Experimente mit Remote Comments

Obwohl Weblogs eine sehr alte Erfindung sind, gibt es zu einem speziellen Thema erstaunlich wenig Informationen. Die Rede ist von Trackbacks. Wenn ich die Lage richtig einschätze, wurde das von den Blog-Vordenkern einmal sehr geschätzt geriet dann aber in Vergessenheit. Im Kern handelt es sich dabei um „Remote Comments“. Anders als normale Kommentare postet man diese in das eigene Blog und verlinkt zum Original-Beitrag. Wie man solche Remote Comments erstellt darüber gibt es nur wage und wiedersprüchliche Informationen. Ich habe selbst ein wenig herumprobiert und als Best-Practices hat sich herausgestellt, dass man über den WordPress-Editor einen URL Link einfügt zum Original-Posting und ergänzend noch den Blockquote nutzt um kurz anzudeuten worauf man sich bezieht. Weiterhin muss man in den Settings einstellen, dass sogeannte Pingbacks empfangen und gesendet werden. Wenn jetzt auch die Gegenseite für Remote Comments offen eingestellt ist, kann man darüber sehr leicht eine Vernetzung untereinander erzielen. Die Unterscheidung zwischen echten Remote Comments und Spam Remote Comments ist dabei die selbe wie auch zur Unterscheidung von normalen Kommentaren angewendet wird: es geht um inhaltliche Fragen.

Von der Verbreitung her würde ich schätzen, dass Remote Comments weniger als 1% der Kommentare ausmachen, also gänzlich unbekannt ist. Dennoch sollte man wissen, dass es diese Funktion gibt und was ihre Vorteile sind.

Aber auch sprachlich sind „Remote Comments“ etwas besonderes. Normalerweise schreibt man einen Blogpost immer mit einer Einleitung bzw. einem Anlauf um es dann zu einem richtigen Text aufzubauen. Wenn man hingegen sich auf einen OP bezieht ist dieser Anlauf entbehrlich, weil ja der Kontext schon bekannt ist. Ein Remote Comment funktioniert deshalb ein wenig anders als ein normaler Blogpost. Man hat den Eindruck, als fehlt da irgendwie die Einleitung. Das heißt, obwohl der Text gerade erst beginnt ist man schon mitten drin im Thema und argumentiert schon fleißig ohne dem Neu-Leser kurz zu erklären worum es eigentlich geht. Vermutlich ist das ein weiterer Grund, warum Remote Comments ein Schattendasein führen, weil genau dieser Sprachstil verwirrend ist.

Bei „Remote Comments“ hat man eher das Gefühl, als würde der eigene Text mit dem fremden Text verwoben sein. So ähnlich wie in einem postmodernen Schreibexperiment existieren die Textfragmente als Mosaic-Steine und der Sinn ergibt sich erst verzögert. Das heißt, der Leser muss anhand der Verlinkung erst herausfinden worum es ursprünglich einmal ging. Oder anders gesagt es wird unterstellt, dass der Leser bereits den Kontext kennt.

Gemeinschaftsblog erstellen mittels Trackback

Weblogs haben gegenüber Facebook einen grundsätzlichen Nachteil: es gibt weniger Interaktion innerhalb der Community. Während geschlossene soziale Netzwerk die einem Konzern gehören generell zwischen innen und außen unterscheiden, gibt es in der Blogosphäre keine geteilten gemeinsamen Werte. Jeder kämpft für sich allein, auch wenn viele die selbe Blogging-Software verwenden. Dadurch ist natürlich der Traffic geringer und die Bedeutung im Internet ingesamt kleiner. Um dem entgegebenzuwirken kann man die Kommentarfunktion nutzen. Das heißt, jemand der nicht Autor eines Postings ist, schreibt thematisch passend dazu eine Ergänzung.

