Bist du ein Blogger?

Über Blogger wird häufig gespottet, dass sie keine richtigen Journalisten wären und auch keine Ahnung hätten vom Schreiben. Doch die Wahrheit ist, dass die Messlatte um sich selbst Blogger zu nenen sehr hoch hängt. Eine typische Blogger-Konferenz wie die Republica sieht so aus, dass da VIPs im Supercar vorfahren und natürlich ein hübsches Model an ihrer Seite haben. Die sieht nicht nur super aus, sondern hat ihr eigenes Fashion Blog was mehr Traffic generiert als die Voque zu ihren Glanzzeiten. Auf der Konferenz selber geht es dann in diesem Rhythmus weiter. Da werden kleine Mahlzeiten gereicht und es werden Kontakte ausgetauscht. Irgendwo gibt es auch Türsteher aber die sind nicht nötig, weil ohnehin nur die eingeladen sind, die selber Blogger sind. Kurz gesagt, die Blogosphäre im Allgemeinen und WordPress im besonderen ist eine sehr exklusive Veranstaltung zu der nicht jeder Zutritt erhält. Ich selber bin leider kein Blogger, wäre aber gerne einer. Dann könnte ich mein eigenes Blog aufbauen, dort likes erhalten und mich mit anderen vernetzen. Leider ist genau das nicht möglich. Und natürlich liegt es an mir. An wem denn sonst? Mit der Blogger-Commununity ist jedenfalls alles in bester Ordnung, dort professionalisiert man sich von Jahr zu Jahr und die Partys verwandeln sich immer mehr in Richtung Medienereignis. Umso tragischer ist es, wenn die Hürden um dazuzugehören immer schwerer werden zu überwinden. Vor 10 Jahren war es noch relativ leicht sein eigenes Blog zu gründen, heute geht das nicht mehr. Klar, man kann sich die OpenSource WordPress Software auf seinem eigenen PC herunterladen und dann mit den Buttons herumspielen, aber Bloggen ist etwas etwas. Beim Bloggen geht es um Kommunikation, als das agieren in sozialen Räumen. Sowas kann man nur mit anderen gemeinsam machen. Dazu benötigt man aber eine Einladung von WordPress. Diese habe ich leider nicht.

Wenn man nur durch den Zaun zusieht wieviel Spaß die anderen haben ist das kein schönes Gefühl. Man spürrt, dass man abgeschnitten ist vom richtigen Leben, dass man etwas haben möchte, was man leider nicht bekommen wird. Ganz besonders schlimm wird es, wenn die Gegenseite einen das spüren lässt, sie also mit Absicht ganz dicht an den Zaun herankommt nur um einen anzulächeln. Gegen solche Spielchen ist man machtlos.

Trollheaven Magazin jetzt komplett online

Es ist vollbracht, die alten Ausgaben des Trollheaven Magazins stehen jetzt komplett unter der Kategorie Draft hier im Weblog online. Insgesamt waren es mehr als 30 MB an PDF Dateien die auf den Server hochgeschoben werden mussten. Wenn man die Ausgabe #1 mit der letzten Ausgabe vergleicht kann man sehen, dass das Format sich professionalisiert hat. Anfangs war das Trollheaven Magazin eine per LibreOffice zusammengebaute PDF Zeitschrift, die sich später mehr in Richtung wissenschaftliche Publikation entwickelt hat. Dazu beigetragen hat der Wechsel auf Lyx sowie die Verwendung von Bibtex-Datenbanken.

Über die zu erwartende Abrufzahlen mache ich mir keine Illusionen. Es dürfte insgesamt ein niedriger Wert werden. Vermutlich wird Google das PDF Format nochnichtmal indizieren, so dass es auch dann nicht gefunden wird, wenn man explizit danach sucht. Aber, mehr als das Paper unter einer URL Bereitstellen kann ich nicht tun. Der Rest ist dann Sache der Suchmaschinen und der potentiellen Leser.

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass das Trollheaven-Magazin inzwischen eingestellt ist. Die letzte Ausgabe ist im Dez 2016 unter der Nummer #18 erschienen. Danach werden nur noch Einzelartikel publiziert. Das heißt, das Zeitschriftenformat wurde aufgelöst zugunsten von Solo-Texten wie sie in der wissenschaftlichen Community üblich sind.

