verhältnisse die Abrufzahlen des dort hinterlegten Papers geradezu astronomisch sind. Laut der letzten Statistik haben das Paper https://www.academia.edu/30338530/Einf%C3%BChrung_in_die_Robotik schon mehr als 3 Person angeklickt. Die genauen Details sind in der Statistik enthalten wo bis auf die Stadt-Ebene aufgeschlüsselt ist, wer sich das angeschaut hat.

Und noch etwas habe ich entdeckt, es gibt eine sogenannte Draft Funktion die man beim Upload eines Papers anklicken kann. Damit ist es möglich für Außenstehende Anmerkungen zum Paper zu erstellen. Der Standardzeitraum für das Draft Paper https://www.academia.edu/30483528/Wissenschaftliches_Arbeiten_mit_Lyx beträgt 21 Tage, und nach einem ersten Eindruck geht das nur wenn man ebenfalls angemeldet ist. Im Normalfall ist es wohl so angedacht, dass die eigenen Follower das Paper kommentieren sollen, leider habe ich derzeit keinen Follower. Insofern ist es unwahrscheinlich dass innerhalb der 21 Tage Frist jemand dazu etwas schreibt. Aber zumindest technisch ist es wohl möglich.

Ein klein wenig drängt sich der Eindruck auf, dass Academia.edu die neue Ego-Maschine werden könnte, wo Wissenschaftler und solche die sich dafür halten, auf ihre Abrufstatistiken schauen und glauben sie wären die größten, nur weil jemand aus dem Ausland auf ihr Paper geklickt hat. Ob das tatsächlich passiert dürfte davon abhängen, wiehoch der Traffic auf der Plattform tatsächlich ist. Eine erste Recherche über Google Scholar hat jedenfalls gezeigt, dass mein Paper dort nicht verlinkt ist, unklar ob es generell nicht angezeigt wird oder nur mit Verzögerung. Und um ehrlich zu sein, habe ich keine Lust wie bei meinem Blog auch, jedes Paper einzeln als URL an Google zu submitten.

So das war erstmal genug in Sachen commercial preprint Server.