Kommentare sind das häufigste Mittel des gegenseitigen Austausches, aber sie sind nicht die beste. Weil der Kommentar keine Vernetzung zu anderen Blogs sicherstellt. Die weitaus bessere Methode besteht in der Verwendung von Trackbacks, das heißt, man postet den Kommentar nicht unter einen Artikel sondern legt ihn in sein eigenes Blog und verlinkt lediglich auf den OP. Jetzt passiert folgendes: im Regelfall erfährt das ursprüngliche Blog dass der Kommentar erstellt wurde. Es gibt dafür Funktionen des Pingback, Trackbacks usw. Wie diese Informationen weiterverarbeitet werden hängt von den Umständen ab. Manchmal passiert gar nichts, manchmal wird ein Gegenkommentar erstellt aber in jedem Fall ist die Verlinking erstmal da. Sie wird von Suchmachinen analyisiert und führt zu Vernetzung.

Der Aufwand um Trackbacks zu erzeugen ist minimal, man muss nichts weiter tun als fleißig die Blogpostings von anderen Kommentieren, nutzt dafür aber den Bereich des eigenen Blogs. Der Vorteil eines solchen Trackback-Kommentars besteht darin, dass man sich nicht mit den Kommentarfunktionen externer Blogs und dessen Moderation herumschlagen muss. Die Problematik ist, dass manchmal Kommentare generell nicht möglich sind, sie in einer Warteschlange landen oder sich erst aufwendig registrieren muss. Und wirklich etwas dagegen unternehmen kann man nicht, weil jeder Blogadmin ja seine Seite so einrichtet, wie es ihm angenehm ist. Aber heißt dass, dass man auch als Leser verzichten muss einen Kommentar zu schreiben?

Trackback-Kommentare haben noch einen weiteren Vorteil, und zwar gelingt mit ihnen die internationale Vernetzung besser. Mal ein Beispiel: angenommen man hat ein englischsprachiges Weblog was einen interessanten Aspekt beleuchtet und möchte dort etwas kommentarieren. Ein kurzer Blick auf die existierenden Kommentare zeigt, dass die erwünschte Sprache vorgegeben ist, soll man jetzt anfangen dort mit seiner deutschen Muttersprache zu argumentieren? Lieber nicht, das wäre zwar nicht direkt Spam wird aber nicht so gerne gesehen. Besser ist es, wenn man den Kommentar in sein eigenes Blog legt und zum OP nur den Link setzt. Jetzt kann der Admin des ursprünglichen Blogs selber entscheiden ob das ein relevanter Beitrag war oder nicht. Anstatt also die Kommentarspalten von Weblogs zuzuspammen sollte man lieber sein eigenes Blog befüllen.

Ein Risiko gibt es natürlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kommenatar gelesen wird und jemand darauf antwortet ist deutlich reduziert. Vermutlich wird sich überhaupt keine Folgediskussion ergeben. Das ist der Preis, den man zahlen muss.

Hier http://scienceblogs.com/ gibt es ein schönes Science-Blogs auf Englisch. Ihr gemeinsamer Vorteil ist wie nicht anders zu erwarten, dass sie eine weltweite Reichweite besitzen. Nehmen wir mal an, man schreibt fleißig Trackback-Kommentare in sein eigenes Blog und zwar auf Deutsch, was ist die Folge? Nun die Folge ist, dass das eigene Blog sich plötzlich mit den internationalen Blogs vernetzt. Das heißt, wenn ein Leser die Kommenantare zufällig entdeckt wird er eventuell zu den verlinkten Blogs weiterklicken. Und er wird sagen, hey hier wird ja auf internationale Blogs verlinkt, das ist ja interessant. Das heißt, der Wert des eigenen Blogs steigt dadurch an.