WordPress mag mich nicht

In letzter Zeit habe ich ein zunehmend ein ungutes Gefühl was meine Aktivitäten hier bei WordPress angeht. Das fängt damit an, dass ich mich neulich nicht einloggen konnte. Warum weiß ich nicht, vermutlich war es nur eine Fehlfunktion oder habe ich vielleicht selbst das Passwort falsch eingegeben? Oder aber WordPress ist gar nicht WordPress, sondern es hat sich ein anderes Fakeportal davor geschaltet um beim ersten Login meine Benutzerdaten abzugreifen um damit jetzt Quatsch anzustellen. Dabei habe ich immer nachgeschaut, ob in der Adresszeile vom Browser wirklich das https davor stand, so dass es eigentlich nicht sein kann.

Aber auch die WordPress Community bereitet mir zunehmend Sorge. Mein Eindruck ist, dass man nicht wirklich stolz darauf ist, Leute wie mich hier begrüßen zu dürfen. Auch auf Blogger Veranstaltungen wie der re:publica oder der letzten internationalen Fashion Blogger Konferenz hätte ich keine Einladung erhalten. Liegt es an mir, liegt es an meinen Blogpostings, keine Ahnung warum man hier so contra eingestellt ist. Und dabei hätte ich es mir so sehr gewünscht, ein Teil von WordPress zu werden, also Freundschaften zu pflegen, mit anderen Usern ins Gespräch zu kommen, sich zu verlinken usw. All das kann ich offenbar vergessen. Auf der WordPress Party ist eben nicht jeder willkommen. Dabei finde ich selber WordPress einfach nur großartig. Es ist das richtige Tool um im Internet aktiv zu sein und es wird millionenfach täglich genutzt.

Was sind die Ursachen für das Scheitern der Kommunikation? Ich glaube, die Interessen sind einfach zu unterschiedlich. Bei WordPress sind die meisten User an Fashion, Food und Livestyle interessiert, was mich selber nicht im geringsten interessiert. Meiner Meinung ist es reine Zeitverschwendung sich die neusten Ausgabe der Voque durchzublättern oder darüber nachzudenken, ob boyfriend Jeans mit Sneakern kombiniert werden können. Es gibt innerhalb von WordPress jedoch nicht wenige Leute, die sich genau für derartige Themen Interesse zeigen und folglich eine „Mode ist egal“ Haltung nicht goutieren. Aber das Hauptproblem ist wohl, dass mich WordPress nicht versteht. Wenn ich beispielsweise einen Blogpost schreibe über den RRT Algorithmus welcher innerhalb der Robotik sehr verbreitet ist, dann erkennt die WordPress-Community zwar, dass da ein neues Posting veröffentlicht wurde, aber um was es dabei geht versteht sie nicht. Die Community kann RRT nicht einordnen, sie denkt es wäre ein neues Damenparfum oder eine Kleidermarke, was jedoch nicht zutrifft. Auch hat RRT nichts mit dem Wecken von Emotionen oder mit Pfannkuchen zu tun, sondern es ist ein Thema aus der Informatik, genauer gesagt der Künstlichen Intelligenz und das ist in WordPress offenbar offtopic.

Jetzt könnte man natürlich frech nach einem Schuldigen suchen. Liegt es an mir, weil ich das Thema nicht allgemein verständlich aufbereite oder liegt es an der Gegenseite weil diese nicht offen genug ist? Natürlich liegt der Fehler immer bei mir. Das heißt, ich muss mich fragen ob ich WordPress richtig verstanden habe, ob das Thema jemanden interessiert. Und genau das muss ich verneinen. Ich habe WordPress nicht verstanden und RRT interessiert die Leute nicht. Und das bedeutet, dass mich WordPress nicht mag. Leider erzeugt das ein ungutes Gefühl besser bekannt als Traurigkeit über die Welt im Allgemeinen und Blogging Tools im Speziellen.

Alte Ausgaben des Trollheaven Magazins wiedergefunden

Beim Durchstöbern in alten Zip-Dateien ist mir aufgefallen, dass beim Wechseln vom alten auf das Neue Blog die alten Ausgaben des Trollheaven Magazins bisher hier im neuen blog noch nicht angekommen sind. Da es sich bei diesem Versuch der wissenschaftlichen Publikation inhaltlich um Robotik dreht, sind die dazugehörigen PDF Paper sicherlich aus archiverungsgründen wichtig, wenn sie online verfügbar sind. Ich habe mich daher entschlossen, schon behutsam die alten Ausgaben erneut hochzuladen. Es handelt sich dabei um Texte die schon etwas älter sind, beispielsweise vom September 2015. Damals hatte ich Lyx noch nicht entdeckt und musste mich durch durch die Untiefen von LibreOffice Writer kämpfen. Die gute Nachricht lautet, dass damit zumindest ein PDF als Ausgabeformat inkl. Bilder möglich war, allerdings gibt es keinen Zweispaltensatz und auch keine Literaturverzeichnisse. Erst in späteren Ausgaben des Trollheaven-Magazin habe ich dann auf Lyx gewechselt und bis heute daran festgehalten. Nicht nur, dass das Layout viel besser aussieht, auch das Erstellen selber ist deutlich leichter.

Inhaltlich geht es in den ersten Ausgaben überwiegend um DeepLearning. Damals habe ich noch viel mit Caffe und Lenet herumexperimentiert und wollte doch tatsächlich Bilderkennung damit betreiben. Aus heutiger Sicht war dieser Versuch zum Scheitern verurteilt, das wusste ich damals aber noch nicht. Insofern handelt es sich um eines der seltenen aber umso wichtigeren Beispiele für gescheiterte IT Projekte wo also im festen Glauben an das Gelingen ein Projekt begonnen wird, was sich später als Sackgasse herausstellt. Warum ich damals mit DeepLearning angefangen habe ist simpel: weil es alle gemacht haben. In jeder zweiten Publikation war davon die Rede und es wurde als Hoffnungsträger für alle Herausforderungen der Robotik angeprisen.

Rein zeitlich gesehen sind diese Fundstücke nicht älter als zwei Jahren, doch beim Durchlesen macht es den Anschein, als ob sehr viel mehr Zeit dazwischen liegt. So fremd klingt inzwischen der Text. Aber, er ist von mir, das habe ich tatsächlich vor langer Zeit einmal geschrieben. Fast schon lustig sind die Literaturangaben. Da gibt es noch nochnichtmal eine ordentliche Bibtex-Datei, stattdessen habe ich damals einfach die Quellen als Fußnoten formatiert und unter den Text gesetzt. Aus Sicht des wissenschaftlichen Schreibens eines absolutes Nogo, aber egal. Immerhin gibt es überhaupt Quellenangaben. Bis die ganzen Ausgaben hier im neuen Blog hochgeladen werden, dauert es etwas. Es sind relativ viele Ausgaben, für den Anfang gibt es nur die ersten 4 Monate, die anderen folgen später.

Das ganze ist jetzt etwas chaotisch, weil der neue WordPress URL permanentlink im Titel das Jahr 2917 ausweißt, obwohl das Paper schon in 2015 erstellt wurde, aber egal. Das ganze wird unter dem Stichwort Draft hier im blog zusammengefasst so dass man es schön nochmal anklicken kann. Die vermutete Abrufzahl dürfte weniger als 5 Visits betragen, aber egal. Speicherplatz ist umsonst und ob das PDF nun auf meiner Festplatte schlummert oder im Internet macht keinen Unterschied.

Sind Blogs die Antwort auf OpenAccess?

Ausgehend von OpenAccess wird von vielen Leuten darüber nachgedacht wie eine Infrastruktur zum wissenschaftlichen Publizieren aussehen könnte. Neben OpenAccess Zeitschriften wie PLOS sind auch „academic social networks“ wie Academia.edu und Zenodo im Gespräch. Auf letzterem kann man neben dem Paper auch Videos und Sourcecode hosten. Dabei ist die Antwort auf die Krise des wissenschaftlichen Publizierens sehr viel simpler. Weblogs sind die perfekte technische Infrastruktur. Anders als Diensteanbieter wie Academia.edu haben sie den Vorteil, dass man nicht von einem einzigen Anbieter abhängig ist, sondern man kann sowohl die Blogging-Software als auch den Hosting-Provider beliebig wählen. Dank Google sind die Volltexte durchsuchbar und man hat das komplette Angebot an Kommentar-Möglichkeiten. In Blogging-Systeme wie WordPress lassen sich sogar Videos, mp3 Podcasts und Sourcecode nahtlos einbinden. Theoretisch könnte man als eine Mischung betreiben, aus Code Repository, Podcast-Archiv, Vorlesungsmitschnitten und PDF Preprint Server. Im simpelsten Fall erstellt man in WordPress einfach jeweils eine Kategorie und ordnet dort die Postings zu. Fertig ist das Content-Management-System der Extraklasse.