Ein Plädoyer für wissenschaftliches Bloggen

Aus Sicht des wissenschaftlichen Publizieren sind Blogs ein Nogo. Sie sind Bestandteil des normalen HTML-Internets und damit nicht zitierfähig. Als wissenschaftliches Arbeiten gelten nur Publikationen wie Dissertationen, OpenAccess Zeitschriften, normale Zeitschriften und Konferenzbände. Nachwuchswissenschaftlern wird häufig empfohlen über Gold OpenAccess zu publizieren, also das Manuscript an ein anerkanntes Journal zu senden wie z.B. Elsevier. Aber ist das wirklich die beste Methode in der Wissenschaftskommunikation? Mit Gold OpenAccess gibt es zahlreiche Probleme. Eines davon ist die Zeitverzögerung, ein weiteres sind die hohen Gebühren, aber was wohl am meisten schmerzt ist dass man sich mit in einem Umfeld befindet was alles anderes als zukunftsfähig ist. Schauen wir uns dochmal inhaltliche einige Fächer an, die in wissenschaftlichen Zeitschriften vertreten sind: Mathematik und Robotik. Beide Fächer bezeichnen sich selber als Wissenschaftlich wertvoll. Doch in Wahrheit sind die veröffentlichten Paper alles andere als bahnbrechend oder innovativ. Unter dem Stichwort „Mathematik“ wird im Regelfall keine Mathematik unterrichtet sondern nur die Didaktik der Mathematik welche inhaltlich im 17. Jahrhundert stehengeblieben ist, und was in Fachzeitschriften als Robotik veröffentlicht wird ist entweder komplett gefaked weil der vorgestellte noch nie in einem Roboterwettbewerb teilgenommen hat, oder es sind philosophische Betrachtungen darüber was Roboter alles können müssen. In beiden Fällen gibt es umfassende Literaturverweise, mathematische Formeln und ein Peer-Review aber defakto sind es nichts anderes als ausgedachte Geschichte ohne wissenschaftliche Relevanz.

Kurz gsagt, das wissenschaftliche Publikationssystem in seiner heutigen Form überschätzt sich selber. Es kann die formulierten Ansprüche selbst nicht einlösen will aber derjenige sein, der definiert dass man Blogs nicht zitieren darf. Das ist einfach nur lächerlich und inkompetent zugleich.

Auch die innovativste Form des wissenschaftlichen Publizieren, die „academic social networks“ wie ResearchGate und Academia.edu treten mit dem überheblichen Anspruch auf, die Forschung revolutionieren zu wollen. Tatsächlich liegen auf dem ResearchGate Server nur die selben Paper, die vor 5 Jahren bei PLOS eingereicht wurden, und irgendwelche tiefgehenden Diskussionsforen gibt es bei ResearchGate auch nicht.

BLOGS
Schauen wir uns im Gegensatz dazu einmal die Blogosphäre an. Der wichtigste Unterschied besteht darin, dass man sich selbst nicht als Wissenschaft bezeichnet sondern den Unterhaltungsaspekt betont. Die bekanntesten Blogs haben etwas mit Katzenfotos, Modofotos, Beauty-Ratgebern und Buchrenzensionen zu tun. Das heißt, Wissenschaft wird nicht benötigt oder kommt nur am Rande vor. Dennoch ist es möglich, einen sogenannten Wissenschaftsblog zu starten. Also die vorhandene Infrastruktur zu nutzen um über ernsthafte Dinge wie Mathematik, Kunst und Philosophie zu berichten. Und das wird erstaunlich häufig auch getan. Ein blog geht anders als eine richtige wissenschaftliche Veröffentlichung mit weniger Ehrgeiz an die Sache heran. Auch wenn überhaupt keine Literatur zitiert wird und der Blogpost nichts neues enthält wird er online gestellt. Wichtiger sind stattdessen Dinge wie eine aktivierte Kommentarfunktion, oder das einbetten von Videos.

Die richtige Wissenschaft wie sie in der Einleitung beschrieben wurde, überschätzt sich selbst und sie wird auch überschätzt. Bei Blogs ist es genau umgedreht. Häufig glaubt man, dass Blogs keine wichtigen Dinge behandeln weil sie so harmlos aussehen. Doch man kann aus Blogs so einiges heraushohlen. Ja ich würde sogar sagen, dass sie das bessere Medium sind um einen Wissenschaftlichen Diskurs zu starten. Wichtigstes Merkmal ist, dass die Fallhöhe geringer ist. Bei einem Blog geht bereits der Leser davon aus, dass der Autor keine Ahnung hat. Denn hätte er sie, würde er nicht bloggen sondern würde an einer Hochschule unterrichten. Aber diese lockere Herangewehensweise eröffnet neue Perspektiven auf das Thema was man erläutert. Das Scheitern mit Blogs ist fast unmöglich, im schlimsmten Fall hat man einen Text geschrieben den keinen interessiert.