Warum wird das so selten gemacht? Wiso wird stattdessen auf Zenodo oder ResearchGate nochmal das Rad neu erfunden? Die Antwort lautet, dass Weblogs und die zugrundeliegende Software zwar allgemein bekannt ist, sie aber auch unterschätzt werden. Weblogs gelten nicht als richtige Webseiten. Tatsächlich kann man sie jedoch als Basis des Internets bezeichnen. Der Grund dafür ist, dass sie aus Standard-Software bestehen die man auf Standard-Webservern aufsetzen kann. Einfacher geht es kaum. Alle anderen Dienste wie Repositorien, Social Networks, Foren usw. mögen im Einzelfall zwar besser auf die jeweilige Aufgabe zugeschnitten sein, haben aber hohe Einstiegshürden. Sie erfordern viel technisches Knowhow um Online zu gehen. Weblogs hingegen lassen sich zur Not auch von Einzelpersonen auf Heimrechner betreiben. Im einfachsten Fall reicht eine DSL Standleitung auf dem ein Apache läuft bereits aus, und das WordPress Blog ist weltweit sichtbar. Die Frage lautet daher: was ist falsch mit Blogs?

Natürlich ist mit Blogs gar nichts falsch. Sie werden nur zu selten genutzt. Sie bieten ein unglaubliches Potenzial, mit ihnen kann man Communities vernetzen, Content ins netz stellen und sogar Video-Daten verwalten. Nur, welcher Wissenschaftler hat sein eigenes Blog? Es sind nur wenige. Der Grund dürfte darin zu suchen sein, dass Blogs eine One-Man-Show sind. Es gibt einen Admin und der ist dann Mädchen für alles: Autor, Moderator der Kommentare sowie Layouter. Soetwas wie ein wissenschaftliches Team gibt es nicht. Aber das ist keienswegs etwas schlechtes. Ganz im Gegenteil sogar. Bevor man anderen sagt wohin die Reise geht, sollte man erstmal versuchen, mit sich selbst klarzukommen.

Wenn man sich aus WordPress ausloggt, wird von der Herstellerfirma Automatic immer ein netter Hinweis eingeblendet, dass mit WordPress 27% des gesammten Internets betrieben werden. In einem Forum wurde einmal diese Angabe als übertrieben entlarvt, angeblich wäre der Prozentsatz viel kleiner. Nach meiner Schätzung jedoch kommen die 27% ungefähr hin, das heißt, WordPress ist die Brot&Butter Infrastruktur des Internets. Egal ob für akademischen, kommerziellen oder privaten Content, Blogs sind überall verbreitet.

Das Erfolgsrezept ist schnell erklärt: wordpress und ähnliche Tools sind als Universalwerkzeug entwickelt worden. Das heißt, nicht auf eine bestimmte anwendung hin sondern mit dem Ziel Texte, Bilder und Dateien ins Netz zu stellen. Man kann WordPress ein wenig vergleichen mit dem HTML Standard, nur dass es eine konkrete Software ist und nicht nur die Spezifikation. Und weil eine Blogging-Software so universell zu verwenden ist, ist dessen Verbreitungsgrad auch so hoch.

Das schöne an WordPress ist, dass man es nicht genau definieren kann. Die einen verstehen darunter die PHP Software selber, die nächsten verstehen darunter die Blogging-Plattform wo man seine Site hosten kann, wieder andere subsummieren darunter Blogs ganz allemein und der nächste denkt, WordPress hätte etwas mit Katzenfotos zu tun. Falsch davon ist nichts, Fakt ist jedenfalls, dass sehr viele Dinge zusammenwirken bis die fertige Webseite angezeigt wird.

KRITIK
Obwohl Weblogs im Allgemeinen und WordPress im besonderen sehr nützlich sind, konnten sie jedoch ein Gebiet bis heute nicht erobern: das wissenschaftliche Publizieren. Woran das genau liegt ist unklar, aber offenbar besteht ein wissenschaftliches Paper aus mehr als das was WordPress zu bieten hat. Hauptelement des wissenschaftlichen Arbeits sind Literaturverweise. Nun möchte man glauben, dass dies für WordPress eine Kleingigkeit sind, weil URL Links ja von Anfang an verfügbar waren. Nur, es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen einer URL wie sie im Internet verwendet wird, und einer wissenschaftlichen Quelle. Manchmal haben die Quellen eine URL, manchmal aber auch nicht. Wissenschaft gab es bekanntlich schon, lange bevor Tim Berners Lee den ersten Webserver aufgesetzt hat und vieles was heute von Bedeutung ist, wurde in den 1950’er entwickelt. Wenn man jetzt seinen Fokus nur auf WordPress und das WWW einengt, gehen diese Dinge verloren. Ja man kann sogar die Dinge noch auf die Spitze treiben und behaupten, dass für das wissenschaftliches Arbeiten die Online-Verfügbarkeit nur eine geringe Bedeutung besitzt. Das meiste was im wissenschaftlichen Umfeld entsteht, verweist gar nicht auf Online-Quellen. Wenn in einem Gedruckten Buch tatsächlich einmal eine URL angegeben ist, so ist das die absolute Ausnahme. Die Online-Verfügbarkeit von Werken ist lediglich das Sahnehäubchen, dessen Fehlen wird nicht als Hinderniss betrachtet.

Ja ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass WordPress die falsche Infrastruktur darstellt, wenn man wissenschaftlich publizieren will. Man kann zwar rein theoretisch auch in einem Blog etwas veröffentlichen, aber mit Wissenschaft hat das nichts zu tun. Machen wir es etwas konkreter: im Kontext von WordPress spielt der Traffic eine große Rolle. Darüber entscheidet sich die Suchmaschinenplatzierung und darüber wird der Erlös durch Werbepartner defininiert. Nur, Geld verdienen und hoher Traffic ist unbedeutend für die Wissenschaft. Schon vor 100 Jahren war Wissenschaft nicht auf Gewinn angewiesen sondern zu allen Zeiten war die Finanzierung von staatlichen Mäzänen sichergestellt. Wissenschaft steht über den Dingen und ist befreit von einem schnöden Rechtfertigungsdruck.

WISSENSCHAFTLER SIND KEINE BLOGGER
Es ist aus technischer Sicht verführerisch, die wissenschaftliche Community unter dem Begriff „Blogging“ zu subsummieren. Denn wie Fashion und Food-Blogger auch stellen sie Content ins Netz. Eine PDF Datei ist üblicherweise kleiner als 1 MB groß und besteht aus maschinenlesbarem Code, es gibt also keine Notwendigkeit hier auf wissenschaftliches Blogging gesondert einzugehen. Ganz so leicht ist es in der Praxis jedoch nicht. Wissenschaft ist weitaus mehr als einfach nur der Upload von Dateien, üblicherweise handelt es sich um Biographien die damit verbunden sind, also die Einbindung in eine Schule, Hochschule und Postdoc Stelle. Und anders als bei WordPress kann man nicht nach 5 Minuten sein erstes Posting verfassen, sondern um eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben vergehen mitunter Jahre der Vorarbeit, wo man zunächst einmal die Sprache lernt, dann das Fach näher untersucht und zu guter Letzt sich mit einem konkreten Thema beschäftigt. Man kann diesen Prozess des lebenslangen Lernens und der Verknüpfung mit der individuellen Biographie als altmodisch und überholt bezeichnen, aber er ist nunmal da. Es gibt ihn tausendfach ja millionenfach und das kann man nicht einfach ignorieren und behaupten, dass eine PHP Software wie WordPress alles ist, was Wissenschaftler benötigen.

Schauen wir uns einige der Tools etwas näher an, mit denen Wissenschaftler Kontakt haben. Oft werden hier Referenz-Manager wie Endnote genannt, aber auch Textprogramme wie LaTeX. Vom technischen her kann man das alles durch WordPress ersetzen. Einen dezidierten Referenzmanager braucht man nicht, und seine Gliederung kann man auch Online schreiben. Nur, dem wissenschaftlichen Publikationsprozess wird man damit nicht gerecht. Es hat eben seinen Grund warum die Leute mit Endnote und ähnlichen Programmen arbeiten. Und das man eine wissenschaftliche Arbeit auf gänzlich andere Weise erstellen kann, wie das in den Ratgebern beschrieben steht, der Beweis steht bis heute aus.