Manchmal ist auch die Rede von Science Blog Networks, wo unter einem Dach mehrere Blogger aktiv sind. Doch die wichtigste Vernetzung an der man mitmachen sind in der Praxis ganz normale Blogs die sich gegenseitig verlinken. Das heißt, wenn man bei sich einen Link zu einem anderen Blog einbaut ist man bereits Teil der Community. Es gibt im Internet regelrechte Anleitungen dafür, wie man die Verlinkung zu anderen Blogs optimiert.

Eine gute Methode um ein Wissenschaftsblog zu identifzieren ist es Google zu fragen „site:wordpress.com stichwort“. Gute Allgemein-Wissenschaftsblogs sind aktuell:
http://scienceblogs.de/
http://archivalia.hypotheses.org/

Um sein eigenes Blog mit einem fremden Blog interagieren zu lassen gibt es einmal die Möglichkeit einen Kommentar zu schreiben. Das heißt, so wie alle anderen auch scrollt man bis ans Ende der Kommentarliste und schreibt dort hinein, was man von dem OP hält und wo der Autor einen Fehler gemacht hat. Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass man den Kommentar in sein eigenes Blog postet und einen Link zum OP einfügt. Dies wird relativ selten gemacht, macht aber Sinn, wenn man längere Kommentare schreiben möchte.

Ein Problem was besonders in der deutschsprachigen Blogosphäre akut ist, ist eine generelle Technikphobie. Die großen bekannten Wissenschaftsblog sind im Regelfall in den Geisteswissenschaften angesiedelt. Entweder beschäftigt man sich mit Philosophie oder mit Geschichte des Mittelalter. Während neuere Wissenschaften und insbesondere Computerwissenschaften überhaupt nicht vertreten sind. Selbst wenn man Google sehr lange und intensiv mit der obigen Methode um Rat fragt.

Was man jedoch alternativ machen kann ist Ausschau zu halten nach sogenannten Hardware-Elektronik-Blogs wovon es eine stattliche Anzahl gibt. Meist sind es Privatleute die sich einen 3D Drucker gekauft haben oder mit Arduino herumspielen. Kernthema dieser blogs ist die real existierende Hardware mit der dann herumgebastelt wird. Ein Beispiel dafür ist:

https://roboshack.wordpress.com/
https://www.heise.de/

Die Traffic-Formel

Ganze Heerscharen von SEO Experten haben sich schon an dem Thema versucht, das Entstehen von Traffic zu erläutern und Tipps abzuleiten wie man den Traffic auf das eigene Blog umleiten kann. Immer mit der Idee im Hinterkopf darüber die Klickwahrscheinlichkeit auf Bannerwerbung zu erhöhen. Häufig kommt Kritik an diesem Unterfangen nur von einer Seite, nämlich von Leuten die SEO im Internet generell ablehnen. Man kann das Thema jedoch auch von einer wissenschaftlichen Seite untersuchen und zunächst einmal festhalten, dass das Ziel der Trafficmaximierung legitim ist und im Detail zu klären, wie die Formel lautet um diesen zu erhöhen. Das soll im folgenden erläutert werden.

Die Trafficformel lautet: Topthema + Tobwebseite + modische Frauen = maximaler Traffic.

Zu den Detail: Generell ist das Interesse von Menschen nach Kategorien unterteilt. Ein Thema wie Mode interessiert mehr Menschen als ein Thema wie LaTeX. Ebenfalls ist die Aufmerksamkeit der Besucher auf die Webseite fokussiert, mit einem privaten WordPress-Blog erreicht man weniger Leute, als mit einer großen internationalen Webseite. Und zu guter letzt haben Blogposts in denen das weibliche Geschlecht abgebildet sind sehr viel mehr Visits als Postings ohne Fotos oder mit technischen Zeichnungen.