Richtig ist, dass der Publikationsprozess in den Wissenschaften viel Spielraum für Verbesserung zulässt. Aber, man kann den Prozess als solchen nicht komplett als nutzlos ignorieren und alles ganz anders machen. Ich wage mal die These, dass auch in 50 Jahren noch wissenschaftliche Paper auf Quellenangaben aufgebaut sind und vielleicht sogar ein ähnliches Layout besitzen wie heutige Paper. Wenn man einmal zurückblick ins 18. Jahrhundert, so haben sich seit damals jedenfalls die Grundsätze nicht so stark verändert, als dass es heute eine fundamental andere Wissenschaft gäbe als früher.

ACADEMIC SOCIAL NETWORKS
Auf den ersten Blick bestehen „Academic social Networks“ aus einer technischen Infrastruktur. Manchmal wird auch eine Firma dahinter vermutet, die Geld verdienen will. Doch es geht um sehr viel mehr, als nur darum Informationen ins Internet zu stellen oder um Gewinne zu erwirtschaften. Um Academia.edu und ResearchGate richtig einzuschätzen muss man Ijad Madisch und anderen zuhören. Das ganze ist nicht so sehr eine Publikationsplattform, sondern primär handelt es sich um einen linguistischen Diskurs. Also eine bestimmte Form wie man über Dinge diskutiert. Das heißt konkret, dass man sich bei Academic Social Networks
gar nicht physisch anmelden muss oder Paper dort einstellen muss, sondern worum es geht ist bereits, wenn man Ijad Madisch nur zuhört. Also darüber nachdenkt, was er sagt. Ein wenig flappsig formuliert ist Madisch so eine Art von Motivationstrainer, eine Art von Jürgen Höller für Wissenschaftler, der den Leuten erzählt wie sie forschen und wie sie publizieren sollen. Man bezeichnen Madisch auch als Drill Instructor der ähnlich wie Detlef Soost die Leute anschreit, damit sie noch härter trainieren.

WordPress und die Geburtsstunde des Web 2.0

Häufig wird das Mitmachinternet Web 2.0 aus Nutzersicht thematisiert. Geschichtlich wird das Entstehen auf Anfang der 2000’er datiert, ab dem die User angefangen haben, eigene Inhalte ins Netz zu stellen und sich in Foren, Blogs und Wikis zu vernetzen. Die Wahrheit ist jedoch, dass am Web 2.0 die User eine unbedeutende Rolle gespielt haben und es entstand auch nicht durch die gestiegene Internet-affinität. Stattdessen ist das Web 2.0 technologiegetrieben. Seine Anfänge kann man auf die Blogging-Software WordPress zurückführen, welche ab 2004 in PHP erschien. Davor funktionierte das Erstellen einer Webseite sowie das Einpflegen von neuen Inhalten ungefähr so: Man hat sich auf seinem Rechner ein Linux System installiert, dort dann dann im Terminal den ftp Befehl eingegeben und sich mit der Gegenstelle vernetzt. Dann hat man eine .html Datei auf den Server hochgeladen. HTML ist ein Auszeichnungsformat was man mit Emacs im bearbeiten kann. Wie man vielleicht schon ahnt, war diese Prozedur nur von erfahrenen Informatikern ausführbar. Es war nicht so aufwendig wie C-Programmierung, aber es war vergleichbar mit der Bash-Administration.

Durch das Aufkommen von PHP Frontends, die allesamt auf SQL Datenbanken aufsetzten änderten sich diese Prozedur schlagartig. Auch Wikisysteme und Online-Foren sind nicht so sehr nutzergetriebene Kommunikationsmittel, sondern waren technische Innovationen. Wenn man dann noch die DSL-Flatrates mit hinzunimmt welche ab Anfang der 2000’er verfügbar waren, erhält man die Zutaten für das heutige Web 2.0. All diese Technologien haben dazu geführt, dass sich der Nutzerkreis dramatisch erhöht hat, und das man heute um sein Blog zu aktulisieren keine Bash-Befehle mehr beherschen muss. Rein theoretisch kann man wohl auch sein WordPress Blog von der command-shell aus aktualisieren, aber das müsste man bei Stackoverflow erstmal ergoogeln, so selten wird dieses Feature genutzt.

Das interessante an WordPress und ähnlicher Tools war, dass sie mehr und neue Probleme erzeugt haben. Um WordPress einzusetzen, benötigt man zwingend eine SQL-Datenbank auf dem Backend. Und diese wiederum benötigt zwingend einen leistungsfähigen Premium Web-Server sonst performt sie nicht schnell genug. Das heißt, durch WordPress bestand die Notwendigkeit die Hardware in den Rechenzentren aufzurüsten, und Caching Verfahren zu verwenden.

Erstaunlich spät wurde WordPress als ernstzunehmende Alternative zu FTP Servern entdeckt. Die ersten gedruckten Anleitungen auf Englisch erschienen ab 2007. Ein Heise Bericht aus 2008 liegt hier https://www.heise.de/ct/artikel/Von-Hausmannskost-zum-Galadiner-291604.html Erst ab 2010 war WordPress und Co wirklich akzeptiert von einer breiteren Nutzergemeinde. Zeitgleich mit dem Web 2.0 entstanden auch soziale Communitys wie Facebook bei dem das Content-Management-System selbst nicht mehr für die Enduser administrierbar war, sondern man lediglich einen Account bekam, und das Layout von dem Social Network fest voreingestellt war, die häufig auch noch als Moderator in Erscheinung traten. Spätestens ab da war das Web 2.0 im Mainstream angekommen.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf kann man leichter abschätzen wie das Web 3.0 einmal aussehen wird. Es wird keineswegs Nutzergetrieben sein, wo also die vorhandene Infrastruktur von einer breiteren Gruppe genutzt wird, sondern der Startschuss fällt durch neue Technologie. Also neue Software oder ähnliches. Derzeit kenne ich keine Software die man als Web 3.0 bezeichnen könne. Eine Zeitlang wurde innerhalb der Informatik ein Diskurs geführt über das Semantic Web was auf RDFs, Ontologien und Protege aufbaut. Doch bei Lichte betrachtet sind diese Features unter dem Stichwort XML heute bereits in Blogging Tools wie WordPress integriert und sorgen dort dafür, dass RSS Feeds aktualisiert werden.

Ode an den Pofocs Podcast

Von ungefähr 2007-2011 gab es im deutschsprachigen Internet den Pofacs Podcast. Der RSS Feed von damals ist noch auf podcast.de einsehbar, allerdings kann man die verlinkten MP3 Files nicht mehr herunterladen. Eine Anfrage an archive.org erbrachte, dass zwar die html-Seiten gesichert wurden, nicht jedoch die ursprünglichen mp3-Dateien. Vermutlich ist der einzige Weg doch noch an die alten Folgen zu gelangen Bittorrent zu verwenden, aber das ist weniger empfehlenswert. Blicken wir doch etwas auf die genauen Hintergründe warum das Projekt eingestellt wurde. Wenn ich mich recht entsinne, lief Pofacs relativ gut an. Man hat damals im 2 Wochen Rhytmus neue Folgen zu produziert zu interessanten Themen zu denen bisher noch kein Podcast erschienen ist. Irgendwann sind die Autoren auf die Idee gekommen, einen Premium Dienst einzurichten weil sie sich darüber Feedback aus der Community versprachen. Dieser blieb aus und so ist das Projekt irgendwann im Sande verlaufen und auch die alten Folgen wurden offline gestellt.

Um ehrlich zu sein, kann ich die Motivation des Pofacs Team gut nachvollziehen. Nach dem Motto: wenn schon der Traffic Counter nicht so hoch ausfällt wie erhofft und es auch kein Feedback gibt, dann ist es Zeit das ganze abzubrechen und verbrannte Erde zu hinterlassen. Die einzigen die dazu die Macht haben, sind die Autoren selber, sie können entscheiden ob die Folgen online sind oder nicht.