Wer an einer Trafficmaximierung interessiert ist und an sonst gar nichts, muss ein Posting auf einer großen Webseite unterbringen, inhaltlich etwas über Kochen oder Mode schreiben, das ganze anreichern mit Fotos von schönen Menschen und dann noch ein wenig Aufwand in den Text stecken (Rechtschreibung, Grammatik, Sprache) und schon ist der höchstmögliche Traffic garantiert. Die Anzahl der Visits wird oberhalb von 1000 liegen (am Tag) und die Kommentare werden länger und länger.

Traffic ist also etwas sehr einfaches was sich gut planen lässt. Auf der anderen Seite verliert es dadurch an Attraktivität. Wenn es so leicht ist, die Massen auf sich zu ziehen stellt sich die Frage nach alternativen Bewertungsmaßstäben. Denn Fakt ist eines: High-Traffic-Websites sehen alle gleich aus. Sie sind auf die obige Formel hin optimiert, und wer das interessant findet, bitteschön. Aber womöglich gibt es im Leben noch mehr außer Aufmerksamkeit? Und in der Tat, die eigentliche Frage ist nicht, womit man die Massen zufriedenstellt sondern wie ein Blogposting aussieht wenn der Traffic-Counter egal ist. Diese Frage zu beantworten ist weitaus schwieriger, weil nicht klar ist was „gut“ in diesem Kontext bedeutet. Qualitativ hochwertige Artikel zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht Mainstream-Kompatibel sind, wo es also nicht um Kochen geht, wo keine Topseite verwendet wurde, und wo überhaupt keine Fotos eingesetzt werden als Eyecatcher. Derartige Informationen sind extrem schwer zu erstellen und zu finden. Und zwar deshalb weil man die Webseiten eben nicht nach ihrem Pagerank klassifizieren kann sondern zunächst einmal wissen muss wonach man eigentlich sucht.

Der Begriff „Traffic“ ist ein Bewertungsmaßstab. Gemessen wird die Aufrufwahrscheinlichkeit die im Internet entsteht wenn viele Personen auf eine Information zugreifen. Diese zahl lässt sich anhand der Server-Logfiles ermitteln. Es ist vergleichbar mit der Anzahl der Personen die ein Fußballspiel besuchen. Umso mehr umso besser. Obwohl häufig so getan wird, als hätte Trafficmaximierung etwas mit Alchemie zu tun ist genau das nicht der Fall. Im Gegenteil, man kann den Absoluten Traffic bis auf die Nachkommastellen ermitteln und man kann vorhersagen wie hoch er sein wird. Ja man kann sogar sagen, wie er entsteht und wie man ihn maximiert. Genau gesagt ist Traffic also das am besten erforschte Phänomen im Internet. Das einzige was unerforscht ist, ist alles was nichts mit Traffic zu tun hat. Also wo auf niedrig frequentierten Webseiten hochqualitativer Content liegt, den es zu entdecken gilt. Solche Seiten zu finden und zu erstellen ist die eigentliche Geheimwissenschaft. Hierzu gibt es keine Formel, keine Untersuchungen und auch keine Tipps. Nur eines ist sicher: derartige Webseiten sind nicht identisch mit den Webseiten die einen hohen Traffic haben. Es sind außenseiter Seiten.

Blogging ist die Zukunft

Blogging hat einen zweifelhaften Ruf. Das könne ja jeder und überhaupt ist WordPress anfällig für SQL-Injections. Schaut man sich jedoch einmal an, was die Vorteile von Blogging sind so lässt sagen, dass das Potenzial dieser Technologie noch gar nicht ausgenutzt wurde. Das heißt, die meisten dürften wissen, um was es sich handelt, aber im Grunde nutzen sie es nicht.

Der Hauptvorteil von Blogging besteht darin, dass man damit in kurzer Zeit viel Content erzeugen kann. Ein System wie WordPress wurde dafür erfunden um mit wenig Manpower viele Beiträge zu schreiben. In diesem Blog hier befinden sich aktuell bereits 299 Postings. Wie die da alle hineingelangt sind ist ein Wunder. Eigentlich habe ich nur ein paar mal mit dem Anmeldebutton gespielt und schon war der Content von alleine da. Gerade heute konnte ich wieder eine Funktion namens Tagcloud entdecken. Man kann darüber Schlagworte auf die Postings setzen so dass sich automatisch eine Gliederung erzeugt.

Insgesamt sind Blogs eine Revolution von unten. Das System funktioniert nach viraler als ein Textprogramm wie Lyx von dem viele bereits sagen, es wäre leicht zu bedienen. Doch WordPress und Co setzen noch eines drauf. Es ist einerseits eine Software die in einem Browser läuft, gleichzeitig aber auch eine Webseite die man anzeigen kann. Insofern ist es kein Wunder, dass neue Blogs wie Pilze aus dem Boden schießen, ohne dass sie irgendwer beantragt hätte.

Schauen wir uns dochmal an wie Blogging im Detail funktionert. Kernbestandteil von WordPress und ähnlichen Tools ist es, dass sie sich einer kommunikationstheoretischen Analyse widersetzen. Es reicht nicht aus einen Mediendiskurs zu führen oder Blogger nach soziographischen Merkmalen einzuordnen, sondern Blogging ist primär eine technische Infrastruktur, d.h. es gibt eine Webserver der CGI-Scripte ausführt, eine SQL Datenbank und ein HTML basierendes Frontend. Was dann mit dieser Technologie konkret passiert bleibt bewusst offen. Man kann Blogs als Kommunikationsmittel nutzen, man kann es aber auch nutzen um ein Online-Tagebuch zu führen, eine Zeitschrift zu imitieren oder neuerdings sogar um Wissenschaft zu organisieren. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass nach dem Drücken auf den Update Knopf der Content unmittelbar online geschaltet ist, ohne Redaktion, ohne Buchdruck ja sogar ohne FTP-Programm was die HTML Seite auf den Server lädt wie es in der Anfangszeit des Internets üblich war.

Erstaunlich an der Bloggosphäre ist wie schnell sie neue Technologien adaptieren. Ich glaube, WordPress waren die ersten die es ermöglicht haben Youtube Videos einzubinden. Ebenfalls zu nennen sind RSS Feeds, die Kommentarfunktion, Backlinks, Trafficauswertungen oder der Followbutton. Aber der größte Vorteil von Weblogs ist, dass sie so unglaublich billig sind. Es ist sehr leicht möglich ein neues Blog zu gründen, ein bestehendes zu löschen und Hoster können mit einem Mausklick sogar 1000 Weblogs auf einmal einrichten. Sowas geht mit klassischen Zeitschriften nicht.

Vorerst keine Löschorgie

Eigentlich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, jeweils den Blogpost mit dem höchsten Traffic in den Papierkorb zu befördern. Bei näherer Betrachtung ist das jedoch Unsinn. Im Grunde geht es nicht darum, den Traffic hier zu steuern sondern es geht darum ihn vorherzusagen. Aber mehr noch, einen älteren Artikel der schon gelöscht war habe ich wiederhergestellt (7d Hologram). Dank der WordPress-Admin-Oberfläche war das mittels Mausklick möglich. Weil die Beiträge ja nicht wirklich weg sind, sondern nur im Ordner Papierkorb landen. Also liebe Welt da draußen, klickt an was ihr wollt, es ist egal. Was ich tun kann ist zu folgern, dass offenbar Artikel die sich mit ArchLinux oder mit Holographie beschäftigen höhere Klickzahlen erzielen, als welche in denen Finite State Machines oder Roboter thematisiert werden.