Aber, das Problem ist folgendes. Computerthemen sind generell immer mit einer niedrigen Abrufzahl und einer niedrigen Feedback Frequenz ausgestattet. Hätten die Macher damals kein Podcast über OS/2 oder BSD gemacht sondern über Mode oder Kochen berichtet, wären die Abrufzahlen explodiert und der Premium Bereich wäre mit hunderten ja tausenden Community Members geflutet geworden. Das Problem mit Nischenthemen aus dem Bereich Hacking ist, dass egal wieviel Mühe man sich gibt, sie immer nur extrem wenig Leute anziehen. Und wenn man dann den Podcast noch auf Deutsch macht, reduziert sich die Anzahl nochmal. Aber selbst auf English sind Computer/Hacker Themen per se nicht für großen Traffic bekannt. Hier https://tools.wmflabs.org/pageviews/?project=en.wikipedia.org&platform=all-access&agent=user&range=latest-20&pages=EComStation mal die Wikipedia Abrufzahlen für den englischen Artikel zu ecomstation. Wikipedia steht bei Google immer auf Platz 1, und English ist die Weltsprache die von fast jedem verstanden wird, dennoch liegt der tägliche Traffic bei unter 200 Visits. Und auf die Wikipedia Seite greift bereits jeder zu, der sich nur halbwegs für das Thema interessiert. Bei einem 2 Stunden Podcast ist die Abrufzahl weitaus niedriger.

Ich will damit sagen, dass das Beispiel Pofacs nicht etwa die Ausnahme ist, sondern das ist die Regel. Sobald man ein Thema in einem Podcast aufbereitet was sich um Informatik und dort mit sehr speziellen Bereichen beschäftigt muss man von einer extrem niedrigen Abrufzahl ausgehen. Wenn man dann noch die Sprache auf Deutsch einschränkt, dürfte sich der Traffic mindestens halbieren. Kurz gesagt, man muss damit rechnen, dass weniger als 100 Leute den Podcast runterladen (in absoluten Zahlen über mehrere Jahre hinweg) und das es entweder gar kein Feedback gibt, oder komplett wertloses Feedback zurückkommt. Der Grund ist, dass Computer ein sehr spezielles Thema ist, womit man keine Massen begeistert.

Wirklich etwas ändern kann man daran nicht. Selbst wenn man das Projekt in allen Portalen gleichzeitig promoted und die besten Gäste der Welt einlädt (was beim Pofacs Projekt der Fall war), dann interessiert sich das Internet überhaupt nicht dafür. Das als Folge die Autoren irgendwann gefrustet sind, und nicht nur keine weitere Folgen produzieren, sondern auch die alten offline stellen ist die logische Konsequenz.

Angenommen man würde eine Neuauflage versuchen, also einen Pofacs 2.0 produzieren. Diemal nicht mit alternativen Betriebssystemen, sondern mit irgendeinem anderen Thema wie z.B. Arduino Hacking. Es würde exakt das selbe wieder passieren: die Autoren geben sich viel Mühe, schneiden den Audiostream, produzieren relativ viel Content und an Rückmeldung aus der Community gibt es exakt gar nichts. Das Problem ist das selbe wie beim ursprünglichen Pofacs Projekt. Die Anzahl der Leute die sich überhaupt für Computer ist minimal und bei einem Spezialthema wie Arduino sinkt die Anzahl noch weiter. Weitere Hörergruppen verliert man durch die Sprache deutsch, und wenn man dann in der Folge 1 vielleicht noch nicht supertoll war, springen weitere Hörer ab. Kurz gesagt, man kann ungefähr abschätzen, dass die Zahl der Stammhörer sich irgendwo unterhalb von 10 wird einpendeln wovon die Hälfte ohnehin den Content erstellt hat.

SYSTEMHELDEN
Zu Pofacs gibt es einen innoffiziellen Nachfolger http://systemhelden.com Dort geht es ebenfalls um Nischenthemen wie OpenSolaris und ähnlich wie bei Pofacs ist wohl das Feedback aus der Community nicht so gut wie erhofft. Jedenfalls sind die ersten 30 Folgen schon nichtmehr online, erst ab Folge 31 steht das ganze als mp3 im Netz. Leider ist das Projekt inzwischen eingeschlafen, die letzte Folge erschien in 2014 und seitdem gar nichts mehr. Ähnlich wie Pofacs auch, war der Podcast inhatllich super, es waren die richtigen Leute am Mic und die Themen waren spannend. Nur die Anzahl der Zuhörer war zu niedrig. In diesem Zusammenhang sei an den Konkurs der renomierten Data Becker Verlagsbuchhandlung erinnert die mit einem sehr guten Sortiment aber mit schwachen Absatzzahlen zu kämpfen hatte. Das ist schon irgendwie tragisch, das ausgerechnet die guten zuerst aufgeben. Währenddessen Podcasts die inhaltlich um einiges schlechter sind (ohne jetzt hier Namen zu nennen) bei den Charts immer vorne mit dabei sind.