Warum mir Blog-Traffic egal ist

Früher hatte ich mal den Ehrgeiz den Traffic hier im Blog zu erhöhen. Denn wer möchte nicht, dass möglichst viele Leute die eigenen Texte lesen, sie liken und weiterempfehlen? Richtig, jeder strebt das an. Wie glaubhaft ist da die Aussage, dass der Traffic egal ist und es keine Rolle spielt ob ein Artikel 2x oder 2000x angeklickt wird. Um die Sache etwas einzugrenzen lohnt es zunächst einmal zu definieren wie man hohen Traffic erzeugt. Eigentlich ist die Sache simpel. Wenn man als einziges Ziel hat eine möglichst große Reichweite zu erzielen muss man als Blogger folgendes tun. Zunächst einmal das eigene Blog stilllegen, weil es im Google Ranking ohnehin nicht auf den vordersten Plätzen erscheint, selbst wenn dort der weltweit beste Content drinsteht. Stattdessen legt man sich bei Wikipedia ein Konto an, sucht über das interne Statistik-Tool jene Artikel die 10000 und mehr Visists am Tag haben, ließt das inhaltlich durch, recherchiert ein wenig, baut den Artikel massiv aus und voila: der eigene Text steht bei Google auf Platz 1, wird hundertausendfach im Jahr aufgerufen und man kann sich stolz auf die Schulter klopfen. Wirklich schwer einen dieser High-Traffic Artikel bei Wikipedia zu verbessern ist es eigentlich nicht, im Grunde kann das jeder machen.

Nur, es gibt damit ein Problem. Und zwar bringt das einen nicht weiter. Klar, ich könnte mir den Microsoft Artikel schnappen welcher derzeit 1000 Aufrufe am Tag hat, den Artikel umfangreich aufhübschen und damit dann prahlen. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen, pro Jahr wird der Text rund 365000x aufgerufen, das ist richtig viel Traffic. Das ist so als wenn man zu mehreren Fußballstadien gleichzeitig spricht. Und zu glauben, als Neuling würden die Änderungen an so einem Top-Artikel gleich gelöscht stimmt so nicht. Selbst wenn man nur mittelmäßigen Content bei Wikipedia einpflegt bleibt der bestehen, weil man dort froh ist überhaupt Autoren an sich zu binden.

Die Frage ist jedoch, ob das einen selber weiterbringt. Ich zum Beispiel interessiere mich nicht für Microsoft und noch weniger für das was in dem Wikipedia-Artikel dazu drinsteht. Und die abstrakte Abrufzahl die mein Text dort erreichen würde interessiert mich nicht im geringsten. Was mich jedoch interessiert ist Künstliche Intelligenz und dieses Blog hier. Das liegt mir am Herzen. Dort ist zwar der Traffic unterirdisch niedrig aber das ist mir die Sache wert. Ich meine, primär schreibe ich den Content für mich und wenn es noch 2 andere Leute gut finden umso besser.

Ich glaube inzwischen dass der Traffic durch zwei Dinge beeinflusst wird. Einmal die Webseite wo man veröffentlicht und zum Zweiten ob man ein Mainstream-Thema behandelt oder nicht. Anders gesagt, wenn man eine maximale Reichweite will muss man nichts weiter tun als sich ein Mainstream Medium suchen und dort einen Mainstream-Artikel hinterlegen und schon kann man stolz mehrere Hunderttausend Leser begrüßen. Wenn man hingegen ein Nischenthema wählt und in einem privaten Blog veröffentlicht dann steht schon vorher fest, dass die Abrufzahl nicht höher sein wird als 10 Visits am Tag.

Um ehrlich zu sein weiß ich also durchaus, wie man den Traffic erhöhen könnte, nur habe ich keine Lust Kompromisse einzugehen. Wer schonmal bei Wikipedia etwas veröffentlicht hat wird wissen wovon ich spreche, es gibt da allerhand Konventionen zu beachten. Und wer schonmal für ein Mainstreampublikum geschrieben wird ebenfalls wissen, dass man inhaltliche Einschränkungen beachten muss. Kurz gesagt, es ist nicht möglich ein Thema wie Robotik so aufzubreiten dass es möglichst viele liken. Man kann es zwar versuchen und vielleicht erzielt man auch eine hohe Reichweite damit, aber das sind dann jene Blogpostings die komplett ohne Aussage sind. Wo also Edutainment vermittelt wird, nicht jedoch echte Wissenschaft das Ziel ist.

Hoher Traffic ist nur ein Ziel unter vielen was man mit seinen Texten anstreben kann. Ja es ist durchaus möglich, das als einziges Ziel anzustreben, muss dann aber bei allen anderen Zielen Abstriche machen.